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Full text of "Die Rede des Demosthenes peri Parapresbiais"

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♦ Die Rede des Demosthenes 



IIEPI IIAPAIIPE2BEIA2 



voo 



Dr. pM. Otto Gilbert, 

Sekrotair der Königlichen Universitttis-Bibliothek 7.11 Qöitingcii. 



--BEELIN, 

Weidmannsche Buchhandlung. 

1873.- 



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^ct,<j i'.:^-^^ 



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IIHALT. 



Stand der Frage, Ziel der Uotersuchung. S. 1.2. 
§. 1 — 3 nQooifiiov, S. 2 — 4. 
§. 4 — 8 TiQOxaraaxivii. S. 4—8. 
§. 9 — 16 nQoxataataffiS' S. 9. 10. 
§. 17 — 71 erste xaraaxtvii, S. 10 — 16. 
§. 72— 97 erste aya<jx«i/ij. S. 17—22. 
§. 98—133 zweite xataiXxsvii. S. 22—26. 
§. 134—149 zweite dvaaxivfi, S. 26—29. 
§. 150—181 dritte xaraaxevrj, S. 29—41. 
§. 182—191 dritte dvaffxevrj. S. 41. 42. 
|. 187. 201—36 loter polation. S. 43—101. 
§. 192—200. 237 sqq. inUoyos 

«) §. 192—200. 237—87. S. 44. 45. 102. 103. 

b) §. 288—301. S. 103. 104. 

c) §. 302—14. S. 104. 105. 

§. 329-40 laterpoUÜofl. S. 106—125. 

d)§, 315— 28. 341—43. S. 105. 106. 125-131 
Resultat. S 131. 






Druckfehler: Seite 38 Zeile 17 von oben statt: von, lies: vor. 



Die Rede des Demosthenes ne^l naQaTtqiaßelag ist viel- 
fach Gegenstand der Untersuchung gewesen. Der allen rhetorischen 
Gesetzen widersprechende Zustand, in welchem die Rede überliefert 
Yorliegt, hat einerseits verschiedene Versuche veranlasst, das Ganze 
zu vertheidigen, zu rechtfertigen, oder durch Umstellung von Thei- 
len zu helfen, oder durch Ausscheidung vermeintlicher Interpolatio- 
nen den Kern der ursprünglichen Rede herauszufinden; anderseits 
den Glauben erweckt, die Rede sei überhaupt nicht gehalten, sie sei 
nur als Parteischrift herausgegeben und daher die rhetorischen An- 
forderungen an sie nicht anwendbar, eine Ansicht, die schon im 
Alterthum selbst vielfach verbreitet war, vgl. F. Franke prolegg. in 
Dem. orat. de f. 1. Misenae 1846 (Schulprogr.) pag. 1 ff. Wenn ich 
hier eine neue Lösung der Frage versuche, und zwar in der Weise, 
dass ich durch Ausscheidung von zwei bedeutenden Interpolationen 
die ursprüngliche Gestalt der Rede wiederherzustellen suche, so stütze 
ich mich dabei für die Ausscheidung der einen Interpolation vor 
Allem auf eine handschriftliche Notiz des Codex 2j welche mir von 
sehr hoher Wichtigkeit für diese Frage zu sein scheint, die aber bis- 
lang, allerdings beachtet, durchaus noch keine Yerwerthung gefun- 
den hat. Durch Ausscheidung eines Stücks von 36 Paragraphen, 
wozu wie bemerkt der Ctfdex 2 eine ganz bestimmte Berechtigung 
gewährt, glaube ich die ursprüngliche Gestalt der Rede — bis auf 
den Schluss — wieder herstellen zu können, die nun so, allen rhe- 
torischen Anforderungen genügend, ein Meisterstück oratorischer Kraft 
wird, welches sich der Rede de cor. und andern würdig an die Seite 
stellt. Die Ausscheidung einer zweiten Interpolation im Umfang von 
12 Paragraphen am Schlüsse der Rede findet allerdings in dem hand- 
schriftlichen Material keine so wichtige Stütze: ich glaube aber auch 

1 



— 2 — 

hier aus rhetorischen, logischen, sprachlichen und sachlichen Gründen 
berechtigt zu sein, die Auswerfung vorzunehmen. So wird, hoffe 
ich, auch der Schluss in seiner ursprunglichen Gestalt erscheinen 
und die Rede vom ersten bis zum lezten Worte als von Demosthe- 
nischem Geiste beseelt uns entgegen treten. 

Ich werde nun so verfahren, dass ich die vorliegende Gestalt 
der Rede an der Hand allgemein logischer und rhetorischer Gesetze 
prüfe, bis uns das schon handschriftlich verdächtige Stück aufstösst, 
welches in rhetorischer und logischer, in sprachlicher und sachUcher 
Hinsicht eingehend untersucht werden muss, um sodann in der Dar- 
legung der rhetorischen Composition des übrigen Theils der Rede 
fortzufahren, die endlich durch genaue Prüfung des zweiten verdäch- 
tigen Stücks abgeschlossen werden wird. 

Ich gehe sofort zur Prüfung der Rede selbst über. 1—3 bil- 
den das Prooemium. Der Redner knüpft an die unmittelbare Gegen- 
wart an und erinnert die Richter im Hinblick auf die OTtovd^ nsql 
rovvovi tov dywva xai n:aQayyeXia an das di^aiov und den 
oQxoQj wodurch sie verpflichtet werden , nicht das persönliche In- 
teresse des Angeklagten und der Parakleten, sondern das allgemeine 
Wohl des Staats zu bedenken. Wird in 1 die Person des Richters 
zum Mittelpunkte gemacht, so geht Dem. in 2 zur Person des Ange- 
klagten über: während man bei allen denen, welche dem Staate Dienste 
geleistet haben, eine stete Bereitschaft zur Rechenschaft, eine äsiko- 
yia erkennen kann, findet bei Aeschines das gerade Gegen theil statt: 
er sucht auf alle mögliche Weise die Rechenschaftsablage zu hinter- 
treiben. Mit 3 geht der Redner sodann zu seiner eigenen Per- 
son über: es ist ihm nicht schwer, die Schuld des Aeschines zu be- 
weisen; das einzige, was ihm seine Stellung als Kläger erschwert, 
ist der Umstand, dass die Sache, um welche es sich in dieser Klage 
handelt, schon lange verstrichen ist und bei den Athenern alle 
dyäpsg ov% ^ttov tcSp xaiQwp ^ twp ngayiidriap sind. 

Damit ist das Prooemium abgeschlossen: so kurz es ist, so sach* 
gemäss und schlagend ist es. Man könnte meinen, Demosth. habe 
bei der Ausarbeitung des Prooemium eine rhetorische Unterweisung 
vor sich gehabt : so genau schliesst er sich an deren Vorschriften an. 
Wenn Apsines im Anfang seiner t^x^tj ^tjtoqiX'^ ncQi TVQooifiiov 
(Rhet. Gr. ed. Walz IX, 467) sagt, dass das Prooemium ix TtQogci- 
nov ^ in nQccyfiatog ^ i^ äficpoty Xaiißuvt%ai> ^ so ist klar, dass 
Dem. hier eben von beiden, von der Person und der Sache^ dasselbe 



-- 3 — 

hernimmt Da die Person, welche in Betracht kommt, eine dreifache 
ist, die des Klägers, des Richters und des Beklagten — denn hier 
fällt Kläger und Redner zusammen — , so sagt Aristot. Rhet. 3, 14 
(II, 1415a 25 ed. Acad. Ber.) durchaus richtig, dass die nqooiiiia — 
X^ystai — €x T€ Tov X^yovrog xal rov dxQoavov nai tov TtQÜy-' 
fiarog xal xov ivaytloVj nur dass er hierin das ngäyfia auf gleiche 
Stufe mit den verschiedenen Personen stellt. J Vgl. Anonym, prolegg. 
bei Walz Rh. Gr. VII, pag. 52 f. Hier heisst es auch in Bezug auf das 
Prooemium (pag. 54) : Xaiißdvevai — aTCotqi&vtqoTtfav — • ano av- 
crraCf «g tov oIkbIov nqogdnoVy dnö diaßoX^g tov ävridlxoVj djtd 
TtQogoxfig i^^^ vierte Punkt, den manche noch anführen, kommt hier 
nicht in Betracht): dno avtSxdasoAg (idVj Ste evvotav nsQ^noicSfiep 
kavtoXg tcip dnQoatciv to olnetov (fvviiträvtsg 7tq6ao}nov' 
dno ds diaßoXfjg tov dvvt6ixov_, ots to ivavxiov diaßdXksiv 
dqxdiisd-a — * dno nqogox^g de i^plxa xö nqayfjLa av^oyvsg 
nqogs%iorBqov did tov ngooifilov tov dxQoaf^v sgya^ofie^a 
notovvveg avrov axonsiv tu slqrniiva. Andere (vgl. R. Volk- 
mann Hermagoras p. 34 ff.) fassten als die drei Hauptpunkte des 
Prooemium , den Richter benevolum attentum docilem zu machen 
{sqyov ngooirfiioap evvoia nqoge^ig sviidd-etä): in dieser Be- 
stimmung wird durch die svvoia zugleich die Erregung von Hass 
gegen den Gegner mit umfasst, während die nqogoxij in zwei Theiie 
zerlegt wird, die wesentUch doch eng verwandt sind: ein aufmerk- 
samer Zuhörer wird zugleich ein gelehriger sein. Unser Prooemium 
genügt allen diesen Bestimmungen im vollsten Maasse: zunächst 
wird nqoatanov und nqäyfia gleichmässig berücksichtigt, indem 1 
die Stellung des Richters zum nq&yiia auseinandergesetzt wird, 2 die 
des Angeklagten zu demselben und endlich 3 die des Klägers zu 
demselben. 1 dient ferner dazu, den Richter aufmerksam zu machen, 
indem dieser darauf hingewiesen wird, dass das höchste und hei- 
ligste für ihn , rö dixaiov, 6 oquog in Betracht kommt und der 
ganze dyoSp vneq vfiäv (die Richter) xal oXfig T^g nolsatg stattfin- 
det; 2 dient dazu, Hass und Verachtung gegen Aeschines zu erregen, 
3 sich selbst das Wohlwollen der Richter zu erwerben, indem er die 
Schwierigkeit seiner Stellung in diesem Processe zeigt. 

Dieser letzte Gedanke bildet dem Dem. den passenden Ueber- 
gang zum folgenden Theiie der Rede. Indem er nämUch auf die 
Schwierigkeit seiner Stellung als Ankläger hinweist» worin selbst- 
verständlich die Schwierigkeit für den Richter ein sachgemässes 

1* 



— 4 — 

Ui'theil zu tEillen entfaallen ist, fügt er zugleich hinzu, wodurch diese 
Schwierigkeit für den Richter wesentlich gehoben werden kann: er 
muss genau im Auge behallen, um was ea sich handelt, und so giebt 
Dem. hier sogleich die Theile an, um welche sich die Anklage dreht, 
welche er beweisen will und nach welchen die Richter ihr Urtheil 
al^ehen sollen. Man sieht, wie genau die Forderung Ciceros de or. 
2, SO, das principiiim müsse mit der eigentlichen oratio so eng ver- 
bunden sein, dass es als Glied des ganzen Körpers erscheine, er- 
füUt ist. 

Dem. geht also jetzt dazu über, entgegen dem, was verwiirend 
auf die" Urtheilsprechung der Richter einwirken kann, das eigent- 
liche ^^ti]fia in klaren bestimmten Worlen auszusprechen , an das 
jene sieb allein zu hallen haben: et axitpaiad-e nag' v[itv ccmolg, a 
ävSQeg dixaarai, xal Xoyiaatad't zivwv ngog^itei tjj nöXet 
Xöyov naqä nqeßßevTov Xaßetv. Und hieran schliesst sich sofort 
die partitio. Dem. unterscheidet 5 Punkte, auf die es bei der Beur* 
theilung der TT^fa/Seta ankomme: jiqäxov (ih voivvv, Mf aTl^y- 
yet).£V, äsvztQoy ds lay Bnstaf-v , igirov di tüf nQogsia^ar 
avim, [lETOi xavia ziav /poVwi'j i<f)' attaGi Öe iovtoiq st admqo- 
äox^twq fj |(*^ ■nävia javva ninqaxzKt. Wir müssen auf diese 
parlitio noch einen kurzen Blick werfen. Sehen wir uns zunächst die 
folgenden Paragraphen an , in denen er dieselbe motivirt. Wir er- 
sehen aus 5, dass Dem. unter den anaYYii.iat die Berichte ver- 
steht, welche die heimkehrenden Gesandten von ihrer Heise machen. 
An das änityyiXketv schlieeet sich unmittelbar der zweite Punkt, 
das fcei&etPj wie es bestimmt schon 5 in den Worlen ausgesprochen 
ist : ix ftfiv xmv aTiayyfXnäv td ßovXsvaaoQ-at ncQt zäv nqay- 
fiärfav v/Xtv iailv. Sv /ley ovv taaiv ciXTjS-stg, tÖ <Jioci' s- 
yfWTSj ttv (Je /*^ toiavtai, täpaviia. Tag Si avitßovXlag nt~ 
ffroT^ßag vnoXufißavtz' etvai läg ztSv nqiaßsiov. tag yag etdÖTiäv 
Tiegl wv inifiifd-ijOav axoveie. ovdtv ovv i^fXeyxeoS^cti Sixaiög 
lartv 6 TTqeOßtvTfis ipavXov ovä' äavfupoqov v^Xv avftßeßov- 
Xevxiög. 

Von dem Gesandten, welcher eben zurückgekehrt ist, muss man 
erwarten, dass er ein eingehenderes und richtigeres Urllieil über die 
Personen und Zustände, auf die sich seine Gesandtschaft bezogen 
hat, besitzt; von diesen Urtheilen hängen die weitern Entschhessun- 
gen ab, die in der betreffenden Sache zu fassen sind; der Rath, 
»eichen der (Gesandte auf Grund geiner Erfahrungen während der 



— 5 — 

Gesandtschaft giebt , wird vor allen andern gehört. Wenn wir also 
auf die Zeit sehen, welcher dieses anayydHeiv und neiS'Siv ange- 
hört, so bezieht sich beides auf die der. Rückkehr der Gesandten 
folgende; wesentlich aber hängen diese beiden Punkte eng zu- 
sammen. 

Der dritte Punkt — m jtQogerä^aT^ avt(S — bezieht sich 
auf die Zeit der Gesandtschaft selbst: der Gesandte erhält bei seiner 
Abreise bestimmte Aufträge, die er auszuführen hat und über deren 
Ausrichtung er selbstverständlich Rechenschaft abzulegen hat. 

Umfassen diese drei Punkte die ganze Zeit, auf die es bei der 
Klage ankommt, die der Gesandtschaft selbst und die unmittelbar an 
die Rückkehr sich anknüpfende , so sind Punkt IV und V specielle 
Momente', die aus der gesammten Zeit^ um welche sich die Klage 
dreht, herausgenommen sind. Man darf sagen, dass bei dem erste- 
ren dieser Punkte die eigene selbständige Thätigkeit des Gesandten 
in Frage kommt, während die ersten 3 Punkte mehr die gewöhn- 
lichen selbstverständlichen Erfordernisse des Amts eines nQsaßsvtf/g 
betreiTen. Dem. führt in Bezug auf die xqovo^ [dieses selbst 6 aus : 
die TtqoLYikota beruhen häuOg auf einer kurzen Zeit, d. h. Ihr Erfolg 
hangt von der Benutzung des Augenblicks ab: sobald dieser einmal 
verpasst Ist, ist auch das TtqSyiia rettungslos verloren. Es wird 
also hier von dem Gesandten verlangt, dass er in jedem Momente die 
Interessen seines Staats im Auge habend in freier Thätigkeit die Zeit 
ausnutze und den günstigen Augenblick zum selbständigen Handeln 
benutze. Im Allgemeinen wird man sagen müssen, dass der vierte 
Punkt, die %q6voi>j d. h. die Benutzung der %q6voi, hauptsächUch 
in die Zeit der Gesandtschaft selbst fällt. Gerade die bestimmte Ge- 
sandtschaft^ um welche es sich in dieser Klage handelt*, hatte Mo- 
mente in grosser Zahl geboten, welche die Gesandten hätten benutzen 
müssen, aber nicht benutzt hatten. Weniger kommt dieser Punkt 
in Betracht, sobald die Gesandten heimgekehrt waren: aber völlig 
trat er auch hier nicht zurück. Denn die Gesandten, von denen man 
erwarten musste, dass sie sich über dieeigentlichen Entschlüsse und 
Pläne Philipps unterrichtet , dass sie sich über die gesammten Ver- 
hältnisse überhaupt ein richtiges, sachgemässeres Urtheil gebildet 
hatten, mussten in ihren Rathertheilungen vor allen andern Athe- 
nern die xqovoi, richtig zu beurtheilen verstehen, weshalb wir mit 
Recht sagen dürfen, dieses Moment beziehe sich ebensowohl auf die 
Zelt der Gesandtschaft selbst, als auf die ihr unmittelbar folgende. 



— 6 — 

Ebenso umfasst der fünfte Punkt die gesammte Zeit: sl ädcoQO- 
doxiJTOig ij iiri navta Tama Ttinqaxtat. Dieser Punkt ist der 
eigentliche Kern der ganz^ Klage. Wenn' die Gesandten durch die 
Beschränktheit ihrer Urtheilskraft, durch mangelnde Einsicht etc. 
dazu gebracht wurden , Falsches bei ihrer Rückkehr zu melden, und 
durch diese ihre unsachgemässen anoLyyeXiat zu unrichtigen Ent- 
schlüssen die Athener zu bewegen (Punkt I und II), so ist klar, dass 
von einer wirklichen Schuld der Gesandten nicht die Rede sein 
konnte. Geschah das änayyiXXeirV und Ttsid-siv aber in dieser Be- 
ziehung absichtlich, im Interesse Philipps, so war allerdings die Schuld 
der Gesandten völlig erwiesen und mit den strengsten Strafen zu 
ahnden. Ein absichtliches Handeln im Interesse des Feindes konnte 
aber nur durch wirkliche Bestechung von Seiten dieses stattfinden. 
Eben so verhält es sich aber aucb mit Punkt III. Das Nichtausfüh- 
ren der ihnen gewordenen Aufträge war allerdings, sollte man mei- 
nen, immer straffällig: aber wenn die Gesandten zeigten, dass die 
Verhältnisse sich geändert und sie in Folge dessen diesen oder jenen 
Auftrag nicht ausgeführt hatten , dass derselbe unmöglich geworden 
war etc. , so war ihre mangelnde Einsicht , selbst das Getäuschtsein 
durch Philipp keine Schuld, die sie schwerer Strafe aussetzte. Auch 
hier erhält der ganze Punkt erst seine Färbung, seine Grundlage durch 
den Punkt y, das absichtliche Handeln im Interesse Philipps, das 
Bestochensein durch diesen. 

Wir sehen also, wie sich die 5 Anklagepunkte in 2 Klassen 
scheiden: die eng zusammengehörenden Punkte I und II umfassen 
die Zeit nach der Rückkehr der Gesandten, Punkt III die Zeit 
der Gesandtschaft selbst; dagegen bilden Punkt lY und V Momente 
der Klage, wekhe sich durch die gesammte Zeit, über welche die 
Gesandten Rechenschaft zu geben haben, erstrecken. Dem. verfährt 
nun, wie wir sehen werden, durchaus nicht so, dass er sämmtliche 
5 Punkte nach einander behandelt, sondern er hält sich an die durch 
die Pui;ikte I — III gegebene Zeitfolge, allerdings mit der Modifikation, 
dass er die spätere Zeit, welcher das dTrayy^XXs^p und das neid-eiv 
angehört, zuerst behandelt, um sodann erst die für die Klage wichti- 
gere Zeit der Gesandtschaft selbst, des dritten Klagepunktes, zu 
geben, lieber die Gründe der Umstellung dieser Punkte vgl. unten. 
Die Behandlung aber des Punktes IV ordnet er derjenigen der 
Punkte I — III unter. Er schliesst, wie wir sehen werden, sofort 
an die Behandlung von I und II , welche sich um die Zeit nach der 



Gesandtschaft drehen, den Punkt IV an, soweit derselbe eben gleich- 
falls dieser Zeit angehört ; er schliesst sodann gleicherweise der Be- 
handlung von Punkt III, welcher sich um die Zeit der Gesandtschaft 
selbst bewegt, den Punkt IV an, soweit dieser ebenfalls der Zeit der 
Tiqsaßbia selbst angehört. Anders verhält es sich wieder mit 
Punkt V. Das dtSqa Xaßsiv des Aeschines ist die Hauptsache der 
ganzen Klage, und sie wird gleichsam als Mittelpunkt zwischen Punkt 
I und II und Punkt III in einer besonderen xaraaxct;^', wie wir 
sehen werden, ausgeführt Aber darin zeigt sich die grosse Meister- 
schaft des Demosthenes, dass er diesen Punkt gleich vom ersten 
Augenblicke seiner Rede immer und immer wieder hervorhebt, dass 
er das'ganze Verhalten des Aeschines als allein erklärlich annimmt 
und hinstellt, wenn man diesen Punkt, das Bestochensein desselben, 
für bewiesen hält, sodass nach und nach die V^ahrheit dieses Punktes 
als etwas selbstverständliches den Richtern schon im Verfolge von 
Punkt I und II sich festsetzt. Das dcoQa Xaßstv tritt in immer 
neuen Wendungen bei jeder Gelegenheit wie der rothe Faden hervor, 
welcher der Schuld des Aeschines überhaupt erst die richtige Fär- 
bung, die ganze Schwere giebt. 

Mit § 8 schliesst Dem. die ganze nqoxataaxsvi^j welche die 
§§ 4 — 8 umfasst, ab, indem er sagt : äp fiip zolvvp i^eXiy^oi xal 
del^cD aacpäg Alaxlvriv zovTOvi — xaTaipijq>laaad'^ avxov xal 
öixijv ä^iap xäv ddix^fidtoüP Xaßsrs. Nach Hermogen. 7C€qI 
svQ. III, 2 (III, 99.fiF a. a. 0.) ist die Aufgabe der TtQOKaraaxsv^ 
nqosxxid'S^sd'ai, vä x8ipdXai,a xal xd ^ijTij[iaTa olg JtsqiTtXaxslg 
6 Xöyog (fvfjbnXiiQciasi xiiv vnod-siSiv. Was Hermog. aber über 
die verschiedene Stellung der nqoxaiaüxsvri bei Demosth. hinzu- 
fügt, dass derselbe, wenn er die Richter nicht zu täuschen , sondern 
ehrlich das was er ankündigte zu halten gedenke, die nqoxatadxsv'q 
hinter die dtijyfi<fig setze, dass er aber umgekehrt, wenn er die 
Richter täuschen wolle, dieselbe vor die di^^y^tstg setze, weil bis zur 
Ausführung der angekündigten Theile die Richter die partitio selbst 
wieder vergessen hätten , ist durchaus falsch. Der!^ einzige Grund, 
weshalb Dem. in unserer Rede die nQOxataffxevij vor die dnjy^(ftg 
setzt, ist der, weil eben die dnjyrjaig so eng mit den xatpdXaia zu- 
sammenhängt, oder richtiger in der geschickt angeordneten diijyrjcfirg 
die Klagpunkte selbst enthalten sind, dass jene nothwendig erst der 
partitio selbst folgen muss. Die Angabe des Hermog. widerlegt sich 
sofort selbst, indem das angeblich seine Ansicht beweisende Beispiel 



— 8 — 

durchaus nicht passt: Hermog. sagt in Bezug auf unsere Rede: xal 
yäq ivtavd'a (pijüccg detv nqäxov ev&vvag änaixstv wv äntjy-* 
ysils rö äpcvd'vyog inl Xöyoig [letcc noXXä tsd-sixs x€q)äXaia, 
Hermog. also hält das Stück 182 ff. für die Ausführung des ersten 
Klagpunktes : wir werden aber sehen , dass Dem. den ersten Klag- 
punkt durchaus richtig zuerst ausführt 17 if. und dass jenes Stück 
nichts anderes als die Widerlegung einer nqoyiatdXrixpiq des Geg- 
ners ist, dass also die Ansicht des Hermog. durchaus falsch ist. 

Wir sehen , dass die Rede in den ersten 8 Paragraphen rasch 
und sicher auf das Ziel zuschreitet: dem kurzen Prooemium 1 — 3 
folgt die TtQoxaxaifxsvij 4 — 8 mit der eigentlichen ^fJTfj(^tg und den 
x€(pdXaia, Es folgt § 9 ff . die TvqoxaiddTaaig, Soweit stimme 
ich mit Spengel (die dispositio der Demosthenischen Rede nsql 
naqanqedßsiag im Rhein. Mus. XVI (1861), pag. 552) überein: 
wahrend Spengel aber die TTgoxaraCraCt^ bis § 28 setzt, geht die- 
selbe in Wirklichkeit, wie wir sehen werden, nur bis ^16. Die 
nqoyiatdotctatg oder Tcqodtfjyfj(tig wird von Ruf. tix^ri ^ijt. 23 
(HI, 454) dahin definirt: Ttqodujyfjoig Idttv fj nqo z^g elg rö 
nqccyiia tsXovütjg di^rjy^ascag altia 7tccqaXa[jißapofiipfi, Hermog. 
TT. €vq. handelt H, cap. 1 — 6 (HI, 81 — 91) von der Tcqoxavdatactig 
oder nqodujyfjatg. Er sagt im Allg. 3, 1 (HI, 81) : w^ ep xscpaXaiM 
[ISP ovp slrtsiP, ndatig difiy^tfsoog sp ttccptI nqoßXijfiati t^vfi- 
tiopj td nqsdßvTsqa fispj XQV^^'H'^ ^^ '^S vnoxstfiipfi al^toiaei^ 
^ xqi(f€L, xuxetd-ep Xaiißdpsip ä^top' xal TtqoxaracfTrjtfapragj 
eog 7Tqogi^ii€tj t'^p nqodii^yfioip^ ovTcog elg avz'^p x^^^^^a* ^^J^ 
i[iq)atpO[ji€Pijp €p aivM tm nqoßXrnAati, diijyf](ftp* dvsxpop ydg 
xal idiioti>x6p t6 t^g öi^fjyijcf soog dvrod'sp dq^Bad-ai j, od'sv 
xal x6 TtqoßXfjfia Xiyei, Auch hier entspricht Dem. wieder allen 
rhetorischen Anforderungen. Er verfährt sehr geschickt, indem er 
dem Verhalten des Aeschin. während und nach der Gesandtschaft 
das vor dieser Zeit entgegenstellt: damals hatte sich Aeschin. durch 
seinen Hass gegen Philipp hervorgethan, während er plötzlich von 
einem ganz bestimmten Zeitpunkte ab für jenen redend und handelnd 
von Dem. dargestellt wird. Dem. führt diese plötzliche Sinnesände- 
rung des Aeschin. auf Bestechung von Seiten Phil, zurück. Man er- 
sieht also, wie äusserst passend, ja wie absolut nothwendig diese ganze 
Partie der Rede ist: hatte Aeschin. stets im Sinne Phil, gesprochen, 
auch bevor er mit diesem in irgend welche Berührung gekommen 
war, so konnte Dem. von einem Bestochensein des Gegners, zumal 



— 9 — 

während seines Aufenthalts in Makedonien, nicht sprechen. Die 
ganze jtQodi^'^yfiai^g dient also wieder dazu» die Richter von vorn- 
herein auf den Einen Punkt hinzuweisen, um welchen die ganze 
Klage sich dreht; iv^ etd^d^^ 6t v rotg vtp" kavxov nsnqayiiivoifq 
xai dsdfj^^yoQfifi^voig iv aQxy iidXiCT i^sXeyxd'i^aBtai, däq 
sxtav. 9. Dem. erzählt nun 10 — 15 das ganze politische Verhalten 
des Aeschin. bis zu dem von Dem. angenommenen plötzlichen 
Sinneswechsel : die Zeit vor der ersten Gesandtschaft an Philipp, 
diese selbst, sowie noch die ersten Tage nach der Rückkehr von der- 
selben erweist sich Aeschin. als den entschiedensten Gegner des make- 
don. Königs, ja er war überhaupt 6 nqokog Idd'fjvalcov alad-oiisvog 
0iXt7tnov — imßovlsvopva totg^EXkriai. Zuerst trat er mit seiner 
geänderten Gesinnung in der zweiten Volksversammlung nach der Rück- 
kehr von der ersten Gesandtschaft auf, in der der Friede bestätigt werden 
sollte, während er noch in der Volksversammlung am Tage vorher 
durchaus sachgemäss und im Interesse der Stadt gesprochen hatte. 
Damit will Dem. naturlich nicht sagen, dass die Bestechung zwischen 
die erste und zweite Volksversammlung falle, sondern nur, dass 
jetzt endlich Aeschin. die Zeit gekommen erachtete, die Maske abzu- 
werfen und im Interesse Philipps zu sprechen. Wenigstens sucht 
Dem. entschieden den Glauben zu erwecken , dass die Bestechung, 
in Makedonien selbst stattgefunden habe; vgl. 316, 307 sq. Dass 
sich Dem. aber hierin selbst widerspreche, habe ich in meiner Inaug. 
Diss. (Marburg 1867J 9 f. zu beweisen gesucht. Die ganze Tcgoötfj- 
yfjatg ist also ein Hinleiten auf den Zeitpunkt, von welchem die 
eigentliche Klage beginnt und gerade in dem Gegensatze jener und 
dieser Zeit ist sie äusserst passend , die letztere und damit die Klage 
selbst hervorzuheben und ihr die richtige Färbung zu geben. Aber 
auch während der ngodtijyfiaig weiss Dem. durch geschickt einge- 
streute Worte den Richtern immer den eigentlichen Kern der Klage 
in der Erinnerung zu erhalten: so 13: xal iii%qt tov dsvQ^ sTTa- 
vsXd'siv ano r^g Ttqmtfig nqedßeiag ifii yovv, w äpögeg^AS-Tj- 
vatoij distpS'aQf.iSyog y.al nsnqaxtag savtov ikdv&ayev. Mit 15 
könnte man die eigentliche nqodi'qyi^aig zu Ende gehen lassen, da 
16 schon die Sinnesänderung des Aesch. giebt. Da aber die ganze 
Klage nur die nqstfßsia selbst in ihrem Verlaufe und ihren Folgen 
behandelt und behandeln darf, weil es sich ja nur um die svd'vvai, 
derselben dreht, so gehört auch 16 noch völlig der TVQodujyrjtfifg an, 
welche also den Zweck verfolgt, den Richtern die Sinnesänderung 



■^_ I _•_■- 



— 10 — 

des Aeschin., welche Dem. als selbstverständlich auf eine Bestechung 
von Seiten Philipps zurückfährt, zu schildern. Sehr fein schliesst 
Dem. mit den Worten, Aeschin. habe in Anwesenheit der Gesandten 
gesprochen, welche auf seinen eigenen Antrieb aus verschiedenen 
Theilen Griechenlands zusammengekommen waren , vno tovtov 
nstcfd-iptsg, or* ovnco mnQaxoog avtov fjv: worin enthalten 
liegt, dass er damals als er sprach schon bestochen war : wieder eine 
Hinweisung auf das eigentliche Wesen]] der Klage, welches so den 
Richtern ganz allmälig und unmerklich aufgedrängt wird. 

Mit § 17 beginnt der erste Theil der Klage: äv än^'/yeiXsp 4. 
Nach der voraufgegangenen Erzählung des Verhaltens des Aeschin. 
bis zur zweiten Gesandtschaft an Philipp — ^gn^Q etfftv al vvv 
svd^vpai — mussten die Anwesenden erwarten, dass Dem. nun zu 
dieser ^Gesandtschaft selbst übergehen werde ; da er aber aus be- 
stimmten unten näher zu erörternden Gründen diesen Theil der 
Klage erst nachher behandeln will, so spricht er 17 init. bestimmt 
aus, dass er diese Zeit zunächst überschlagen wolle (avzl^^ dxov- 
aadd^s) : mit den Worten aXV instd'^ ndXiv '^xofisv äc r^g nqsd" 
ßsiag geht er zu der der Gesandtschaft unmittelbar folgenden Zeit 
über, um der partitio gemäss das dnayyiXXeiv und im engsten 
Anschluss daran das nbi&siv des Aeschin. zu behandeln. Dass 
Dem. hier wirklich das aTtayyiXXeiv behandeln will , sagt er selbst 
auf das bestimmteste. Kam das artayyiXX^iv selbstverständlich vor 
der ßovXri und in der ixxlijtfia^'m Betracht, so behandelt Dem. zu- 
nächst jenes , und treu seinem ganzen Verfahren , überall das eigene 
Verhalten dem des Gegners entgegenzusetzen, da auch diese Rede, 
ebenso wie die pro cor. , sowohl eine Rechtfertigung seiner selbst, 
als eine Anklage des Gegners enthält, führt er zunächst den eigenen 
Bericht an: naqsXd'mv iyoi — dmjyyeiXa. — Kai tnsiaa t^p 
ßovl^p. — Dem entgegen wird dann 19 das Verfahren des Aeschin. 
geschildert in der ixxXfialoc : rov ^ih anayyiXXeiv ti tcqv nengetf^ 
ßsviiivfav — TtdfiTiXfj&^eg duiaxsv. Damit aber soll nicht etwa 
die folgende Rede des Aeschin. als Nicht -a7ra;';'^AA€*v bezeichnet, 
sondern nur gesagt werden, dass er auf die wirklichen Erlebnisse 
und Ergebnisse der nqsdßeia gar nicht eingegangen sei, sondern 
dass seine dnayysXlai nichts anderes als iXnldsg xat (pevaxKfiiol 
xal vnoaxiasi^g gewesen (26). Dem. fügt jenen Worten iov dnay- 
yiXXsLV Ti x&v nsnqsoßsviiivbüv — nd^nXrjS^sg aniaxsv hinzu: 
etitEV ds TQiomovg Xoyovg xal zfjXixavTa xal to(favv^ s'xopvag 



— 11 — 

äyaS^cl, (Sgd'^ änaptag vgiäg XaßuiP M^tto : und ' nun zählt er 
20 — 22 diese Xoyoi auf. Philipp ist danach der beste Freund 
Athens, der ^erbittertste Feind Thebens : er wird Theben zerstören, 
Thespiae und Plataeae aufrichten, die heiligen Tempelschätze wie- 
der eintreiben, aber nicht von den Phokern, sondern von den The- 
banern; auch in Betreff Euboeas und Oropos erregt er Hoffnungen. 
Dass Dem. diese Xoyot des Aeschin. wirklich als änayysXiai, dessel- 
ben betrachtet, sagt er selbst so bestimmt, dass man daran zu zwei- 
feln kein Recht liat: so 20: xal i:ä xsipcclat* aTti^yyeXle jtQog 
vftäg] 23: ovi' äxovsip ^d'iXsrs, ovts matevaiv ^ßovXead'^ 
äXkd nX^p a ovvog aniiyyiXxet. 26: t^p dnayysXiap t^p 
Tovrov tavTfip; 28: otf' an^yysi^Xev TtQog Vfiag ovtog. Da 
Dem. selbst als ersten Theil seiner Rede die Rechenschaft ap aTvrjy- 

• 

ysiXsp angegeben hat, so kann man doch wohl nicht zweifeln, dass 
dieser Theil wirklich der dort angekündigte ist. § 23 und 24 
schliesst den Bericht über das anayyiXXs^p ab : Dem. versucht den 
eiteln Phrasen des Aeschin. entgegenzutreten; aber von Philokrat. 
und Aeschin. überschrieen und ausgepfiffen, wird er von den Athe- 
nern verlacht, die nur die Worte des Aeschin. hören wollen. Man 
beachte den bittern Hohn auf die Athener selbst, welcher aus jedem 
Worte dieser beiden Paragraphen spricht und welcher kaum anderswo 
mit so furchtbarer Kraft wieder gefunden wird. 

Damit ist der erste Theil beendet. Man sieht wie dieser Klage- 
punkt einfach eine dnjyfia^g ist und dass daher von einem Vorauf- 
gehen dieser vor der 7tQ0xava(tx€Vij keine Rede sein konnte, weil 
die öifjyfiCtg oder richtiger die verschiedenen difiy^(t€tg und die 
Klage selbst im Grunde völlig zusammenfallen. 

25 — 28 schliessen sich noch unmittelbar an den ersten Theil 
an. Sie zerfallen in zwei Abschitte, wie Dem. selbst angiebt: tov 
y^dqi^p d^ ravS'^ vTtsfjbPfiaa — Vficcg — ; spog gjbip — fAccXtara xal 
TtQcitov tpa — (25) und 27: dsvtiqov di Ttpog; xocl ovdsp 
iXdvTOPog ^ rovvov %pa — . Man kann diese beiden Punkte als 
zwei nqoxataXi^ips^g betrachten, wenigstens die erste sicher. Schon 
die der nQoxavdXiixfJig eigene Form der Einführung weist darauf 
hin: tpa (A^dslg vfAoSpj kneiddp ri XiyopTog dxovjj (aov twp 
TtSTtqayuipoüP doxjf dsipop avtfS xal vnsqßdXXop elpat j^sha 
TOT* ovx sXsysg TTagaxQ^ficc Tavia^ ovd^ sdidaoxsg ^fA&g*^'^ -d'ov- 
fAdilfi — . Im Grunde ist allerdings dieser Ein wurf schon durch die di^y^- 
atg selbst vorweggenommen, da Dem. in derselben bestimmt hervor- 



— 12 — 

gehoben hat, er sei sofort den Reden desAeschin. entgegengetreten: 
aber dem vergesslichen Sinne der Athener gegenüber hält es Dem, 
für sehr angebracht, diesen Punkt noch einmal bestimmt hervor- 
zuheben. 

27 f. aber dienen dazu wieder dem erstep Klagepunkte, dem 
aTtccyySlXeiV j die richtige Färbung zu geben dadurch, dass hervor- 
gehoben wird, es habe stattgefunden, weil Aeschin. von Philipp be- 
stochen war. Ich habe oben gesagt, dass dieser Punkt der rothe 
Faden sei, welcher sich durch die ganze Klage hindurchziehe, dass 
alle übrigen Klagpunkte erst durch ihn ihre Bedeutung erhalten. 
Man kann die beiden Paragraphen daher als eine Zusammenfassung, 
Recapitulation des ganzen Theils betrachten. Sehr geschickt stellt 
Dem. hier f^p or' adcoQodoxijtog vn^QX^v nqoaiqeaiv avtov rijg 
TtoXnstag gegenüber der fisrd tuvt^ i^aitfvrig ysyovvta nit^Ttg 
xcci (pMä. tvaj setzt er hinzu, di>d rriv alaxqoxsqdiav t'^v 
iavTOV xal t6 xQ^f^^^^^ anodoad'ai, räXfid-^ iietaßsßXrjiiivov 
advov eldfjTs, 

Mit § 29 beginnt der zweite Theil der Klage a yneidsv. Derselbe 
dreht sich wesentlich um die Vernichtung der Phoker: denn in die- i 

ser besteht das nsiS-eip des Aeschin. , indem er die Athener über- 
redet hat, den Versprechungen des Philipp zu vertrauen und alle 
Maassregeln zu unterlassen, welche das Verderben von den Phokern 
hätten abwenden können. 29. 30. fähren den einleitenden Gedan- 
ken aus, den Aeschin. nicht für persönlich zu unbedeutend zu halten, 
als dass ihm die Schuld an der Vernichtung der Phoker aufgebürdet 
werden könnte und der Klagpunkt wird näher dahin bestimmt: 
slza xal 0(axiag änoXcoXexev [i^Vj oTficcij OiXmnog^t aw^yco- 
vidavto d' ovTOi. tovro dii det axonstp xal oqäPj «t, ooa T^g 
0coxi(ov dmtfiqiag inl tt^v ftqeüßeiap ^neVj %oivd'^ anavt" 
aTtdiXe.dav ovroi xal diitpS'Siqav kxovTeg, ovx (og ods Ooox^ag 
äntiXsaev av xad-^ iavrop. Auch in diesem Theile der Klage ist 
es dem Demosth. ebenso wie im ersten zunächst darum zu thun, sich 
und seine Sache von den übrigen Gesandten und besonders von 
Aeschin. zu trennen. Er geht hier gleichfalls wie oben auf die Ver- 
handlungen vor der ßovX^ zurück und beweist durch Zeugenaus- 
sagen und durch den Wortlaut des TvqoßovXevfia, welches in Folge 
seiner Aussagen gegeben wurde, dass er von vornherein den An- 
gaben des Aeschin. entgegengetreten sei, ja dass in Folge dessen den 
Gesandten der höchste Schimpf angethan sei, indem für sie weder 



— t3 — 

eine öfTenÜiche Belobung, noch Einladung ins Prytaneuni luerkannt 
wurde. Wenn dieser Schimpf AUe Gesandten, also auch den Dem», 
traf, so ist das naturiich; sein Gegensati gegen die übrigen Gesandten 
wird zur Genüge daraus erkannt, dass, wie er sagt, ei/u« %oiyv¥ 
6 xcnnYoqäv i^ ^X7^ ^Y^ rovtmv^ tovv(ay d* ovdfig ifiov. 

34 gebt Dem. zur Behandlung des eigentlichen Themas dieses 
Punkts, der pbokischen Angelegenheit, über. Man kann das ganze 
Stück, welches in Form einer dt^yii<fig diesen Theil der Klage be- 
handelt, 34 — 56 sachgemäss in zwei Abschnitte zerlegen 34 — 46 und 
47 — 56. Als Thema dieses Theils hat Dem. oben selbst hingestellt: 
0(ißxeag änoXdlsxep 0ili7i7rogj avyr^ywviüovTO ovroi und zu- 
gleich dort gesagt, man müsse zeigen, dass, otfa r^g 0widiay aoir^- 
Qiag inl t^p Trgeaßeiay ^xsy tavS'^ anavx* aTrallfaay ovro$ 
xal dti^d-stgay exovisg. Dem entsprechend zeigt nun Dem. im 
ersten Abschnitte dieses Stücks 34 — 46, wie nach gemeinsamem 
Plane Philipps und Aeschines' Alles darauf angelegt war, zunächst 
die Athener von jeder Maassregel abzuhalten, welche den Pho- 
kern hatte Hülfe bringen können. Der Zorn der Athener, als sie 
die Ankunft Philipps in Pylae hören ^ wird zunächst durch die Ver- 
kündigung der von Philipp zu erwartenden Güter beschwichtigt; der 
Brief Phil, ^v ovtog eyqaipsv aTxoXmpd-elg ^fjuay — worin Dem. 
also wieder das planvolle complott massige Handeln des Phil, und 
Aeschin. behauptet — wird verlesen : alles was man den Gesandten 
zum Vorwurf machen konnte wird in demselben von Philipp für 
sich selbst in Anspruch genommen, dagegen allgemeine Versiche- 
rungen gegeben, welche die leichtgläubigen Athener gleichfalls zu 
den kühnsten Hoffnungen bewegen. Der Versuch des Dem. damals, 
diesen Erwartungen entgegenzutreten, hatte schon keinen Erfolg 
mehr; ein schlechter Witz des Philokrates genügte, die Bemühung 
des Dem. zu vereiteln. 

So haben Aeschin. und Philokr. die Athener genügend vorbe- 
reitet, um nun zu positiven Maassregeln überzugehen , welche be- 
stimmt sind, die Phoker rettungslos dem Philipp zu überliefern. 
Philokr. stellt sein tp^(pKt[iaj wodurch den Phokern jede Aussicht 
auf Hülfe abgeschnitten und sie dem Philipp überantwortet werden : 
ja es wird mit dem Einschreiten der Athener selbst gedroht, wenn 
sie sich nicht freiwillig und sofort dem Philipp ergeben. Demosth. 
schildert , wie die thatsächlichen Verhältnisse derartig waren , dass 
die Phoker äusserst leicht gerettet werden konnten und diese Ret- 



— 14 — 

tung im höchsten Interesse Athens war; die Athener seihst haben 
also die Vernichtung der Phoker und damit die unbestrittene Hege- 
monie Philipps in Griechenland zu Wege gebracht, und nur deshalb, 
weil sie den Versprechungen des Aeschin. und Philokr. glaubten: 
diese sind also die moralischen Urheber der Vernichtung der 
Phoker. 

Damit ist die eigentliche dnjyfj(fig dieses Punkts abgeschlossen. 
Sehen wir auf die gesammte bisher erörterte Abtheilung der Rede 
zurück, so besteht sie von § 9 an wesentlich nur in einer fort- 
laufenden di^'^fjatg; nur § 25 — 28 kann man davon ausnehmen. 
Besonders eng verbunden sind die Theile, welche das aTtayydlXsiv, 
und welche das nsid-siv behandeln, da die Zeiten, auf welche sich 
sowohl das dTTayyilXsiv als das nsid-siv bezieht, so eng zusammen- 
hängen, dass eine genaue Scheidung derselben gar nicht statt- 
finden kann, wie denn auch wirklich in dem zweiten wie in 
dem ersten Theile dieselben Ereignisse. — wenigstens theil- 
weise — erörtert werden. Insofern bilden, worauf ich schon 
oben aufmerksam machte, diese beiden Theile wesentlich Einen. 
Nach dem, was ich oben in Bezug auf die Partitio gesagt 
habe, muss man erwarten, dass Punkt IV, eben weil derselbe ein all- 
gemeines Moment enthält und sich auf Alle Zeiten der Klage bezieht, 
hier seine theilweise Behandlung findet, indeni Dem. nämlich zeigt, 
dass während der Zeiten von Punkt I und II Aeschines dpijXtoxe 
vovg XQOPovg ip otg JtoXXäv xal fisyäktar TtQccyfiäToav xaiQot 
7tQoetvta& Tjf Ttolst (8). Das geschieht denn nun auch wirk- 
lich 57 — 60. Dem. beginnt diese Auseinandersetzung mit den Wor- 
ten tpa d' sid^TS <ta(pcQg, oth zavd'^ ovzfa xal 6td rovvovg 
anoXcoXey rovg x?oVoi;^ Vfitv XoyiovfAatf xa^* ovg iylypsS'^ 
ixaata. Und nun setzt er mit genauster Tagesberechnung ausein- 
ander, dass es sich damals bei dem dnayyiX'kskp und Jtei&etp aller- 
dings um die sofortige Benutzung der Zeiten handelte, wenn eine 
Rettung der Phoker bewirkt werden sollte, da Philipp mit einer so 
fieberhaften Eile handelte, dass Ein Tag schon den Ausschlag 
geben konnte, dass also mit vollem Rechte gesagt werden kann, 
wenn man festhält, dass Aeschines durch die Erregung von Hoff- 
nungen etc. die Athener absichtlich an der raschen augenblicklichen 
Benutzung der Zeiten gehindert hat: äpi^Xcoxe tovg XQopovg ip 
otg TtoXXdop xal ^eydXcop TtQayfiaTWP xatQol n^oetpzat tj 
noXei, 




— 15 — 

Das Stuck 61 — 71 kann man nicht anders a]s Egression oder 
naq^xßaaiq bezeichnen. Das was die griechischen Rhetoren über 
diesen Theil der Rede haben, ist sehr dürftig: Quinctil. Inst. Or. 4, 
3, 5 sagt: nihil eniin tarn est consequens, quam narrationi probatio : 
nisi si excursus ille vel quasi fmis narrationis vel quasi initium pro- 
bationis est. Der Excurs dient danach also entweder zum Äbschluss 
der Erzählung oder zur Einleitung in die confirmatio. Allgemeiner 
spricht QuinctiL sodann § 12 fr. über die TtaQcxßaai^g, die über- 
haupt an jede beliebige Stelle der Rede gesetzt werden kann, und 
bestimmt sie als alicujus rei, sed ad utilitatem causae pertinentis, extra 
ordinem excurrens tractatio. Als Inhalt derselben wird angegeben 
indignatio miseratio invidia convicium excusatio conciliatio male 
dictorum refutatio; sodann überhaupt omnis amplificatio minutio 
omne affectus genus etc. 

Der Zweck der naQsxßaaig 61 — 71 ist nun offenbar, das 
Verhalten de$ Aeschin. in Bezug auf die Phoker, den Erfolg seines 
Handelns, welcher in der völligen Vernichtung der Phoker besteht, als 
etwas äusserst hassenswerthes, yerabschäuungswürdiges darzustellen. 
Die unmittelbare Gegenüberstellung der avfifiaxlcc Ocoxicoy xal 
*A&ijvai(üP und der ofioXoyia OiXinnov xal Oaneicop dient hier- 
zu vortrefflich. Dort wird (fiXia, (Svfifiaxta, ßo^&sia verheissen, 
hier erfolgt Ueberlieferung auf Gnade und Ungnade. Und doch 
ist in Wirklichkeit das Schicksal der Phoker noch schrecklicher ge- 
wesen, indem, gegen die Bestimmungen des Vertrags, die Ausliefe- 
rung der Phoker nicht an Philipp selbst, sondern an die Thebaner, 
die erbittertsten Feinde der Phoker, geschehen ist. Es folgen die 
Bestimmungen der Amphiktyonen , die bekanntlich die Phoker als 
Theilnehmer des Bundes strichen und Philipp an ihre Stelle setzten, 
es folgt sodann eine Schilderung des harten Schicksals der phokischen 
Städte nach der eigenen Anschauung des Demosth. Das alles hat 
Aeschin. verschuldet : 67 — 69 dienen dazu, die volle Verächtlichkeit 
desselben hervorzuheben, der als feiler Sclave nur auf des Königs 
Befehl wartet, um für Geld die Interessen des eigenen Vaterlandes 
zu verrathen. Aber nicht ,blos verächtlich, auch gottlos und ver- 
flucht ist sein Beginnen : denn ihn trifft der Fluch (70) , den der 
Herold in jeder Volksversammlung auf den herabruft, der nicht des 
Vaterlandes Wohl bei seinen Reden und Berathungen im Auge hat. 
Und so schliesst denn Dem. 71 damit, die Richter aufzufordern, die 
volle Schwere des Gesetzes über ihn walten zu lassen. 



— 16 — 

Werfen wir noch einen Blick auf das ganze Stück 17 — 71 zu- 
rück, so ist dasselbe als eine doppelte xata<fx€Vij zu bezeichnen, 
und behandelt, entsprechend der partitio, zunächst bis 28 das aitay- 
YÜlsiV , 29 — 56 das mid-etv der Klage. Obgleich Dem. 25—26 
einmal einen Einwand widerlegt, welcher gegen den ersten Klag- 
punkt erhoben werden kann, sodann (27 f.) in einem iTilkoyog den 
Punkt abschliesst, so dass dieser allerdings als ein selbständig für 
sich bestehender erscheint , so darf man doch sagen , dass Punkt I 
und II wesentlich so eng zusammen hängen und von Dem. auch 
wirklich in einer so engen Verbindung dargestellt werden, daiäs beide 
Punkte damit fast völlig als Einer erscheinen. Zu diesen beiden 
Punkten tritt dann 57 — 60 der vierte Punkt, die XßoVo*, hinzu, soweit 
derselbe eben für jene in Betracht kommt. So schliesst Dem. durch- 
aus richtig die ganze Darstellung 60 lln. ab: ovnovy Totg XQOPOig^ otg 
aTt^yysXXop^ otg syqatpoVj nadtv i^sXiyxoviai, <fvvfiy(ovia[A^voi> 
OiHttttm xal (fvvalrioi ysyovotsg tov t&v Ocok^cop oXe&qov, 
Hier werden also die drei behandelten Theile recapitulirend zusam- 
mengefasst: die xqovoi, zuerst, weil unmittelbar vorher behandelt, 
sodann das anayyiXlstv, endlich das Tisid'stp: denn dieses ist in 
dem yqdtfBtv enthalten. Daran schliesst sich dann die Egression 
61 — 71, in welcher gleichfalls die Verbindung von I und 11 fest- 
gehalten wird. Ueberall wird Bezug genommen auf das was enstd-ov 
sowohl, als das was anriyysl.Xov. Der Erfolg, das Resultat sowohl 
jenes wie dieses ist die Vernichtung der Phoker und daher wird 
diese schon 60 fin. als der wesentliche Inhalt der Verschuldung dar- 
gestellt, welche aus diesem Gesammttheile der Klage folgt. Zu be- 
merken ist auch hier wieder, wie ich schon in Bezug auf den Theil 
der Klage 17 — 28 bemerkt habe, dass durch die ganze Auseinander- 
setzung 29 — 60 und 61—71 die Voraussetzung sich hindurchzieht, 
Aeschin. habe von Phil, bestochen gehandelt. Von einem Beweise 
dieser Behauptung (des Punkts V) ist noch nicht die Rede gewesen, 
aber die immer wieder in neuen Wendungen hervortretende Ueber- 
zeugung des Dem. geht so unmerklich in die Richter selbst über. 
Noch am Schluss heisst es : elg tavxa iiidd'fadavTBg savtovg VfjbSg 

Auf die itavaüxsvil (17 — 71, wenn wir die verschiedenen Theile 
in Eins zusammenfassen) folgt die äyaaxevij, Sie enthält mehrere 
nqoxaralrjtpsig, Dass diese Einwände des Aeschin. sich überhaupt 
auf das ganze Vorhergehende, I und II (und theilweise IV), beziehen, 








— 17 — 

hebt Dem. selbst sofort hervor: slg tovx* ävaidelag — ^^avaxovoi^ 
cj(ft€ ndvtoav r(^v nsnQayikivfav satSt Vra cov dnijyysiXey wv 
vnetSXBXo <ap rretpsvcanxe rrjv noXiv (dieser letzte Ausdruck 
das Wesen des änayyeXXsiy und vTTio'xvffi'a^a» , eben weil aus 
böser Absicht geschehend, zusammenfassend). Der erste Einwand 
wird 72 — 77 widerlegt. Scheinbar enthält diese Stelle mehrere 
Einwände, indem Dem. ngärov fisv ^axedaifAOvioDp, nxa 0(axi(ay, 
ff^' 'HyfjaiTiTtov xaxtiyoqfiosi zusammenfasst, wozu im Folgen- 
den noch (ig IlQo^epov ovx vnsdi^avrOj wg aosßsXg slalvj (ag 
— hinzukömmt. Diese verschiedenen Einwände werden dadurch 
zu Einem, dass ndifva dtJTtov ravta ttqo tov tovg TXQidßs^g 
tovxovg dsvQ^ ^xeiv sninqaxto xa\ ovx ^p ifiTTodcoy tw TOvg 
0(axeag (fcil^sad'at. Eben hierdurch aber werden diese Einwände 
widerlegt. 

Diese Einwände, die Demosth. hier zurückweist, und die Aeschin. 
fast alle auch wirklich anfuhrt (130 ff.), waren zu erwarten von 
Aeschin. und wir mussten uns wundern, wenn Dem. sie nicht 
erwähnt hätte. Den Phokern war von Athen Hülfe geboten, in- 
dem Proxenos den Auftrag erhielt, Alponos Thronion Nikaia zu 
besetzen, wodurch der Pass von Thermopylae beherrscht wurde. 
Die Phoker aber — Phalaekos — wiesen diese Hülfe zurück und 
legten diejenigen, welche als Gesandte auf eigiene Hand nach Athen 
gegangen waren, um die Athener zu diesem Schritte zu bewegen, in 
Fesseln. Ebenso bot Archidanoos, König von Sparta« den Phokern 
seine Hülfe an ; auch er wurde mH der höhnischen Antwort zurück- 
gewiesen Tcr t^g 2ndqTfig dsivä dsdiivai, %al ii'q td tvccq^ 
avTotg. Dem. musste also erwarten, dass Aeschin. auf den Vor- 
wurf, er habe die Phoker preisgegeben, antworten werde: wie sollte 
Athen Den Leuten Hülfe bringen, die Alles, auch die Hülfe Athens zu- 
rückgewiesen hatten. So nothwendig nun die Erwähnung dieser 
Einwände von Seiten des Dem. war, so einfach und überzeugend 
ist ihre Widerlegung: die Rettung der Phoker musste geschehen 
nicht ihretwegen, sondern Athens wegen ; stiessen jene die Hülfe zu- 
rück, so mussten die Athener dieselbe dennoch für sich selbst brin- 
gen und Pylae vertheidigen. 

78 f. bringt einen zweiten Einwand, kt auch Phokis verloren, 

so ist doch die Chersonnesos gerettet. Dieser Einwand liegt scheinbar 

sehr entfernt und ist in dieser Fassung auch ntcht von Aeschin. 

beigebracht, doch vgl. 69 ff. Dennoch konnte er so oder ähnlich 

2 



— 18 — 

^wartet werden. Es war unter aUen Umstanden yon Aesch. eine 
Darlegung zu erwarten, dass die Lage der Stadt eine so verzweifelte 
gewesen sei, dass die Athener hätten froh sein müssen, sich im Be- 
sitz der Chersonnesos v^bleiben zu sehen ; Phokis sei nicht zu retten 
gewesen. Dagegen macht Demosth. geltend, dass es sich damals 
Oberhaupt nicht um die Chersonnes gehandelt habe : diese war ge- 
rettet und für Athen gesichert: auf sie war überhaupt keine Rück- 
sicht zu nehmen. Aber selbst wenn der Besitz der Chersonnes da- 
mals auf dem Spiele gestanden hätte, so war jedenfalls mehr Aussicht 
für die Athener, dieselbe für immer sich zu erhalten, wenn sie durch 
energisches Handeln sich in eine achtunggebietende Stellung dem 
Philipp gegenüber setzten, als jetzt, da sie den Schlüssel Griechen- 
lands Pylae fortgegeben hatten und eigentlich nur noch von der 
Gnade Philipps abhingen. 

80 ff. bringt Dem. einen neuen Einwand vor. Wenn wirklich 
die Behauptung, dass Aeschin. schuldig an dem Verderben der Pho- 
ker sei, begründet war, so war nichts natürlicher, als dass die Pho-. 
ker selbst diese Beschuldigung gegen ihn erhoben oder wenigstens 
des Dem. Vorwurf unterstützten und bestätigten. Dieser Einwand 
hat auf den ersten Blick etwas einleuchtendes. Dem. wusste aber 
ausserdem , dass Aesch. ausdrücklich zu dem Zwecke der Wider- 
legung der Anklage jene Männer aus Phokis imd Boeotien hatte 
kommen lassen, deren Zeugniss er für sich auffahrt. Ob dieselben 
yon Aesch. bestochen waren , wissen wir nicht ; Dem. spielt jeden- 
falls 80 fin. darauf an. Dem. sucht diese Einrede zu widerlegen, in- 
dem er anfuhrt, dass die besten und edelsten Phoker das Vaterland 
verlassen haben; die schlechten, die für Geld etwa eine solche An^ 
. klage übernehmen würden, finden keinen Geber: denn wer der 
Phoker sollte ihnen dasselbe geben, da das Land ausgesogen ist? 
Andere aber bekümmern sich um die unglücklichen Phoker nicht. 
Die Masse dieser aber ist so durch Noth und Unglück niedergebeugt, 
dass sie an nichts weniger denken, als an solche Klage. Wird so 
schon der Einwand zurückgewiesen, so folgt 82 der Beweis, dass er 
überhaupt unzulässig: Aesch. ist angeklagt, an dem Verderben 
der Phoker Schuld zu sein; ob er von einem Phoker oder 
von Dem. angeklagt ist, bldbt gleichgültig: hier kommt es dar- 
auf an zu beweisen, dass die Klage unbegründet, also entweder dq 
ovx äitoloiXaai Ooxetg oder tig odx vniaxsto adosi^v avvovg 
OiXinnov. 



— 19 — 

Hier (83 ff.) scheint Dem. der passendste Ort zu sein, ein Bild 
der entwürdigenden traurigen Lage des athenischen Staats zu ent- 
werfen, die eben durch die Vernichtung der Phoker über sie gekom- 
men ist. Diese Ausführung knüpft sich eng an das Vorhergehende. 
Hat Dem. 82 geschlossen: oSra yccQ dUd^nag avtovg — ägve 
(i7jT€ Totg (plXoig ßofid-Btv fbijTe Tovg ix'9'QOvg äfivvsa&cck 
dvvccaS-a&y so liegt eine Vergleichung des Zustandes. der Phoker 
mit dem der Athener fast auf der Hand. Aber auch in direkter 
Beziehung zu dem Processe selbst steht dieser Theil: ist der Zustand 
Athens in der That so beklagenswerth und zwar herbeigeführt durch 
die Vernichtung von Phokis, an der wieder die Gesandten und spe- ' 
ciel Aeschin. Schuld haben , so fallt auch die Schuld an der Lage 
Athens auf jene zurück. Dieser Zustand Athens bildet daher ein we- 
sentliches Moment in der ganzen Klagführung. So gewiss wir daher 
diese ganze Ausführung einerseits als Egression bezeichnen müssen, 
so passend ist dieselbe auf der andern Seite. Behauptet Aesch., er sei 
nicht Schuld an der traurigen Lage der Phoker, so dreht Dem. den 
Spiess um und schleudert ihm nicht nur die Schuld an dem trost- 
losen Zustand von Phokis^ sondern auch an dem des eigenen Vater- 
landes ins Gesicht. Dadurch , dass die Phoker Herren von Pylae 
waren, waren die Athener sowohl gegen die Thebaner, als gegen 
Philipp sicher, und kein Einfall in die Peloponües, in Euboea, in 
Attica zu befürchten. Durch die Vernichtung von Phokis mit seinen 
befestigten Städten, durch die Besetzung von Pylae ist diese Sicher- 
heit zu nichte geworden und der erste Feldzug , auf dem die Athe- 
ner mit so gutem Erfolge Griechenland gegen ein^ Einfall Philipps 
vertheidigten, ist vergeblich gewesen, die Gelder sind unnütz aus- 
gegeben , die Hoffnungen in Bezug auf Theben zu Sehanden gewor- 
den. Die Thebaner sind mächtiger alsTorher geworden: statt des 
freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Theben uüd Athen herrscht 
Misstrauen, Feindschaft, statt der Demüthigung Thebens die grösste 
Freundschaft mit Philipp. 

Durch ein schlagendes Beispierwird diese Hülflosigkeit Athens 
treffend geschildert: dasselbe ist gerade deshalb so passend, weil es 
mit dem Process selbst in unmittelbarstem Zusammenhange steht, 
die Schuld der Gesandten noch vergrössernd , gleichsam eine Fort- 
setzung ihrer Bemühungen gegeu Phokis enthaltend. Als die Nach- 
richt von der Vernichtung der Phoker nach Athen kam, verbreitete 

sich daselbst eine solche Bestürzung, dass man, da das Fest der 

2» 



— 20 -^ 

Heraklecn nahe war, beschloss, dieses in der Stadt zu feiern, im 
Glauben Philipp werde sofort in Attica einrücken. Die Sitte des 
Dem., eine Sache dadurch in ihrer vollen Bedeutung 2U zeigen, dass ihr 
ein Gegenstück vorgehalten wird, wird auch hier befolgt. Dem. lässt 
einen Beschluss des Diophantos verlesen , welcher eine Danksagung 
hatte veranstalten lassen nach der glücklichen Vertreibung des Phi- 
lipp durch Besetzung von Pylae — Dem. setzt bitter hinzu: ore td 
diovT^ i7tot>€its — und stellt dieser dann das ipij(pKffAa des Ralli- 
sthenes gegenüber: wie ganz anders war es gekommen, als diese 
euch vorgepredigt und verheissen hatten! Und das war nur der 
Anfang der beständigen Unruhe und Sorge, in der ihr euch seitdem 
befandet. Welchen jämmerlichen Eindruck musste es machen, wie 
mussten sich die Athener gedrückt fühlen, wenn sie, die stolz die 
Vorsteherschaft von Griechenland mit Recht beansprucht hatten, nun: 
dadxtg TtQog IToQd-fKp ^ jtQog Meydqoig äxovovxeg dvvainv 
0M7t7iov xal ^Svovg i&oqvßstdS's Ttäureg iniaradS'S, Selbst 
in Attica einzufallen ist dem Philipp die Macht durch diese gewor- 
den. 86 f. 

88 — 90 folgt eine neue ngoxataXfiiptg, Allerdings kann man, 
genau genommen, dieses Stück kaum als eine solche betrachten. 
Denn man sollte meinen, dass ein Preis des Friedens, wie i|in Aeschin. 
erheben wird nach des Dem. Ueberzeugung , überhaupt ganz unan- 
gebracht sei, weil er mit der Klage selbst nichts zu thun habe. 
Aber Dem. kennt seinen Gegner und dieser kennt wieder, eben so 
wie Dem., die Athener zur Genüge, um zu wissen, welch ein beliebtes 
Thema der Frieden den Ohrea derselben ist. Dem. musste erwar- 
ten, dass Aeschin. sagen würde: wenn auch Phokis verloren ist, so 
habt ihr doch nun endlich nach langen Jahren des Kriegs den Frie- 
den, welcher seine segnenden Wirkungen auf das Land ausübt. Wie 
richtig Dem. den Aesch. beurtheilt, zeigt der Umstand, dass sein 
Gegner wirklich ein begeistertes Lob des Friedens anstimmt 172 ff. 
Dem. zeigt nun, wie der Frieden, allerdings an und für sich xaXov 
Ttq&Yiia <pvcf€t, durch Aesch. verderbt ist und seine Segnungen 
einbüsst; wie die Macht Philipps, durch die Eroberungen in Thrakien, 
durch die Besetzung von Pylae in bedenklicher Weise gewachsen, 
den Athenern keinen Augenblick Ruhe lässt und sie nicht zum Ge- 
nuss des Friedens kommen lässt. , 

Hiermit ist der erste Theil der Klage beendet. Er enthält also 
die zeitüch und wesentlich eng zusammenhängenden Punkte I und 



— 21 — 

II der partitio, sowie den Punkt IV, sowdt dieser für die in Punkt I 
und II behandelte Zeit in Betracht kommt. Er zerfällt sachgemäss 
in die beiden Unterabtheilungen der xatMxsvij bis 71 und der 
äpa(fic€v^ bis 90. Er hat, trotzdem er verschiedene Punkte der 
partitio behandelt, seine Einheit darin , dass er die Zeit nach der 
Rückkehr der Gesandten behandelt und deshalb ganz vorzugsweise 
oder ausschliesslich sich mit den Angelegenheiten der Phoker be- 
beschäftigt. Daher beziehen sich auch die nQ09cataXijifJ€ig ent- 
weder speciel auf das Schicksal der Phoker oder wenigstens auf 
die Zeit nach der Rückkehr der Gesandten aus Makedonien über- 
haupt Daher sind auch die iyxoifua eiQ^pfjg hier allein am 
Platze. 

91 ff. enthalten eine recapitulatio, äpaxsipaXaiooaig des ersten 
Haupttheils , worüber vgl. Ernesti lex. techn. s. v. apaxeifalaleoaig 
pag. 19. Volkmann a. a. 0. pag. 129. Dem. hebt hervor, dass die 
Richter o(tov oviog aXtiog axeipdfievoi danach dem Aeschin. Dank 
oder Strafe zukommen lassen sollen. Dem. macht die Richter dar- 
auf aufmerksam, wie Aesch. jedenfalls versuchen werde, den Stand- 
punkt der Klage zu verrücken, wie er durch Zusammenwürfelung 
verschiedener Momente die Aufmerksamkeit von dem, worauf es bei 
diesem Processe eigentlich ankomme, abzuwenden suchen werde. 
Und nun stellt Dem. noch einmal in kurzen schlagenden Sätzen, 
theilweise in Form von Frage und Antwort, den im Vorhergehenden 
behandelten ersten Haupttheil der Klage zusammen. Sehr geschickt 
aber ist diese dvaxstpahxicoüig mit dem unmittelbar vorhergehen- 
den Stücke, den iyxoofjbta elQijvfig des Aeschin., verknüpft, indem 
die slqi^Vfi hier ganz besonders betont wird. Insofern ist dieses 
Stück 91— -97 auf der einen Seite eine äusserst geschickte Erweite- 
rung und Ausführung der wichtigsten TtgoxarccXfixp^g, der iyncifua 
elQfjp^g, anderseits eine nothwendige ävaKS(paXai(oatg des ganzen 
ersten Theils. Meisterhaft ist die Hervorhebung des Kernpunkts, 
um den es sich handelt: ßovlevofAh^csv vfidSv ov nsql zov el 
noiffixiov elQ^pfjv ^ fAi^j ciXX^ vniq tov noiav Tiva xotg xä 
dlxata XSyovcftp äptsiTtwpj rto iiiad-ov yqatfopvi, (Svpstne dcoQa 
laßcipj xai (lera xam^ inl rovg OQXOvg atqed'stg cip fi,ip vfjbstg 
TtQogetdllaTs ovd^ ottovp inoirjasp^ zovg d^ iitt noXiiiov 
dmdoad'ipTag äjtoiXeas rdSp (fVfifAccxcop xal TfjXixavza xai xoiccvt' 
iifj€V<fato, tiXix'' ovdelg Ttdnox^ aXXog äp^QcoTtiOP ovrs nqoxsqop 
ovd-'' v(fT€QOP. Wenn Dem. hier den Inhalt der Gesammtklage, 



— 22 — 

nicht bloss des ersten behandelten Theils, angiebt, so kann das nicht 
auffallen, da es dem Dem. darauf ankommt, entgegen dem erwarte- 
ten Verfahren des Aesch. , alle Momente durch einander zu werfen, 
den eigentlichen Kern, den Gesammtinhalt der ganzen Klage bestimmt 
hervorzuheben. Und wie die äpaxstpaXalcoifig nicht nur eine 
trockene Wiederholung des schon gesagten sein, sondern den Haupt- 
punkt recht kräftig betonen soll , so kehrt Dem. am Schluss dieses 
Stücks 96 f. noch einmal zu der stgijvij zurück, dem schwerwiegend- 
sten Einwurfe des Aeschin. Dieser wird alle die Punkte, welche 
der schQn behandelte Haupttheil der Klage enthält, niederzuschlagen 
suchen durch t^g stqi^vfig omoXoyia. Wie sehr Dem. diese fürch- 
tet, sagt er selbst. Aber, fügt er hinzu, freut ihr euch wirklich über 
den Frieden, wie wir ihn haben, so sagt den Feldherren Dank, die 
ihre Sache schlecht gemacht haben ; denn hätten sie erfolgreich ge- 
kriegt, so hätte man euch nicht einmal das Wort Frieden nennen 
dürfen. Eigijpfi ybiv ovv dh* ixeipovg (die Feldherren), imxipdvvog 
di %al {fifai^qä xal &7H(Stog 6tä rovTOvg yfyov€P öcaQodo- 
xij(faPTag. EXQjrer^ ovvy siQyst^ avvov täv vniq t^g stQijpfig 
loyaVj ftg di xovg VTtiq %äv nsTtgayiiivoav ifjifßtßd^eve, oi 
yaq Alcf x^vfjg vnsjg %^g siQijpfig nqivttaij ov, aXi^ .17 slgi^pij 
di^ Alcxiv^iv dhaßißXfivai. 

Dem. gebt jetzt zum zweiten Haupttheile der Klage, dem 
Punkte Y, sl ädmQQÖoxijtcog ij fi^ navta tavta ninqaxta^ (4), 
über. Aeusserlich wird derselbe unmittelbar an das vorhergehende 
angeknüpft, indem er ganz als weitere nQOxavaXfitptg erscheint. 
Aber das darf uns nicht irre machen. Dem. nemlich sagt: orf giiv 
tolvvv alaxqäg xai xaxäg navta tavS^ vnö tovtcop änöXtaXe 
xal ökifp'd'aqTai^ olfiai ndvtag ifkag slöivah. Ist dieses aber 
in^ aßsXzsqiag ^ d&^ sv^jd-siay ^ di^ äXXfjv ayvotav ^yrtpovv 
geschehen t so will ich selbst Aesch. freisprechen. Denn obgleich 
im Grunde selbst diese Entschuldigung durchaus nicht stichhaltig 
ist^ so wollte ich sie doch gelten lassen. Aber: äif ^ivtoi did 
Ttovfiqiav äqyvqifOV Xaßdv xal d(Sqa, xal zom^ i^sXsyx^-^ (fa- 
(p(3g vn^ avtäv %&v nsnqayiJbh^iop* ^dXtava iiiv, el otov t«, 
dnoxTfipatCy st di jjifij, l^äpva totg XotJtotg naqäds^y^a notij- 
datB. dxonstTB dii top vnsq tovrcav SXeyxoVj fag dixaiog 

Wie gesagt, so scheinbar dieses in der Form eines Einwurfs 
des Aesch. auftritt, so kann uns dieses doch nicht verführen, das 




i 



— 23 ^ 

Folgende anders aufzufassen, denn als den zweiten H9upttheil d^ 
Klage, den Punkt V. Weshalb aber Dem. gerade hier die Behand- 
lung dieses Schlusspunkts der partitio giebt, darüber behalte ich mir 
noch einige Bemerkungen weiter unten vor. Völlig unpassend aber 
muss es erscheinen, wennYoemel (in seiner Ausgabe) hier (nach 101) 
das Stück 332 — 40 einschieben will. Ich denke doch, man erwartet 
jetzt den Beweis dieses angekündigten neuen Punktes, besonders da 
in den Schlussworten 101 axonstts d^ fov vniq tovrcav sXbyxov 
dg dlxaifOg stfTai^ fisd-* vfJbcSp so bestimmt auf den nun folgenden 
iXsyxog hingewiesen wird. 

Was die Ausführung dieses Punktes 102—33 betrifllt, so sind 
die hier angeführten nidtBtq nur svtexvoi,. Von einem Beweise 
des Bestochenseins seines Gegners durch Anführung von Zeugen, 
welche die Annahme des Geldes von Seiten des Aeschin. aus der 
Hand Philipps gesehen haben und bezeugen können, und ähnlichem 
Beweismaterial ist nicht die Bede: es sind Ttitttei^g Xoyixai, die 
über blosse probabilia nicht hinüberkommen. Dessenungeachtet 
darf man sagen, dass manche der hier angeführten Argumente in 
der That eine grosse moralische Kraft haben. So vor allem der erste 
102 — 110. Wenn Aeschin wirklich nicht bestochen war, so führt 
Dem. aus, so musste er sagen, dass Philipp ihm die Versprechungen, 
welche er hernach den Athenern vortrug, wirklich gemacht, ihn 
also absichtlich getäuscht und belogen habe, oder dass er t^ nsql 
taXka (pikav&QWTtiq dupirt [so etwas wirklich erwartet und 
gehofift habe. In beiden Fällen musste Aesch. den Philipp mit 
dem bittersten Hasse jetzt verfolgen. Davon aber hat Niemand 
bislang etwas erfahren; Aesch., obgleich ganz Athen Philipp 
hasst, verklagt ihn am wenigsten. Mit grosser Ueberzeugung schliesst 
daher Dem.: ov noQaxQovtt^elg oid* i^anat^d'slg äHcc fii- 
O^cioag avTOV xai Xaßdv äQyvQiov tarn Uns xal Ttqovöwxev 
ixeivw. 

Ja noch mehr — und dieses führt den zweiten Beweis ein. 
Als die Gesandten des Phil, und der Thessaler die Aufnahme jenes in 
den Amphictyonenbund verlangten und Aesch. eben erst erfahren hatte, 
dass das gerade Gegentheil von dem, was er verheissen im Namen 
Philipps, eingetreten sei, sein Hass also gegen Phil, am heftigsten sein 
musste, da hat er, als Alles in Athen dagegen war, allein dafür ge- 
sprochen upd zu dieser Frechheit noch Hohn hinzugefugt. 111 — 13. 

und weiter — ein neues Moment — : Philokr. hat sowohl durch 



— 24 — 

seine Thaten und Worte im Allgemeinen es gezeigt, als auch oft in 
der Yolksyersammlung eingestanden, dass er Gelder empfangen hat, 
sodass es von diesem nicht bezweifelt werden kann : kann von Aesch. 
etwas anderes angenommen werden , da er stets in innigstem Ver- 
kehre mit Philokr. gestanden und die Gegner Jenes stets zu den sei> 
nigen gemacht hat? War es sonst doch seine Pflicht, sich mit Ent- 
schiedenheit von jenem abzuwenden. Daher schliesst Dem. auch' 
diesen Beweis : evQ^asTs iieydXa, w avdqeg ^A&fjvatoij xal Svagy^ 
(ff^fAsta Tov xqi^iiaxa xovtov ex^ty, 114 — 15. 

Endlich als letzten Beweis (afj(i€tov) fuhrt Dem. die Klage des 
Hyperides gegen Philokr. auf, wobei Aesch. als Beistand dieses auf- 
getreten war. Dem. hatte gesagt, es gefalle ihm an der Klage nicht, 
dass Philokr. allein angeklagt werde, da die andern Gesandten eben 
so schuldig seien. Und so war Dem. aufgestanden und hatte gesagt, 
wem die Thaten des Philokr. missfallen, möge sich melden; aber es 
war keiner aufgestanden. Wenn auch die Andern hierfür Ent- 
schuldigungen haben möchten, Aeschin. habe keine und aus seinem 
Verfahren leuchte klar hervor, dass er bestochen sei. Passend knüpft 
hier Dem. noch die Bemerkung an, dass, wenn er nicht verurtheilt 
werde, er stets fortfahren werde im Interesse Phil, zu wirken; daher 
schon aus diesem Grunde ein Unschädlichmachen desselben wün- 
schenswerth sei. Wäre es schon Pflicht jedes ehrenhaften Mannes 
gewesen, selbst wenn Philokr. seine Gesandtschaft gut geführt, aber 
eingestanden hätte^ Gelder angenommen zu haben, von ihm sich ab- 
zuwenden, so war es doch in diesem Falle für Aesch. vor allem' 
nöthig. Ruft das nicht laut, dass derselbe gleichfalls bestochen ist 
ical TtovfjQog ioTtv ägyvqiov dvvsxäg ov dt^ äßsXrsQlav ovds 
dt^ ayvoiov ovd^ anorvyxdviav ; 

Damit hat Dem. die Beweise geliefert, welche er 101 versprach ; 
dass er selbst dieses so auffasst, zeigt die bestimmte Rücksichtnahme 
derWorte am Schluss der Beweisführung 119 fin. auf die Worte 101 : 
dv €vij&€^ap ^ dif^ äXlijv äyvotav tivtivovv und 119: d*^ 
aßsXteqiav ovdk di" ayvoiav. Ferner 101: diä novfjQlay äg- 
yvQiOV kaßoov xal dwqa und 119: Ttovfjqog idriv aqyvqiov. 

Betrachtet man diese vier Beweispunkte, so ist ihre Reihenfolge 
nicht zufällig: Dem. folgt dabei der Zeit: er schildert zuerst den 
Hass, den Aesch. sofort damals fassen musste, als er sah, Philipp 
verfuhr ganz anders als er versprochen; er geht dann auf die der 
Zeit nach folgende Gesandtschaft der Thessaler und Phil, über , um 



^ 




— 25 — 

auf das Benehmen des Philokr. zu kommen , mit welchem Aesch. 
in engster Beziehung gestanden hatte und welches der vor Kurzem 
erfolgten Klage gegen Philokr. voraafgegangen war. 

Ich habe schon oben gesagt, dass man diese nidTStq nur als 
schwach bezeichnen kann: es sind Indicien, dtnieta^ die über eine 
gewisse Wahrscheinlichkeit nicht hinüber gehen. Dem. selbst musste 
das fühlen und erwarten, dass Aesch. diesen Punkt bestimmt hervor- 
heben werde. Daher sucht er 120 diesem erwarteten Einwände des 
Gegners zuvorzukommen. Aesch., sagt Dem., wird mir entgegnen: 
was du da anführst ist kein Beweis ; ich verlange die Vorführung von 
Zeugen, von schriftlichen Documenten etc. Diesem setzt Dem. die 
Worte entgegen, dass die That^achen selbst, die er anführe, viel 
mehr beweisen als Zeugen, die man überrede oder besteche etc. 
Ausserdem aber, fügt Dem. hinzu, trittst du selbst als Zeuge gegen 
dich auf, der du mir auf alles, was ich gegen dich vorbringe, nichts 
2U antworten vermagst. Dem. gebraucht hier eine rhetorische Figur, 
die für uns etwas sehr gesuchtes und gemachtes an sich hat, bei den 
Athenern aber wohl nicht ohne Eindruck bleiben mochte. 

120 darf man also als ngoxaTccXiiipig bezeichnen. Man mag 
es für unpassend halten, dass Dem., nachdem er für seine Behaup- 
tung vier ßeweispunkte angeführt und dieselben scheinbar deGnitiv 
durch die jiQOxatdXijipig 120 geschlossen hat, nun 121 ff. auf einen 
neuen Beweis übergeht. Aber Dem. verfährt hier völlig planmässig. 
Es ist ihm darum zu thun die Thatsache, welche er 121 — 30 anführt 
und auf welche er ganz offenbar das Hauptgewicht legt, den Richtern 
so vorzuführen, dass sie nicht durch irgend welche Einwände und 
Gegenreden in ihrer Wirkung wieder abgeschwächt werde. Deshalb 
schafft Dem. zunächst den Einwurf, den man gegen alle die hier auf- 
gefuhpten Beweise, auch gegen den in 121-30, vorbringen kann, 
aus dem Wege, um nicht gezwungen zu sein, nach 130 diesen Ein- 
wand zu behandeln, der die Wirkung von 121 — 30 wieder aufheben 
oder wenigstens schwächen konnte. 

Der Beweis, welchen Dem. 121 — 30 vorbringt, stützt sich auf 
die dritte Gesandtschaft des Aesch.; er ist nichts anderes als eine 
sehr geschickte Schilderung des Benehmens desselben vor und wäh- 
rend derselben. Dem. sagt, dass Aesch., um in Athen zu bleiben 
und etwaige Beschlüsse der Athener gegen Phil, zu hintertreiben, 
Krankheit vorschützte, dass ein anderer an seine Stelle ernannt, 
dass Aesch. dann aber, als Phokis eingenommen und seine Anwesen- 



-^ 26 — 

beit in Athea nicht mehr aöthig war, schnell noch an der Gesandtschaft 
sich betheiligte. 123 kann als Abschweifung erscheinen: die Er- 
zählung von der Lage der Phoker scheint nicht hierher zu gehören, 
sondern in den ersten Klagpunkt (vgl. oben). Es dient aber dazu 
die böswillige Planmässigkeit des Aescb. , mit welcher derselbe hier 
zu Werke geht, in yoUer Grösse zu schildern, die dadurch um so 
entsetzlicher wird, als sie so leicht hätte zu Schanden gemacht wer- 
den könnep; zugleich aber auch, um die Behauptung, dass Aesch. 
in besonderer Absicht in Athen zurückgeblieben, seine Krankheit 
nur eine simulirte gewesen sei, zu rechtfertigen: Aesch. blieb in 
Athen, um jede Maassregel, welche die Athener zum Schutz der 
Phoker etwa ergreifen konnten, sofort zu hintertreiben; als die 
Uebergabe des Landes an Philipp erfolgt war, war seine Anwesen- 
heit in Athen nicht mehr nöthig. Sehr gut wird der Verzweiflung 
der Athener die Planmässigkeit im Handeln des Aesch. , der rath- 
losen tagax^ und dem planlosen d'oqvßog jener 6 üofpoq xal äei- 
vog ovtog entgegengesetzt. 

Aber die Schlechtigkeit des Aesch. bei dieser Angelegenheit 
wird noch ühertroffen durch sein folgendes Benehmen, 128 ff. Wäh- 
rend die Athener in Yerzweifelung über ihre eigene Lage und die 
Vernichtung waren, nahm Aesch. Theil am Siegesfeste des Phil, und 
Qehte dabei yon den Göttern Vernichtung auf die Feinde Philipps, 
also auf das eigene Vaterland, herab. 

Hiermit ist die Beweisführung des zweiten Theils abgeschlossen. 
Dem. fasst 131 — 33 die ganze Beweisführung noch einmal in einer 
recapitulatio zusammen und knüpft daran , wie beim ersten Theile 
der Klage, die Aufforderung an die Richter, die volle Schwere des 
Gesetzes über den Angeklagten walten zu lassen. Ein Unterschied 
aber in der Behandlung dieses zweiten Theils yon der des erßtan er- 
giebt sich darin, dass, während Dem. den ersten Theil nach der 
avaonsvi^ mit der Aufforderung an die Richter, die gebührende 
Strafe über Aesch. zu verhängen , und mit einer dpax€g>aXal(aaig 
schliesst, hier diese äyax9g>aXal(a(f^g zusammen mit jener Auf- 
forderung an die Richter unmittelbar hinter der xavatfxsv^^ 
vor der ävagxev^ erfolgt; denn das Stück 136 — 49 enthält 
die aya<f^€Vfi dies^ Theils. Wenn nun aber schon an und 
für sich eine verschiedene Form der Behandlung des ersten und 
zweiten Theils nicht nur nicht unpassend > sondern durchaus ange- 
bracht ist, so liegt doch auch noch ein besonderer GruQd vor, wes- 




— 27 — 

halb Dem. anmittelbar nach 130 in den §§ 131 — 33 seine Ausfüh- 
rung , als wäre sie völlig beendet , abschliesst. Haben wir schon in 
120 eine nQOHavdXfjipig gefunden, so muss man sich wundem, dass 
Dem. nun noch einmal^ 134 — 49 eine Reihe von TtQoxatakijxpsig 
beibringen sollte : gab es überhaupt 'deren gegen jenen Theil der 
Klage, so konnte unmöglich die. eine mitten zwischen den Argumen- 
ten stehen, während die andern denselben folgten. Sehen wir uns 
aber jenen Theil 134 — 49 etwas näher an, so kann man denselben 
als eigentliche ävMxevfj der vorhergebenden confirmatio durchaus 
nicht bezeichnen. Dem. führt in diesem Stücke aus, dass man sich 
durch die Yerurtheilung des Aesch. den Phil, nicht zum Feinde 
machen werde. Aber iist dieses ein Einwurf, der gegen die Behaup- 
tung, Aesch. sei von Phil, bestochen, erhoben werden konnte? Und 
war es überhaupt ein Einwurf, der, unparteiischen ehrenhaften Rich- 
tern gegenüber, geltend gemacht werden konnte? War Aesch. sqhul 
dig, so war gegen ihn das Yerdict auf Schuldig unter allen Uni^tän- 
den auszusprechen und durch keine Rücksicht zurückzuhalten. 
Dem. hebt selbst 134 diesen Gesichtspunkt hervor. 

Aber, so müssen wir sagen, wenn auch von ideellem Stand- 
punkte aus eine solche Einrede unstatthaft war, in Wirklidikeit war 
sie den Athenern gegenüber von grösster Wichtigkeit. Frieden, 
Ruhe, Bequemlichkeit, das war für die grösste Mehrzahl ^er Athener 
der einzige Gesichtspunkt in der Beurtheilung aller Dinge. Und 
deshalb war die Behandlung dieses Punkts von Seiten des Dem. 
durchaus nothwendig. Es ist eine äpa<fx€vi], die Zurückweisung 
eines Einwurfs , aber freilich hat dieser Einwurf sehr wenig Bezie- 
hung zu der vorhergehenden xatMxsvij. Dem. hält äusserlich die 
Form der Beweisführung fest, indem er der confirmatio die refu^tio 
folgen lässt, aber innerlich ist kein oder nur ein sehr schwacher 
Zusammenhang zwischen diesen beiden Stücken. Daher auch mit 
Recht unmittelbar nach der xaxaoxevi^ die recapitulatio erfolgt und 
nicht erst nach der ävaaxsvij. 

Man könnte nur noch die Frage aufwerfen , ob dieser Punkt 
nicht passender an einem andern Orte behandelt wäre , etwa am 
Schluss der gesammten Beweisführung. Darauf ist zu entgegnen, 
dass die ganze Art der Behandlung derartig ist, dass ein sehr naher 
Zusammenhang mit ,dem im Vorhergehenden Behandelten entsteht. 
Es ist das kein Widerspruch mit unserer obigen Behauptung, diese 
avaaxejüi^ sei fast ganz ohne Beziehung zur xazaaxcv^. Weiss 



- 28 — 

Dem. die Widerlegung jenes Einwurfs so zu behandeln, dass dadurch 
ein Zusammenhang, eine Beziehung zur xataitxevij entsteht, so be- 
weist das nur die grosse rhetorische Kunst desselben: er verknöpft 
diesen Theil so geschickt mit dem vorhergehenden, dass den Hörern 
es als ganz selbstverständlich erscheint, dass derselbe hier und nicht 
anderswo steht. Diese Verknüpfung der beiden Theile geschieht 
nun so, dass Dem. den athenischen Gesandten, welche, wie die vor- 
hergehende confirmatio zu erweisen suchte, Gelder von Phil, empfan- 
gen und die tiefe Schmach über ihr Vaterland herbeigeführt haben, 
die thebanischen entgegensetzt, welche keine Gelder empfangen und 
trotzdem ihre Stadt so mächtig gehoben haben. Es folgt daraus, 
dass ein V\^iderstand gegen Phil, und seine Wünsche und Absichten 
durchaus nicht selbstverständlich den Hass desselben erregt, sondern 
seine Achtung erwirbt. Die Gesandten Thebens schlugen alle Ge- 
schenke aus und die Folge ist, dass ihre Stadt gross und mächtig 
ist; die Gesandten Athens haben Geschenke bekommen, sie haben 
in den verwüsteten Gebieten der Bundesgenossen Besitzthümer, 
Güter erworben; dafür ist aber auch ihr Vaterland aufs tiefste er- 
niedrigt. 

Dem. verfährt also, wie schon angedeutet, so zur Widerlegung 
dieses Einwurfs, dass er, ganz ähnlich seinem Verfahren in der 
Widerlegung der Aeschineischcn iyxdfucc etgijvfig ^^ ^'' ^^^ Spiess 
umkehrt und nachweist, dass niclit das von Aesch. Behauptete, son- 
dern das gerade Gegentheil dessen eintreten werde. Tritt also in 
der Form der Behandlung der beiden Xvae^g eine Uebereinstimmung 
hervor, so ergiebt sich dieselbe ja, wie schon bemerkt, in noch höhe- 
rem Grade im Inhalte derselben, indem beide sich auf den Frieden 
beziehend nachweisen, hier, dass derselbe durch des Aesch. Verur- 
theilung nicht gestört wird , dort , dass derselbe noch viel segens- 
reicher sich erwiesen hätte, wenn er nicht durch Aesch. verdorben 
wäre. Man erkennt aber daraus wieder, eine wie hohe Bedeutung 
gerade dieser Punkt in den Augen des Dem. hatte. 

Ganz eng mit 134 — 46 hängt das Stück 147 — 49 zusammen 
und ich kann in demselben nicht eine neue TtgoxecräXfiiptg mit 
Spengel sehen, sondern betrachte dasselbe als Fortsetzung der ersten. 
Die Form der ^Anknüpfung ov %oivvp &avfiei(raifi^ av^ ei xal 
TOtovto ti> toXfiija€i> Xiyeiv beweist nichts dafüf, dass hier wirk- 
lich etwas völlig verschiedenes beigebracht wird. Jedenfalls aber 
ist die Characterisirung dieser TtQoxaTccXfjiptg von Seiten Spengels 




— 29 — 

dahin, dass Aesch. die Schuld des schlechten Friedens auf die Feld- 
herren schieben werde, nicht richtig. Dem. sagt : ov %oivvv d-av- 
fidaatfi^ ävj et xai Toiovto ri toXfi^ffsi X^yetv^ (ag ovx ^v 
xaXij, ovä^ olav ^^iovv iyta t^p elqiqvfiv noii}aa<f&ai , xaxoog 
%ä noXiiito TCüV dxqarviY^v xsxQfjfAiycov, Hier sind die letzten 
Worte von nebensächlicher Bedeutung , das Hauptgewicht liegt auf 
den Worten otay ^^iovi^ iyoi. Dem. hat vom Frieden sprechend 
auseinandergesetzt, dass die Gesandten Guter und Segnungen daraus 
geschöpft, die Stadt dagegen Verluste und Erniedrigungen betroffen 
haben. Damit scheint er sich in principiellen Gegensatz gegen den 
Frieden zu stellen: er muss deshalb erwarten, dass Aesch. sagt: du 
redest gegen den Frieden und doch hast du dafür gesprochen und 
gestimmt! Daher hier die Auseinandersetzung, dass die Sachen da- 
mals durchaus nicht so lagen, einen Frieden unter Allen Bedingun- 
gen zu schliessen, sondern dass die Erreichung eines, wenn auch 
nicht völlig günstigen, so doch gerechten Friedens möglich war. 

Wenn Spengel sich an dem xal in 134 stösst und daraus 
schliessen zu dürfen glaubt, dass schon eine TtgoxaraXfitp^g vorher- 
gegangen sei, so ist das unbegründet. Dem. hat im Verlauf seiner 
Bede schon soviele Einwände des Aesch. angeführt, dass es durch- 
aus passend ist, hier durch ein xai zu allen übrigen einen neuen 
hinzuzufügen; dass dieses xal sich auf einen kurz vorhergegangenen 
beziehen müsse, dafür liegt kein Grund vor. 

Ich werfe die 149 fin. stehenden Worte dXXä v^ Jia rovg 
avfAfidxovg anst^xevat (p^aei ttS noX^fiM als fremden Zusatz 
aus, indem ich sie als ursprüngliche Bandglosse betrachte, die spä- 
ter in den Text selbst sich eingeschlichen hat. Ich schliesse mich 
hierin den meisten Herausgebern an; Arn. Schaefer hält sie mit 
Becht für das Bedenken eines Lesers und meint, sie seien beigeschrie- 
ben in Hinblick auf Dem. Ol. 3, 8. S. 36, 27 aftsi^Q^xdrcjp äs XQV" 
fiaoif 0(oxi(av. (Dem. u. s. Zeit III, 2. S. 66.) 

Dem. hat seine Beweisführung geschlossen: tä d^ vfiirsg^ 
ovroif nenqdxaaiv: er knüpft an diese Worte beim Beginn der 
neuen Beweisführung unmittelbar an: or* yctq lavd'^ ovVw ni- 
nqaxxai xal ix tdoy ijuXoinwv hi [läXlop eXdBoS-s. Dieses 
iniXoma ist eben der folgende Punkt, der von 150 an ausgeführt 
wird. Ganz ähnlich wird 101 mit den Worten axonetts 6^ top 
vnkqxovTwv SXsyxov — , welche auf das folgende hinweisen, der 
Uebergang bewerkstelligt. 



— 30 — 

Spengel bemerkt (a. a. 0. 563) hieräber: ,,Ein förmliches 
Monstrum, etwas ganz unerhörtes und unmögliches ist, dass der 
zweiten TtQoxaTäXijtpig die narratio und araxstpaXalaxftg einver- 
leibt wird"; und weiter: „dass eine ausführliche Erzählung und 
nach Beendigung dieser die Erklärung, alle Anschuldigungen, welche 
der Redner am Eingange der Rede zu beweisen versprochen habe, 
seien nun vollkommen bewiesen — dass, sage ich , dieser ganze be- 
deutende und wichtige Abschnitt § 149 — 181 einer ganz unbedeu- 
tenden nqouccndXfixfJig einverleibt erscheint, nach deren Been- 
digung wieder zu einer neuen TtQOxatäXfjifJ^g übergegangen wird." 

Was nun zunächst die dnjyfiifig betrifft, welche 150 ff. erfolgt, 
so ist sie eben nichts anderes als die confirmatio des dritten Punkts 
(4: Tqitov dij äv nqogstdliav avvä). Wo meint denn Spengel, 
dass dieser Punkt erörtert werde ? Wenn Dem. in dem ersten bis 
60 (resp. 71 , wenn man' den Excurs mit einrechnet) reichenden 
Theile der Klage ganz bestimmt, wie er zu wiederholten Malen her- 
vorhebt, über Punkt I und II der partitio spricht {a ani^yystkev 
und a S7t€i(f€y) ; wenn er zu diesen beiden sodann 57—60 den 
Punkt lY (die XQovot), soweit derselbe auf Punkt I und II Bezug 
hat, hinzunimmt, um durchaus richtig die ganze Beweisführung ab- 
zuschliessen : ovxovv roXg xqovoig^ otg aTCijyysXXop, olg syqatfov^ 
ncufip i^aXeyxovxai, (ivvfiy(avi>ai»,ivot OiXinntfj wo das n&atv 
nicht etwa auf andere nicht aufgezählte Momente geht, son- 
dern die drei soeben genannten Momente zusammen fasst; wenn 
Dem. sodann im zweiten Haupttheile der Klage 98 ff. bestimmt 
ankündigt, dass er von dem Bestochensein des Aesch. sprechen 
wolle, also von Punkt Y {st adeoQodoxijttag ^ [a^ näyra xama 
ninqantxai, 4), und diesen Punkt in immer neuen Wendungen 
durch die ganze Beweisführung hervorhebt, um sowohl 133 beim 
Schlüsse der confirmatio damit zu enden : naqä tcov TtdoXovpttav 
rag nqä^etg iunveixo (Philipp) — og tä Vfiiteq^ ovrag alaxqäg 
anidoto (Aeschines), als auch nach der refutatio in 149 wieder 
dasselbe zu betonen: rä S* vikitsq* ovtoi nsnqdxaoiv — : so 
fragt man denn doch billig mit Recht, wo denn nun der dritte Punkt 
sei: (4 rqltov di, äv Tcqogerä^ctv* avvtp). Dass dieser Punkt in 
Form einer dnjytjtftg ausgeführt wird, ist eben so wenig wunderbar, 
als dass auch Punkt I und II und lY und Y so behandelt werden. 
Denn ist die ganze Beweisführung von I und II etwas anderes als 
eme dn^yf/aig, eine geschickt zusammengestellte Erzählung des Be- 



— 31 — 

nebmenB des Aesch. in der Zeit nach der Rückkehr Ton der 
Gesandtschaft? Und ist selbst die Beweisfflhrang yon V (IV 
kommt ja überhaupt wenig in Betracht) etwas anderes als die dii/- 
y^^tg einzelner Facta, die geeignet sind ein Licht auf das Verhalten 
des Aesch. zu werfen? 

Gehen wir zunächst etwas genauer auf den Theil selbst ein, so 
finden wir, dass Dem. in bestimmtester Weise im Verlaufe dieser 
dnjy^if$g, welche eben, wie gesagt, nichts anderes ist als die con- 
firmatio, heryorhebt, dass er hier wirklich die Nichterfüllung der 
Aufträge behandelt, welche den Gesandten von Rath und Volksyer- 
sammlung zu Theil geworden waren. Diese ganze Auseinandersetzung 
dient zugleich dazu, sein eigenes Verhalten,* im Gegensatz zu dem 
der andern Gesandten, als correct heryorzuheben. Die §§ 150 — 162 
bilden zunächst eine Einheit. Dem. zeigt, dass die schleunigste 
Reise nicht bloss noth wendig, sondern durch ein xp'^tpiOfia der 
ßovXri ausdrücklich befohlen war: es war auf Antrag des Dem. selbst 
durch die ßovi/q^ welche yon der ix%Xifala dazu autorisirt war, ge- 
geben. Statt diesen bestimmten Auftrag zu erfüllen , nvntXto ino- 
QevovtOj trotz der Gegenyorstellungen des Dem. 155 — 57; dass 
sie ferner auch die andern . Befehle des t/Jijq>tafAa während 
dieser ganzen Zeit nicht ausführten, sondern ganz nach Philipps 
Willen handelten: 158—60. Nachdem Dem. so ganz im Allgemeinen 
den Verlauf dieser Gesandtschaft geschildert hat, schliesst er yor- 
läufig 161: xavS'^ otav i^sHyxcmna^ ndpva — nßg ivBiSti — 
tovttf aaiCtifd'ai. Dass seine Aussagen sämmtlich richtig gewesen, 
beweist er sodann durch Verlesung des tfßijqtKXfia^ durch welches 
die Gesandten nach ihrer Wahl den Auftrag erhalten hatten , dem 
Philipp den Eid abzunehmen; femer durch den Brief des Philipp, 
in welchem er bestimmt heryorhebt, dass die Gesandten, wenn sie 
die Aufträge des Staats nicht alle erfüllt hätten, daran durch ihn ge- 
hindert seien, die NichterfüUung der Aufträge also bestimmt erwie- 
sen wird ; endlich durch das tfjiiq>i(t(ia des Philokr., welches diesem 
Briefe gegenüber gestellt wird, in welchem die einzelnen Friedens- 
bestimmungen aufgeführt waren und durch dessen Verlesung die 
Nichterfüllung derselben klar gestellt wird. Abgeschlossen wird 
diese Beweisführung sodann noch durch ikOQtvqB^^ welche ohne 
Frage durch genaue Angabe der Zeit, in welcher Phil, in Thrakien 
seine Eroberungen machte, beweisen sollen, dass es möglich ge- 
wesen wäre, den Phil, iv ^EXi^ifTtöyttf natalaßtty und spedel 



— 32 — 

durch die ^aQtvqicc des Eukleides, dem gegenüber Phil, dieses selbst 
bezeugt hatte. Die Möglichkeit der Ausführung dieser Aufträge wird 
allerdings gerade mit Rücksicht auf die Zeit von Aesch. 89 ff. bestrit- 
ten, aber das kommt für das Beweis verfahren des Dem. gar nicht in 
Betracht. 

Zu diesem Stücke sei noch folgende Bemerkung gemacht. In 
dem ersten Theile der Klage, welcher das dnayyelXetv und nei^siv 
also die Zeit nach Rückkehr der Gesandten, behandelt, werden die 
XQOPoi' in einem besondern Stücke 57 — 60 ausgeführt; in diesem, 
dritten Theile der Klage liegt der Beweis für diesen Punkt, welcher 
gleichmässig auch hier in Betracht kommen muss, schon mit in der 
Ausführung selbst enthalten. Dem. weist mehrmals ganz bestimmt 
darauf hin , dass er diesen Punkt fest im Auge behält : so bei dem 
yqdipsiV ro \fJ7i(pi<Siia 150; seine ganze Motivirung stützt sich auf 
die richtige Benutzung der Zeit; dann aber hebt er diesen Punkt 
ausdrücklich hervor: tqsX^ xal eXxodiv f^ieqag dvfjXoiaafisp ff, 
und im zweiten Theile dieses Punkts 158: äXXd vri JC iv Tovrw 
TW x^oj^o) Tovg OQxovg sXaßov; if. Am schlagendsten aber geht 
dieses daraus hervor, dass Dem. in dem Resume, welches er von dem 
bislang behandelten Theile 161 giebt, selbst diesen Punkt, die XQ^^^^^ 
ausdrücklich nennt; es heisst: xalroi Tav&^ oxav B^sXiyxoavTcci, 
TtapTttj Tovg ;f5oVoü^ ät^fjXcoxoTsg, lä sv Gq4^ri 7Tqo6p(iSvo^, 
IMfldiv iiv sxpifiipidctad'e TtSTtopfjxoTeg fi^d^ cov tsviiipiqov ^Vj rd 
ifjsvd^ dsvQ^ dnfjyyskxoTsg — : hier werden die xqovoi zuerst ge- 
nannt, weil Dem. vor allem auf das von ihm beantragte \f)i^q)i,Oiia 
Rucksicht nimmt, welches eine schnelle Reise befahl; durch das 
dvTiXtaxivai rovg xQovovg ist sodann rd iv Oq^icfl verloren gegan- 
gen für Athen, daher dieses als das zweite genannt wird; endlich 
verallgemeinert Dem. das vorhergehende, welches nur von der Nichts 
erfüllung Eines Auftrags sprach, in firjöip äv iifj^tpitfai^d-s ns- 
Tto^^xoTsg. Auffallen allein können die letzten Worte dntjyysX- 
x6r§g, worin scheinbar in den ersten Theil zurückgesprungen wird ; 
aber wenn es schon überhaupt in solchen Aufzählungen das Be- 
streben ist, recht viele Punkte an einander zu reihen, um durch die 
grosse Zahl derselben gleichsam die Grösse der Schuld auszudrücken, 
so lag die Erwähnung des dnayyiXle^v hier um so näher, als das- 
selbe in der That wesentlich mit den gewordenen Aufträgen zusam- 
menhängt : denn es wird mit demselben der Bericht über die Aus- 
führung dieser bezeichnet. 



— 33 — i 

I 



Der vorhergehenden Auseinandersetzung wird, ganz der De- 
mosthenischen Rhetorik entsprechend, die Reise der Gesandten bei 
der ersten Gesandtschaft entgegengesetzt, um die der zweiten da- 
durch in eine schärfere Beleuchtung zu bringen. * 

Sodann geht Dem. zur weitem Schilderung der Gesandtschaft 
über: hat er im Vorhergehenden von der Hinreise gesprochen, so 
behandelt er jetzt den Aufenthalt daselbst; daher den Worten 165 
t^y avT^v odov — ins^yoiJbspot 166 die Worte op roivvv %q6- 
vov fiiiev €H€Z xal xaS'^fisd'^ iv U^XXfi entgegengesetzt werden. 
Dem. spricht hier eben so viel von sich selbst, als von Aesch. Zu- 
nächst bildet 166 — 70 wieder ein zusammenhängendes Ganzes: es 
ist hier von Geschenken die Rede, welche Phil, zum Zweck der Er- 
kaufung den Gesandten gemacht haben soll. Dem. erklärt, dass 
Phil, durch Geldgeschenke unter der Bezeichnung von |Ma zu- 
nächst habe alle Gesandten dahin bringen wollen , etwas aus seiner 
Hand anzunehmen, weil es dann für den Einzelnen — Dem. zielt 
hier natürlich auf Aesch. — nicht so gefahrlich gewesen sei, noch 
speciel von Phil. Geschenke anzunehmen und sich erkaufen zu lassen. 
Dem. habe diese Geschenke zurückgewiesen, die übrigen Ge- 
sandten aber haben sie angenommen ; Dem. dagegen habe aus eige- 
nen Mitteln mehrere Gefangene losgekauft. Obgleich Dem. zu 
verschiedenen Malen andeutet, dass die Gesandten und besonders 
Aesch. sich haben bestechen lassen , so ist doch von einem Beweise 
dieser Behauptung absolut nicht die Rede. Denn es ist klar, dass 
die Allen Gesandten ganz öffentlich übersandten ^ivia nicht als Er- 
kaufung bezeichnet werden können, wenn sie auch in baarem Gelde 
bestanden und obgleich Dem. dieses so auffasst. Wies Dem. das 
Geschenk zurück^ so beweist das nur, dass er in dieser Bezie- 
hung ein zarteres Gewissen hatte, als die andern. Dass die Ge- 
sandten, alle oder einzelne, weitere Geschenke im Geheimen von 
Phil, erhalten haben, behauptet Dem. nur, bieweist es aber nicht. 

171 — 72 befolgt Dem. dieselbe Taktik, die wir schon oben 

kennen gelernt haben: er schiebt einen wohl begründeten Einwand 

mitten in die Beweisführung ein, um durch die darauf folgende 

Fortsetzung derselben den Eindruck jenes abzuschwächen. Dem. 

hat behauptet, dass ihm das Bestochensein des Aesch. zuerst klar 

geworden sei kurz vor der Abreise zur zweiten Gesandtschaft. 

Warum, kann er erwarten wird Aesch. fragen, hast du, wenn dir 

das Bestochensein der Gesandten bekannt war, wenli du also wissen 

8 



— 84 — 

musstek, dass wir im Gegensatz zu dir auf der Reise im Interesse 
Phil, handeln würden, die Wahl zur Gesandtschaft überhaupt ange- 
nommen? Denn da musstest dir sagen, dass du allein uns gegen- 
über nichts ausrichten würdest und dass doch die Schuld unsers 
Handelns mit auf dich fallen würde? Die Beantwortung dieses 
Einwandes ist sehr schwach Und macht einen sehr schlechten 
Eindruck: Dem. erklärt, er habe nur deshalb an der Gesandt- 
schaft theil genommen, weil er den Gefangenen versprochen habe 
bei der ersten Gesandtschaft, sie loszukaufen ; wäre das nicht ge- 
scliehen, so verschwört er sich {i^takfjg ßeTtoXoifATjv xal nqodiniq), 
würde '^r nie "daran gedacht hfaben , an der Gesandtschaft theil zu 
nehmen. Vgl. hiörzli Aristid. vsxv. q'/jt. a nsgl dsivÖt. ß' 
(IX, 390 f.). 

17*3 stfeHt Dem. sodann noch einmal, das Vorhergehende zu- 
sammenfassend. Sein Verhalten dem der übrigen Gesandten entge- 
gen, um 174 — 77 wieder auf die Schtild des Aesch. , die er sich 
während der Gesandtschaft durch Nicht befolgung der ihnen ge- 
wordenen Aufträge zugezogen, zurückzukommen. Da Dem. hier am 
Schlüsse idieiser at^gumentatio ist, so ist es selbstverständlich, dass er 
hier, Wo es sich um dfen Antrag auf Bestrafung handelt, nicht mehr 
von si(jh sölbst spHcht, sondern nur von Aesch. Sehr klug setzt er 
aber diesem den Namen des Phildkr. hinzu. Was nun die §§ 174 
bis 177 betrifft, in denen Dem. flie Schuld des Aesch. noch einmal 
zusammenfasst und 'weiter ausführt , so hebt er ganz bestimmt her- 
vor, dass dieselbe in der Nichtbefolgung der ihm gewordenen Auf- 
träge bestehe. So sagt *er: nqärov ph tolvvv 0a)X8ag ix- 
ünovdovg xal 'AkSag ahiifTjvccp xäl KsqtSoßXimriv und setzt 
hinzu: naqä t6 ijjfitpKSixa xal rd ngog Vfiäg siqijfiiva» So- 
dann: €ha to tp'qq)iäiib* snsX^lQijaav xivetv xal iiBtaiqsiVj icp* 
m TtQsaß^voPisg ^xopsv: hier liegt schon in dem xivsXv xal 
[AsralQeiVj dass dasselbe In einer Verletzung der gewordenen Auf- 
träge besteht. Sodann : ^ha Kaqdiapovg 0iXl7C7t(p (fvfifidxovg 
iviyqaipav. die Kardianer "waren also ursprunglich nicht als Bun- 
desgenossen des Phil, anf^ezeibhnet gewesen, die Gesandten fügten 
sich aber in diesem Zugeständniss dem Willen Philipps und handel- 
ten also gegen die Aufträge. 

Schon hier verfährt Dem. sophistisch, indem er Dinge, die 
ganz ohne Zweifel duröh den Diräng 'der Umstände gezwungen dem 
^1. nachgegeben waf^, dls Träwilfig von den Gesandten zugestan* 



— So- 
den, weil durch Bestechung erkauft, darstellt. Weiter aber noch 
tritt dieses im Folgenden hervor: Dem. hebt hei^ror, die Ge- 
sandten hätten seinen Brief, den er an die Athener aufgesetzt, nieht 
abgeschickt, sondern einen andern geschrieben: ahne Zweifel hatte 
Dem. in seinem Schreiben die Lage der Dinge schwärzer dd^rgesldtlt 
als die übrigen Gesandten thaten; daraus aber kai^n man weder einen 
Schluss auf Bestechung ziehen, noch hängt dieses mit den ihnen 
gewordenen Aufträgen zusammen; ausserdem scheint k«in Grun^ 
v^hand«n zu sein, weshalb Dem. nicht, trotzdem die andern Ge- 
sandten einen andern Brief schrieben, den seinigen doch abschickte: 
man darf schliessen , dass Dem. bei der Berathuhg über Absendung 
eines Briefs nach Athen seine Meinung zuletzt der der übrigen Ge^- 
sandten untergeordnet hat. Auch die fernerhin angeführten Einzel- 
lieiten stehen nicht mehr mit den Aufträgen in Zusammenhang: 
Dem. benutizt aber diese Gelegenheit, aus dem Aufenthalte in Make- 
donien Einzelnes, was besonders geeignet ist, ein gehässiges und 
verdacht^endes Licht auf Aesch. zu werfen, herauszugreifen und 
anzuführen. 

Hiermit ist der Beweis des dritten Klagpunktes, der Nichterfül- 
lung der Aufträge, beendet: 170-^77 bildet die dritte xaracxfv^. 
Wenn auf diese keine ävcus^svi^ folgt, so hat das eben darin seinen 
Grand, dass zu einer solchen überhaupt kein Stoff vorhanden war. 
Einzelnes hat Dem. schon im Verlaufe der na^c^ni^vfi selbst mit ein- 
gestreut; eine wirkliche opatfxsv^, die Ausführung bestimmter nq^- 
;i6ataXijtp€ig , ist nicht vorhanden. Ist dach selbst die contif matio 
nichts anderes, als eine geschickte Zusammenstelhing einzelner Mo- 
mente aus der Zeit der Gesandtschaft, unter denen nur das erste, 
das Zögern auf der Hinreise, entgegen dem bestimmten tpijcpKtfia, 
von wirklichem Gewichte ist. 

Mit vollstem Rechte also kann Dem. jetjst 178 seine Aufgabe 
als im Wesentlichen vollendet ansehen und daher ist hier die am- 
4ts<pcclal<aütg durchaus an ihrem Platze: sammtliche 5 Punkte der 
|)artiüo sind behandelt. Auch Hermogen. n. täv -antd. 3;, % 
(HI, 26) und Doxopatr. o^td. elgU^S^oy.l (II, »T9) fassen 178 ff. 
ails do^axe(paXai(o<ftg. Vgl. dazu Syrian. und MarceHin. In c^oA. 
eig mda. IV, 425. 412 f. Anonym. ^%6L elg dtdtf. 17, 74 (VII, 
j334). Gregor Corinth. «i^ Tomgl fied'. Seivot.iX l4(Vn, 1224ff). 
'Apein. €€;^p. ^f^t. nsgl ngootfifi IX, 532. 'Wir mfüssen dieses Gapi- 
ttel genau ansehen, denn tschon aus der recapitulatia seftst ersieht 



— 36 — 

man, dass die Auflassung der Rede, wie ich sie im Vorstehenden zu 
begründen gesucht habe, eine berechtigte ist. ÖMn. beginnt: (fvXlo- 
Ylüttd^ai, dii ßovXoiiai tä xaT^yogrifAip^ an* aQXV^i ^'^^> öc' 
viitv vnetfxofifjv aQXO[A€Vog xov Xoyov (4), del^oa rteTto^fixdig. 
Dem. erklärt also bestimmt,'' dass er]'sich genau an die im Eingange 
der Rede gegebene partitio gehalten und dieselbe jetzt durchgeführt 
habe. ^Enidei^V Bvdhv aXfjd-ig änfiyyekxdtaj dXXä (fBvaxiüav^^ 
Vfiägj iidqxvdi toXq ysysvfifA^voig avrotg, ov Xoyoig xqdiibsifogi 
es bezieht sich dieses auf den Punkt 1, welcher 17 — 28 ausgeführt 
ist. iniÖBi^^ ctXxiov ysyevfukivov tov fi^ d-iXsiv Vfjbäg &xovei,v 
i[AOV TdXfj&^ tatg vTrotf^eCficr*!' xal xotg inayyiXiXiCtOiv rotg 
Tovtov xazaXtjfpd'ivtag xotSj ndvva tdvavxla (fVfißovXsvtfäpTa 
ij idst xal T^ (Air t<Sv (ti>fifidj({OP avxB^novt* elqi^vfi rjf di 
0&XoxQ(itovg (twayoQcvitayTcc: es geht dieses auf Punkt U, § 29 ff. 
Man könnte es auffallend finden, dass hier das Resultat des nel^eiVy 
die Vernichtung der Phoker, welches in der Ausfuhrung selbst eine 
so grosse Rolle spielt, nicht erwähnt wird ; aber zu den obigen Wor- 
ten gehören eng die weiteren rovg xQ^POvg xaraTQiifjavxaj Iva 
fjbijö^ ei ßovXoKf&€ divaiad"* i'^sXd'etv stg 0(oxiag hinzu: das 
tovg XQOPOvg xazavqixpavta geht auf 57 — 61 und es wird hier 
also durchaus richtig Punkt II und IV zusammen genannt, deren 
gemeinsames Resaltat die Vernichtung der Phoker ist. Nur ist zu 
bemerken , dass Dem. , nach der Erwähnung der xqopoi hier, nicht 
später denselben Punkt noch einmal bei Punkt III hervorhebt, ob- 
gleich er auch hier in Betracht kommt : die einmalige Erwähnung 
des TOvg XQ^^^^^ dr^Xwxivat genügt ihm. Dem. fährt fort: 
xal {irtideil^^ avxov) aXX* inl x^g anodfuiiag noXXa xal ieiv* 
€lQya(f(iivoyj nqodedüaxoxa navzaj nenqaxoxa, dwq* Bxovxa, 
ovdiv iXXsXotTtoxa [lox^fjQiag, In diesen Worten sind die bei- 
den letzten Haupttheile der Klage , Punkt V und III gemeint. Zu- 
nächst ist zu bemerken , dass Dem. die Reihenfolge derselben um- 
dreht: während er in Wirklichkeit zuerst Punkt V in 98 — 149, so- 
dann III in 150 — 177 behandelt hat, zählt er hier zuerst III, sodann 
V auf. Der Grund bierfür liegt darin , dass durch das Bestochen- 
sein, Punkt V, die gesammte Klage erst ihre richtige Substanziirung 
erhält, weshalb auch in der Partitio dieser Punkt mit Recht an den 
Schluss gesetzt wird. Weshalb aber Dem. in Wirklichkeit diesen 
Punkt nicht am Schlüsse, sondern in der Mitte behandelt, wird uns 
weiter unten klar werden. Die Worte also aXX* ItxI T^g aTtodfUAtag 



— 37 — 

TtoXXa, xal dfiv^ elgyatTfiivor enthalten Punkt III, die Nichter- 
füllung der Aufträge. Dass Dem. hier nicht dieselben Worte ge- 
braucht, welche die partitio giebt, also etwa, wie Voemel erwartet, 
ufjdsp cor TtQogevä^a^^ vfAeig not^aavtaj hat durchaus nichts 
auffallendes: Dem. gebraucht den obigen Ausdruck dem wirklic^hen 
Sachverhalte gemäsid, weil er 150 — 77 nicht bloss von den Auf- 
trägen gesprochen, sondern in allgemeinerer Weise auf das ganze 
Verhalten des Aeschines während der Reise eingegangen ist. Mit 
vollstem Rechte schliesst also Dem. "seine Aufzählung mit den 
Worten: ovitovv rav&^ vneaxofifjp h &Q%^^ xavx^ irtidsi^a. 

In welchem Stucke Spengel die Ausfuhrung des Punktes III 
sieht, deren Erwähnung hier in der äpax€<paXaieoaig er doch für 
nothwendig hält und deshalb, da er in den Worten aXXa etc. das- 
selbe nicht erkennt, die Worte fifidsv wv ii/Jfi<pi(fa(fd'e nsnoirixoxa 
oder ähnliche eingeschoben wissen will, kann ich nicht erkennen. 
Ueberbaupt nimmt Spengel gar keine Rücksicht auf die partitio und 
ihre Theile und doch kann keine Rede sich genauer und mit aus- 
drücklicherer steter Retonung an die partitio binden. Vielleicht hat 
sich Spengel und Voemel durch das aXXa ff. verfühi^en lassen, hierin 
nicht den besondern Punkt III der partitio , sondern überhaupt nur 
eine weitere Ausführung des Vorhergehenden zu erkennen. Man 
könnte nämlich sich versucht fühlen so zu übersetzen , dass, mit 
Retonung des voranstehenden aXXa^ in diesem Satze zu den übrigen 
Tbatsachen, welche im Vorhergehenden aufgezählt, dieses als wei- 
tere ähnlichen Inhalts hinzugefügt würde. Sehen wir uns aber die 
vorhergehenden Sätze an, so bezeichnen dieselben durchaus ver- 
schiedenes: beide, oder mit Hinzunahme des lovg xqovovg xara- 
tqlxpapta ff. alle drei, beziehen sich ganz augenscheinlich auf die 
Zeit nach Rückkehr der Gesandten ; wenn nun hinzugefügt wird utal 
aXX^ inl xi^q anodiniiag noXXa xa» dslv^ slqya<Si»iivoVj so ist 
klar, dass hier bestimmt durch ini %^g änodrjiibiag eine ganz 
andere Zeit berücksichtigt wird ; es' ist also das aXX* nicht etwa das 
vorhergehende abschliessend und verallgemeinernd, sondern eine 
neue, eine Andere Schuld einführend. Es ist also zu übersetzen: 
ausser den im Vorhergehenden aufgeführten Schandthaten hat er 
noch andere begangen und zwar auf der Gesandtsdiaft selbst, wäh- 
rend die vorhin erwähnten in späterer Zeit stattfanden. 

Nach der Recapitulation 178 f. hebt Dem. 179—81, die fünf- 
fach gegliederte Klage ihrem Wesen nach noch einmal kurz zusammen- 



— 38 — 

fassend, die Scbnld des Aesch. hervor und verbindet damit die Auf- 
forderung an die Richter, die gebührende Strafe zu verhängen. Er 
zeigt, dass die Schuld des Angeklagten sich in zwei Momenten con- 
ceiltrire, der Preisgebung von Phokis (als wesentlicher Inhalt von 
§ 17—97) und der Thrakiens (Inhalt Ton 134—77): eine Berück- 
sichtigung sodann des mittleren Theiles 98 — 133 liegt in dem Worte 
TtQodsöoixs {ov fiopop 0(O)tiag dXlä aal Gqqxriv). Dass die 
Vernichtung der Phoker ein durch, die ganze Klage sich hindurch^ 
ziehender Hauptpunkt sei, erkannten auch Syrian. und Sopat. (in 
(S%6X. stg (fraü. IV, 364 f.). Vgl. Anonym. C/oA. sig ardcf. 18, 
19. (VII, 374). Eine kurze scharfe Hervorhebung der hohen V^ich- 
tigkeit jener beiden ronoi für Athen, damit also auch der Grösse 
der Schuld des Aesch. , dient sachgemäss dazu , die Richter zur Ver- 
häflgung der vollen Strafe zu bewegen. 

V^as ab^r den Umstand betrifft, dass Dem., entgegengesetzt der 
Partitio, Punkt V vor Punkt III behandelt, überhaupt sich nicht an 
die Z^it haltend das änayy^Xetp und nsld'siv von der Gesandt- 
schaft selbst giebt, so, glaube ich, ist hier der passendste Platz, meine 
Ansicht darüber kurz auszusprechen. Ich stimme mit Dionys. 
Halic« Rhet. VIU, 5 (pag. 287 ff. ed. Reiske) überein, welcher sagt: 
iikka Tt^meiwcav (Jfi^i/ixöd'ivfig) aXXa xaracfxeväZsc j S&'' oXov 
toS ßiß'kiov dioixovfisvog öiolxfjaip ri^pa toiavtTjp. xBipaXaid 
etSvip icTtsQ €US&€P^ opta t(S ^Jfjfiood'^psi iccp au^ avtcop nqo- 
Teivfjrai iXiyxsxai^, vcema fpa nid'Ctpä 7tonj(ffi hsga fisp ngo- 
teipsp Xaßcop di top dxQoatfjp nqogixopxa zoJg Ttqotad-stoi^ 
(fVftnXhcet rag nttfzsig rmp wtd-sp&p rotg Ttqotskpoikipoiq. 
Wir müssen bei Prüfung der Rede stets festhalten , dass sie nsql 
naqa7tQ6(Sß$lag ist, d. b. dass es sich, wie wir noch weiter unten 
genauer sehen werden, um die Rechenschaftsablage über die Gesandt- 
schaft handelt. Dem. nimmt mehr einen ideellen als einen gesetz- 
lich formell berechtigten Standpunkt ein, wenn er Punkte mit in 
die Klage hereinzieht, die genau genommen nicht dahin gehören: 
so kann man selbst Punkt H im Grunde nicht mehr als unter die 
7tq€(Sßeia gehörend auffassen. Denn sobald der Gesandte seinen 
Bericht abgelegt hat (l), kann Niemand ihm verwehren, als Privat- 
mann Rathschläge zu geben, Vorschläge zu machen, welche er 
will: und eben hierin besteht das neiS'S^p. Indem aber Dem. das 
nsid'stp in engste Verbindung mit dem anayy^XXetp setzt, erreicht 
er seinen Zweck, dass die Richter auch jenes als noch unter die 



— 39 — 

Amtsführung des nqsößevi'qg, fallend ansehen. So gelingt es den^ 
Dem,, die Schuld des Aesch., die in dem ccnayyiXXekv nur in sehr 
geringem Maasse hervortritt, durch die Erfolge des nsi&si,Vy welche 
eben in der Vernichtung der Phoker bestanden, in der Ueberzeugung 
der Richter zu erhöhen. Aber, wie bemerkt, das nUd-ei^v gehörte 
im Grunde nicht mehr zur nqsaßeia. Soda^^ geht Dem. zurai 
Punkt V über: wir haben schon oben gesehen, dass er auch hier 
über blosse probabilia nicht hinauskommt. Aber sämmtliches hier 
angeführte ist schon aus dem Grunde nicht hierhergehörig, weil ea 
sich mit Thätsachen einer viel spätern Zeit beschäftigt: was ging die 
Theilnahme an des Philipp Siegesfest die nqscßjsia an? So drängt 
sich uns die auffallende Ueberzeugung auf, dass Dein, bis 149 im 
Grunde Nichts zur Sache gehöriges vorbringt und doch durclji ein 
äusserst geschicktes Manoeuvriren die Richter, so weit es möglich, 
zum Glauben an des Aesch.' Schuld bringt, so dass, als er nun die 
eigentliche Klage, die Behandlung der nq^oßefa selbst 150 beginnt, 
die Ueberzeugung von des Aesch. Verrath schon zum grossen Theilp 
feststeht. Nur Punkt III, der aber in Wirklichkeit in der Ausfüh- 
rung zum letzten Punkte wird, darf den Richtern eigentlich in Be- 
tracht kommen, denn nur die Zeit der Gesandtschaft selbst und 
allerdings auch das äTtayyilXstv nach der Rückkehr sind die Mo- 
mente, welche für die Beurtheilung des Verhaltens eines Ttqeaßsvii^q 
in Frage kommen. Aber gerade weil die nqsaßela selbst so äusserst 
dürftige gravirende Punkte enthielt, verschob Dem. die Behand- 
lung derselben zuletzt, um die Richter zunächst durch andere 
Punkte, welche weiter ablagen, durch Dem. Kunstfertigkeit aber 
als wesentlich mit hereingezogen wurden, gehörig vorzubereiten. 

Dionys. führt sodann an einem Beispiele das jjäXla TtqordvoDP 
aXXa xaiacf^svd^eh^^ des Dem. aus und vyir müssen auch hier die 
feine Beurtheilung des Dionys. als völlig berechtigt anerkennen. 
Dem« muss seinen Standpunkt ängstlich dahin festhalten, dass er seine 
Klage nur auf die Zeit der zweiten Gesandtschaft richtet: weshall>? 
weil er selbst die erste Gesandtschaft — also dieselben Mainner, 
welche auch die zweite Gesandtschaft an Phil, übernabmeif — öffent- 
licher Ehrenbezeugungen von Sta^tswegen theilhaftig gemacht (latte, 
Damit erhält seine ganze Anklage etwas Schiefes: mit vollstem 
Rechte wirft ihm Aesch. vor, dass ja nach des Dem. eigeni^m Urtheile 
das eigentliche Unrecht, d. i. die Bestechung, auf der ersten Ge- 
sandtschaft geschehen sein müsse , da schon vor Abgang der zweiten 



— 40 — 

Gesandtschaft nach Makedonien das Auftreten des Aesch. für den 
Frieden und zwar im Sinne des Philokr., also im Interesse Philipps, 
stattgefunden habe. So ist des Aesch. Wort, Dem. klage die zweite 
Gesandtschaft an und meine die erste , die er doch selbst gelobt, 
völlig begründet. Wir erkennen aber hierin , wie eben ausgeführt, 
den Grund, weshalb Dem. den Haupttheil seiner Klage, ja dasjenige, 
auf welchem dieselbe allein formell begründet war, soweit sie über- 
haupt begründet werden konnte, an das Ende der ganzen Beweis- 
führung setzt. Soll ich meine persönliche Meinung über die Be- 
gründung der Klage von Seiten des Dem., d. h. über die behandelte 
Schuld des Aesch. aussprechen,. — denn über persönliche Meinung 
kann man in dieser Frage kaum hinüberkommen — so geht dieselbe 
dahin, dass Aesch. allerdings sich hat bestechen lassen. Aber des 
Dem. Standpunkt wird dadurch ein unglücklicher, dass er selbst in 
Bezug auf Philipp erst spät zur Klarheit der Ueberzeugung gekom- 
men war , was man überhaupt wohl mehr oder weniger von Allen 
Athenern behaupten darf. Des Aesch. Vertheidigung wird erleich- 
tert, indem er in Bezug auf Philipp sich auf die allgemeine Vertrauens- 
seligkeit in Athen berufen kann, weiche fast bis auf Chaeronea da- 
selbst herrschte. Weil Dem. wirklich der aUgemeinen Ueberzeugung 
von Philipps lautern Absichten sich noch auf der ersten Gesandt- 
schaft hingegeben hatte , so durfte er diese Zeit nicht mit in seine 
Klage hereinziehen, besonders da er selbst auf öffentliche Belobung 
der Gesandtschaft angetragen hatte : die zweite Gesandtschaft aber 
bot äusserst wenige Momente zur bestimmten Anklage, denn des 
Aesch. und Dionys. Behauptung ist durchaus richtig, dass nach Billi- 
gung des Friedens in der von Philokrates vorgeschlagenen Form die 
Gesandtschaft selbst eben nur die Ausführung dieses Beschlusses 
zu besorgen hatte; jener Frieden selbst aber, den Aesch. allerdings 
befürwortet hatte, war ohne Schuld für diesen, einmal weil er auf 
einem formellen Volksbeschlusse beruhte, sodann weil er vor der 
zweiten Gesandtschaft liegt. Das einzige Moment von allen aus der 
Zeit der Gesandtschaft selbst angeführten, welches von einiger, aber 
gleichfalls nur schwacher Bedeutung ist, ist das Zögern der Gesandt- 
schaft auf der Hinreise. Die Annahme der ^ivta^ von der Aesch. 
39 als von etwas selbstverständlichem spricht, ist völlig bedeutungs- 
los. Vgl. M. Schmidt de Dem. et Aesch. oratt. de f. 1. Inaug. Diss. 
Bonn 1851. S. 19 fr. 



/^ 



— 41 — 

Nach der bisherigen Auseinandersetzung glaube ich behaupten 
zu dürfen , dass die Rede des Dem. in ihrem bisher betrachteten 
Verlaufe durchaus nichts enthält, was nicht im vollsten Maasse 
allen rhetorischen Anforderungen entspricht. Es ist eine genaue 
durch stete ausdrückliche Hervorhebung immer wieder von Neuem 
kenntlich gemachte Ausführung der in der partitio gegebenen fünf 
Punkte, die, weil Punkt^ I und II wesentlich zusammenhängen, 
Punkt IV ferner ein über die Zeit aller Punkte gemeinsam sich 
ausdehnendes Moment ist, in drei Argumentationen ausgeführt 
werden: 17 — 97; 98 — 133; 134 — 177. Das einzige was wir als 
Interpolation auszuwerfen gezwungen gewesen sind, sind die Worte 
149 aXlä vfj Jia tovg avfi^dxovg dnsiQfjxevai (piqast tä 

Mit 181 müssen wir die ganze Ausführung der Klage als abge- 
schlossen ansehen. Es folgt in 182 — 191 ein Stück, in welchem 
noch scheinbar TtgoxaiaX^ipsig enthalten sind. Ist das zulässig, 
nachdem die Klage mit 181 nach unserer Auffassung abgeschlossen 
ist? Sehen wir uns die Einreden an, weiche Dem. hier widerlegt, 
so erkennen wir, dass dieselben nicht auf einen einzelnen Punkt der 
Klage sich beziehen, sondern Einwände sind, welche im Allgemeinen 
gegen die Zulässigkeit der Klage in formeller und materieller Hin- 
sicht erhoben werden können. Das Stück zerfallt wesentlich in 
zwei Theile 182 — 86 und 188 — 91. In jenem wird d^r Einwand 
widerlegt, dass er von allen Rednern allein über Worte (auf Xoywp 
liegt der Ton) Rechenschaft ablegen soll. Auf den ersten Blick kann 
dieses in Widerspruch stehend erscheinen mit der Klage überhaupt, 
die doch viele bestimmte Thatsachen anfuhrt. Aber dieser erwar- 
tete Einwurf des Aesch. ist von seinem Standpunkte aus völlig be- 
rechtigt. Aesch. muss antworten: Alles, was Dem. mir vorwirft, 
besteht im Reden, im Aussprechen von Wünschen, Ansichten, die 
ich gehabt, von Rathschlägen, die ich in gutem Glauben ertheilt: eine 
positive Schuld hat Dem. mir nicht im Geringsten nacl^ewiesen. 
Kann ich über meine Worte und Meinungen, die ich mit tausend 
andern getheilt habe, Rechenschaft ablegen? Dem. fuhrt aber aus, 
dass hier ein ganz anderer Fall vorliegt. Zunächst erklärt er, dass 
Alle zur Rechenschaft gezogen würden, elneg in aqyvqicö ti 
Xiyoisv. Aber auch diesen Gesichtspunkt ganz bei Seite gelassen: 
es ist etwas anderes , wenn ein iöioiifig redet und Rathschläge er- 
theilt, oder wenn dieses von einem nqiaßevTi^q geschieht, der in 



N 



_ 42 — 

ofOcieUem Auftrage der Stadt handelt. Der Gesandte kann eben von 
nichts anderem Rechenschaft ablegen, als von Worten und Zeiten: 
Kriegsschiffe, Heere und dgl. hat er nicht in Händen. Und wird er 
also nun überführt, die loyot absichtlich falsch gesagt, die x^oVo» 
in böser Absicht vernichtet zu haben: dhax4(t^(a. 

Man erkennt leicht, dass die Vorbringung dieser Aeschineischen 
evöxaoiq und ihre Widerlegung''eben so nothwendig ist, wie der Ort 
ihrer Einfuhrung passend. Denn_ diese objectio bezieht sich nicht 
auf einen einzelnen Theil der Klage, sondern auf die Gesammtklage: 
wird sie als berechtigt anerkannt^, so fällt damit die Klage überhaupt 
zusammen. Und ebenso verhält es sich mit der Einrede t88 — 91, 
nur dass dieses Stück einen formellen Einwurf gegen die Gültigkeit 
der Klage vorbringt, während die svcftaatq 182 ff. eine materielle ist. 
Aesch. erklärt es als unzulässig, dass ein Gesandter gegen einen Mit- 
gesandten eine Klage erhebe in Bezug auf Punkte, deren er selbst 
mitschuldig erscheine. Nur im Vorbeigehen verwahrt sich Dem. 
dagegen, dass die Erhebung der Klage von seiner Seite für eine nie- 
drige Gehässigkeit zeuge ; er erklärt , er müsse so handeln , um sich 
von aller Schuld, die aus der Gemeinschaft mit den Gesandten auf 
ihn fallen könnte , zu reinigen. Er weist an bestimmten Beispielen 
nach, dass dieser Fall seine volle Berechtigung habe. Wir sehen 
auch hier, dass diese Tt^oxaväXfjipLg nirgends anders stehen kann, 
als hier allein : denn der in ihr widerlegte Einwurf steht wieder nicht 
in Beziehung zu irgend einem einzelnen Klagpunkte, sondern be- 
streitet die Gültigkeit der ganzen Klage, kann also auch nur nach 
Darlegung dieser in ihrer Gesammtheit aufgeführt werden. 

Haben wir 150 — 77 als dritte xataüxet^^ nachgewiesen, so 
können wir 182 — 91 als dritte ävaaHSvij bezeichnen, nicht aber in 
der Weise ^ dass diese letztere in irgend einer inneren Beziehung zu 
jener stände. Schon in Bezug auf die zweite ät^aaxev^ erkannten 
wir, dass Dem. nur ganz äusserlich die rhetorische Forderung der 
icata(f9cevi^ die äva(Sx€Vfj folgen zu lassen, erfüllt, dass diese 
nur in losem innerm Zusammenhange mit der vorhergebenden 
Hara(fxivij stehe. Auch hier also lässt Dem. der xazaax€vijy 
der allerdings zunächst 178 — 81 die äpax€(paX(xi<o(fig der 
ganzen argumentatio gefolgt ist, eine äpMxsvij folgen: aber 
sie gehört der Gesamnitklage, nicht speciel dem dritten Klag- 
punkte an. 



/ 



— 43 — 

Hierbei nehme ich mit mehreren Gelehrten an, dass § 187 
nicht von Demosthenes herrührt. Für die Frage nach der Compo- 
sition der Gesammtrede ist die Entscheidung, ob 187 Demosthenisch 
oder nicht ist, allerdings von untergeordneter Bedeutung; aber ein 
Blick auf den Inhalt des vorhergehenden und folgenden Einwurfs 
wird Jeden sofort davon übe>zeugen, dass der Inhalt des § 187 hier 
völlig ungehörig ist Dazu kommt der völlig zerstückelte Charakter 
d«r Rede. ^Eovi %oivvv xiq nQox^iQog Xöyog naay Totg i^a- 
nmav vfiäg ßovXofiSvoig ^,oi taqaTxovrec t'^v nokiVy ol dta- 
xiokvovtfg OiK^nnov sv not^oai tfjv noXiv/^ Dero, fiäirt hier 
also einen Einwurf seiner Gegner an, welche sich auf die Redlich- 
keit des Philipp berufen , dessen Absichten in Betreif der der Stadt 
zu erweisenden Wohlthaten durch seine Gegner in Athen verhindert 
werden. Da man doch verlangen kann, dass dieser Einwurf nicht ganz 
im allgemeinen auf Philipp sich beziehe, sondern mit der Klage selbst 
in Zusammenhang stehe, so muss man in dielsen Worten die Ansicht 
des Aesch. ausgesprochen sehen, dass die Yerheissungen, welche 
er bei seiner Rückkehr von der zweiten Gesandtschaft im Namen 
Philipps gemacht, völlig ernstlich gemeint gewesen seien, dass Phi- 
lipp aber an ihrer Ausführung durch seine politischen Gegner (pl 
Tagdttoweg ttjp noXtv , ol di^axcoXvopreg 0iXi,nnov sv Ttoi- 
^ifai t^p 7i6Xi>v) gehindert sei. Ich sehe nicht ein , wie es mög- 
lich sei , auf einen solchen Einwurf zu gerathen. Mit demselben 
nahm Aesch. den Standpunkt ein, den Beweis der Wahrheit seiner 
einstigen Versprechungen antreten zu müssen. Er musste nach- 
weisen, dass das, was er damals im Namen Philipps versprochen hatte, 
eingetreten wäre, wenn es nicht durch Dem. und andere Feinde des 
Königs verhindert wäre. Ein solcher Versuch von Seiten des Aesch. 
wäre geradezu ungeheuer gewesen und eine Vorbeugung von Seiten 
des Dem. deshalb albern. Hätte Aesch. diesen Standpunkt eingenom- 
men , so wäre Alles , was Aesch. jetzt vorbringt und was Dem. be- 
stimmt erwartet, dass er es vorbringen werde, völlig unangebracht 
gewesen, das Eine wurde das Andere völlig ausschliessen. Und nun 
6ehe man, wie der Vf. dieses § den Einwurf zu entkräften sucht: 
Txqog ovg iyta Xoyop (Jkkp ovdiv^ iqAj rag 6^ eni^aToXdg vfitp 
apayv(ji(fO(Aai> rag rov 0illn7toVy xal rovg xatgovg icp^ wp 
Ixaar* i^fjTraivjtfd'Sj vftofipijocoj %p^ eld^tSj ovi to yjvxQov tqvx^ 
opofiaj TO äxQi xÖQOVj TvaQelijXvv^^ ixetpog tpepaxi^top vfAag. 
Ohne Zweifel will der Vf. sagen, der Ausdruck, Philipp sei der Wohl- 



— 44 — 

thäter der Stadt, passe nicht, wie man aus seinen Briefen ersehen 
könne, wenn man die Verheissungen in denselben mit den Zeiten 
vergleiche, in denen die Athener getauscht seien. Hier hat der Vf. 
38 IT. im Auge. Dort verliest Dem. zwei Briefe des Philipp, deren 
erster den Athenern Verheissungen macht 38 ff., deren zweiter aber 
40 f. von keinen Verheissungen mehr weiss. Zwischen beiden Briefen 
liegt nemlich die Erreichung seiner Zwecke in Phokis. Aber eine 
Widerlegung jenes Einwurfs ist dieses durchaus nicht : wenn man 
sich einmal auf den Standpunkt stellen wollte, Philipp habe wirklich 
der Stadt hohe Woblthaten erweisen wollen, so konnte und musste 
man auch den Schritt weiter gehen, zu behaupten, zwischen den 
ersten und zweiten Brief seien eben die Hindernisse g^allen, welche 
die Ausführung der im ersten Briefe gemachten Verheissungen ver* 
nichtetiiätten. Weder der Einwand selbst also, noch die Widerlegung 
d«*sselben ist irgendwie angebracht. Der Vf. hat den erstem erfunden, 
die letztere glucklich in den Ausführungen des Dem. selbst 38 ff. zu 
entdecken geglaubt; wahrscheinlich aber ist er durch diese über- 
haupt erst auf die Abfassung des ganzen Stücks gebracht. Vgl. hier- 
über aber noch weiter unten. 

Schon 9 hatte Dem. nach Anführung der eigentlichen Klag- 
momente hinzugefügt: noXXot di xal ds^vä xat^yoQstp ixonv hi 
TTQog TOVTO$g irsqa, cS apdqeq l^&fjpatoty i^ äv ovx sdd'^ Sc- 
T^g äp ovx slxoioag fnütjasisv avrdv. Schon hier hat er also 
darauf hingewiesen , dass er noch nach der Klage Weiteres anführen 
wolle, was in keiner Beziehung zu dieser selbst stehe. 19t 
am Schlüsse der Klage weist er durch Hinzufügung der Worte (ol 
adtxovvteg dfiXov6ri> tag oXfig ys t^g navQlöog, wgneq tfi;,) ov 
ykovov tag Idlag auf den nun folgenden zweiten Theil der Rede, 
die iTtiloytxd t^va^ hin. Bestimmter noch wird dieses 192 gesagt: 
(itxQOP äxovCati (lov a^o) tt t^g nQscßslag tavtfjg, um zu 
erweisen ori — xal täv Idiq xal ndpviav ovroi (pavX6ta%oy 
xal novfiqotatoi, ysyovaOiv. Zum Uebergang ist das Stück 
192-98 jedenfalls sehr passend: es bringt einen Gegenstand zur 
Sprache, der allerdings nicht zur Klage selbst gehört, aber insofern 
doch mit ihr zusammenhängt, als er in die Zeit der. Gesandtschaft 
fällt. Getreu seiner Sitte, einen Gegenstand durch einen Gegen- 
satz zu heben in seiner Bedeutung, führt Dem. zunächst das edle 
Benehmen des Satyros aus, um daran das Verhalten des Aesch. einer 
Olynthischen Frau gegenüber zu schildern. Damit ist Dem. über- 



— 45 — 

baupt auf das Privatleben des Aesch. eingegangen, welches 199(1. 
noch näher characterisirt wird. 199 hängt aufs augenscheinlichste 
mit 198 zusammen: toiavra aweidtag avitS nsrrQayfAipa 6 
axäd'aQTog omog (dieses Wort gebraucht Dem. in Anknüpfung an 
die Worte 198: ^ naqotvicc xov xccd'dQfiavog zovtovt dsivij) 
wird Aesch. von seinem Leben reden, auf welches Dem. nun ohne 
weiteres eingeht. 

Wenn die im Vorstehenden ausgeführte Gliederung der Rede 
richtig ist, wenn also mit 191 die Klage selbst abgeschlossen ist, mit 
192 die imXoyhvtd begonnen haben, so kann das mit 201 begin- 
nende Stück nicht an seinem richtigen Platze stehen, d. h. es muss 
ursprünglich eine andere Stelle eingenommen haben, oder es muss 
nicht von der Hand des Dem. herrühren. Es sind die bestimmtesten 
Gründe Yorhancjlen, um dieses Stück als undemosthenisch , als 
Interpolation zu bezeichnen. Es wird in diesem Stücke 201 — 33, 
an welches sich 234 — 36 eng anschliesst, ein Einwurf des Aesch. 
widerlegt, dass Dem. an Allem, was er und die übrigen Ge- 
sandten gethan, theil genommen, mit ihnen einverstanden gewesen 
sei, um plötzlich umzuschlagen und nun einen principiellen Ge- 
gensatz von Anfang an zu heucheln. Auch Spengel fasst das Stuck 
201 — 33 als Einheit: es ist also entweder ganz auszuwerfen oder 
ganz aufrecht zu erhalten; prüfen wir daher die Gründe, welche 
uns bewegen können, dieses Stück als Interpolation zu bezeichnen. 

Zunächst ist ein sehr wichtiges handschriftliches Moment zu 
verzeichnen. Cod. 2 hat an dieser Stelle die merkwürdige Rand- 
bemerkung: 2^ anvad-ev Xtinet ^fiäg ^(»^ tov ofioiov (ffi(ji€lov. 
Vgl. Voemel Dem. Contt. 1 857. Prolegg. pag. 227. Es findet sich 
nun aber erstens das erwähnte gleiche Zeichen nicht und zweitens 
fehlt auch nichts in der Handschrift. Es liegen aber die folgenden 
Schlüsse aus dieser Bemerkung des Cod. nahe. Zunächst bietet sich 
die Annahme dar, dass die erwähnte Lücke sich in derjenigen Hand- 
schrift vorfand, welcher der Schreiber des Cod. 2 ausschliesslich 
oder vorzugsweise folgte; das Fehlen eines Stücks in irgend einer 
andern Handschrift dieser Demosthenischen Rede, welches der 
Schreiber etwa zufallig bemerkt hatte, konnte ihn zu dieser Notiz 
nicht veranlassen. Die ganze Fassung derselben Xsinst ^fAag weist 
darauf hin, dass der Schreiber sich im Lesen und Copiren Seiner 
Handschrift unterbrochen sah. 



— 46 — 

Zweitens dürfen wir aus dem Umstände, dass Cod. 2, trotzdem 
der Sclireiber desselben bcslimmt sagt, das folgende Stück iinde sidi 
nicht in dem ihm vorliegenden Cod., es dennoch hat, dea Schluss 
ziehen, dass dem Schreiber von 2 noch andere, oder wenigstens 
eine andere Handschrift vorlag, welche diese Rede des Dem. ent- 
hielt. Das Fehlen dieses Stücks in dem Archetypus von 2 kann 
beruhen auf einem äussern Mangel der Handschr., dem Fehlen eines 
oder mehrei'ef Blätter u. dgl. Es ist das aber sehr unwahrschein- 
lich. Zunächst weil es nicht wahrscheinlich ist, dass diese Lücke 
gerade mit eioiem Absätze, wie wir ihn nach 200 haben^ zusammen- 
getroffen sein sollte ; sodann weil wir den aqxhvnoq des Cod. 2 als 
eine ausgezeichoeete, gut erhaltene, sehr sauber und schon gesclme- 
bene Hdschr. anaeheu dürfen, eben weil seine Abschr. selbst diese 
Vorzöge hat. Wenn jener Cod. an fehlenden, zerrissenen Blättern 
u. dgl. laborlrt hätte, so dürfen wir annehmen, dass der Schreiber 
Yön 2 es vorgezogen haben würde , einer andern Hdschr. zu folgen, 
die er, nach seiner Randbemerkung zu schliessen, besass. Ich glaube 
deshalb annehmen zu dürfen, dass das im Archetypos des 2 Fehlende 
nicht auf verloren gegangene, zerrissene Blätter und ähnliche äussere 
Mängel zurückzuführen ist , sondern auf eine äusserlich gar nicht 
wahrzunehmende Lücke, deren Existenz sich überhaupt erst 
durch Yergleichung mit einer andern Handschr. herausstellte. 
Man dürfte auch erwarten, dass der Schreiber eine äusseriich bemerk- 
bare Lücke anders gekennzeichnet hätte, als durch die obigen Worte 

Wir finden nun tö ofiotov arjiiatov nicht mehr in unserer 
Hdschr. Zunäclist Hegt zur Erklärung dieses Umstandes die An- 
nahme nahe, dass ,der Schreiber des Cod. 2 das Zeichen zu wieder«- 
holen vergessen hat; möglich ist auch, dass es sich noch in der 
Hdschr. .findet und nur, weil verwischt, übersehen worden ist: ein 
undeutliches ^ kann leicht als Fleck aufgefasst und als gleichgültig 
unbeachtet gelassen werden. Aber, wird man sagen, da die Heraus- 
geber, welche die Handschr. eingesehen haben, durch die Bemerkung 
selbst auf dieses Zeichen aufmerksam geworden sind , so muss man 
annehmen, dass sie sich nach dem ihm entsprechenden in der 
Hdschr. umgesehen haben; Voemel sagt ausdrucklich, das Zeiobon 
finde sich nioht. Aus den Worten Voemels aber geht hervor, dass 
er dieses angeblich fehlende Stück nur als in wenigen Sätzen Jiesle- 
hend betrachtet habe. Nach meiner Ansicht müsste dieses Zeichen, 



— 47 — 

wenn es überhaupt vorhanden , hinter 233^ oder hinter 236 stehen : 
nach einem so langen Zwischenraum konnte das Zeichen , wenn es 
ziemlich verwischt war , sich leicht dem Auge entziehen. Hat der 
Schreiber das Zeichen aber wirklich vergessen, so ist ein solches 
Vergessen eher nach einem längeren Zwischenräume, als nach einem 
kürzeren, etwa nur wenige Sätze umfassenden , erklärlich. Ueber- 
haupt, glaube ich, würde der Schreiber in diesem letzteresi Falle das 
Ende des Fehlenden durch Anführung der Sehlussworte bezeichnet 
haben, nicht durch dieses Zeichen. 

Aber es liegt noch 6ine andere Möglichkeit zur Erklärung der 
Weglassung des entsprechenden Zeichens vor. Wir brauche« nfeht 
anzunehmen » dass diejenige Handschrift, welcher der Schreiber von 
2 folgt, die Lücke hatte, sondern dass dieselbe auf eine noch ältere 
Hdschr. zurückzufahren ist. Bezeichnen wir die vorauszusetzende 
Reihe der Handschriften, aus denen als letztes GMed der Cod. S 
hervorgegangen ist, durch . . . A^ — A^ — A — 2^ so kann seihon 
der Schreiber von ^ in ^^ die Lücke vorgefunden haben, die er 
einerseits aus einer andern Hdschr. ergänzte, isinderseits durch 
Hinzufügung jener Randbemerkung /^' a^tad'sv XsImsi ^^fJuSg und 
des entsprechenden Zeichens an der SteUe, wo die Lücke ihr Ende 
erreichte , kenntlich machte. Der Schreiber von 5, der sich angst- 
lieh genau an seine Vorlage hält, nahm die Randbeimerkung eiafdoh 
in seine Hdschr. herüber. Ein solches Verfahren von Seiten 
unsers Schreibers hat durchaus nichts unwahrscheinliches, während 
es anderseits auch wieder sehr leicht erklärlich ist, dass er das ent- 
sprechende Zeichen zu setzen vergass oder das verwischte übersah. 
So hat derselbe Schreiber z. B. in der Rede de :cor. im Anfang von 
§ 3, von § 5 den Beginn des zweiten und dritten mq^aoliiiov am 
Rande bemerkt, während er die Anfänge der folgenden ng^otfüM, 
die cod. Laur S ebenso wie jene ersteren notirt, ignorirt. 

Man kann als Bestätigung dieser Annahme , dass der Schreiber 
von 2 schon in seiner Vorlage nur die Randbemerkungen, nicht 
mehr die Lücke selbst vorfand, anfuhren, <dass der von Ferdin. 
Schultz (vgl. das Progr. des Friedrich-Gymnas. in Berlin 1 8ö0) zu- 
erst für Phil. HL verglichene und für die Demoscthenische Kritik 
als äusserst wichtig erkannte Cod. Laur S (Voem.), Aer nachher 
Ton Voemel auch für die Reden de cor., de falsa leg. und c. Lept. 
verglichen ist, und der unzweifelhaft mit 2 aus Einer Quelle :stammt, 
jene Randbemerkung des Cod. 2 nicht hat. Der Schreiber von 



— 48 — 

Laur S, der mit voller Sicherheit als ein viel selbständiger verfah- 
render Mann erkannt wird, alß der von 2, hat, wenn er zwar die 
Randbemerkung, nicht aber die Lücke selbst mehr vorfand, einfach 
jene unbeachtet gelassen, weil sie keinen Werth, keinen Sinn zu 
haben schien. 

Obgleich hierdurch das Gewicht der Annahme zu wachsen 
scheint, dass schon der Schreiber einer altern Handschr., also von 
A oder A^, die Randbemerkung gemacht und zugleich die Lücke 
ergänzt habe, so bleibt die Möglichkeit der andern Erklärung, dass 
in A noch die Lücke vorhanden war, die der Schreiber von 2 
und der von Laur S jeder selbständig ergänzte, gleichfalls daneben 
durchaus aufrecht. Denn zunächst ist es in Bezug auf die Hdschr. 
Laur S durchaus nicht unwahrscheinlich, dass zwischen ihr und A 
noch Mittelglieder zu statuircn sind : denn jene stammt aus dem 
14. höchstens 13. Jahrb., während A wenigstens ins 9. Jahrb. zu- 
rückgeht und der Text in Laur S ein unmittelbares Hervorgehen 
aus dem von A durchaus nicht als selbstverständlich erscheinen 
lässt, sodass ein Verhältniss von A . . Laur S ^ — Laur S nicht un- 
wahrscheinlich wird: dadurch wurde das Fehlen der Randbemer- 
kung in Laur S leicht erklärlich, weil eben der Schreiber von Laur S 
oder Laur S^ mit Recht glaubte die Randbemerkung weglassen zu 
müssen, weil sie einen Unsinn anzugeben schien, indem das in 
ihr Bemerkte durchaus nicht dem wirklichen Sachverhalte ent- 
sprach. 

Die Hdschr. des cod. Laur S ist, wie schon bemerkt, viel 
selbständiger geschrieben, als 2] und besonders ist es die Rede 
nsql naQUTtQ.j in welcher sie durch ihr starkes Hinneigen zum 
Text der Vulg. zeigt, dass sie selbständig nach zwei Hdschr. ge- 
schrieben oder eigentlich bearbeitet ist, deren eine auf A zurück- 
geht, deren andere aber einer wesentlich verschiedenen Familie an- 
gehört. Fand also der Schreiber von Laur S — wenn wir anneh- 
men, dass Laur S unmittelbar aus A stammt — in ^ die Lücke, so 
konnte er, bei der selbständigen Behandlung des Textes seiner Vor- 
lage von seiner Seite, sehr wohl dieselbe einfach als Fehler der 
Hdschr. ansehen und stillschweigend aus seinem andern cod. er- 
gänzen, während der Schreiber von ^ pedantischer und unmittel- 
barer, critikloser an die ihm vorliegende Hdschr. sich haltend, sie 
anmerkte. 



— 49 — 

Man sieht, eis sind der Möglichkeiten mehrere zur Erklärung jener 
Randbemerkung und es ist unmöglich, sich für eine bestimmte zu 
entscheiden. Jedenfalls aber dürfen wir aus ihr den Schluss ziehen, 
dass wenigstens der dein Schreiber von 2 vorliegende Cod. , viel- 
leicht aber ein noch älterer, eine mit 201 beginnende Lücke hatte 
und da unter allen Umständen diese Hdschr. und alle derselben 
Familie in aufsteigender Linie von ausgezeichneter Güte angenom-^ 
men werden müssen, so ist die Annahme, es sei hier durch einen 
äussern Mangel, oder durch Nachlässigkeit des Schreibers u. dgl. 
eine fehierhafle Lücke in der Hdschr. entstanden, zu verwerfen und 
damit das schwerste Bedenken gegen das ganze inhaltlich unver- 
kennbar eine Einheit bildende Stück 201 — 36 erhoben. 

Ich habe schon oben darauf hingewiesen, dass die Stellung die- 
ses Stücks den ganzen Zusammenhang, den ganzen rhetorischen 
Bau der Rede aufs augenscheinlichste zerstört. Sehen wir uns aber 
200 und 237 an, so findet sich ein so enger Zusammenhang zwi- 
schen diesen beiden Punkten, dass dadurch aufs evidenteste die In- 
terpolation von 201 — 36 bestätigt wird. 200 heisst es: xai xoiavxa 
awsiöfag avTtö nsTtqayiiiv^ 6 antdd-aqxog ovtoq ToXfiijcet ßli-r 
TtBhV slq viXfOig xal top ßsßKOfiivov avzm ßioy avrlxa d^ fiaV 
iqsi laiinqq xy {paary. Und nun wird $ein Privatleben geschil- 
dert. Daran knüpft sich 237 fast mit Noth wendigkeit an: i<f(ag 
Toivvv ddsXifdq avtm avvsqet (entsprechend dem iqet 200). Dem. 
spricht von den Familienverhältnissen des Aesch«; es ist selbstver- 
4ständlich, dass er dieselben im Zusammenhange behandelt und nicht 
200 damit anfangt, um dann während 36 Paragraphen völlig an- 
dere Dinge einzuschieben und endlich das Unterbrochene abzu- 
schiiessen. An keinem andern Punkte spricht Dem. von dem Pri- 
vatleben des Aesch. , als 199 f. und 237 — 40. Man beachte ferner 
den ganzen Ton der Rede 199 f. und 237 fr. Dort: ovx Xaaoiv 
omoh xq fjbiv i^ ciqx^g i^cts ßißlovg äpayt^^yoiaxopta ae tj 
^fixql TeXovüfi xat naiS" ovt" iv d-tddotq xal fisd'vovit^v 
av^qoiTtoig xaXtpdov(i€POP etc.; hier: <fi ^iv Tag dXaßaaror- 
S-ijxag yq(iq)Opva xal rä rvfiTtapa — . Dort : fjusrä xavta äi 
xaig äqxaig vnoyqafifiatsvopta — ; hier: tf^ fbip — xovtovg 
S^ VTtoyqafifiat^ag: hier werden offenbar alle drei Brüder genannt, 
von denen der eine durch tag aXaßadxod-i^xag yqaqxop xal rä 
xviiTtapaj die andern beiden durch vnoyqaiiiiaxetg characterisirt 
werden: unter diesen letzteren beiden ist Aesch., vgl. 200 vno- 

4 



— 50 — 

yqaiiiiatsvoiiV. Kann der Zusammenhang von ,200 und 237 klarer 
sein? Dem. hat im Vorhergehenden 201 — 36 mehr von sich als 
von Aesch. gesprochen; wie sollte er daraufkommen, jetzt, ohne auch 
nur den Namen des Aesch. zu nennen, von Verhältnissen zu spre- 
chen, welche sich unmittelbar an 200 anknüpfen und stillschweigend 
immer jenes vor 36 Paragraphen Ausgeführte voraussetzen. 238 wird 
fortgefahren: an und für sich habt ihr keinen Anspruch auf Bevorzu- 
gung; wenn aber dazu einer von euch fjSixfixe ravxa Toiav^cc, noota 
fiälXop av fi$(fotad'€ dtxaiwg xal öd^oio^s; das vorhergehende 
hat aber von einem adi^xetv und noch dazu tavta rotavra nicht 
gesprochen; wohl aber bezieht es sich sehr gut [auf das vor 199 
ausgeführte und 199 in den Worten xal TOtavva awsiduig avttp 
TtsnqaYiJkiva zusammengefasste. Ferner: 199 heisst es iqsX lagi- 
nqq t^ 9>o>p^] es ist das keineswegs ein Lob, welches Dem. dem 
Aesch. ertheilt, wie man wohl angenommen hat, sondern es bezeich- 
net die scharfe, laute Stimme, die so häufig das Zeichen innerer 
Rohheit und Frechheit ist; dem entspricht 239 (isyaXocpoivoi xal 
ävaidetg oPTcg: die Brüder werden in dem ganzen Stücke gemein- 
sam behandelt und dem entsprechend auch die 199 zunächst speciel 
von Aesch. ausgesagte Eigenschaft allen diesen gleichmässig hier 
beigelegt. Dem. fügt 200 nach den Worten ovxog aXXop ixqhve 
naq V[Atp inl noqvsiq hinzu: aiXä fii]7t(a tavxa aXXä tag 
^aqtvqlag fjtoi Xiys nqätov ravtaal. Er giebt damit zu ver- 
stehen, dass er die Behandlung dieses letzteren Punktes aXXop 
snqive — ijtl noqveiq auf eine nur kurze Zeit noch hinausschiebt : 
ist es denkbar, dass er, statt denselben nun zu behandeln, in 201 
bis 236 grundverschiedene Dinge einführt, um erst 240 zu jenem 
Punkte überzugehen ? Allerdings geht er nach Verlesung der iiaq^ 
tvqiai, 237 gleichfalls nicht unmittelbar zu dem aXXov xqivskv inl 
noqysiq über, aber das findet seine völlig genügende Erklärung 
darin, dass die §§ 237 — 40 nur den einmal angefangenen Gegen- 
stand abschliessen : sobald dieses geschehen, wird sofort auf den 
durch die obigen Worte vorbereiteten Punkt übergegangen 240: og 
ydq mtj&fig XQV^^^ ^oi' ipavsqov t* noL^aat ßovXi^d'Svva täv 
dol nenqeaßsvfiiycop vfjXixavTji xal roiavTfi cviiq>oqq neqi^ 
ßaXetVj drjXov oti detpov äp r* na&eXp davtop ijXjti^J^sgj d 
nvd-oipd-^ ovTOi tä nsTtqayiJkipa ao^. Und nun folgen sämmt- 
liche auf den Process des Timarch. bezüglichen Stellen. 



— 51 — 

Wir müssen uns nach einem Grunde umsehen, weshalb das 
Stuck 201 ff. später, wie wh* glauben, und zwar an dieser Stelle ein- 
gefugt ist. Betrachten mv dasselbe genau, so finden wir merk- 
würdiger Weise, dass es mit demselben Gedanken beginnt und 
schliesst, wie das Stück 188 — 200. Dem. behandelt 188 ff. den 
Einwand, dass er als (fVfiTVQsaßsvg die Klage erhebe, was nicht nur 
gehässig, sondern auch unstatthaft sei; Dem. bemerkt nur kurz, 
dass er dieses thue, um nicht doxstv xotvcovetv vfitv: in kurzen 
schlagenden Worten weist er jede Gemeinschaft mit den übrigen 
Gesandten zurück und sagt 189 : iyco S^ ovdi avimenqBCßsvKivai, 
(frilii aoy — • &XXä OiXoxQaTij^ ooi^ dvfATrsTtQiaßsvxsp xaxeipm 
av xal Oqvvcov. 

Der Vf. des Stücks 201 ff. hat ohne Zweifel geglaubt, dass der 
von Dem. dort nur sehr leicht berührte Einwand zu gewichtig sei, 
um nicht einer längern Auseinandersetzung zu bedürfen: dieser 
Einwurf, Dem. habe ja an Allem Strafbaren theil genommen , was 
auf der Gesandtschaft geschehen sei, und es falle daher die gleiche 
Schuld auf jenen zurück, wird hier 201 ff. anscheinend gründlich 
widerlegt. Aber der Vf. sah nicht, dass ein solcher Einwand gar 
nicht ausdrücklich erhoben werden konnte von Aesch. Erhob er 
ihn, so gestand er seine eigene Schuld ein , die dadurch nicht gerin- 
ger wurde, dass Dem. Theilhaber dieser Schuld war. Der Vf. sieht 
das rein formelle Bedenken, welches Dem. 188 ff. anregt und mit 
wenigen Sätzen beseitigt, als materiellen Einwurf an und behandelt 
ihn ausführlich. Der ganze Einwurf also ist unsinnig und der Yt 
bezeichnet ihn sielbst als iyyvtärco fiapiag: das hätte ihn aber ab- 
halten sollen, ihn überhaupt einzuführen. ''E(fTtj heisst es gleich- 
falls völlig richtig, vrtsQ giip t&p TtSTtQayitivav ovis dixaia ovvs 
TVQogi^xovif^ ^ Totavtfi anoXoyla^ ifAOv [livrot %ig xarijyoQta 
— vä di ngayficcT* ovdkv ß^Xrloa diä xomo: ganz dasselbe 
konnte der Vf. jenes Stücks sich sagen, zog auch Aesch. in Erwä- 
gung und führte deshalb diese Einrede gar nicht an, die daher als 
völlig unstatthaft sich erweist. Be^nnt Dem. 188 ovtta toivvv 
alaxQa xal noXXa inal ndvta xaS-* vfitüp TtsTtQsüßevxcog negp^ 
icop' X4y€i — j so entspricht dem 201 Toüovtonv volwv xai 
Toiomwv ovTcopj cop äd^x£p vfi&g iisXijXeyxtui-^--* 189 heisst 
es: 0i>XoiCQccTf]g üoi dviiTtsnqiaßsvxsv xctx'sivia iSiij xal 0qv^ 
viüP. Unser Vf. benutzt die Hervorhebung dieser beiden, sich weit- 

läuftiger über dieselben zu ergehen* 

4* 



- b% - 

IcH halte das Stuck 201— 33 für ein rhetorisches Machwerk, 
bestimmt, das nach des Vf. Ansicht nicht genügend behandelte 
Stück 188 — 200 zu ersetzen. Allerdings geht der mit 188 begin- 
nende Gedankenconiplex schon 198 zu Ende; da aber die nach 200 
eingeführte fiaQvvQia sich noch auf jenes Stück bezog, so konnte 
vor 200 fin. kein Abschluss gemacht werden. Unser Vf. behandelt 
also den 188 — 91 kurz behandelten Gedanken des aviins7tqs(Sßsv- 
xiyai in anderer Weise, aber so, dass derselbe dadurch eine wesent- 
liche Alterirung erleidet, 201 — 28, benutzt aber diese Gelegenheit 
um* noch einige geringere Bedenken, die ihm aufstossen, 221 f. zu 
erledigen. Die Geschichte mit der olynthischen Frau lässt der Vf. 
ganz weg, weil er ohne Zweifel dieselbe durch Aesch. widerlegt 
glaubte, und schliesst 229 — 33, indem er die von Dem. 189 als die 
eigentlichen Mitgesandten des Aesch. angegebenen Philokrates und 
Phrynon einer eingehenderen Schilderung unterzieht. Dem. schliesst 
das Stück 200 mit dem Gedanken : notoy ovv eQstg ßioVj ov ov 
ßeßlcoxagj insl o ye ßsßnaijuepog cfoi to^ovtoq (paivecai; äXka 
dii %ä tijg i^ovolag' ovtog alXov sxq^ps naq vfiTv inl 
noqvaiifj und diesem entsprechen die Worte 233 genau : — Ita^ 
(loiregou trc3 fASTa xavii* ixQijoaTO ßi(p' xovtov cäg nsnoqvsv- 
liivov x&iQixsp. Hatte der Yf. sein Stück dazu bestimmt, es an 
Stelle von 188—200 der Rede des Dem. einzufügen, so musste er 
natürlich den Anfang und Schluss seiner Ausführung dem Anfang 
und Schluss des Demosthenischen Stücks im Gedanken anpassen, 
weil der Anfang sich naturgemäss an den Schluss des Vorher- 
gehenden anknüpfen, der Schluss aber eben so naturgemäss zum Fol- 
genden überleiten musste. 

Cod. 2 bietet innerhalb des von mir für interpolirt gehaltenen 
Stücks zwei sehr aufiallige Fehler dar. 213 folgt nach den Worten 
tig toivvv tavT^ cüLfiS^^ kiyco xdlst /üo» Tovvodv xovg fjtaQvVQag 
der titul. MaQTVQsg, obgleich die fiaQtVQia in Wirklichkeit erst 
nach 214 auftritt. Und ebenso steht nach den Worten xälsi fioi 
fOVTwv Tovg fiaQTvgag der Titel MdQtvQsgj obgleich wieder erst 
nach 236 die fiaqtvQla in Wirklichkeit erscheint. Diese Fehler, 
denn als solche muss man sie bezeichnen, theilt der Cod. 2 mit allen 
andern Hdschr.; sie sind aber bei jenem sehr auffallend. Wenn 
aber, wie wir aus der Randbem. änuid'sv leinei ^fiäg geschlossen 
haben , der Schreiber des Cod. 2 in diesem Stücke einer andern 
Hdschr. folgt, so würden jene Fehler auf Rechnung dieser Hdschr. 



— 53 — 

kommen, die sich also schon hierdurch als dem eigentlichen 
aQxitvnoq von 2 nachstehend characterisiren würde. Aber ich 
stehe nicht an, selbst in diesem Stücke (201 — 33 resp. 36) wieder 
andere Interpolationen auszuscheiden, welche später demselben ein- 
gefugt worden sind. Wenn Jener Fehler der zweimal geschriebenen 
Maqxvqaq oder MaQTvgicc nur einmal vorkäme, so könnte man 
sich bei der Annahme eines Versehens begnügen; das zweimalige 
Vorkommen desselben Fehlers muss stutzig machen und zwingt uns 
zu bedenken, ob nicht eine andere Erklärung dieses Umstandes 
möglich oder wahrscheinlich ist. Wir finden nun, dass die zwischen 
die MaQTVQsg und die Maqxvqia eingeschobenen beiden Stücke 
etwas völlig verschiedenes, weder mit dem Vorhergehenden noch 
Nachfolgenden irgendwie zusammenhängendes, haben. Es sind 
nqoKataXfiipsig^ die hier eingeführt sind, dje aber beide sich als 
so albern erweisen , dass ich anstehe , sie demselben Vf. zuzuschie- 
ben, der den grössern Theil der Interpolation 201 ff. geschrieben 
hat und der immerhin als nicht ganz ungeschickt bezeichnet werden 
muss. Auf das Einzelne dieser §§ 213 f. und 234 — 36 werde ich 
unten noch zurückkommen; hier erkläre ich nur das doppelte Vor- 
kommen von Mdquvqeg und Maqxvqia folgendermaassen. Der 
Vf. dieser Interpolationen wollte die Einwände und ihre Widerlegun- 
gen, welche wir 213 f. und 234—36 lesen, einfügen. Es ist gleich- 
gültig, ob er die Hdschr. der Rede in der Gestalt schon vorfand, dass 
das Stück 201 If. (excl. 213 f. und 234—36) der Rede selbst einge- 
fügt war und den Anspruch, für demosthenisch zu gelten, erhob, 
oder ob er das Stück als Interpolation kannte, die er nun durch 
Einfügung dieser neuen nqoxataXijifJstg noch in ihrem Werthe zu 
erhöhen glaubte. Das wahrscheinlichere ist mir , dass er das Stück 
201 fiT. als Interpolation kannte; ich nehme an, dass die Rede ur* 
sprünglich sich in der Hdschr. eines mit rhetorischen Studien sich 
beschäftigenden Mannes, vielleicht einer rhetorischen Schule, befand 
und zu rhetorischen Zwecken und Uebungen benutzt wurde; so 
durch Einfügung des Stücks 201 fiT. verändert, ging sie aus einer 
Hand in die andere. So hat denn anscheinend ein Späterer jene 
beiden kleineren Einschiebsel 213 f. und 234 — 36 dem grösseren 
Stücke noch ein- resp. angefügt. Dabei musste sich ihm aber eine 
grosse Schwierigkeit eröffnen, eine richtige Stelle für sein Machwerk 
zu finden; denn die ganze Ausführung 201 — 12; 15 — 34 schreitet 
so zusammenhängend fort, dass es fast unmöglich war, etwas ande- 



— 54 — 

res einzufügen. Der VfL benutzt die durch die Mdqtvqsg bewirkte 
Pause. Wie auch Dem. selbst mitunter nach Anfuhrung einer 
Thatsache auf das dieselbe bewahrheitende Zeugniss schon hinweist, 
obgleich er dieses selbst erst später beibringt, so z. B. 188 schliesst: 
a vvv fAaQTVQ€tp avfop dyayx(i(f(Oj obgleich erst 200 fin. diese 
fjbaQtvQux^ erscheinen; so fasst auch unser Vf. das xäket fiok %ov- 
TWP Tovg fjLaQTVQag als blosse Ankündigung des Zeugnisses, streicht 
deshalb das unmittelbar folgende MaQrvQsg, um nach Einschiebung 
seiner TtQoxardXijifjtg erst nach 214 die fiagrvQia wirklich anzu- 
ffibren mit den Worten X^ys t^v fMOQTDQiav, Dieses Stuck also 
213 ctXlä fjb^ fr. bis 214 Xiye t^v fiaQTvgiav. Maqtvqia sollte 
nach Streichung des titul. MdgrvQsg init. 213 hinter die Worte xdX€& 
fioi TOVTcav tovg fMaQTVQag eingeschoben werden : es ist dieses nicht 
vollständig ausgeführt > indem das MaQTVQsg stehen geblieben ist, 
wahrscheinlich weil hier wieder durch Vergleichung mehrerer Hdschr., 
deren eine die Interpolat. 213 f. hatte, die andere nicht, das Mag- 
rvQeg dieser stehen blieb und jene mit ihrer MaQTvqia nun noch 
hinzukam. 

Aehnlich verhält es sich mit der Interpolation 234 — 36, die 
gleichfalls eine TtQOxaidX^xfJig enthält, wenn möglich noch sinnloser 
als die 213 f.; vgl. unten. Ohne Zweifel gehen beide auf denselben 
Vf. zurück. Der Rhetor, welcher das Stück 201 — 12; 15 — 33 aus- 
gearbeitet hatte, führte 233 init. durch dieselben Worte, welche er 
auch 213 init. gebraucht, xdXsi fioi tovxiav rovg iidqxvqag seine 
Mdqtvqsg ein: mit Recht folgt daher in allen Hdschr. diesen Wor- 
ten der Titel Mdqtvqsg^ worauf er nach wenigen Worten seine ganze 
Ausführung abschliesst. Der spätere Rhetor, der Vf. von 234 — 36, 
glaubte wieder hier einen passenden Platz zu entdecken, um eine 
neue nqoxaxdXfixptg einzufügen. Aber er verfährt hier etwas an-- 
ders als oben : er streicht den Titel Mdqtvqsg, indem er die Worte 
xaA«» ff. wieder als blosse Ankündigung des später erst auftreten- 
den Zeugnisses gelten lässt ; da aber die folgenden Worte der Aus- 
führung, welche dieselbe abschliessen, ihm zu genau mit dem Vor- 
hergehenden in Verbindung zu stehen scheinen, als dass er seine 
vöUig fremde nqoxavdXfixfftg dazwischen schieben könnte, so lässt 
er nach Streichung des titul. Mdqrvqsg die Ausführung erst 
zu Ende gehen, um daran sein eigenes Machwerk anzuknüpfen und 
endlich durch die Worte Xiys rrfv ficcqtvqlap mit folgendem Maq- 
€vqia das 233 gestrichene Mdqtvqsg wieder aufzunehmen. Auch 



— 55 — 

hier sind in unsern Hdschr. beide Titel erhalten geblieben, wodurch 
das Ganze sinnlos wird. 

Fand der Schreiber von 2 in derjenigen Hdschr., welche er zur 
Ausfüllung der in dem eigentlichen agx^Tvnog von 2 entdeckten 
Lücke benutzte, das Stück 201 — 36 schon in der Gestalt vor, wie 
er es uns giebt — und das ist sehr wahrscheinlich — so dürfen 
wir diese Hdschr. als eine äusserst entstellte, sehr interpolirte be- 
zeichnen. Jedenfalls geht sie auf eine einst in den Händen eines oder 
mehrerer folgenden Rhetoren befindliche Urhandschr. zurück, welche, 
unsere Demosthenische Rede enthaltend , zu rhetorischen Zwecken 
vielfach benutzt war. Nur so lassen sich diese einander folgenden 
Interpolatt. erklären. Diese Hdschr. aber, auf welche wir zurückzu- 
schliessen berechtigt sind, ist die Grundlage wohl aller übrigen Hdschrif- 
ten gewesen, ausser ^ und Laur S (oder La ur S * . . .) ; aber auch diese 
letzteren beiden Hdschr. haben jenen tlod. — freilich wohl nur in einem 
seiner Abkömmlinge^ — benutzt, um die vermeintlich fehlerhafte Lücke 
Ihrer Urschrift auszufüllen. Jene Hdschr. aber, welche die Inter- 
polation erfahren hat, niuss gleichfalls in zwei Exemplaren wenig- 
stens existirt haben, deren eins nur das grössere und ältere Ein- 
schiebsel 201 — 12, 215 — 33 enthielt, deren zweites ausser diesem 
auch die Jüngern Interpolationen 2 13 f. 234 IT. hatte: denn nur 
durch eine Vergleichung jener beiden Exemplare selbst. oder in 
ihren spätem Abschriften kann das doppelte Mdqtvqsg und Maq- 
Tvqla erklärt werden. 

Ich bin also der Ansicht, dass ein Rhetor das Stück 201 — 12; 
15 — 33 ausarbeitete, weil er glaubte, der 188 ausgeführte Gedanke 
genüge nicht; er wollte sein Stück an Stelle des 188 — 200 setzen. 
Ein späterer Scribent hat sodann 213 f. und 234 — 36 in jenes Stück 
noch nachträglich eingefügt. 

So fallt aber noch ein neues Licht auf den verdächtigen § 187 
Hatte unser Vf. das Stück 201 — 36 dazu bestimmt, an Stelle von 
188 — 200 zu treten, so war 186 — wenn wir 187 gleichfalls für 
interpolirt ansehen — der Schluss des Vorhergehenden. So war es 
möglich diesem , da unser Vf. überhaupt von hier an eine Umgestal- 
tung des folgenden Theiles beabsichtigte, in 187 noch etwas Anderes 
anzufügen, welches ihm gleichfalls der Erwähnung werth schien. 
So wird die Athetese dieses Paragraphen sehr erleichtert und 187 
schliesst sich entweder dem Stücke 200 ii. unmittelbar an oder ist 
später von demselben oder einem späteren Vf. hinzugefügt , der die 



— 56 — 

durch die beabsichtigte Auswerfung von 188 — 200 entstandene 
Lücke zur Einfügung dieser TtgoTcardk^ipig benutzen wollte. Ich 
lasse aber diesen Paragraphen im Folgenden unberücksichtigt, 
da er im Ganzen für die Gesammtcomposition der Rede von unter- 
geordneter Bedeutung ist und das' handschriftlich gestützte Be- 
denken zunächst und ausschliesslich sich nur gegen 200 ff. richtet. 

Wenn das Stuck 201 — 36 undemosthenisch ist, so darf man 
erwarten, dass es auch in Gedanken und Sprache diesen Character 
der Unechtheit zur Schau tragt. Ich werde im Folgenden ver- 
suchen, die Spuren fremder Bearbeitung nachzuweisen, bemerke aber, 
dass es nicht auffällig ist , wenn die fremde Hand nicht in so grober 
Weise sich sofort verräth, dass überhaupt kein Zweifel übrig bleiben 
kann. Die Rhetoren, welche Jahr aus Jahr ein mit den Reden, ganz 
besonders des Dem., sich beschäftigten, mussten allmälig sich so 
sehr in des Dem. Stil und Redeweise einleben, dass sie wirklich im 
Stande waren, eine gewisse Aehnlichkeit mit ihm in ihren Mach- 
werken zu erzielen. Die Reden der Hauptoratoren , und zwar vor- 
zugsweise die wichtigsten der berühmteren , wurden so eingehend 
studirt, zu rhetorischen Stilübungen selbständig bearbeitet, Einzel- 
heiten derselben anders ausgeführt etc., dass uns eine gewisse äussere 
Aehnlichkeit derselben mit ihren Vorbildern nicht auffallen kann. 
Viel mehr kann hier die Schiefheit, Unrichtigkeit der Gedanken, als 
der Stil und die Sprache beweisen. Dessenungeachtet treten in dem 
betr. Stücke auch der Verstösse gegen Stil, Sprache, Grammatik so 
viele auf, dass sich auch von dieser Seite das Stück als interpolirt 
erweist. 

Das Stück lässt sich im Allgemeinen so characterisiren, dass 
die Gedanken und grossentheils auch die Ausdrücke aus andern 
demosthenischen Stücken , meist der vorliegenden Rede selbst, ent- 
nommen sind. Dass der Anfang nicht mit dem unmittelbar Vorher- 
gehenden übereinstimmt, haben wir schon oben gesehen. Das 
ddixsiv vfiäg^ wenn man es überhaupt so nennen kann und will, 
ist in der eigentlichen Klage, welche 177 ihren Abschluss findet, er- 
schöpft; jedenfalls aber kann man die unmittelbar vorhergehenden 
Stücke 192—98 und 199 f. auf keinen Fall so bezeichnen und die 
Worte TOüovTiüV %oivvv xal roiovtwv optcoVj cov ad^xcSv v^aag 
i^eX'^Xeyxvai sind völlig unmotivirt. Die folgende Sammlung von 
Epitheta des Aesch. erweist sich sofort als undemosthenisch. Es 
findet sich hier eine Analogie mit des Aesch. Verfahren, der unwich- 



— 57 — 

tige Momente erwähnt, die wesentlichen verschweigt. Sehen wir 
von dooQodoxog ab , welches übrigens selten ist bei Dem. , so geht 
xoXa^ auf 160, wo gelegentlich gesagt wird: ixccgitowo ndvT^ 
iyd€ixvvfi€VO& xal VTts^ycoXaxevopreg ixstvoVj vgl. auch Dem. 
de cor. 46, sonst findet sich nirgends dieser Vorwurf, soweit er eben 
nicht in dem Bestochensein und Handeln in Philipps Interesse mit 
enthalten ist. Dem. pflegt in solchen Aufzählungen die Haupt- 
momente anzuführen und gebraucht dabei gewöhnlich participia, 
nicht subst. tatg dgatg svoxog ist gleichfalls ein völlig untergeord- 
netes Moment, vgl. 70: xavdqaxog — Xiy^ t^v dqav^ wodurch 
die Richter auf die Strenge des Gesetzes hingewiesen werden; hier 
steht es ganz selbständig, xpevatf^g ist gleichfalls unpassend. t(Sv 
(pikoov TtQoöoTfigi ein solcher Gedanke ist ganz neu; wenigstens 
hat Dem. bislang noch keine ähnliche Bezeichnung gebraucht; 302 
findet man nqodsdtoxoT^ ovfifAccxovg xal (pikovg xcci xatgovg: 
aber man erwartet hier eine Erwähnung schon dagewesener Punkte. 
Äesch., um sophistisch den Vorwurf des Dem. auf die Spitze zu trei- 
ben und ihn lächerlich zu machen, sagt: iqmvA — sl doxa ap 
Vfjuv TtQog zy navQiöc xccl r^ rdov (plXcop (fvptjd'siqf xal tegcSv 
xal tatpoiv 7taTQ(p{ov ifiol (fihcdxovg ngodovvai OMninp» 
Diese Worte sind wohl unserm Vf. im Gedächtniss gewesen. Hin- 
zuweisen ist sodann noch auf die äusserst schwerfällige Gonstruction 
des ersten Satzes und auf die Einführung der nQoxaTaXfjipig durch 
iyyvraTm ficcvlag: Dem. nimmt sich in der eigentlichen Beweis- 
fuhrung vor übertriebenen Ausdrücken in Acht; das stärkste bei der 
Einführung seiner nqoxataki^xpsig ist 72 elg tovx^ dpatdsiag xal 
roXfi^g — . 

202. Die Aehnlichkeit der hier angeführten Ausdrücke xoi- 
Vüopog y^yovcc — (fvP^Qstfxep xavtd [lot xcci ovpSnqaTTOv avvto 
mit 188: %&v TteTtgayftipwv xoivoapetp — iyto d^ ovdi (fVfJbTte- 
TtqBOßsvxh^cn — v^kstg ydq ravv^ iTtqdtxsrs xai vctvta nä(Stp 
Vfjbtp ^qeoxBP ist aufiallend. Der Vorwurf s7t€tT''J^aig)pijg fieca- 
ß^ßXfifkat ist derselbe welchen Dem. dem Aesch. macht 27 f.: 
i^ai^pfjg — ikBiaßsßXriiiipQv *y dass Aesch. diesen Vorwurf dem 
Dem.. machen würde, vermuthet Dem. nirgends; Aesch. thut es aber 
79: xal fietaßeßX^a&ai fis <p^g avrog (Sp dpdqanoötoärjg xal 
liopop ovx iaviyfiipog avrofioXog: aus diesem wirklich von Aesch. 
erhobenen Vorwurf, den derselbe bekanntlich nicht bloss hier 
erwähnt, sondern zur Grundlage seiner ganzen Vertheidigung macht, 



— 58 — 

indem er ausfuhrt , nicht Er habe die Interessen Athens verrathen 
und mit Philokr. im Complott gehandelt, sondern Demosthenes, 
macht der Vf. unsers Stucks die ganze rcgoxaTccXfiiptg, Dem. hatte 
den Gedanken ganz kurz 188 ff. erwähnt und zurückgewiesen. Zu 
brachten ist noch der Hiatus ^ Totavtfj änoXoyia. Der Gedanke 
iy(a fjuiv yäq al xavta TCSTtoifjxa y>avX6g slgi* avd-Qfanog ist 
lächerlich. 

203. t'^v dixaiav ijtirg iaxlv dnoXoyux zu beachten. Die 
Worte selbst entlehnt der Vf. aus seinen eigenen Worten 201. 
Die Theilung inidst^ai, xal ort tpsvtfsTat toSt* iäv Xiyfl ^^ 
tf^v ducaiav ^ztg i(ftlp anoXoyia ist unlogisch : die Theile schliessen 
sich nicht aus, sondern decken sich. 

204. Der ganze Paragraph besteht aus Reminiscenzen, vgl. 
besonders 325 f. ; nur das h Evßoit^ cvQaTKiiTag elvat ist 
original, dafür aber auch desto matter; der Vf. mochte wahrschein- 
lich das oQfifir^Qia nicht noch einmal setzen. Ganz unverständlich 
aber ist avcifiovop sfyat t^p slQijpfjv : allerdings wird von Dem. 
berichtet, dass mehrere Bundesgenossen den Frieden nicht beschwo- 
ren hatten, dass aber Phil, dieselben nach Athen habe schicken 
wollen. Aber sollte dieses am Tage des Processes noch nicht ge- 
schehen sein? Und wäre das überhaupt ein Grund, weil vielleicht 
einige unbedeutende Städte den Frieden nicht beschworen hatten, 
denselben überhaupt äpcifiovog zu nennen? Auch hier zeigt sich 
die Unkenntniss und Talentlosigkeit des Vf., welcher aus Stellen, 
wie 158 ovd-^ o^* ixsia^ inoQsvovto ovd-^ o^^ ixst&ep dsvQO tovg 
oQxovg sXaßov — 159 ovx ißovXero vomov d[i(Ofioxipa^ top 
OQxop oidiva xäv avvov av[i(ji,äxot>P compilirt t^p dpaifitnop 
slqi^VflP, 

205. Der Vf. geht an den Beweis selbst, dass er an Nichts 
Theil genommen habe. Als erster Beweis dafür wird der Umstand 
geltend gemacht, dass Philokr. der unverschämteste Mensch , Aesch. 
der grösste Schreier in Athen, beide nichts gegen Dem. aroXfiop xal 
dstXov nqog tovg oxXovg vermocht und geredet haben, als dieser 
jene der Bestechung beschuldigte. Wann ist dieses geschehen? 
Dem. spricht 116 if. von dem Process des Hyperides und erklärt, in 
demselben schon denselben Vorwurf erhoben zuhaben; fernerer* 
wähnt er 135 einer Volksversammlung (jtQog VfAccg ip r« dijfim), 
in der er gleichfalls unter dem Schweigen der Angeschuldigten diese 
Anklage erhob. Dem. hat 135 ohne Zweifel die 2. philippische 



— 59 — 

Rede im Sinnen in welcher man diesen Vorwurf findet und welche 
gleichfalls genau die 135 als dort erwähnt genannten Vorwürfe der 
Unhestandigkeit und des Unverstandes enthält. Dem. bat also nacb 
135 schon einmal (nqorsqov nore) in einer Volksversammlung und 
ebenso nach llGfif. vor Gerichte bei der Klage des Hyperides den 
Vorwurf des Bestochenseins gegen die Gesandten erhoben. Aus 
116 IT. und 135 hat nun unser Vf. seine Stelle compilirt: die Form 
des Beweises ist dieselbe, Dem. ruft die Gesandten als Zeugen 
gegen sich selbst auf: avzovg 7ra^a(r%(0jiia» iidqxvqaq Tovvovg 
ort TtdvTa i:dvavTC Bfiol xai rovroiq n^ngaxrat ff.; ganz gleich 
schliesst Dem. a. a. 0. (119) öiaiiuaqtvqsad'at tq Y.ad'^ ccvrop — 
ort XQ^ficcT^ €XXfiq)6V Al(S%. 

206. Der Vf. sagt zlva tcSv ip r^ noXsi, ipi^aair^ av ßds- 
XvQoivccvov elvai; — ovdsig — av — aXXov — (^^(feiep ij 0iXo- 
xQavf^v. Wie kann Dem. den Philokr. als ep ry noXet bezeichnen? 
Philokr. ist durch den gegen ihn erhobenen Process verurtheilt in 
die Verbannung gegangen , er ist factisch und rechtlich s^oa ri^g 
7i6XB(ag und nichts kann Dem. bewegen, ihn unter die Bewohner der 
Stadt zu rechnen. Und derselbe Ausdruck kehrt 208 wieder. Ein 
Rhetor, welcher später schrieb und nicht unmittelbar nachdem 
Philokr. verurtheilt und verbannt war, der also nicht in der Gegen- 
wart, sondern in der Vergangenheit lebte, konnte sehr wohl diesen 
Umstand für Augenblicke vergessen: Dem. kann dieses nicht ge- 
schrieben haben. Mir ist es wahrscheinlich, dass der Vf. dabei an 
die Worte des Aesch. denkt 6 (de f. 1.) Ttaqddo^og di fioi xäxst- 
vog 6 Xoyog itfccpfj xal dsiv^g ad^xog^ od"' Vfiäg iTttjQciTaj 
el otopT^ iavlv iv rij ccvt^ noXsi 0tXoxQdzovg (lep d'dvcnjov 
xaTaxpfj(pl<fa(f3aij oti xaTaypovg adtxsip iccvtov t'^p xp^tf^v 
ovx vnifietpePj ifiov J' artoyvdopat. Diese Worte beziehen sich 
auf Dem. de f. 1. 116 ff. Wenn sich das ip zy avty noXst hier 
nicht findet, so ist das nicht auffallend: Dem. kann es sehr wohl 
gesagt haben , wie er sich in vielen Stucken nicht an den Wortlaut 
unsers Textes gehalten hat. Wenn aber unser Vf. diese Worte in 
ähnlicher Fassung hier gebraucht, so beweist er seine absolute Un- 
geschicktheit. Die Schilderung des Philokr. als ßdeXvqdxccxog xal 
TtXeiOTfjg dpaidslag xal oXtyoaqiag (A€(^T6g, Aesch. als iiiyixszop 
(fd^syyoiispog^ Dem. als äroXfiog xal deiXog xal ovdsvog fitet^ov 
if&€yy6(i€Pog ist für mein Gefühl äusserst manierirt und des Dem. 
ganz unwürdig. Ich glaube, dass dem Vf. die Stelle de Cherson. 68 



— 60 — 

hierbei vorgelegen hat: efcd (pijaip og av tt^Xfl TtaqeXd-oiv jjOv 
yaq i&iksig ygdffsiVj ovös %i,vdvp€vsi^v ^ äiX^ ävoXfiog el xal 
fialaxog/'^ iyco di d^qaovg fisp xal ßdsXvqog xal ävccidi^g ovz* 
siftl jiMjrf ysvoifiTjPj apäqsi^orsqov iispxoi, noXXäv ndvv xäv ha- 
fA(Sg 7toXixevoi»,€p(av Ttaq vfitv ifiavvov ijyavfxa^. Ausserdem 
mag er an Aesch. de f. 1. 106 gedacht haben, wo Dem. sagt iyca 6i 
OfAoXoyci fiaXccnog slva^ xal %ä dsivä noQQW'd'ep dsöiivai, — . 

207. Hat Dem. 135 ausdrücklich gesagt^ dass er schon früher 
einmal {xal nqoteqop noxe) über diesen Gegenstand in der Volks- 
versammlung gesprochen habe, so macht unser Rhetor dasselbe ver- 
allgemeinernd zu , BV Ttdaaig ratg ixxXfjaiatg oadxtg — . Die 
Worte xal xaxrjyoQovvtog — t^^ TtoXeoog geben in alter Form 
einen alten Gedanken wieder. Dann sagt unser Vf.: xal rovrav 
ovdslg TtoiTtoz^ äxovoav xovv^ avTetnav ovds äi^Qsy rb arofia 
ovä^ Sösi^ev eavvov; vgl. damit 117: ov xoivvv naQ^l&tv ovdslg 
ovä" sdetf^sv iavTOp: hier sind die Worte nach der Aufforderung 
ävaaxdg — a7to(p^pda&(a iiri fiex^x^ip — durchaus passend, dort 
sind sie völlig überflüssig: der Rhetor hat die Stelle einfach abge- 
schrieben. Die andern Ausdrücke entlehnt er sodann aus 112: 
ov voivvv dvzetnsv ovdi di^Qey to atoiAa ovd^ iipd'iy^a^o 
ovöey, ebenso 207: ovöslg awslnsv ovds di^qsv %d atofAaj 
nur dass er für das ovd^ iipd-iy^aio ovdiv das unpassende ovd^ 
8dei^€V iavTOP aus 117 setzt. 

208. Der erste Satz enthält eine wörtliche Wiederholung der 
206 gebrauchten Ausdrücke. Das folgende ro avvudivai, nenqa- 
xoatv avTotg %d ngdyfAaTa aus mehrmals von Dem. gebrauchten 
Ausdrücken zusammengesetzt. Der letzte Satz tovto Ttaqaiqstta^ 
t^v 'd-qaavTTjva r^v xovxfaVj tovz^ dnofSxqiffst t^v yXäixav 
i[ji,q)qdtv€t to atofia, ay%6^y (fKonäv noist wieder sehr ma- 
nierirt. 

209. TO Toivvv xeXsvTaXov Xats öijjtov Ttqioiip: ygl. 116 
ö roiyvp vatatov i^h yiyovsv — Jct« dr^nov nqiofjv. Worauf 
Aesch. bei seiner Drohung , gegen Dem. einen Process zu erheben, 
sich stützt, {(og elgayyeXst fiSj J^ hat eigayyiXXei^ xal yqdxpeiat) 
bleibt völlig unklar. Gewöhnlich wird der hier erzählte Umstand 
auf den delischen Process bezogen. Die Athener hatten den Aesch. 
zum Gesandten und Anwalt in ihrem Processe um Dolos gemacht; 
weil aber Aesch. durch die Geschichte mit Antiphon sich verdächtig 
gemacht hatte, so setzte der Areopag in feierlicher Abstimmung ihn 



— 61 — 

ab. Angenommen dass 209 sich auf diesen Fall beziehe , so ist es 
zunächst sonderbar, dass Aesch. hier seinem Zorn darüber gegen 
Dem. Luft macht, von dem der Beschluss des Areopags doch völlig 
unabhängig war; sodann ist es merkwürdig, dass Dem. in der eigent- 
lichen Beweisführung nichts von diesem allerdings wichtigen Merk- 
male, wie man gegen Aesch. gestimmt war, anführt; jedenfalls muss 
er bestimmte Gründe gehabt haben , dieses zu verschweigen und es 
passt die Annahme, Dem. verschweige es aus Rücksicht auf die De- 
mokratie, recht gut; denn die Bürgerschaft musste das eigenmächtige 
Verfahren des Areopags sehr unangenehm berühren. Aber welche 
Gründe Dem. auch gehabt haben mag, diese Abweisung des Aesch. 
zu verschweigen, sie müssen vorhanden gewesen sein. Unter allen 
Umständen ist daher diese beiläufige Erwähnung der Thatsache 
äusserst unangebracht. Wollte Dem. sie erwähnen und als Beweis 
benutzen, wie ehrenwerthe, patriotisch gesinnte Männer über Aesch. 
denken und ihn als Verräther bezeichnen, so musste er sie unter den 
Beweisen, dass er bestochen sei, aufführen, nicht aber in der dpa- 
{fxsvijj als TTQOxatdkfjXfJigj oder gar wie es hier geschieht^ als blosses 
Einschiebsel in einer völlig andern nQoxaväXfjXpig. Durch die blosse 
Erwähnung dieses Umstandes , wenn er wirklich auf die oben be- 
zeichnete Thatsache sich bezieht, musste der Zorn des Demos eben 
so erregt werden, als er durch eine genauere Darstellung, die vorsich- 
tig das was Zorn und Hass erregen konnte, vermieden wurde. Endlich 
aber ist noch zu bemerken, dass die Worte ov^ amov ovx eläcs 
nqeoßevBiv durchaus unrichtig sind: der Demos hatte Aesch. im Ge- 
gentheil gewählt, der Areopag ihn refusirt. Man sieht, der Rhetor 
wusste den Gegenstand, dass Aesch. Wahl nicht bestätigt war, die 
näheren Umstände aber kannte er nicht. Der Gegensatz in %avta 
IJbip i(fT& ff. ist unlogisch. Noch unlogischer, um nicht zu sagen 
unsinniger, ist das elkfjtpwg ^ fMeretXf^ffcig am Schlüsse des Para- 
graphen. Der Pseudo-Dem. schiebt dem Aesch. hier folgende Ver- 
theidigung in den Mund: „Dem. wirft mir vor, dass ich Gelder an- 
genommen habe, während er doch selbst dieselben empfangen hat 
oder mitempfangen hat.'* Keineswegs kann man dieses auf das 
Annehmen der l^ip^a beziehen, welches Dem. erwähnt: denn seine 
ganze Darstellung ergiebt, dass er hieraus dem Aesch., wenn auch 
Verdächtigung, so doch keine bestimmte Anklage erregen will, in- 
dem er erklärt, durch die Annahme von Seiten der Gesandten sei 
ein günstiger Vorwand gefunden für Einzelne, noch privatim im Ge- 



— 62 — 

heimen Gelder zu empfangen , und nur aus diesen leitet Dem. seine 
Anschuldigung auf Bestechung her, freilich ohne dieselbe irgend wie 
zu erweisen. Wenn daher hier dem Aesch. die Worte in den Mund 
gelegt werden ovTO(fl xccTfjyoQet %avT^ iybov äv avtdg xoiv(üvog 
yiyovsv jcai XQW^^^ slXficpivai (pfjaip ifiij avzog stXfjtpcog iy 
fisT€tl^q)(iig, so können sich diese XQW^'^^ °^^ ^^^ ^i^ Gelder be- 
ziehen, durch welche nach des Dem. verdächtigender Behauptung 
Aesch. im Geheimen von Philipp sich erkaufen liess, und welche 
den Grund und Kern der ganzen Anklage des Dem. bilden. Es ist 
nun aber ein barer Unsinn, dem Aesch. die Worte in den Mund zu 
schieben ^ fiers&Xficpwg. Sämmtliche Eldschr. haben dieselben. 
Aesch. würde durch dieselben seine Schuld einfach anerkennen, die 
dadurch nicht geringer wird, dass Dem. an ihr Theil hat. Ein solcher 
logischer Unsinn ist dem Dem. auf keinen Fall zuzutrauen und auch 
diese Worte erweisen die Gedankenlosigkeit und Ungeschicktheit des 
Interpolators. 

210. TovTcov fih Toivvv ovSiv ff. noch immer in Reminiscenz 
der obigen Stelle (112). Vgl. auch Dem. de cor. 23 bol x6 fi^ 
(f^y^tfait XoiTtov ^p, äXXd ßoqv xccl dtaiKxqxvqsdd'ai %al d^Xovy 
rovtoial. ov roivvv i7toifj(fag ovdafiov zovto ovd^ ^xovai dov 
tavTijv r^v tpmvfiv ovdsig. Auch hier wieder zeigt sich die Un- 
beholfenheit unsersVf.; man vergegenwärtige sich einmal den Gedan- 
kenfortschritt oder vielmehr Gedankenstillstand dieses Paragraphen, 
dessen sämmtliche Sätze sich in einem Cirkel bewegen. Tovtwv [liy 
Tolvvv ovdiv elTtsy ovd^ iq)36y^aT0 ovd^ v^ova€V vfieSv ovdelg 
(drei verschiedene Ausdrücke für dieselbe Sache) älXa d' ^fieiXai» 
öiä vi; 6t if Tavra fjbiv aitta (fvv^dei, nenqayfiipa xal dovXog 
fiv täv ^rjfiäTcav xovtwv. oimovv nqog'^si jtQog %clvS^ ^ d*a- 
vo^a aXX* avBdvBTO. insXaiißävsto naq avt^g xo avP€tdivat. 
Dazu kommt die durchaus unklare Ausdrucksweise dieser Sätze selbst. 

211 f. enthalten ein Moment, welches uns zu einer gründlicheren 
Erwägung auffordert. Es wird hier nemlich ausgeführt, Aesch. habe 
die Ansicht verfochten , nach der Rechenschaftsablage über die erste 
Gesandtschaft sei eine solche über die zweite, welche nur Fort- 
setzung jener, unnöthig; er habe deshalb den Dem., der für sich 
habe Rechenschaft ablegen wollen, an derselben zu hindern gesucht. 
Dieses Moment würde in der That ein sehr wichtiges in der Anklage 
gegeil Aesch. sein und es würde zunächst in Bezug auf dasselbe %vl 
bemerken sein , dass das Eingeschahetsein desselben inmitten einer 



— 63 — 

andern TtQoxaTciXfjipig , wodurch die Bedeutung desselben aufs 
äusserste zurücktritt, sehr aufialiend ist. Dem. hätte diesen des 
Aesch. schlechtes Gewissen im höchsten Grade compromittirenden 
Umstand selbständig ausführen müssen, um ihm das volle gebührende 
Gewicht zu geben. 

Sodann ist zu sagen, däss es kaum denkbar ist, dass Aesch. auf 
einen solchen Gedanken überhaupt sollte gekommen sein , von der 
zweiten Gesandtschaft, nachdem* schon von der ersten Rechenschaft 
abgelegt war, dieselbe zu verweigern. Die Gesandten waren zwei- 
mal gewählt, sie waren zweimal nach Makedonien gewesen, sie hatten 
ihre ganz bestimmten Aufträge für diese letztere Reise erhalten. 
Wenn die zweite Reise als Fortsetzung der ersten betrachtet wurde, 
so musste selbstverständlich die Rechenschaftsablage am Schlüsse 
dieser als Eine betrachteten Gesandtschaft stattfinden, nicht aber in 
der Mitte der Amtsführung. Das wäre in der That ein nqayiib' 
vnsqyiXo^oVy wie es 211 heisst, und dem Aesch. ein solcher Ge- 
danke nicht zuzutrauen. Ferner heisst es hier, Aesch. habe die 
Rechenschaftsablage des Dem. zu hintertreiben gesucht bx(ov fidq- 
TVQag noXXovg. Was sollten diese Zeugen bewahrheiten? Dass 
Dem. schon von der ersten Gesandtschaft Rechenschaft abgelegt 
habe? Dafür lieferte das Archiv, welches die von den Euthynen ihm 
ausgestellte Entbindung von der Verpflichtung enthielt, das nöthigeMa- 
terial, nicht aber Zeugen. Oder dass die zweite Gesandtschaft nur Fort- 
setzung der ersten gewesen? Das war, wenn es überhaupt zu beweisen 
war, durch xpriq^iaiiaxa zu beweisen, auf Grund deren die Gesandtschaft 
abgeschickt war, Aesch. hätte sich vielleicht daraufstützen können, dass 
dieselben Gesandten wieder gewählt waren und ähnliches : aber dafür wa- 
ren die bestimmten Raths- und Volksbeschlüsse beweisend, nichtZeugen. 

Es heisst 211: ßovlofidpov yäg ifiov tä dtxaicc wgTtsQ 
inQitfßsvaa dlg ovtia iial Xoyov vfiiv dovpat dlg, nQogeX&oov 
Alffx^P^Q ovroal rotg Xoy&(fTatg ixonv (Jbäqtvqag noXXovg arni" 
yoqsvs [i^ xaXetp Sfjb^ slg ro dixat^T^Qiop oog dedoaxoT^ stfdvvag 
nal ovx ovS'^ vTtsv^vpop. Aus diesen Worten geht deutlich her- 
vor, dass der Vf. der Ansicht gewesen ist, jeder habe sich einzeln 
von der ihm gewordenen Aufgabe entbinden lassen , indem er vor 
den Logisten ev&vvfi ablegte. Wir ersehen nun aber aus der Rede 
des Dem. aufs bestimmteste, dass die. Gesandtschaft als solche noch 
vnsvd'vvög war, dass also auch Dem. nicht entbunden war. In der 
ganzen Klage wendet sich Dem. ebenso gegen die übrigen Gesandten, 



— 64 — 

wie gegen Aesch« Freilich tritt dieser als der schuldigste hervor, 
aber den Mitgesandten wird in gleicher Weise Verrath vorgeworfen 
und nur wo einzelne Handlungen von Aesch. erzählt, oder wo die 
bestimmte Aufforderung zu strafen an die Richter gestellt wird, tritt 
Aesch. speciel hervor, weil Dem. nur gegen diesen einen bestimmten 
Strafantrag erhebt. 

Sofort im Anfang der Rede bezeichnet Dem. bestimmt das gegen- 
wärtige Verfahren als die svd'vvat der zweiten Gesandtschaft und 
keineswegs ist hier von Aesch. allein die Rede, sondern von allen 
Gesandten, vgl. die Worte: insidvi ndXiv ^xo[Uv ix ir^g nqsa- 
ßeiag f^gniQ slöiv al vvv ev&vvon. Unmöglich könnte doch 
Dem. so sprechen, wenn hier nur die sid'vvri des Aesch. in Betracht 
käme , nicht die Aller Gesandten oder der Gesandtschaft in ihrer 
' Gesammtheit. Das Zusammenwirken Aller Gesandten wird stets 
festgehalten von hier an, die Worte tovtwp — Ttag* avto to 
ifj^(pi(ff,ia TiBTtqeaßsvTiOxiav bezeichnen wieder genau die Klage als 
^sql 7iaQa7tQS(f߀iag gegen Alle Gesandten gerichtet. In der Er- 
zählung von den aTtayysXiat des Aesch. tritt dieser durchaus richtig 
wieder speciel hervor, weil einzelne Facta berichtet werden, die ihn 
allein betreffen. Aber immer wieder treten dazwischen die Gesand- 
ten als an der Schuld des Aesch. theilnehmend hervor. 32 stellt 
Dem. sich allein als imsixiig den andern nsnovtjQsvfAhoig gegen- 
über. Philipp nimmt die äfiaQTijfjuata der Gesandten auf sich 36: 
vn^Q cov nagä xovtfAV Vfjtäg adsk dixf^v Xa^ßccvs^v. Auch bei 
den Verhandlungen in der Volksversammlung nach der zweiten Ge- 
sandtschaft erscheinen die Gesandten zusammengefasst 45 und Dem. 
allein im Gegensatz zu ihnen; natürlich treten Aesch. und Philokr. 
besonders als die Hauptführer wieder schärfer hervor. Vgl. auch 
52 — 54. 57 f. 60 ff. Sie haben die Phoker vernichtet, sie haben 
Philipp unterstützt , Phil, hat sie nop^Qov^Qovg gefunden als er 
wollte; was Phil, selbst nicht lügen mochte, inl xavTa fjbia&aaap- 
TBQ iavtovg vfiSg i^i]ndi^(av; kann es xaxiovg ^ fi&XXop anove- 
vo^iiipot geben? Dazwischen erscheint Aesch. allein nur selten be^ 
schuldigt; sowie Dem. aber auf die Einreden kommt, spricht er von 
Aesch.: iqst etc.; natürlich, denn nur gegen- Aesch. beantragt Dem. 
eine bestimmte Strafe. 

Die Worte 103 x.qlvsta$ xal eXys ti, rcSv nqogfixovToav 
iyiypeto iv slgayyeXiq ndXai av ^p, vvv 6i dta t^p viksriqav 
€vijd'€iap xai TtQqöttjTa Bvd"Vpag didtoöi^ xccl zavrccg on^vixa 



— 65 — 

ßovXsrai, sagen nicht, dass Äesch. allein €v&vpag jetzt gebe, sondern 
bringen die €vd^)vat aliein in Beziehung auf ihn zur Sprache, weil 
eben von ihm allein hier die Rede ist. Aus den Worten sly^ ^^ ^^^ 
TtQogijxövtcuv iytypsTO iv slgayyellqf^näXai ap ^p darf man 
nicht folgern wollen, dass die von Timarch früher gegen Aesch. an- 
gestrengte Klage diese Form gehabt habe, oder dass Dem. selbst die 
Erhebung der Klage in der Form einer Eisangelie versucht habe. 
Dem. und Tim. hatten gegen Aesch. bei den Logisten die Klage we- 
gen TtaqanqsfSßeia erhoben ; Aesch. hatte mit einer Gegenklage ge- 
antwortet gegen den einen der Kläger; durch die Verhandlung dieses 
Processes war der erstere sistirt ; nach der Verurtheilung des Tim. 
setzte Dem. allein die Klage fort und 3 Jahre nach Einreichung der 
YQcc<f^i wie das Argum. Anon. zu Dem. de f. 1. 11 sagt, kam der 
Process erst zur Verhandlung. Ohne Zweifel hat auch die Klage 
des Hypereides gegen Philokrates, die sich zum Theil auf dieselben 
Momente stützte, auf welchen die Klage des Dem. gegen Aesch. be- 
iniht, auf die Verzögerung dieser Klage eingewirkt. Auf jenen Pro- 
cess beziehen sich nun ohne Zweifel die Worte ip sigayyeUqc nd- 
Xat ap ^p : wenn es nach dem Rechte gegangen wäre, so wäre mit 
Aesch. so verfahren wie mit Philokr. , es wäre eine Eisangelie gegen 
ihn eingebracht. Wenn wir auch nicht bestimmen können, wann 
die eine oder andere Form der Klage — slgayysXia^ oAer sv&vpfi — 
angebracht war, so dürfen wir doch jene als die summarischere, 
kürzere bezeichnen, zugleich aber als eine Klagform, durch welche 
das Verfahren des Angeklagten als ein ganz besonders gefährliches, 
ausserordentliches bezeichnet wurde. Doch wie dem auch sei, das 
€v&vpag didoüfSif beweist auf ]|^inen Fall, gegenüber allen andern 
Zeugnissen, dass der Process, die Rechenschaftsablage allein den 
Aesch. betreffe. 

Ein sehr deutlicher Beweis , dass die evd'Tipfi Alle Gesandten 
betrifft, findet sich auch 116. Dem. erzählt von der Klage des 
Hyperides gegen Philokr. und wie er gesagt habe. Eins missfalle ihm 
an der Klage ei fiopog OiXoxQdTfjg toaomiAP ädixT/fAdTcop äÜTiog 
— ol 6^ ippia Tcöp nqiaßsdüp fifidspog — . Dem. fordert die 
Gesandten auf, wer an den dem Philokr. vorgeworfenen Thaten kei- 
nen Theil habe, möge vortreten und dasselbe erklären. Indem Dem. 
nun nach Entschuldigungen für die Betreffenden sucht, sagt er: 
xul T(üV fikp aXXoop iattp ixddtia ng nqdtpaaig. 6 fiep ovx 
insvd-vpog ^Pj o 6^ ovxi ftaq^p iffcog, ttp di xfjdsatijg ianp 

5 



— 66 — 

ix€tPO$ — . Wenn Dem. ausdrücklich Einen dei; Gesandten ovx 
v7t€V&vvog nennt, so darf man doch wohl daraus folgern, dass die 
Andern vjtev&vpoi waren. Aber wie ist es möglich, dass der Eine 
ovx vnsvd-vpoq war? Hier liegen verschiedene Möglichkeiten vor: 
das wahrscheinlichste ist mir, dass Dem. als den ovx vuBvd'Vvog 
den Aglaokreon von Tenedos bezeichnet, welcher als Gesandter der 
(fvfifiaxot Athens den zehn athenischen Gesandten beigeordnet 
war, vgl. Aesch. de f. 1. 97. Es wird dieses dadurch bestätigt, dass 
Dem. von neun Gesandten spricht ausser Philokr. Da er sich selbst 
nicht einschliessen kann , so folgt], dass er den Aglaokreon mit ein- 
schloss und als Nicht-Athener war dieser den Athenischen Logisten 
auch nicht verantwortlich. Dass derselbe damals in Athen war, er- 
sieht man aus Aesch. 2, 126: denn da. er der Rede des Aesch. nsql 
naqanq. anwohnte , so dürfen wir auch wohl annehmen , dass er in 
der kurz vorher (nq(jiriv) geführten Verhandlung gegen Philokr. an- 
wesend war, worauf ^das ivvia nqiaßsoav ganz bestimmt hinweist. 
Ich halte diese Stelle schon allein für beweisend , dass die zehn athe- 
nischen Gesandten, d h. die Gesandtschaft in ihrer Gesammtheit 
noch vTtsvd-vvog war. 

Wenn die Gesandten überhaupt noch keine Rechenschaft ab- 
gelegt hatten , so war auch Dem. noch vnavd^vvog. Und das zeigt 
wieder seine Rede aufs schlagendste. In dieser Eigenschaft als 
nqsdßevxiig vTtev&vvog musste es Uim gestattet sein , eingehend 
über sein eigenes Verhalten während der Gesandtschaft zu sprechen. 
So tritt die Rede neql naqanq. ihrem Wesen nach unmittelbar 
neben die Rede neql (STB(fdvov: beide sind ebensowohl Recht- 
fertigungs- als Klagschriften; überall, durch die ganze Rede, stellt 
Dem. sein eigenes Verhalten dem des Aesch. gegenüber: so zunächst 
im ersten Theile der Klage, der über das anayyiXXstv und nsi&etv 
des Aesch. handelt, sodann im dritten, der den eigentlichen Bericht 
über die Gesandtschaft selbst giebt. Der zweite Theil dagegen, 
welcher die dcoqodoxia des Aesch. nachzuweisen sucht, bot natür- 
lich keine Gelegenheit, sein eigenes Verhalten zu schildern. Dies 
halte ich auch für einen der Gründe , (vgl. übrigens schon oben) 
weshalb Dem. nicht chronologisch verfahrt, zuerst die Gesandtschaft 
selbst (Theil III oder Punkt V), sodann Theil I (Punkt I und II: das 
dnayy^Xlsip .und neid-siv) behandelnd , sondern umgekehrt : bei 
der Schilderung der zweiten Gesandtschaft konnte er elTectvoUer 
sein eigenes Verhalten dem des Gegners in richtigem Lichte gegen- 



-^ 67 — 

über stellen und in längerer Ausführung über die Aufträge sprechen, 
in Bezug auf welche er avvoxQdTcuQ gewesen war. Er schliesst diesen 
Bericht, indem er erklärt, er habe sich die grösste Mühe gegeben, 
das Andere eben so gut auszurichten: aXX^ oliiai nsQt^aav 
ovtoi fjiov. 

Nur von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet ist auch die 
Verwahrung des Dem. 188 ff. zu verstehen. War dem Dem. Decharge 
ertheilt, so war er damit von jeder Schuld,^die etwa auf der Gesandt- 
schaft im Allgemeinen begangen war , freigesprochen. Seine Worte 
dvoXp d* alQ^(f€(og ov(fijg fiOL vvvl ^ TOhomoov ovxoav veop Tts- 
nqayiiiPfov öoHstv xotvcopstv vfitv ^ xaTniyoqstv sind durch- 
aus wahr. Aesch. erklärt selbst (3, 80) 13 Jahre später, wo er es 
wohl versuchen konnte, frech das Gegentheil von dem zu sagen, 
was er in seiner Bede tzeqI naqanq, vorgebracht hatte: iv Tatg 
[leyicfvaig ^aav ahiaig ol nqi(Sßsi,g ol neql v^g etqijyrjg nq8(f^ 
ßsvdavTsg. Und das ist gewiss völlig der Wahrheit entsprechend ; 
nur muss Aesch. nicht verlangen, dass wir ihm weiter glauben, diese 
Anschuldigungen, hätten sich vorzugsweise gegen Dem. und Philokr. 
gekehrt. Dem Dem. blieb kein anderes Mittel, sich von den Ver- 
dächtigungen zu reinigen, die man gegen die Gesandtschaft erhob, 
als auf wirksame Weise darzuthun, dass er an den Ergebnissen der 
Gesandtschaft unschuldig sei. Und das konnte nur in Form einer 
Klage gegen die Gesandten geschehen. Wer anders als Jemand, der 
den Verhandlungen angewohnt , konnte wissen , welcher unter den 
zehn Gesandten keinen Theil habe an der Schuld, oder wen vor den 
Andern eine Schuld treffe? Jede Klage eines Unbetheiligten konnte 
sich nur gegen die Gesandtschaft als solche richten; wäre nun wirk- 
lich eine Klage gegen die Gesandten erhoben von einem Dritten, so 
war es dem Dem. allerdings noch immer möglich, seine Nichtbethei- 
ligung an den Ergebnissen der Reise zu erweisen ; geschah das aber 
nicht, so wurde er jedenfalls von den allgemein erhobenen Anschul- 
digungen mitbetroffen. Das sicherste nicht blos, sondern auch das 
einzig würdige Mittel für ihn war), selbst sofort eine Klage zu erhe- 
ben. Man beachte 'die Form, in welcher Dem. 188 von dem Um- 
Stande spricht, dass er als College die Klage erhebe; er weist bestimmt 
jede Gehässigkeit, die man in seinem Verfahren finden könne, zu* 
rück, indem er erklärt, nur so habe er erweisen können, dass er 
schuldlos sei. Das wäre aber durchaus unwahr, wenn ihm über* 
baupt die Möglichkeit gewesen wäre, allein für sich Decharge zu 



— 68 — 

erhalten; stellte er sich den Logisten vor und diese fanden ihn nach 
Anhören seines Berichts schuldlos, so war er damit von jeder Theil- 
nähme an den Resultaten der Gesandtschaft frei : die Klage gegen 
seine CoUegen war für ihn selbst zwecklos, er konnte dieselbe ruhig 
andern überlassen. Aber so war die Sache nicht: den Gesandten 
konnte nur in ihrer Gesammtheit Decharge ertheilt werden und da- 
her musste Dem. von vornherein auf eine bestimmte Klagffihrung 
gegen die andern Gesandten dringen, weil er nur so seine Nicht- 
theilnahme an dem, was die andern gesündigt hatten, erweisen 
konnte. 

Dem. sagt 157: 6 di Tovroig avtiXi/tav (pavBqäg xal 
anaüiv ivccvrioviievog otg eXsyov (liv iydj itpi^cpKfTO d* vfp^ 
vgAcoVj omog ^v. Et di xal näaiv ^Qctfxev ravxa zotg aXXoig 
nqicßetfi^Vy amix sXaets^s, iyd fiip yoQ ovdiv nco X4yco ttsqI 
ovdsvog ovä* ahicofiaij ovS* ayayxaad-ipr^ avt&v oi^diva det 
äoxetv xqtiOTOV slvai^ njfASQoy^ äXXä d*' avTOP xal ro fw) x«- 
xoipcovfjx^vat TcSv aätxtjfAOfViOp. oti> [liv ^'otQ aldxqä nial dsivä 
xal ov TtQotxa rä 7t€7tQccy(jb£yaj navteg vfistg sogoxatB^ olti- 
V€g d^ ol tovTcop (jusreaxfjicoTegj avto dfjXoitfs^. Ich erkläre diese 
Worte so: „ich erhebe gegen keinen der übrigen Gesandten einen 
bestimmten Strafantrag; gezwungen (durch die Aussicht auf Be- 
strafung) soll keiner heute gut (d. h. frei von Schuld) zu sein schei- 
nen, sondern nur aus Rücksicht für sich selbst, indem er jede Theil- 
nahme an dem von der Gesandtschaft verübten Unrecht von sich 
ablehnt Alles also, was Dem. in dieser Rede gegen die Gesandten 
überhaupt sagt, ist nur ganz aUgemein gesprochen, ohne auf Grund 
desselben auf Bestrafung anzutragen; nur gegen Aesch. tragt er auf 
solche an. Die Worte et 6i xal nä(fip ^qsoxsp xavta toig 
aXXotg TtQitfßedtp amix^ eXaetJ^s können nur so verstanden 
werden , dass aus dem Berichte der Gesandten über ihr Amt das 
Verhältniss derselben zu Aesch. sich ergeben wird. Wir dürfen an* 
nehmen, dass den Gesandten jedenfalls nach Erstattung eines kur- 
zen Berichts oder nach Beantwortung verschiedener ihnen vorgeleg- 
ter Fragen durch bestimmte Formalitäten Decharge ertheilt wurde: 
Dem. sucht nun durch diese Worte einen Druck auf die Gesandten 
auszuüben, dass sie in dem von ihnen zu erwartenden Berichte ihren 
Gegensatz gegen Aesch. betonen : thun sie dieses , so erscheinen sie 
in Opposition gegen jenen und er selbst steht isolirt und äugen-- 
scheinlich schuldig da, während ein Nichteingehen auf des Dem, 



— 69 — 

Verlangen jedenfalls ohne weitere nachtheilige Folgen für diesen 
bleibt. Es ist das Ganze also ein rhetorisches Kunstmittel: mit den 
Worten avvix eitfsaS's stimmen dann die Schlussworte otti^veg 
S* oi TOVTiov fisTsaxfliiOTeg amo öfiXoidst durchaus überein. 

Aus 33 kann keineswegs mit Arn. Schäfer gefolgert werden, 
dass Dem. von seiner Verpflichtung entbunden war. Dem. fragt 
hier: näg ovv ^tfäiwg ndptsg stoB(SS-€j rig Ttot^ ead'^ 6 no- 
vijQog} und beantwortet dieses dahin, dass sich dieses aus der Stel* 
lung ergebe, die Aesch. einerseits, anderseits Dem. von Anfang an 
der ganzen Angelegenheit gegenüber eingenommen habe: Aesch. 
ist dem slg koyov nsql räv Ttsnqayiiiviav kavtov xa^Ltfrccpat 
stets aus dem Wege gegangen, Dem. dagegen hat von Anfang an dem 
Aesch. seinen Verrath, sein Unrecht vorgeworfen; denn durch 
Schweigen musste er fürchten , in den Verdacht der Tlieilnahme an 
dem Thun des Aesch. zu kommen. Der Gegensatz von fAfixit;^ dg 
Xoyop Ttsgl t&v nenQayfA^pmf iavrop xaS'iatävai hätte verlangt, 
dass Dem. sagte: ich dagegen habe sofort Rechenschaft abgelegt. 
Und konnte wohl ein Gedanke wirksamer sein als dieser? Wenn Dem. 
wirklich allein Rechenschaft abgelegt hätte, ohne dass Aesch. gewagt 
hätte ein Wori gegen ihn zu sagen; wenn Dem. durch die Erklärung 
der Rechenschaftsbehörde als frei von jeder Schuld öfl'entlich an- 
erkannt war, musste er dieses nicht hier hervorheben, konnte er 
auf irgend eine Weise schlagender seinen Gegensatz gegen Aesch. 
kennzeichnen? Aber er hebt dieses weder hier noch irgendwo her- 
vor. Denn selbst wenn 2t t f. acht wäre, $o würde hier keineswegs 
gesagt, dass Dem. in Folge der ertheilten Decharge als frei von jeder 
Schuld bewiesen wäre, sondern nur dass er zweimal habe Rechen- 
schaft ablegen wollen. 33 bezieht sich also durchaus nicht auf 
eine ertheilte Decharge ^ sondern auf den von Anfang an von Dem. 
betonten Gegensatz gegen Aesch. und die in Folge dessen gegen 
diesen erhobene Klage. Die Nichterwähnung aber der von ihm 
selbst geleisteten svd^vvti an dieser Stelle ist der stärkste Beweis, 
dass dieselbe überhaupt noch nicht stattgefunden hat. 

Die Worte des Aesch. 178 ösxardg 6^ amog nqsdßsvdag fiovog 
ira^ evSvvag didtofit sind sophistische Uebertreibung, indem aller- 
dings Alle €v&vvag didoaatj aber nur für ihn dasselbe gefahrvoll 
ist. Wörtlich kann dieser Ausspruch ja überhaupt nicht verstanden 
werden; denn er würde behaupten, dass die Gesandten überhaupt 
gar nicht, also auch nicht vorher, Rechenschaft abgelegt haben. Sie 



— 70 — 

beziehen sich ebenso wie seine Worte 181 fiera ndatjg evpoiag tj 
TtoXsif 7t€7tQ€iS߀VX(og xal fjLÖrog vTtOfisivag tov täv (fVKöq>av- 
T(Sv d'oqvßov und 8 eliil [ikv yäq 6 xipävpsvoav iy(d vvvl tcsqI 
toi (roi[iaTogj t^p di xaTfjyoQlap t^p nXsidTriP nsnoifitat 
OiXoxqdtovg xal 0QVPcopog xal t£p äXXoop dviiTtqsaßeiap nur 
darauf, dass gegen die andern Gesandten keine bestimmte Klage er- 
hoben ist, ihr €v&vpag didopai also auch ohne jede Gefahr für. sie 
ist. Schon der Ausdruck dsxarog aber scheint darauf hinzuweisen, 
dass sämmtliche zehn Gesandte auf gleiche Stufe gestellt werden 
und gemeinsam noch in dem gegenwärtigen Augenblicke demselben 
Schicksal des ev&vpccg äMpai entgegen sehen. Hier drängt sich 
noch die Bemerkung auf, dass absolut kein Grund gedacht werden 
kann, dass die übrigen Gesandten gleichfalls noch nicht Rechenschaft 
abgelegt haben ; wurde gegen sie keine bestimmte Anklage erhoben^ 
so musste, angenommen dass dem Einzelnen überhaupt erlaubt war 
svd^vpfjp ätäopaij innerhalb einer bestimmten Frist die Decharge ge- 
fordert und ertheilt werden. Wenn Meier und Schoem. att. Proc. 
218 aus den Worten oTTfjplTca ßovXetai^ 103 schliessen wollen, dass 
den Gesandten erlaubt gewesen sei, die Zeit ihrer Rechenschaft selbst 
zu bestimmen, so kann man aus dieser einmaligen factischen That- 
Sache, in der durch die Willkür des Angeklagten {oTtrjpixa ßovXstai,) 
die €vd'VPfj solange hinausgeschoben war, nicht auf die rechtliche 
Zulässigkeit derselben überhaupt schliessen. Ohne Zweifel waren 
es auch hier 30 Tage, binnen welcher Frist Rechenschaft abzulegen 
war; jedenfalls aber ist eine genau bestimmte Frist dafür anzuneh- 
men. Es ist daher, da einerseits feststeht, dass gegen die übrigen 
Gesandten keine bestimmt formulirte Klage erhoben worden ist, 
anderseits besonders nach 118 kein Zweifel möglich ist, dass die 
andern Gesandten — von Dem. abgesehen — noch vnsv&vpov sind, 
kein anderer Grund zu entdecken , weshalb diesen noch keine De- 
charge ertheilt ist, als der, dass durch die gegen Einen der Gesandten 
erhobene Klage das Verfahren gegen Alle sistirt war, weil die Ge- 
sandtschaft mit Recht als eine Einheit betrachtet wurde, die gemein- 
sam ihre Aufträge erhalten hatte und nur gemeinsam über diese 
Bericht erstatten und über ihre sonstige Amtsführung Rechenschaft 
ablegen konnte. 

Ein ganz bestimmtes Zeugniss aber dafür, dass die Rede des 
Dem. nsqi naqanq. gehalten ist am Tage der Rechenschaftsablage 
überhaupt, fmdet sich noch Dionys. Halic. ad Amm. 10 in den 



— 71 — 

Worten: fi€td AvHitSxov itsxlv ÜQxoap Jlvd-odotogj iq)^ ov r^p 
dydofiv tdSy OifXmni^n&v dfjfAfjyoQicop diid'sto Ttgög rovg (P»- 
Xinnov ng^aßeig — • xa* top xaz^ Aldxivov avv€xa^a%o Xoyov 
ots tag evS'Vvag ididov ir^g dsvviqag nqscßaiag t^g inl tovg 
oqytovg. Wer die ganze Aufzählung^der Demosthen. Reden nach 
ihrer Zeitfolge geordnet von 4 an liest , wird sich überzeugen, dass 
in dem obigen ots — ididov gleichfalls, wie in aOen vorhergehen- 
den Angaben über die einzelnen Reden des [Dem., das Subj. des 
Hauptsatzes festgehalten wird, d. h.^Dem. selbst der ötäovg ist. 
Dionys. würde sonst ganz gewiss*gesagt haben^rag ev&vvag öidov- 
Tog, in Rezug auf xar' AltsxivoVj wie er z. R. sagt 4: rov xarä 
TtfjLOXQccTOvg Xoyov eyqaxpe Jiod(oq(o\j %& nqivovxi naqavo- 
pbtav — . 

Danach müssen wir die Angabe in Anon. arg. in Dem. or. de 
f. leg. 10 xäv di t^g devtiqag nqectßsiag gjböpog 6 Juniod&ivfig 
didiovtBv eifd'vvag als falsch^ansehen. Das Argum. zeichnet sich 
durch eine äusserst genaue Kenntniss der betr. Reden des Dem. und 
Aesch. und der in denselben berichteten Umstände aus, die in ihren 
kleinsten Details Rerücksichtigung finden. Aber es findet sich ein 
mehrfaches Missverstehen der Worte : so fasst der Vf. unmittelbar 
vor jener Angabe die von Dem. erzählte Relobung der Gesandten 
nach Rückkehr von der ersten Gesandtschaft als Rechenschaftsablage 
vor den Enthynen, während es das keineswegs ist. Die Angabe 
Ikovog o JfjfA. d^d(äX6v sv&vvag ist gleichfalls nur ein Schluss 
aus der Rede des Dem. Der principielle Gegensatz, in welchen sich 
Dem. allen übrigen Gesandten gegenüber stellt, erscheint dem Vf. 
des Argum. nur möglich, wenn Dem. wirklich als frei von jeder 
Schuld ofiiciel anerkannt ist. Man könnte vielleicht meinen, der 
Vf. habe diese Angabe unmittelbar aus 211 f. geschöpft und es wäre 
das ja nicht unmöglich: die Autorität desselben würde dadurch 
nicht gehoben. Aber es erscheint nicht unwahrscheinlich , dass der 
Vf. die Stelle 211 f. überhaupt gar nicht gekannt hat. Wenn er sagt 
t(Sp di Ttig devtiqag nqeaßeiag (jLOPog 6 Jinib* öidwxsv bv&v- 
vccgy fiiXXopTog di rov Aloxivov naqix^iv snidxfi Ttfiaqxog 
xal JfiiiOtS&ivfig xatfiyoqi^aovTsg avrov so steht das in directe- 
stem Gegensatze gegen die Angabe 211 f. Hier will Dem. Rechen- 
schaft ablegen und Aesch. hindert ihn daran; dort will Aesch. Rechen- 
schaft ablegen und Dem. hindert ihn da{an. Rei der äusserst genauen 
Kenntniss der Rede von Seiten des Vf. jenes Arg. ist dieser Gegen- 



i 



— 72 — 

satz gegen die Angabe jener Stelle immerhin auffallend und die An- 
nahme liegt nicht gan^ fern, dass er jene Stelle überhaupt nicht ge- 
kannt hat. Seine Angabe ptdXXopTog dk zov Aldxivov ff. ist aus 
Stellen wie Aesch. 1, 168 iaq yccQ rag ifmg ev&vvaq ßXccTtTdop 
ag inkq t^g ngstfßslag iiiXXoa diöopat und ähnlichen gesbhöpft, 
während die erstere Angabe (jLOPog 6 Jr^i. didoaxBv evd'vrag mir, 
wie gesagt, auf Stellen wie Dem. de f. 1. 33 und ähnliche zurück- 
zugehen scheint. Jedenfalls kann nach meiner Ueberzeugung diese 
Angabe des Anon. Arg. den Schluss, welchen wir aus den Reden 
Dem. und Aesch. glaubten ziehen zu dürfen, dass Niemand, auch 
Dem. nicht , Rechenschaft abgelegt habe , nicht umstossen. Auf 
eioe andere Angabe Dem. de f. 1. 335 komme ich unten zurück. 

Wie aber ist, wenn wirklich die 21 1 f. berichtete Thatsache 
falsch ist und das Stück sich dadurch als Interpolation erweist, der 
Vf. desselben überhaupt auf den Gedanken gekommen, dasselbe an- 
zufertigen? Ich glaube, dass es auf Grund einer missverstandenen 
Stelle des Aesch., 2, 122 f. verfasst ist. Aesch. schliesst hier 123 iin. 
seine Ausführung mit den Worten ovxovy ^ [liv nqoxiqa nqsa- 
ßeia TOP xaiqop tovtop elxep (sei. s^eXiyxsiP sid-vg) ^ rf' 
vaxsqa im nenqayiiipo^g syiypBxo, Während Aesch. hier sagen 
will, dass die Zeit nach der ersten Gesandtschaft die passendste ge- 
wesen sei zur Erhebung der Anklage, scheint unser Vf. c^e Stelle so 
zu verstehen, als wolle Aesch. jene Zeit als die rechtlich allein mög- 
liche hinstellen zur Ablegung der Rechenschaft, weil die zweite Ge- 
sandtschaft nur inl nsnqayiiipoig gewesen sei, d. h. der Ausfüh- 
rung dessen, was damals beschlossen war, gedient habe, eine Rechen- 
schaftsablage also hier unstatthaft gewesen sei. So sagt auch Dionys. 
Rhet. 8, 5 xalrot tä nsnqayiiipa Ttavta sp t^ nqoziqq ninqa-- 
xtai — ij Ss ÖBVxiqa dnaitfitfip oqxcop slxs fiop^Pj völlig der 
Ansicht des Aesch. beistimmend. Unser Vf. hat diese Stelle, in 
welcher Aesch. nach seiner Meinung dem Dem. das Recht bestreitet, 
nach der zweiten Gesandtschaft Rechenschaft selbst abzulegen und 
von andern zu verlangen, zu der Erzählung erweitert, die wir 211 f. 
finden, dass Aesch. einst wirklich vor Gericht diese Ansicht verfoch- 
ten habe. So lächerlich- dieses Miss verst and niss von Seiten unsers 
Vf. ist, so findet unsere Stelle ein sehr schlagendes Analogon an 
234 ff., wo der Vf. in noch viel lächerlicherer Weise einem möglichen 
Missverständniss der Stellen Aesch. 2, 123 und 44 glaubt vorbeugen 
zu müssen. Unser Vf. ist durch das äusserst sophistische Verfahren 



„ 73 - 

des Aesch,, welcher 121—23 die Zeit der ersten und zweiten Ge- 
sandtschaft absichtlich , um die Richter zu täuschen, durch einander 
wirft (vgl meine Inaug. Diss. 62 fr.), dazu gebracht, dagegen eine 
Yertheidigung zu entwerfen, ebenso wie 234 ff. zur Yertheidigung 
gegen diese Stelle und gegen 44 dienen soll. Daher sind die Worte 
^tll ff; eine genaue Umkehrung derjenigen des Aesch. Man vgl. Dem. 
t^g nQoviqag ixsivf^g nqsüßslaq ^g oväelg xatfiyogei Sovg 
Xoyov ovxh^ ißovXer^ av&ig sigiipat negl tavvfig V^ ^^^ ^^^' 
iqyiBxai, iv y ndvxa rädtxijfiav^ ip^p und Aesch. ^i/g yÜQ (jl€ 
ip fiip ty TCQoitfi nqs(fßsi(f Xa&sXp (favxop avpeaxfpiota inl 
tfjp nojit^j iv de rjf ifftSqq atct&iad-cc^ iv y cvpayoqeixAP gjbot 
(paip€i>, xaxsipfjg fiip äfia xatf^yoQcop od (p^g xazfiyoQstpj t^g 
d' inl Tovg OQxovg nax'qyoqstg — iv y (p^g xd xäp ^EXX^viop 
TtQäyfiaxa apaxqani^pai. — otxovp ^ [asv Ttqoxiqa rtqedßeia top 
xaiQOP xovvop sfx^pj ij d* vdxiqa inl Ttenqay^ipoi'g eyiypexo. 

Sodann, glaube ich, hat der Vf. eine bestimmte Aufforderung 
zur Abfassung dieses Stücks von der Rechenschaftsablage des Dem. 
in Dem. de cor. 117 gefunden. Dem. führt hier aus, dass er Rechen- 
schaft abgelegt habe und fragt den Aesch. , weshalb er seine Klage 
nicht damals als ihn die Logisten zu derselben vorforderten , unter- 
nommen habe. Es heisst dort: xal diöioxa y^ evd-vpag ixslptop, 
ovx <Sp inidiaxa. p^ Ji* aXX* ccdixcag ^q^a! eha naqoip^ 
oxs II* slg^yop ol XoyKfxaij ov xaxfjyoqsig. Hatte sich unserm 
Vf. die Ueberzeugung eingeprägt, dass Dem. auch wegen seiner Ge- 
sandtschaft Dechärge erhalten hatte, so konnte ihn jene in der Rede 
de cor. angeführte Thatsache, welche für des Dem. Beweisführung 
wichtig ist, sehr wohl veranlassen, auch in die neql naqanq. die- 
selbe einzufügen, wenn auch in anderer Form. Inhaltlich haben 
diese; beiden Thatsachen die grösste Aehnlichkeit, vgl. die Worte 
213 «? ydq stxep^ toV ap xa\ Xiyiap xal xaxfiyoqdp i^iixä^€X0j 
ov fiä JC ovx äntjyoqsve xaXeXv mit den obigen der Rede 
de cor. 

Recapituliren wir also die Bedenken 'gegen die 21 1 f. gegebene 
Erzählung, so ist sie zunächst innerlich sehr unwahrscheinlich. Die 
zweite Gesandtschaft war so bestimmt von der ersten als selbstän- 
dige unterschieden , dass es Aesch. gar nicht in den Sinn kommen 
konnte, eine Rechenschaftsablage über dieselbe zu verweigern ; nur 
ein späterer Schriftsteller, der die Reden nach Material für seine rhe- 
torischen Exercitien durchstöberte, konnte aus Mlssverständniss auf 



— 74 — 

diesen Gedanken kommen. Sodann wird das Ganze durch unsere 
Reden selbst als unwahr widerlegt, da sich aus denselben auf das 
bestimmteste ergiebt, dass die Gesandtschaft als solche, in Gemein- 
schaft, Rechenschaft abzulegen hatte und dass daher noch Niemand, 
auchDem. nicht, Decharge erhalten hatte. Ein Versuch daher des Dem., 
allein Rechenschaft abzulegen, ist undenkbar: auch hier hat der Vf. 
wieder diese Ansicht aus der Rede des Dem. selbst und dessen 
Standpunkt dem Aesch. und den andern Gesandten gegenüber ent-r 
lehnen zu müssen geglaubt. Für unsere Stelle selbst haben wir 
Aesch. 2, 121 ff. als Quelle erkannt, aus der der Vf. missverständlich 
seine Erzählung geschöpft hat. Endlich ist noch einmal daran zu 
erinnern, dass, wenn die Erzählung wirklich wahr wäre, sie in der 
That ein äusserst gravirendes Moment gegen Aesch. bilden würde 
und dass Dem. dasselbe ganz gewiss nicht in seine Ausfuhrung 
201 ff. eingeschachtelt, versteckt und nebensächlich, soifdern durch- 
aus selbständig im Verlaufe der eigentlichen Beweisführung gegeben 
haben würde. Zu beachten ist auch noch der grammatische 
Schnitzer ov [id JT ovn antiYoqsvs xaXstv für /t*^ utaXstv. 

213 äXXa fi^p — 214 bilden einen eingeschobenen Gedan- 
ken : wenn Aesch. etwas s^ao v^g nqsaßsiaq gegen Dem. vorbringt, 
so sollen die Richter nicht auf ihn hören. Wenn auch 213 bis auf 
das ungrammatische äjtoXoyijastair ohne Anstoss fortschreitet, so 
enthält dagegen 2 14 einen Gedanken, den man wegen seiner Gesucht- 
heit als entschieden undemosthen. bezeichnen muss. Dem. führt 
nemlich den Richtern zu Gemüthe, was wohl Philipp als Richter 
thun würde, wenn Aesch. Ankläger, Dem. Angeklagter wäre und 
dieser dann seinen Gegner mit Schmähungen überhäufte: er würde 
ein solches Verfahren gegen einen Wohlthäter sehr zornig aufneh- 
men : die Athener sollen nicht schlechter sein als Philipp. Man muss 
gestehen, dass ein solcher völlig in der Phantasie des Redners schwe- 
bender Fall ohne jeden Eindruck bleiben muss. Dazu kommt die 
verschrobene Construction des ganzen Satzes, welcher folgende Form 
hat: et ixQipöfjbijv ff. — ovx av oXead-e xal jear' avto rovra 
äyavaiCT^aat top Oi^mnov^ et rtag* ineipca — Xeyei. Voemel 
zieht allerdings nach der L. A. geringerer Hdschr. Xiyoi vor, aber 
sowohl 2 als Laur S. haben Xiysi, und auch Xiyoi. würde unpassend 
sein. Es scheint , als ob der Vf. mit ovx äv oisit&e einen neuen 
Satz beginnen wolle , dessen anoöooi^g in Xiyei zu suchen ist, wo- 
durch aber der Satz et ixQtvofitiP ff. völlig in der Luft schweben 



— 75 — 

bleibt. Ich habe schon oben das doppelt geschriebene MccQtVQsg 
und MaQTVQ^a erwähnt, welches sich nach den ersten Worten von 
§213 und nach 214 findet, und welches ich durch nachträgliche 
Einschiebung des Stucks dXXä [irjp — 214 fin. erklärt habe. 

215 knöpft unmittelbar an die Schlussworte von 212, sowie 
Oberhaupt an das 211 f. erzählte an. Trotzdem durch die vom Vf. 
in den vorhergehenden Paragraphen aufgezählten Thatsachen bewie- 
sen wird, dass Aesch. niemals vorher den Einwand erhoben hat, 
welcher 201 ff. als 7tqoY.ardXj^ipig vorgebracht wird, wird derselbe 
dennoch erhoben werden, denn: alle Angeklagten avaiOxvvxovdhVy 
aQpovvtairj ip€vöovrai>j ngotpaösig TtldtTOpratj ndvxa noiovai^v 
VTtiq xov (i^ dovvai dlytfjp. Auch in diesen asyndetisch verbun- 
denen Gliedern vermisst man jede Steigerung des Ausdrucks. Viel- 
leicht ist es eine absichtliche Aenderung wenn Sopat. das tpsvdoptai, 
auslässt Schol. slg dtda, IV, 232. Dem. de cor. 121 sagt: Xoyovg 
nXdtrsig — =-. Mit 215 kehrt übrigens der ganze Gedankengang zu 
seinem Ausgangspunkte zurück. Das Tttema des 201 — 5 aufgestell- 
ten Einwandes des Aesch. dg ag^ iyco ndintav cop KatfjyoQw 
'Hotpoüpog yiyopa wird 206 ff. widerlegt dadurch, dass Dem. zeigt, 
dieser Einwand sei früher niemals von Aesch. erhoben, obgleich 
Dem. ihm den Vorwurf der Verrätherei stets gemacht habe , und 
zwar sei er von Aesch. nicht erhoben a) sp ndactig exulrjoiatg 207 f. 
b) TtQMfjp ip Il€iQai€t 209 f. c) als Dem. sich zur Rechenschafts- 
ablage meldete 211 f. 213 f. bilden sodann, wie oben bemerkt, einen 
eingeschobenen Gedanken, der in seiner Ausführung sicher auf einen 
andern Vf. zurückgeht. 215 zieht Dem. den Schluss aus den drei 
thatsachen 207 f. 209 f. 211 f., dass aus dem frühem Schweigen 
von einem solchen Einwurfe die Unrichtigkeit desselben sich ergebe. 
Dennoch aber wird Aesch. ihn Vorbringen, weil er eben nichts ande- 
res hat zu seiner Vertheidigung. Und nun folgt 216 — 20 ein Rath 
an die Richter, wie sie sich solchen Reden des Aesch. gegenüber 
benehmen sollen; derselbe besteht darin, dass sie weder auf des 
Dem. noch des Aesch. Reden hören, sondern selbständig nach ihrem 
eigenen Wissen ihre Entscheidung treffen sollen. Ein solcher Ge- 
danke ist völlig schief: nirgends und niemals wird ein Redner sagen : 
hört weder auf meine noch auf meines Gegners Stimme, sondern : 
hört unser beider Reden unparteiisch an und dann sprecht die 
Wahrheit. Vgl. die Worte des Dem. im Anfang der Iftde de cor. 
(2) dXXd Tovg POfiovg xai top oqhop ip o) Ttgog dnaoi, rotg 



— 76 — 

aXkoig dtyuUotg xal tovto yi/gaTttair, %6 6fioi(og aikipoXv 
oKQoddaad'ai,. Und dieser Gedanke, der schon an und für sich 
durchaus unpassend ist, wird im Münde des Dem. noch unpassender: 
wer zwang ihn denn zu sprechen? Wäre er nicht als Kläger aufge- 
treten , so wäre die Sache von den Euthynen trotzdem verhandelt 
worden und wenn er nur das eigene Wissen dieser als entscheidend 
für den Process aufstellt, so war sein Auftreten völlig unnöthig. 
Der Vf. unsers Stücks hat offenbar das Wort des Aesch. in seiner 
Entgegnungsrede 1 corrigiren wollen, wonach Dem. gesagt haben 
soll, die. Richter sollten die /Stimme des Angeklagten nicht hören. 
Der Vf. will hier dieses von Dem. entweder wirklich gesagte oder 
ihm nur untergeschobene Wort in Seinem Sinne verbessern und 
glaubt auf diese Weise den Dem. als ein Muster von Unparteilichkeit 
zu erweisen , ohne einzusehen , dass damit der ganze Gedanke völlig 
platt wird. Auch der Gedanke iiridi ys totg fidqrvtfiv ovg ovtog 
hol(AOvg §^€t p,aQTVQ€tp ötiovv 0iXin7t(p x^QVyV Kß^l^'^'^og 
(öipsad-e d^ mg holficog avxm fiaQtVQijctovtfip) findet sich sonst 
nicht beiDem.: der Vf. entnimmt denselben der Rede des Aesch. selbst, 
indem er die Zeugnisse daselbst, die auf den ersten Blick meist den 
Zeugnissen des Dem. zu widersprechen scheinen , einfach für falsch 
hält. In dem Ausdrucke selbst OiXinnm x^QWV XQ^H^^^^^ lehnt 
der Vf. sich an Phil. III, 60 üvdTqaipivrsg cT avS'Qmnoi noXXol 
xal x^QW^^ exovreg OlX^nnov — an. In den Worten iitide y* 
el yjdcXöv xai ftf^' oviog qi&iy^stat fAfjd' ei tpavXov iyci 
kommt der Vf. wieder auf die so oft von ihm behandelte Stimme des 
Aesch. zurück, vgl. 206, 208 und später. 

217. oväi unrichtig hier für ov. In USerditayTsg (zu a/rcJ- 
(fatJ&at gehörig) fallt der Vf. wieder aus der Construction. 

2 18-— 20 gehören eng zusammen: es wird hier wieder in zwei- 
facher Reihe Alles aufgezählt , was Aesch. in Bezug auf Phil, ver- 
heissen und was im Gegensatz dazu erfolgt ist; nichts neues, wohl 
aber das alte gro.ssentheils in alter Form. Eine wörtliche Entleh- 
nung findet sich in den Worten xal ip Evßoitf xcnacxsvaad^fiao- 
fi€P^ oQiifiTiJQt^ i(p^ vfi&g aus 326 : oQfUjT^gt^ i(p* vfiäg iv Ev- 
ßoiq OiXmnog nqogxajadxevdistat. Dem. spricht von dem- 
selben Gegenstand de cor. 71 o rriv Evßoiav ixstvog ^(pstsqi- 
^6fjL€Vog xal xaxatfxevdioav ini^teixK^lA^ snl TrjV Idttm'qv — . 
Phil. 3, 47: iv Evßolff tvqavvida xaTacfxevd^ovTa — . 18 
T^C Evßoiag vor noXsiAOvvd-^ v^itv ysvead-ai xvqiov — • 28: 



— 77 — 

ai d* iv Bvßolff n6X€ig orx ^dfj tvqavvovvtai xal tavta 
iv vijifta TtXtjalop OfißcSv xal ^A&riv&v; vgl. auch 33. Phil. 
4, 8 TVQttVvida dnavrixQv r^g ^ittix^g insrelx^fsp Vfjbty iv ty 
Evßoiqc — . Man sieht wie frei Dem. in der Schilderung desselben 
Gegenstandes verfahrt : derselbe Gedanke erscheint in immer wech- 
selnden Ausdrucken. Wörtlich übereinstimmend ist ausser unserer 
Stelle mit 326 nur de Cherson. 66 x(xta<fx€vd^oPTog vfitp initei- 
XKfficc Tfjv Evßoiav mit der o. a. Stelle de cor. 71. Aber diese 
Stelle der Rede de Cherson. ist nach Spengels sehr beachtenswerther 
Vermuthung (a. a. 0. 307) gleichfalls nicht Demosthenisch. Im 
Uebrigen vgl. z. u. St. besonders 326 <de f. 1.) und das zu 334 zu 
Bemerkende. Ein neues Detail ist nur das dttov evcovov dpov- 
fispot 218. Nun war das allerdings gerade für Athen sehr wichtig, 
in der Zufuhr des Getraides keine Hemmnisse zu erfahren, aber nach 
den Worten fjtijt^ iv t^ X^Q^ '^^^ noXefiioav ovtiav fii]T^ ix 
'd'aXdttfig TtohoQxovfisyoi fiiJT* iv dXXof fx^devl dsivä r^g 
no'Xeoag ovarig war doch die Hinzufügung dieses Details, das im 
Grunde schon in li'qt* ix d'aXdxxfig 7toXtoQxov[ievo$ enthalten 
war, unpassend. Woher hat der Vf. dieses? Dem. schildert Jlie 
Lage Philipps 153 : ovts yciq xaxä y^v naqsXd-dv ovts vavtsl 
XQUTijtfag etg t^v *AtxiY,fiv ^^eiv SfisXXsv und sodann: vfietg 
di — xXeitfsiv rä ifinogia xal XQ^Jl^ditov iv (Sndvsi, und 123; ome 
ydg attog ^v iv rg x^Q^ aünoqta — ovd'^ ^ anonofATtla dvvatij. 
Vgl. auch de cor. 86 (firta — TtXsitfro) XQ^i^^^ insigdxxfa — . 
Zur Schilderung der Lage PhiUpps war die Hervorhebung dieses 
speciellen Punkts durchaus nothwendig, da er allein im Stande war, 
Philipp wieder aus Phokis zu vertreiben ; unser Vf. aus der Schilde- 
rung der Lage Philipps den Stoff zur Schilderung der Lage Athens 
nehmend, führt diesen Punkt gleichfalls an, obgleich derselbe nach 
den Worten /imjV ix S'aXdttiig noXioqxoviisvoi völlig unnöthig war. 
221 beginnt ein völlig neuer Gedanke , eine zweite nqoxaxd- 
Xfitpkg. Hat die erste das Thema behandelt: Aesch. wird sagen, 
ich habe an Allem theil genommen , so wird in dieser dargelegt, 
Aesch. werde sagen , Dem. habe aus Feigheit die Klage erhoben. 
Jene erste nqoxavdXTixpig hält d«n Standpunkt fest , dass alles die- 
ses, an dem theilgenommen zu haben Aesch. dem Dem. vorwfrft, 
schlecht sei, denn Dem. sagt ausdrücklich in Bezug hierauf: ccrr* 
d vniq [liv tcSv neftgay^iivcdv ovte dtxaia ovts Ttqogijxova^ 
fj totavTfi änoXoylaj ifjtov fiivxoi xi^g xaTt/yogla (iyco (ikv ydq 



— 7& — 

€l tama nsnolf^xa (pavXog €lfi' avd-qtanog) ra dk nqdyiictt^ 
ovdhf ßeXxm diä tovvo. Hier 221 wird plötzlich ein ganz ande- 
rer Standpunkt eingenommen: es ist überhaupt gar kein Unrecht 
auf der Gesandtschaft geschehen , weder von Aesch. noch yon Dem., 
denn das liegt in den Worten: xa/ro^ fiijdspog y^ ovxog^ AI- 
(S^ivfiy ÖBiVQv fjbfjd^ äötii'^fjbaTog cSg cv (ft^g. Mit diesen wenigen 
Worten ist der Einwurf erledigt: i(foßov nsi^l aavvoVj xal diä 
dsiXiaVj ravTfjp ^yi^dw acotfjglap. Ist überhaupt nichts unrech- 
tes geschehen, was strafwürdig, so braucht man auch nichts zu 
fürchten. Zunächst ist hiergegen zu sagen, diese beiden Ein- 
wände des Aesch. , welche von geradezu entgegengesetzten Stand- 
punkten ausgehen und sich unmittelbar folgen, sind unpassend, weil 
sie sich ausschliessend doch beide dem Aesch. in den Mund gelegt 
werden. Völlig unpassend aber ist es , wenn der Vf. nun mit den 
Worten si yaq av tarn iqst, (txonett^ avdqeg dixaGxal^ stj 
ig>^ otg 6 fjbf^ö^ oxiovv ää^xvSv icpoßovfifjp iyco jtciy did rov^ 
Tovg ccTtoliafjbaij vi vovtovg nqog'^xsi nad'stv tovg avrovg 
^di^^xoxag. Damit hebt Dem. selbst das, womit er des Aesch. 
Einwurf unmittelbar vorher vernichtet hat, wieder auf. Will man 
aber die Worte tuxItoi fAtjdsvög y^ ovrog ff, nur als kurz hinge- 
worfene Bemerkung, nicht als die eigentliche Widerlegung des Ein- 
wurfs fassen , so müsste man dieselbe in diesem letzten Satze selbst 
suchen, der aber nichts als eine rhetorische Phrase enthält. Die 
Ungeschicktheit oder Flüchtigkeit des Vf. zeigt sich auch wieder in 
der Construction des Satzes selbst : (ixoTtsXt* ff. ; der Vf. hat zuerst 
den von (TxoTr^^r« abhängigen Satz mit bI geben wollen, hat dieses aber 
nach dem Zwischensatze itp" olg vergessen und fängt von Neuem 
mit ti an. Was Voemel zur Vertheidigung dieser Construction 
sagt, ist völlig unzutreffend; eine Vergleichung derselben mit der sa 
häufigen engen Verbindung eines pron. relat. und interrogat. in 
demselben Satze passt nicht , denn hier wird derselbe Satz zwei- 
mal interrogative, das eine Mal direct, das andere Mal indirect, be- 
gonnen. 

222 bringt einen dritten Einwurf: Dem. hat die Klage hegon- 
nen, um Geld von Aesch. zu erpressen. Aesch nennt den Dem. 
allerdings (Svxotfdpvriv , aber nur in dem allgemeinen Sinne eines 
falschen Anklägers: xäv ^ij — sXiy^to xal ti^p ahiav ovcqv 
tp€vä^ xal TOP toXfiij(favT^ bItibXv ävotSiov %ai (fvxoipdpiiiP (5) 
und ähnlich auch sonst; vgl. auch Dem. de cor. 113 und öfter. 



— 79 — 

Der Vf. nimmt hier das Wort mit der speciellen Nebenbedeutung 
des Gelderpressungsversuchs. Ein Rhetor konnte auch diesen Ein- 
wurf ausßndig machen und ihn zu widerlegen. suchen. In Wirklich- 
keit aber ist weder Aesch. noch Dem. auf diesen Gedanken gekom- 
men: das ist denn doch beiden und ganz gewiss Allen Athenern 
klar gewesen, dass es sich in diesem Processe nicht um solche klein- 
lichen gewöhnlichen Motiv« handle, sondern um grosse politische 
Gegensatze, um tief einschneidende Principien. Wir dürfen sagen, 
dass 221 und 222 äusserst dürftig sind, sowohl was die Gedanken 
selbst, als die Ausführung betrifft; von der Demosth. Kraft, die des 
Gegners mögliche Einwände anfährt, um dieselben nicht nur zu 
vernichten , sondern sie zu Keulen zu machen , die auf des Eigen- 
thümers eigenes Haupt zermalmend zurückfallen, ist hier auch nicht 
die leiseste Spur. Ygl. über ein solches echt Demosthenisches eläog 
kv(f€(og Hermogen. ttsqI svQsd, y', 3 {neql ßialov) (III, 104 ff.) 
Marcellin. in tf/oT.. slg Cxad. (IV, 614). lieber die auch hier 
wieder erwähnte Lösung der Gefangenen ex nav idioav macht 
schon Theon Progymn. 1» 5 (I, 156) die Bemerkung, dass Dem. 
sich selbst vielfach wiederhole. Vgl. auch Alexand. nsql (i%fiiidv. 
l,2(Vffl, 433). 

Nach den drei TtQOKataX^ipsig 201—20^ 221. 222 folgt un- 
mittelbar an 201 ff. anknüpfend mit 223 die Darlegung des Gedan- 
kens, weshalb Dem. in Wahrheit die Klage erhoben habe. Das 
Ganze ist die weitere Ausführung des von Dem. in wenigen Worten . 
188 ausgesprochenen Gedankens: v^ JC sXts ßovXogjba^ f" ^^^^ 
ftijf, naq okf^v psv t^p anodruilav vno (Sov toiocvt' ijti- 
ßsßovXsv^ivogy dvoXv d^ alqiasiag ovaf]g (loi vvvL ^ %oiov- 
tdüv ovtiAV t(Sv 7t€TCQay^iv(av öoxety %otvoaVB%v ifitp ^ xai^- 

Die Gliederung äkX* aTcqyYsifXa fiip tdi'fj^^ xal ansiSxoitiiv 
Tov 'Kttßstp TOv öixaiov Tcal r^g dki^d-elag €tP€ica nat tov 
Xomov ßiov ist unpassend : jedenfalls war als drittes Glied noch 
die correcte Amtsführung der Q^sj)i)dtschaft selbst zu nennen. Im 
Ganzen ist der Fortschritt des Gedant^eus passend : ii^ ersten Satze 
spricht der Vf. von dem Zwecke, welchen er bei seinem Verhalten 
im Auge gehabt hat, tiiv Ttgog v^dg ^iXoTifblav. Im folgenden 
fiKtdi ff. motivirt er seinen Hass gegen die Mitgesandten, weil durch 
dieselben jener Zweck, welchen Dem. im Auge hatte, hintertrieben 
ist: nur muss es hier auffallen, dass währenci die (piXovifxia des. 



— 80 — 

ersten Satzes ganz im Allgemeinen die Ehre, den Ruf berücksichtigt, 
im folgenden die fpiXotifilm in ganz anderm Sinne als die kleinen 
Ehren erscheinen, deren Dem. durch seine Mitgesandten beraubt ist: 
Bekranzung,5flentliche Speisung im Prytaneum u.dgl. Dem. abernimmt 
in seiner Rede einen viel hohem, idealern Standpunkt ein, als dass 
man glauben könnte, der Zorn über die Entziehung dieser unbedeu- 
tenden Ehrenbezeugungen sei wirklich »ein Motiv für seine Hand- 
lungsweise gewesen. In xaTfjyogcS ff, kommt der Vf. dann endlich 
auf das Thema, welches genau 188 in den schon angeführten Wor- 
ten enthalten ist und welches 224 ff. ausgeführt wird. Auffallend 
ist sTvi tag evd'vvag ^'xa : der Sinn dieser Worte scheint nur der 
sein zu können, dass hier die Rechenschaftsablage der Gesandt-^ 
Schaft überhaupt gemeint ist: damit scheint der Yf. aus seiner 
eigenen Anschauung, wonach Dem. schon Rechenschaft abgelegt hat, 
herauszufallen. OTt xavavtC ifiol tmcI tovrotg ninqaxTai, ist 
eine sehr beliebte Formel unsers Vf. Was nun die Ausführung des 
Gedankens, Dem. erhebe Klage gegen seine Mitgesandten, um für 
die Zukunft sich sicher zu stellen, betrifft, so ist dieselbe unzweifel- 
haft Dem. Phil. II, 28 ff. entlehnt, eine Stelle die unser Vf. mehr- 
mals benutzt hat. Hier nemlich am Schluss seiner Rede wendet 
sich Dem. gegen Tovg ot^ iyci yeYOVvlag i^dti x^g elQfjyfjg and 
Tilg v(itiqag ^xcov nqedßelag tiig int rovg OQHOvgj ala^Ofis-- 
vog (pevaxi^Ofiivfiv tiiv noXtv, nqovXsyov xal öiefiaQtvgöfifiv 
*^xal ovx sloDp nqoia&ah OvXag ovdi ^oaxiag^ Xiyovvag ff. 
Unser Vf. sucht im Ausdrucke durchaus original zu bleiben, wäh-^ 
rend er den Gedankengang ängstlich genau copirt. 

Nachdem der Vf. 223 iin. erklärt hat , dass die Rücksicht auf 
%6 fiilXop ihn zur Erhebung der Klage veranlasst habe, fügt er 
224 hinzu: xal didotxa, (die dyadinXcoatg ist eine sehr be- 
liebte rhetorische Form unsers Vf.) {elQ^ffsvai yäg ndvS'^ ä 
(fQOV& nqog v[iäg)j fwj tote iisv (fvvsnttsnddtiüd^ ifjbs tbv 
/ti^rf' ortovv adinovpvaj vvv rf* avanenttAxotsg ^ts. So un- 
zweifelhaft dieses tote bestimmt ist, das to iiiXXov zu erklären, 
so bestimmt muss man doch die ganze Ausdrucksweise sehr unklar 
nennen. Sehen wir Phil. II, 31 ff. an, so findet sich hier das Vor- 
bild unserer Stelle, aber wie klar und schön ist hier Alles! Was zu- 
nächst die Worte xal äSdotxa ff. betrifll , so heisst es dort : ti dif 
tavta PVP XiytA aal naXetp (pfjfjbl dstp tovtovg (scL die Ge- 
sandten); iyfhi Pfi tövg d'sovg taXfi^^ fietä naqgf^alag igoS 



— 81 ^. 

TtQog vfiag xal ovx aTTOxqvi/JOfjicci — vgl. auch de f. 1. 96. Nach- 
dem Dem. Phil. 2, 32 sodann auseinander gesetzt, weshalb er nicht 
die Vorforderung der Gesandten wünsche, setzt, er hinzu: dkV 
oHofJkcci Ttod-^ vfiäg Xvn^deiv a 0iXi7inog ngdtrst fiäklop ^ 
td vvvl' to yäq nq&yii OQoa nqoßatvoVy xal ov^i ßovXoiiii^v 
fABP dp slxd^sip oQS'Cüg^ <poßovfiai 6i fjbj liav iyyvg fj tovt^ 
^dfj. oxav ovv fjbfjxi^* vfitv aiisXeXv i^ovala yiyyfitai 
T&v (fV(ißaip6yi(op , ijbrjd^ dxovfjd'^ orif xavt^ i(p* vfiug iüTiV 
ilAOv (i^di Tov dstpogj dXV avrol Ttdprsg oqdvs xal av siä^re 
ogyiXovg xal tQCixetg vfiäg saeaS-m ro[iita), (poßovfj,at d^ 
fjti^ t(Sp nqioßeoip aßtmanfixoroav j i(p^ otg aviotg tsvpiqatsi» 
d€dcoQodoxf]x6(fi, totg irtapoQ&ovp r* TtsiQcofjbipoig zcov did 
TOVTOvg äTtoXoiXoTcop T'^ TtaQ^ vficip ogy^ TtsqtnsdeXp avfißij. 
OQci ydq dg w noXXd epiovg ovx slg zovg akiovg äXX^ sig 
%ovg vno xsXqu iidXiüza z^p ogy^p d(pi4pvag. Es war nöthig 
die ganze Stelle auszuschreiben, um zu zeigen, wie klar der 
Gedanke hier entwickelt wird. Die Zukunft wird den Athenern hier 
eingehend geschildert und durch otap sodann aufgenommen , wäh- 
rend unser Vf. mit to [iSXXop sich abfindet und durch rdrs darauf 
zurückweist. Der Gedanke, welcher sodann im Folgenden ausge- 
sprochen wird, ist derselbe; zu beachten sind aber die gesuchten 
schwerfalligen Ausdrücke: fAi/ roze [isv avpsmaTtdafiif^' ifii 
TOP (ifid^ OTiovp ädixovpva, pvp d* dpaTvanvoaxot^g ^te. nap- 
Tdnaat ydq apdqeg l^xhfjpatoi sxXeXvad'air fioi doxstre xal 
TTa&stp dpafi^peip rd ösirvd. Vgl. hierzu schon die Bemerkung 
des Hermogen. ttsqI id. d, 7, 93 (III, 236). Schief ist aber der Gegen- 
satz; sxiqovg di ndd^optag oqäpTsg ov ifvXdiTsdd'ai, ovdi 
(pqopti^sip Tfig noXsüng ndXai xard noXXovg xal detvovg tqo- 
Ttovg dt>ayf&€$qo(Aipfig. Was hier das ktiqovg ndaxoptag öqciv- 
ircg heissen , oder vielmehr worauf es sich beziehen soll , ist völlig 
unklar. Man erwartet den Gedanken , dass, wenn einmal das leicht- 
sinnig nicht beachtete Unglück über die Stadt hereinbricht, der Zorn 
sich gegen die Unschuldigen, die Ersten Besten richtet {tovg vno 
XtXqa): denn dieser Satz, mit naptanatsi /a^ eingeleitet, soll nur die 
weitere Ausführung und Begründung der im Vorhergehenden aus- 
gesprochenen Ueberzeugung sein. Nach der engen Verbindung der 
Worte hiqovg de nddxovtag oqcüpveg ov qtvXdtxsdd'ai sollte man 
zunächst an die Erklärung denken, dass die Athener aus dem fremden 
Unglück sich keine Lehre nehmen, sondern trotzdem in ihrem 

6 



— 82 -^ 

Leichtsinn beharren : aber zn eioer solchen Erklärung bietet weder 
das Vorhergehende noch Nachfolgende irgend einen Anhalt. Der 
Pseudo-Dem. will nun ohne Zweifel in htiqovg nddxovxag oq&v- 
T£g auf sich selbst anspielen, er vergisst aber dabei völlig das, was 
er im Vorhergehenden gesagt hat. Denn dort hat er von der Zu- 
kunft gesprochen: wenn es den Athenern einst übel gehen wird, dann 
wird er selbst darunter zu leiden haben; hipr. aber spricht er von 
der Gegenwart und da ist von einem nddxeiv noch nicht die Rede, 
Auch ist an und für sich der Gegensatz von ^^&fjvatoi überhaupt, 
die also hier den gesammten athenischen Staat repräsentiren, und 
heQoif, die doch nur wieder Einzelne Athener sein können, völlig 
incorrect. Aus derselben- Ansicht von dem unpassenden itigov^ 
mag auch die Variante nÖQQcod'sp ö"" -dgcopteg entstanden sein, 
welche sich Tiber, de schemat. Dem. 4 (VIII, 532) findet. Mir ist 
es nicht unwahrscheinhch, das;8 dem Vf., der soeben Phil. II benutzt, 
hatte, die dort den Athenern drohend angeführten Exömpel vor 
Augen schwebten, durch welche Dem. sie aus ihrer trägen Sorglosig- 
keit aufzuschrecken suchte. 

225. Der Vf. ist in den letzten Worten ovdi q)QOPTl^€tP Ttjg 
TtoXecog ndXai xacä nolXovc xal äeivovg tqonovg diaif&ei-- 
Q0[iip7ig auf die gegenwärtige Lage der Stadt eingegangen, wodurch 
eben das später zu erwartende Unglück vorbereitet wird. Im Fol- 
genden wird nun ein Beispiel, welches die Worte t^g rrolecog 
ndXat xarä noXXovg xal dsivovg tqonovg äiaipd-sigofiipfig be- 
gründen soll, angeführt. Das iBeispiel besteht darin, dass Pythokles, 
mit dem sich Dem. früher recht gut stand, jetzt d(p^ ov Ttgog 01- 
Xmnov ä(ptxTeci^ ihn vermeidet. Dieses Beispiel ist geradezu lächer- 
lich: es ist ohne irgend welche Beweiskraft, trotzdem der Vf. durch 
die hochtönenden Phrasen ovx oisad-e dsivov slvai xal vtisq- 
(fvig; xal yäq eX ti, aioanav syvdxeiv ksyei^v i^ayoiiat, welche 
den> Mund so voll nehmen , als ob sie ein Todesurtheil gegen den 
Gegner enthielten, diesen Fall einleiten. Der Vf. sucht das fehlende 
Gewicht durch Auftragen greller Farben zu ersetzen: Pythokl. ver- 
meidet den Dem. überall ; wo er aber gezwungen ist mit ihm zusam- 
men zu treffen, dnsTXi^diiaev ev&iiag (iij ng avzdv Hdji XaXovvv* 
i^ioi. Was den Ausdruck betrifft, so ist der aor. hier unpassend, 
die Sache selbst anlangend glaube ich kaum , dass man dem Dem. 
eine solche Zudringlichkeit zutrauen darf, dass er den Pythokl. , so- 
bald er sich von dessen Uebergang ins philippische Lager überzeugt 



— 83 — 

lind einmal bemerkt hatte, wie ängstlich sich Pythokl. von ihm zu- 
rückzog, öfter dieser Gefahr sollte ausgesetzt haben. Nicht blos, 
dass Dem. selbst im Punkte der Ehre äusserst empfindlich war; seine 
ganze Politik , sein principieller Gegensatz zwang ihn schon , seine 
Opposition gegen die vaterlandsverrätherische Partei auch äusserlich 
aufs schärfste hervorzukehren, wie er dieses selbst hervorhebt. Die 
Worte (isTCt d^ Aiti%ivov nsqkiqxstai, t^y ayoqav xvxXm xal 
ßovXsvstai lassen uns nun aber die Quelle erkennen, aus welcher 
der Yf. bei der Composition dieses Paragraphen geschöpft hat : es 
sind die Worte Xaa ßaiyiav Uv^oxlst 314. Hier schildert Dem. 
in wahrhaft meisterhaften Zögen das äussere Erscheinen des Aesch., 
sein hochtrabendes, gespreiztes Auftreten und hier finden sich die 
Worte xal dtä xrig ayogäg noqsvsxat 'd-oliidxtov xa&siq a%qt 
xmv (Stpvqäv y Xaa ßaivcov nvS-oxXst , xäg ypd&ovg (pv(f(3v if. 
Diese Schilderung und gerade die Worte t<fa ßaivcav nvd'OxXst 
haben sich eines solchen Rufs zu erfreuen gehabt, dass sie sprich- 
wörtlich geworden sind. Es ist klar, dass, wie der ganze Context 
ergiebt, sie nichts anderes bedeuten können, als eine bestimmte Art 
des Schreitens, denn die ganze Schilderung hat es nur mit Aeusser- 
lichkeiten zu thun: er zieht die Augenbrauen in die Höhe, mag sici| 
nicht mehr mit dem Titel- yqafifiaTevg nennen lassen, lässt sein Ge^r 
wand bis auf die Fersen herabwallen und bläst die Backen äufl 
Wenn in diese Einzelheiten das X<fa ßaivoav UvS-oxlet eingeschoben 
ist, so darf man schon der ganzen Schilderung entnehmen, dass hier 
von einer Aeusserlichkeit die Rede ist, nicht aber wie Buttmann 
will (in Friedemann's Mise. crit. H, 49 0".) von dem Umgange mit 
Pythokles. Nach ihm nemlich soll das Xtsa ßalviav nichts anderes 
sein als „igleichen Schritt haltend'' und das zufällige Hinzufügen von 
nvd-oxXei hierselbst hätte den Posidonius Athen 5, 47 fr. und 
Alkiphr. 3, 56 verfuhrt, das Sprichwort, welches eigentlich nur die 
Worte Xaa ßaivetv enthielt, auf das Ilvd-oxlet auszudehnen. Aber 
die Anfuhrung der Worte von Seiten der Lexicographen Harpocr. 
Suid. Phot. Bekk. An. , die ausdrückliche Hervorhebung der ganzen 
Redensart als einer sprichwörtlichen von Minucian. de argum. 2 fin. 
und ähnlich von Demetr. de elocut. § 269 zwingt uns, wie auch der 
ganze Text des Dem. an der betr. Stelle zeigt, in Xaa ßatvoav Hv- 
d-oxXsX die sprichwörtliche Redensart zu sehen. Nun findet sich 
allerdings bei den Lexicogr. dieser Ausdruck folgen(krmassen er- 
klärt: Suid. &v%\ xov (fvpcov äsi xal fi^ ßqccxv äfpi(ftd(i€pog ^ 



— s\ — 

Phol. Harpocr. ebenso; Bekk. An. dpn lov ^stu fj. dvaatQi(f6~ 
[ifvog. Aber wir dürfen diese Erklärung resp. Erklärungen aufs 
allerbestimmteste als falsch bezeichnen; Dem. selbst, Posidon. (vgl. 
dessen Worte a. a. 0. 51: xal naqsXd'mv 6 neqmatrixivtog slg 
tfiv dqxfidTqav %(Sa ßaivonv Ilvd-o^Xst svxaqldtriae — )^ die 
Anführung des Minucian., der die Worte Xaa ßaiviav ITvd-oxXetj 
Tag yvdd-ovg (fvacop sprichwörtlich nennend durch diese Zusam- 
menstellung der beiden Sätze nur jenen oben angeführten Sinn 
darin finden kann, sind so vollgültige Beweise der Erklärung der 
Lexicographen gegenüber, die aus Einer gemeinschaftlichen Quelle 
zu schöpfen scheinen, dass kein Zweifel sein kann, i<fa ßalrcoy 
Ilvd'OxXet sei das sprichwörtlich gewordene geflügelte Wort des 
Dem . und bezeichne eine bestimmte Art des Einherschreitens, ein hoch- 
beiniges, sich spreizendes Gehen, wie es dem in Athen allgemein be- 
kannten Pythokles eigen war und nun auch seinem Gesinnungs- 
genossen Aesch. beigelegt wird. 

Aber es findet sich die Redensart X(Sa ßaiv€iv in der Bedeu- 
tung „genauen Verkehr mit jem. pflegen'' auch sonst. Wenn auch 
die Worte Menand. (fr. ine. 228 ed. Meineke) TcaQ^ avtov Xacc 
ßaivovo^ hfx^iqa noXvrslijg dafür nichts beweisen, da wir den 
Zusammenhang der Stelle nicht kennen , so zeigen doch die Worte 
bei Longin. tm dfjb€iQq) tiXovtm xal äxoXdcfco) avptjgifiii^i] xal 
Xaaj (fuijij ßaivovaa TtolvrsXsia, dass lea ßaiveiv allerdings auch 
eine Bedeutung hat, welche man füglich durch „gleichen Schritt mit 
Jemandem halten'* wiedergeben kann. Aber ich wüsste nicht, dass die- 
ses dem obigen Worte des Dem. widerspräche : Xaa ßaiveiv ist immer 
„auf gleiche Weise ei überschreiten :" ein gleiches Schreiten ist auch 
erforderlich, wenn zwei oder mehrere in gleicher Front, der eine 
nicht hinter dem andern zurückbleiben will ; in den obigen Stellen 
wird das Wort dann in übertragener Bedeutung gebraucht. Dieser 
Gebrauch des Xaa ßaive^v schliesst also nicht aus, dass er ursprüng- 
lich in wörtlicher, eigentlicher Bedeutung die Art des Hebens und 
Setzens von Bein und Fuss bedeutet. Und weil sodann ein gleiches 
Aufziehen des Beins, ein gleich rasches Tempo des Schreitens, eine 
gleiche Weite des Schritts erforderlich ist, wenn zwei neben einander 
in gleicher Höhe gehend bleiben wollen, so bedeutet das Xacc ßaivuv 
auch das in gleicher Front neben einander sein. So kann es in 
eigentlicher und übertragener Bedeutung stehen : immer ist hier die 
gleiche Art des Gebrauchs von Fuss und Bein das Maassgebende. 



— 85 — 

Doch ist zu bemerken, dass die eben angeführte Stelle des Longin. 
die einzige sichere ist, wo l(ya ßaivsiv ein „Neben einander sein" 
ist; aber die Bedeutung der Stelle wird, ausser dass die Worte hier 
in übertragenem Sinne stehen, dadurch abgeschwächt, dass das ein- 
geschobene ifadi darauf hinweist, die Worte seien hier eigentlich 
nicht ganz passend gebraucht. Völlig andern Sinn ergiebt die gleich- 
falls von Buttmann a. a. 0. als derselben Bedeutung angeführte 
Stelle Philostr. V. Apoll. 6, 11 (ed. Kayser pag. 113): (fxsvoTtoUag 
[i€V ^ipato elxa(Siiivfiq xotq räv ^Q(6ü)p etdsGiVj oxqlßccytog 
dt Tovg vTtoxQndg iveßißaaev j wg loa ixeivoig ßccivouVj i- 
a&ij[ia(fl xe Ttq&rog ix6(f[ifi(f€V a nq6gq>oqov ^^wci re xal 
flQcaiaiv ^a&^a&ai — . Dass hier das Yaa ßaivsiv der Schau- 
spieler nur die Nachahmung des Schritts der Helden, ihres würde- 
vollen Ganges und ganzen Auftretens ist, bedarf keines Beweises und 
es ist auffallend , dass Buttmann dieses nicht selbst bemerkt hat. 
Noch ist eine Stelle des Dem. anzuführen in der diese Redensart 
sich findet xaia ^rscp. a^ 63 oviog yaq fjpixa fisv (Svvißccivev 
svtvx^tp l^QKnokoxM TM iQans^iTfij i(fa ßalvoav ißddi^ev 
inontmoaxtag ixtiPM. Wenn gewöhnlich angeführt wird ^Aqidxo- 
koxfp i(fcc ßaivMP ißddi^^bVj so ist das nicht ganz richtig, da 
l^QiocoXoxcp von (Svvißaivtv und der zweite Dat. ixeli^M von 
VTroTtenidoxcog abhängig ist. Allerdings ist zu HtSa ßaivtav aus 
dem Vorhergehenden I^qkjvoXoxm zu ergänzen, aber durch nicht 
unmittelbares Verbinden erhält Yaa ßaipoov mehr die Bedeutung 
einer nebensächlichen eingeschobenen Bemerkung: das Haupt- 
gewicht ruht auf eßdd^^ev vTtOTteTtTCoxcog ineipo) : ^r schloss sich 
ihm an, fügte sich in ihn, erkannte ihn als Vorbild an, dem er sich 
unterordnete; Yaa ßaiviav heisst in dieser Verbindung eine gleiche 
Art des Lebens, der Lebensgewohnheiten, des ganzen Auftretens 
habend : es wird also hier das Wort gleichfalls in übertragener Be- 
deutung gebraucht, welches die wörtliche Auffassung in Yaa ßal^ 
v(AV nvd-oxXf-t nicht ausschliesst. 

Diese letztere ist aufs allerbestimm teste für die Worte Yaa ßai- 
vüüv ITvd^oxXtt festzuhalten. Sollte es die Bedeutung ,4n intimem 
Verkehr mit P. stehend" haben^ so müsste dieses als ein specifisches 
Characteristicum seiner Schlechtigkeit hier dargestellt werden. Die- 
ser Pythokles müsste ja aber ein wahres Monstrum von Nichtswür- 
digkeit und Verrufenheit gewesen sein, wenn einmal ein Umgang 
mit ihm als bezeichnend für Schlechtigkeit gestempelt , sodann die 



— 86 — 

Worte i'cfa ßaiyodv Ilv^oxXst sogar zum Sprichworte werden 
konnten. Denn welche andere Pointe wollte man in dieser Redens- 
art linden? Das was wir über Pythokles wissen giebt uns durchaus 
keinen Halt, ihn einen abgefeimten verrufenen Bösewicht zu nennen. 
Unsere Rede erwähnt ihn nicht weiter; aus der Rede pro cor. lernen 
wir ihn allerdings als Freund und Gesinnungsgenossen des Aesch. 
kennen, der gegen die Wahl des Dem. als Redner für die bei Chae- 
ronea Gefallenen Einsprache erhebt; sonst wissen wir noch von ihm, 
dass.er eine nützhche Regierungsmaassregel in Bezug auf die Finan- 
zen vorschlug und zusammen mit Phokion den Tod litt. Dem. 
nennt ganz andere Leute, wenn er die Schlechtigkeit der Äeschin. 
Partei brandmarken will und hätte auch hier ohne Zweifel andere 
Freunde genannt, wenn ihm daran gelegen gewesen wäre, einen 
durch nichtswürdige Sinnesart sich auszeichnenden hier als Genossen 
des Aesch. aufzustellen. War aber Pythoki. durch eine auffallende, 
lächerlich gespreizte Art des Gehens bekannt , so mussten diese 
Worte des Dem. zur Bezeichnung eines hochtrabenden Gesellen 
zünden und leicht zum geflügelten Worte werden. 

Es ist das später allgemein hervortretende Missverständniss 
der Worte Xaa ßaivoov JIvdvxXet gewesen, welches nach meiner 
Ansicht dem Vf. von 201—^33 Veranlassung gegeben hat, § 225 
seinem Stöcke einzufügen; aus den Worten did Tijg dyoQug no- 
Qsvscat -^ l(Sa ßatvoav nv&oxXht ergänzt er sodann die gegebene 
Schilderung des Pythokles: iitxä d^ AldxLvov jizqUqxstai z'^v 
ayogäv xvxlot) xal ßovkevstai. Es kann dabei immerhin ange- 
nommen werden, dass dem Vf. noch andere Notizen über den 
Pythoki. vorgelegen haben, die uns unbekannt sind, wie denn bei 
ihm sich allein die Angabe des Pythoki. als Sohnes des Pythodoros 
findet. 

226 wird die allgemeine Folgerung aus jenem einzelnen Falle 
gezogen; Philipp kennt seine Freunde genau, ihr die eurigen nicht. 
Auffallend ist hier in toig ds nqog vfiäg ^cScr»!/ — ToaavtviP 
xoixpövijTa — Trag' Vficot^ dnavxav^ (SgT€ — €fi^ äycovl^scS'ai 
der Uebergang vom Allgemeinen totg ^<a(fip zu dem Speciellen 
ifis. «5 laov äycapi^sad'ai scheint unpassend, denn davon kann 
hier gar nicht die Rede sein : Aesch. ist der Angeklagte und für ihn 
ist in diesem Processe Alles zu befürchten; Dem. als Ankläger — 
besonders da er nach des Vf. Meinung schon Rechenschaft abgelegt 
hat — hat fast Nichts für sich zu befürchten. So sagt Dem. völlig 



-.. ■ 87 — 

dem wahren Sachverhalte entsprechend in der Rede de cor., in 
welcher das Verhältniss des Aesch. und Dem. etwa das umgekehrte 
von dem in der Rede de f. 1. ist: TtoXld (ih ovv iyaoy^ iXciTxov- 
fiat — Hp iihv oxy ov nsgl xäv iacov äycovl^ofia^* ov ydq 
iiXxiv Xdov PVP ifiol x^g naq vfitSp evpolag diafiagxstp xal 
xovx(p fi^ iXetp xT^p ygafpijp — . Die Ausdrucke xöttavxijv xco- 
tfpxfixa xal xqüavxo (Sxoxoq entsprechen wieder ganz dem Ge- 
schmacke des Vf., der recht kräftige Pinselstriche lieht. 

227 f. geben den Grund an, weshalb Phil, seine Freunde so 
genau kennt, die Athener aber die ihrigen nicht, weil nemlich Phil. 
hf olfiai (tcofjb^ sxcov xal ipvx^p ^iap, ein Ausdruck der schon 
den Scholiasten aufgefallen ist, napxl. &vfnS xal (piXst xovq 
tavxap €v Ttoiovpxag S, Der Gedanke ist richtig und läuft auf 
eine Verherrlichung der Monarchie hinaus : Philipp ist der alleinige 
Repräsentant der makedonischen Interessen, während die vielköpfige 
athenische Demokratie durch die mannigfaltigsten Interessen der 
Einzelnen repräsentirt wird ; dort wird also auch politische Freund- 
schaft und Feindschaft in einer gleichmässigen Richtung sich erge- 
hen , während hier die verschiedenen persönlichen Interessen über 
das Eine gleiche Staatsinteresse gehen. Die Ausfuhrung dieses 
richtigen Gedankens ist aber keineswegs klar. Abgesehen von der 
Schilderung des Philipp ist auch die der Athener geschraubt und 
ungenügend. Der Vf. beginnt mit nqäxop (i4p eine Reihe von 
Gründen, kommt aber über den ersten nicht hinaus. Dieser wird 
ifk doppelter Form ausgeführt: ovx6 — ovx€ — , äXld — : der ein- 
zelne Athener hält nicht den Freund des Staats für seinen eigenen 
Freund, den Feind desselben für seinen Feind, sondern lässt sich 
durch persönliche Motive Mitleid , Neid etc. in seiner Beurtheilung 
leiten. Vgl. hierzu auch 342 f. Sodann wird hinzugefügt: äp yccQ 
anapxd xiq ixcpvyji xälXa* xovg y* ovdspa ßovlofiipovg stpai 
xoiovxop ov dtaq>€v^€xaL, Zunächst erwartet man, da ixetvog 
fi€p und vfJbcip d^ ixatsxog die leitenden Subj. des vorhergehenden 
Satzes sind, in x^g das ^xaöxog vficSp wieder aufgenommen zu sehen : 
das geschieht nicht. Sodann denkt man an das Object jenes Satzes, 
also xop €v naiovpxa und xop xaxcSg Tiotovpxa: aber auch das 
findet hier keine Berücksichtigung, sondern aus diesen beiden Glie- 
dern wird stillschweigend, ohne irgend welche Bezeichnung, der 
€v noi&p herausgenommen. Von diesem heisst es: ap änapxa 
ixg)vyfi xaXka: diese Momente, denen er entgehen soll, sind sXsog 



— 88 — 

(fid^ovog OQyii x^gitsaaO'ai tm dttid'ipxi äXka [ivglcci auch 
hierin zeigt sich aber wieder die Unklarheit des Vf. : während x^Q^~ 
(Sa(sd'ai> durch Hinzufugüng von tm deijd^ivti als auf Angeklagte 
sich beziehend characterisirt wird, steht eXeog in gleicher Linie mit 
(f&opog oqyii und doch kann sksog gleichfalls nur Sinn haben, 
wenn ei^ auf den Gegner des ev noiwp sich bezieht. So muss man 
erst durch Reflexion das antcvia rakXa sich erklären. Das folgende 
Tovg Y^ ovdsya ßovkoiiivovg eivai TOtovxop oi d^aifev^exai, ist 
sodann völlig unverständlich: toiovtov kann nur der €v nomv sein, 
von dem überhaupt im Vorhergehenden die Rede gewesen ist, und 
doch kann der Vf. gar nicht sagen wollen, dass die Athener über- 
haupt von Niemand wollten, dass er sich als Freund, als Wohlthäter 
des Staats und aller Einzelnen erweise. Ohne Zweifel will der Vf. 
in rotovTOp denjenigen zeichnen, der wirklich alle ihm entgegen 
stehenden Momente überwindet und so völlig unabhängig da steht 
als Wohlthäter, damit aber auch stets in gewissem Sinne als Leiter 
der Stadt : die stets auf ihre demokratische Auctorität eifersüchtigen 
Athener lassen einen solchen Staatsmann nicht aufkommen und 
wenn dieser daher auch alle Hindernisse überwindet, jene über ihre 
eigene Macht eifersüchtig wachende Regierungsneigung des athe- 
nischen Volks kann Niemand besiegen. Das allein kann der Sinn 
des roiovTov sein, aber er ist nur auf dem Wege der Speculation 
erst herauszufinden : dem Zusammenhange nach müsste man röiov- 
Tov als ei TioiovvTct fassen. Sodann ist unpassend, dass, nachdem 
im vorhergehenden die Motive festgehalten sind, durch welche sich 
'^xaatog leiten lässt, in zovg — ßovXo^spovg plötzlich das Gedanken- 
subject verlassen wird. Unlogisch ist endlich die Anknüpfung des 
Satzes crV durch yaq, denn derselbe enthält nicht den Grund für das 
vorhergehende, sondern knüpft ein Ergebniss an. Es ist aber nicht 
erlaubt, das yccQ sämmtlicher Hdschr. in dt zu verändern. Ich 
glaube, dass der Vf. durch das unmittelbar vorhergehende äkla (jlv- 
Qia, in dem implicite schon die Unbesieglichkeit des Widerstandes 
enthalten ist, sich hat verleiten lassen ydq zu setzen. Auch der 
Schlussgedanke : dadurch dass dieses sich wiederholt , dass diejeni- 
gen, welche der Stadt Gutes erweisen wollen, zurückgestossen wer- 
den und ihnen so Unrecht geschieht, entsteht nach und nach der 
grosse Schaden der Stadt, eben weil es keinem gelingt, der Stadt 
wirklich Gutes zu erweisen, findet nach meinem Gefühle in den 
Worten ^ 6^ iff^ tAa^riov lotiojy ufiaqria xaid fiixQOi^ 



— 89 — 

inoqqeovaa d&QOO^ vy noXet ßXdßfj ylyi^tzai nur einen schwäch- 
lichen Ausdruck. 

üeberall also vermissen wir die planvolle Klarheit des Dem. Man 
fuhit, es wird dem Vf. schwer, den Gedanken zu gestalten und ihm 
den adaequaten Ausdruck zu verleihen. Mit 228 ist der Gedanken- 
gang zunächst abgeschlossen: es folgt eine Recapitulation mit daran 
geknüpfter Ermahnung an die Richter zu strafen. Hat Dem. 189 
iyd d^ ovde avfineTtQeaßevx^pai (pruki <fo$j nqsaßsvsiv iiivzoy 
(fi (isv TtoXXd xal Ssivä, ifiavvov d' vtv^q tovzodv tu ßel- 
ti,(Sta* akXä 0^XoxQdrfig aot (Sviinenqiaßsvvtep xäxsipM av 
xal OqvvfjüV sich in bestimmten Gegensatz zu den Hauptredeis- 
fuhrern der Gesandtschaft Philokr. Aesch. Phrynon. gesetzt und 
dann 1 92 ff. 6?w r^? nqeaßsiag ein Stück von Aesch. und Phrynon 
berichtet, so glaubt unser Vf. gleichfalls verpflichtet zusein, in ähnlicher 
Weise zu verfahren. Zunächst also stellt er den Dem. den andern Ge- 
sandten und zwar gleichfalls dem Philokr. Aesch. und Phrynon ge- 
genüber: zunächst dem Philokr.: 6 iitv nqog to) iitidh ix t^g 
nqsößiiag XaßsXv rovg alx^ccXcirovq ix tcSv Idioav sXvaaxOj 
o di, äv td Tfjg noXeoog nqdyiiaia xqrnidrmv dnidoxo^ tov- 
T(ov TiQQvag '^yoQa^etf xal Ix^vg TtSQuoiy. Der Vf. hat hier 309 
vor Augen, wo Dem. von Philokr. berichtet, dass derselbe yvi^atnag 
iXsvS'iqag rcoy ^OXvvS-i&iv i(f^ vßqsi df.vQ^ viyaytv und dem 
hinzufügt xal ovco)g inl rw ßdeXvqmg ßtßtünxivai yiyviüdxsiaij 
sodass blos eine Erwähnung jener Olynthierinnen nöthig sei, um 
den Richtern die ganze Scheusslichkeit von Philokr. Verfahren ins 
Gedächtniss zu rufen. Hier liegt das Gewicht darauf, dass es Freie 
Olynthierinnen waren: unser Vf. macht noqvag daraus und setzt 
l^O'vg hinzu. Was das tisqikjop soll, ist mir nicht klar: will der 
Vf. damit sagen (fjyoQa^fV — 7rf^*twV), dass Philokr. zum Kaufen 
von TtoQPat und Ix^'vg eigens umhergegangen, dass er als Aufkäufer 
dieser Handelsartikel erschienen sei? 

Hat der Vf. 229 seiner Absicht, sich selbst dem Aesch. Philokr. 
Phrynon gegenüber zu stellen, gemäss in 6 iiiv — von sich, in 
di — von Philokr. berichtet, es folgt jetzt eine Vergleich ung des 
Dem. und Phrynon: dieser hat seinen unerwachsenen Sohn dem 
Philipp zuni schändlichen Gebrauch zugeschickt, o d' ovdh dpd- 
^i,av OVIS i^g noXemg ov^ avrov dienqd'^aTO : hier ist dieser 
negative Ausdruck entgegen jener positiven Anschuldigung des 
Phrynon sehr malt. Völlig unpassend ist die selbständige Anschul- 



— 90 — 

digung des Philokr. und Phrynon, durchaus entgegengesetzt dem 
consequent festgehaltenen Verfahren des Dem. , nur den Aesch. po- 
sitiver Vergehen zu beschuldigen und die übrigen Gesandten nur, 
insoweit sie als Genossen, als Helfershelfer des Aesch. erscheinen. 
So erscheint auch Phrynon. 196 ff. nur, weil seine That zugleich 
die des Aesch. ist, und Philokr. wird gleichfalls nur dann gensOint, 
wenn er dem Aesch. verbunden handelt. Auch das yvpatxag ilsv- 
d-igag %wv ^OXvV'd'itav ^yaysv des Philokr. wird von Dem. nur 
erwähnt, um das ag ovx ^Xiriasv Alax^vf^g oid^ idäxQV(f€P hin- 
zuzusetzen und dann mit äXl"* iniq avzov xXqijaet dem dama- 
ligen Verhalten des Aesch. das jetzige entgegen zu stellen. Sodann 
fuhrt unser Vf. den dritten Gegensatz ein. Dem. xoqriYäv %al 
TQiilQaQx^^j *^* ^«^ ravt' äera detv ^ i^eXopTt^g avaXiditeiVy 
Xveöd-aty fifjddp^ iv (fVfAcpoQ^ t(Sp TtoXncSv dt^ svde^av neqto- 
qSvj Aesch. Toaovrop ösX xäv vnaQXOPvoov %iv* alxiMxXoatov 
(SiSaaij wo'^' oXop xonov xal nXetv ^ fiVQiovg [liv onXixag 
Ofjbov di x^^^o^^ Inniag xtap vnaqxovxiav (fVfAfAaxcop omag 
atxfAccXiOTOi yipioPTai Oi^XinntOj aviiTtaqeausvadep. Was den 
ersten in 5 Gliedern bestehenden Gedanken betrifft, in dem das 
Verhalten des Dem. geschildert wird, so hat der Vf. denselben aus 
Dem. Cherson. 71 entlehnt: «^cov cS apdqsg It^d-ijpatoi xal tqh]- 
Qaqx^ä9 (dort TQifiQagxoop) elnstp xal X^QVy^^^ (d<>rt xoQ^y(Sp) 
xal XQVH"^^^^ ^^^ <poqdg (dort id-eXopv^g apaXiaxetp) xal Xv- 
dsig alxfAaXoitcop (dort Xveff-^-ai) xal toiaviag aXXag fptXaP" 
d'qaanicig (dort negativ ausgedrückt fA^ddp"" ip (fvfAcpoqq töop no- 
Xit(Sp di^ ^pdetap nsqioq&p). Was den zweiten Theil des Ge- 
dankens betrifft, worin das Verfahren des Aesch. geschildert ist, so 
ist derselbe dem Inhalte und der allgemeinen Form nach aus 266 
entlehnt. Hier schildert Dem. das Schicksal Olynths, welches sieg- 
reich, solange seine Bürger sich von jeder Annahme philippischer 
Gelder rein erhielten , fiel, sobald es käuflich wurde; sodann folgt 
inetd^ xavd^ ovzco Ttqaijyeva xai xo dooqodoxstp ixqdxfiüs 
X^Xiovg (lip Inniag xexxri^ipot, nXeiovg d^ opteg 47 fivqioij 
ndpiag di xovg neqix^qovg sxopxeg (fvfiiidxovg , fivqioig di 
^ipaig xal xqnjq€(fi Ttept^xopd-' vfiwp ßoiid'i^tfdpxcop avxotg 
xal Exy xcop noXtxdop X€xqaxi>g — xi'^^Oig, ovdip avxovg xovtcöp 
^övpi]&ii (f(S(fai>j dXXd nqlp fASP i^eX&etp ip^avxop xov TtoXi- 
fwv rag TtoXsig dndaag ä7t(oX(aXixe(fap xdg ip xy XaXxidtx^ 
Ttqodydapveg — . Ganz derselbe Gedanke findet sich 230, nur 



— 91 — 

spitzer gefasst: heisst es dort tag noXeig ccnddaq än(aX(aXiKS(Sav 
TtQodtdopTsg und gleich darauf n€Viaxoaiat>g ä^ Inniag nqodo- 
'd'sviag vn avtcov täv ^yovfiivoDV sXaßsp — o ^iXinnog, 
so sagt unser Vf. : oXov totjcov xal nkstv ij (jbvglovg (liv onXi- 
tag ofAOv ds x^^^ovg Inneag xäv VTtaqxovrtöV avfifidxooy onmg 
alxfialcoToi yivmvxM OMirrtM avfinc^saxsvaaev. Wenn er 
hier diesen letzteren Ausdruck wählt , so geschieht das , weil er des 
Gegensatzes Xvead-ai tovg alx(Ji^XtoTOvg und rodoviov det twv 
vnaQxopTüov ttp" alxii^dXiatov cfcSca* wegen gezwungen ist, das 
alxfAciXcoTOt noch einmal anzubringen. 

Diese Stelle unterliegt aber noch den schwersten Bedenken. 
Jeder muss bei diesem dem Aesch. gemachten Vorwurfe sofort an 
Phokis denken : denn die Preisgebung, der Verrath dieses Landes ist 
es, welcher Kern und Mittelpunkt der einen Hälfte der Anklage bildet. 
Zunächst aber passt hierauf (Sviknaqea^evadev nicht: denn Aesch. 
wird von Demosth. ^stets als allein schuldig an dem Verderben der 
Phoker dargestellt. Doch könnte man dieses genügend dahin er- 
klären, dass er hier als Helfershelfer des Philipp selbst oder als Ge- 
nosse der übrigen bestochenen Gesandten dargestellt werden soll. 
Wichtiger schon ist der Ausdruck oXov töttop, der nicht leicht auf 
ein Land, Phokis, bezogen werden kann. Aber diese beiden Beden- 
ken verschwinden dem gegenüber, dass dieser Bericht vom Schick- 
sale der Phoker völlig der Wahrheit ins Gesicht schlägt. Phalaekos 
besass einmal nicht fAvqiovg oTtXizag und x*^^oi;g m/r^ag son- 
dern sein Heer betrug im Ganzen nur 8000 Mann, vgl. Diod. 16, 59; 
sodann gerieth er mit denselben nicht in Gefangenschaft des Philipp, 
sondern erhielt freien Abzug. Wenn G. H. Schaefer unter dieser 
Zahl rag noXmxdg dvvdiieig verstand , welche also neben dem 
Heere des Phalaekos ein besonderes Corps ausgemacht haben sollen, 
so ist das nur eine Hypothese, die durch alles, was wir über das Heer 
und den Krieg der Phoker wissen , widerlegt wird. Soll man nun 
annehmen, dass die Zahl von 10000 Hopliten und 1000 Reitern aus 
einer andern dem Vf. vorliegenden Quelle entnommen sei, oder 
dass er absichtlich zur Vergrösserung der Schuld die Zahl erhöht 
habe? (Weiske de Hyperb. 2, 30.) Dann würde die Nachricht von 
der Gefaugennehmung des Heers doch stets ein sehr bedenkliches 
Licht auf die Kenntnisse unsers Vf. werfen. Mir scheint die einzig 
mögliche Erklärung die zu sein, dass wir dem Vf. ein allerdings sehr 
gravirendes Missverständniss zur Last legen. Er las 265—67 den 



— 92 — 

Bericht vom Schicksale der Olynthier, wonach 10000 Hoplitea und 
1000 Reiter durch Verrath dem Philipp als Gefangene in die Hände 
fielen. Der Vf. stellte sich diesen Bericht zur Nachahmung vor: 
dabei aber verwirrten sich ihm Zeiten und Umstünde: er glaubte, 
Dem. werfe dort dem Aesch. eine Theilnahme am Verrathe der 
Olynthier vor und' so schrieb er demselben hier in der That eine 
solche zu: (jVfi — TtaQscfxsvarffp', so findet auch oloy Tonoy seine 
Erklärung, welches Olynth und nicht Phokis ist; die (ivgiovg o- 
nXiiaq ofiov äs x^^^ovg Irtniag entnimmt er wörtlich dem obi- 
gen Berichte, ebenso ihre Gefangennehmung: so erklärt sich jedes 
Wort dieser Erzählung ganz genau. Aber kann man wirklich eine 
solche Ignoranz oder Gedankenlosigkeit dem Vf. zutrauen ? Unter 
allen Umständen bleibt diese , wenn wir den Bericht auch auf das 
Schicksal der Phokcr beziehen: denn die Gefangennehmung des 
Heers des Phalaekos, welche hier berichtet wird, widerspricht aufs 
bestimmteste allen historischen Angaben, welche seinen freien Abzug 
berichten. Mag man also das eine oder das andere annehmen, im- 
mer ist hier ein schlagender Beweis enthalten , dass diese Worte 
nicht von Dem. sein können, der mitten in der Geschichte stand, 
sondern von einem Spätem , dessen eigentliches Geschäft das schü- 
lerhafte Nachahmen und angebliche Corrigiren seines Vorbilds Dem. 
blieb, dem historische Kenntnisse dagegen nur ein untergeordnetes 
Moment waren. 

Wir müssen aber noch einen Augenblick bei 229 f. verweilen. 
Bei einem Resume, wie es hier gegeben wird, kommt es darauf an, 
die Hauptpunkte kurz und bestimmt hervorzuheben. So geschieht 
es von Dem. selbst überall. Was finden wir hier? Philokr. kauft 
sich Mädchen und Fische, Phrynon überlässt seinen Sohn dem 
Philipp, Aesch. liefert dem Philipp das Heer des Phalaekos aus. 
Ist, um nur bei dem letzteren Punkte zu verweilen, — angenommen, 
dass die Angabe sich auf die Beendigung des phokischen Kriegs 
wirklich beziehen soll — dieses die Hauptsache beim Schicksale der 
Phoker? Ist es nicht vielmehr das gesammte Schicksal der Phoker 
selbst , ihr grenzenloses Elend , die daraus sich ergebende Gefahr 
Athens, welches Aesch. verschuldet hat und musste nicht dieses 
hervorgehoben werden, wie es von Dem. geschieht, immer wieder 
von neuem und doch in immer andern kräftig ergreifenden Schilde- 
rungen? Unser Vf. hat neu und original sein wollen: um dem Aus- 
lösen der Gefangenen von Seiten des Dem. mit vermeintlicher 



— 93 — 

rhetorischer Schärfe das Verfahren des Aesch. entgegen zu setzen, 
welcher Gefangene dem Phil, überliefert, hat der Vf. diese und in 
ähnlicher Weise die andern Gegenüberstellungen zusammengesucht, 
ohne zu fühlen, dass dabei die Hauptsache, das eigentlich Wesent- 
liche, ganz bei Seite bleibt. 

In 231 stellt nun der Vf. dem Verfahren der Gesandten (229 f.) 
das entgegengesetzte Schicksal derselben gegenüber. Der Versuch, 
durch Frage und Antwort etc. die Ausführung recht lebhaft zu 
machen , wie derselbe schon 229 hervortritt, wird hier fortgesetzt : 
die Rede nimmt dadurch einen zerstückelten Character an ; so gleich der 
Anfang: rf ow [istcc ravra; l^xhfjyatoi kaßovteg (gäsaccv iiip yäg 
TtdXai.Ti ds;) Tovg fih xQW^^* siXfjtporagff, Die ganze Parenthese 
ist zwecklos, das r^dsöav yccq in Bezug auf Xaßovvsg unverständh'ch. 
Soll XaßopTBg heissen „vor Gericht ziehend" und dieses mit dem Wissen 
um die Schuld erklärt werden , so ist der Gedanke unwahr: nicht 
o\ l^d'fjratoi sondern Dem. allein (wie es gleich darauf richtig heisst 
xazfiYoqäv) haben Aesch. dem Gerichte überhefert. Soll kaßov- 
T€^ heissen: „ihn im Gericht seiner Schuld überführend," so ist 
ydeaay yäq als überhaupt keine Begründung des laßovrsg enthal- 
tend unpassend. Auch Xaßovisg wegen seiner Unklarheit hätte 
vermieden werden sollen und es wird durch die Zusammenstellung 
mit tovg slXtiifoxag noch weniger erträglich. Der Ausdruck xal 
HaTaia^vpavtag iaviovg tifv noXiv xovg eavrcov natdag ent- 
hält wieder neben dem Einen Hauptpunkte ganz untergeordnete 
Momente, die für die Klage in gar keinen Betracht kommen: und 
doch sollten hier nur Hauptmomente gegeben werden. In den Wor- 
ten dtfsXoav xal vovv sxeiv fiyovvro xal rtjv noXtP evd-evBtad'ai 
fällt das letzte Glied auf: in dem ganzen Satze wird so consequent 
TOvg xQfinaT^ 8lX^(p6j;ag als das Object festgehalten, dass nun am 
äussersten Einle die Umkehrung des Objects sehr bedenklich ist; 
man erwartet den Gedanken, dass sie durch ihr Thun der Stadt 
die grösste Wohlthat erwiesen haben. Der Gegensatz von top dt 
xarfjyoQOVPTa ist völlig unlogisch. Der Kläger kommt hier gar nicht 
in Betracht, er ist völlig unwesentlich: nach dem von 223 bis 231 
evd'epttad-ai in jedem Satztheile festgehaltenen Gegensatz musste 
der Vf. hier den nennen, welcher sich frei von Bestechung, von 
Verrath, von Schlechtigkeit gehalten hatte. Allerdings ist dieser in 
Wirklichkeit auch 6 'AatTjyoQcop: aber auch der Ausdruck verlangte 
aufs bestimmteste diesen Gegensatz. Auch die über den xaitjyoQwp 



- 94 - 

ausgesprochene Meinung leidet an Harten des Ausdrucks: ifißsßQov- 
T^aS-cct (der Vf. liebt kräftige Ausdrücke^ Tfjp noXiv ayvoslp 
(brachylogisch : er verkenne die Interessen der Stadt), ovti exsiv 
07t Ol rd SavTov qinxYj (mit Beziehung auf das tovg alxficeXotkovg 
ix Tcov tdlüop iXvaaTo), 

232 enthält eine Folgerung aus dem Vorhergehenden für die 
Zukunft: Niemand wird im Hinblick auf das Schicksal des Aesch. 
und Dem. die Interessen der Stadt wahren wollen ; verfahrt daher 
anders und straft den Verräther. Was den Gedanken selbst be- 
trifft, so schreibt der Vf. hier ohne Zweifel in Nachahmung von 342 f. 
An unserer Stelle ist aber der Gedanke el fjbfJTe Xaßstv fi^v€ t&v 
slXfiipOTtöv aUSiOTTKfToreoop naq^ vfily elvai doxstv vndq^ei falsch. 
Voemel übersetzt: quis gratuito agere legatum (sei. volet), si neque 
accipere neque quam ii qui acceperint plus apud vos invenire fidei 
licebit? Danach wollte also der Vf. sagen, auf der einen Seite dürfe 
man Nichts annehmen, auf der andern Seite aber habe man aus 
dem Nichtannehmen auch keine Vortheile, der Schluss müsste also 
sein : Niemand wird überhaupt Gesandter sein wollen , denn er hat 
in keinem Falle Gewinn davon. Aber dieser Sinn passt durchaus 
nicht. Im Gegentheil hat ja der Vf. im Vorhergehenden auseinander 
gesetzt, dass diejenigen, welche sich bestechen lassen, zu Hause 
noch Ehren ausserdem erhalten, während die, welche sich rein von 
aller Bestechung erhalten, mit Verachtung in Athen bestraft 
werden. Hier muss also alles darauf hinweisen, jedem, der eine Ge- 
sandtschaft übernimmt, zu rathen, sich bestechen zu lassen. Und 
mit diesem Gedanken leitet der Vf. auch das sl (jb^ze kaßeiv iT. ein: 
7ta\ tigj cö avdqeg lA&fivctXok y tovt^ Idcov to naQcideiyfjba di- 
xaioy avxov naqaoxaXv i&slfjasi; rig TtQOtxa nqsdßsvBiv^ et 
— ; Antwort kann hier nur sein : Niemand. In dem et fi'^ze Xaßetp 
ff. kann also nur der Sinn liegen : wenn das Sich nicht bestechen 
lassen ohne jeden Vortheil ist. Und dieses will nun der Vf. auch 
wirklich in jenen Worten ausdrücken. Wir müssen übersetzen: 
el — doxetv vndq^ek^ wenn ihm (d. h. dem, welcher für eine Ge- 
sandtschaft bestimmt ist) die Ueberzeugung, die Erwartung vorhan- 
den sein wird ii'qts Xaßetp (iijte t(Sv slkficpotiaväiioTtKiTOreqovTtaQ^ 
Vfitp dym auf der einen Seite nichts anzunehmen, auf der andern Seite 
(aber trotzdem) in eurer Achtung nicht zu steigen, vndq^ev regiert 
doxetv und von diesem in der Bedeutung „in Aussicht haben" sind 
die Infinitive laßeip und elpai. abhängig. Hier aber drängt sich, 



— 95 — 

abgesehen von der ungewöhnlichen schwerföHigen Construction des 
Satzes, die Bemerkung auf, dass der Yf. völlig unlogisch die beiden 
Satzglieder fiijze Xaßetp und [iijts elvat als gleichberechtigt coor- 
dinirt, während das p>fJT€ Xaßstv dem elvay völlig untergeordnet 
ist dem Gedanken nach. Denn der Sinn ist : wer will unbestochen 
die Gesandtschaft führen, wenn ihm die Aussicht ist, trotzdem er 
sich nicht bestechen lässt, keine Anerkennung zu finden. Das iii^ts 
Xaßstv ist also im Grunde völlig überflüssig; sollte es noch einmal, 
epanaleptisch auf das Ttqotxa zurückgehend, gesetzt werden, so 
musste es dem folgenden Gedanken — etwa participialiter — subbrdi- 
nirt werden. Der Vf. verrath also auch hier wieder seine logische 
Schwäche. 

Die Bemerkung des Schol. zu et fAijts Xccßstv: xvxXog ge- 
hört zum folgenden : ov (jlopov xqiveTe rovtovg rijfisQoVj ov — . 
Vgl. Anonym. tvsqI (T/^^ar. VlII, 623. In diesem Schlusssatze des 
Paragraphen ist unpassend der Ausdruck p6(jbOP Ti&eü&s — nors- 
Qov — ^ — . Nach vofxov xid'sad's ist überhaupt und besonders 
hier eine positive Angabe des Inhalts dieses Gesetzes zu erwarten. 

233. In Bezug auf die Mdqxvqsg^ welche hier dem Dem. 
die Sendung des Sohnes Phrynons an Philipp bezeugen , ist zu be- 
merken , dass dieses das einzige Beweismittel der ganzen Rede ist, 
welches in absolut gar keiner Beziehung zum Processe steht. Sämmt- 
liehe Beweismittel stehen mit der Klage oder mit der Person des 
Aesch. in Verbindung: nur dieses beschäftigt sich mit Phrynon. 
Ich bin überzeugt, dass der Vorstand der avdntqiaig, hier also einer 
derLogisten, ein solches Beweismittel einfach zurückgewiesen ha- 
ben würde, nachdem er sich überzeugt, dasselbe stehe mit dem Pro- 
cesse in keinem Zusammenhange. Noch bestimmter aber darf 
man annehmen, dass es dem Dem. nicht in den Sinn gekommen 
sein würde, solche Allotria vorzubringen. Es liegt nun nicht fern 
zu vermuthen, weshalb unser Vf. dieses Stuck von Phrynon ein- 
gefügt hat. Ist meine Ansicht wirklich richtig, dass der Vf. das 
Stück 201 — 33 bestimmt habe, an Stelle des wie er glaubte unge-r 
nügenden 188— 98 nebst den unmittelbar daran sich schliessenden 
199 f. einzuschieben, so war er der Meinung, nachdem er den Haupt- 
gedanken 188—91 weiter in 201 — 28 ausgeführt hatte, auch eine 
Geschichte aufnehmen zu müssen, welche an die Stelle der 192 — 98 
erzählten zu treten habe. Und hierzu war noch ein specieller 
Grund vorhanden. Aesch. ereifert sich des höchsten über die 



— 96 — 

Freclilieit des D«nf). in der Erzählung von der Olynthischen Frau ; 
er erwähnt, die Richter hätten auf das lauteste ihre Misshilligung 
der Lügenhaftigkeit des Dem. zu erkennen gegeben und wirklich 
müssen wir annehmen , dass die Richter oder ein Theil derselben 
aus irgend welchen Gründen dem Dem. bei seiner Erzählung ihr 
Missfallen zu erkennen gaben. So wird die Sache auch von den 
Scholiasten und Rhetoren aufgefasst. Vgl. Gregor. Cörinth. dg zo 
nsQl (jLsd-, dsivor. 15, 1. VII, 1254. Tiber, nsgl oxilficcT. 18. 
YIII, 545. Das ist unserm Rhetor Grund genug, die Geschichte zu 
tilgen, da er die Rede durch seine beabsichtigten Aenderungen zu 
einem Musterexemplar aller Rhetorik umzuschaffen sucht. So 
schiebt er an Stelle jener Geschichte eine ähnliche ein, begeht 
aber den Unverstand, nicht von Aesch. selbst, sondern von Phrynon, 
den Dem. in jener Erzählung nur als Complice des Aesch. anführt, 
zu erzählen. 

Ich habe schon oben gesagt, dass das Stück 201 — 33 inhaltlich 
eine Ausführung des Gedankens von 1 88 ff, sei und dass es beson- 
ders im Anfang und am Schlüsse sich äusserst genau an den An- 
fang und das Ende des Stücks 188 — 200 anschliesse. Dass war 
noth wendig: denn das interpolirte Stück war dazu bestimmt, jenes 
zu ersetzen, es musste daher sich an das dem Stücke 188 — 200 
Yoraufgehende und Folgende unmittelbar anschliessen. So benutzt 
unser Vf. die Preisgebung des Sohnes Phrynons, welche er entwe- 
der, erfand oder in seinen Quellen vorfand, um zu dem Gedan- 
ken, mit dem das Stück 188 — 200 schliesst, überzuleiten. Zu den 
Worten 233 äXlä fiijp ttsqI tcqp äXXoav ovdsvog nQogdsTtfd-e 
giaQTVQog vgl. Phil. III, 41 ovdip i^ov nqogdstöd's (iccQTVQog. 

Photius sagt: 'O xavd Msidiov xal xax Alaiivov Xoyog 
alxiav s(S%s rov fi'^ rijv avxiiv xatä ndvia d^ex^v r« ^^(lo- 
(S&evyxiA dwö^atSaitiaad-ai, /a^cncTi^^i. xal ydq iv xotg dvdl 
TOVTOig Xoyoig ix diakefifidtcop xivwv tatg aviaXg ivvoiaig 
inißdXXoav dfiMMd-ai doxat Ttqog kctvzoVj tAgneq ä(TiiOV- 
fisvog^ dXX^ ovx in^ avrotg äycovi^OfAsvog roXg sQyotg. dio 
xal Ttpsg erpf^aav , ixaregov Xoyov iv rvTioig xataXstfpd-^pa^j 
äX'^ä fifi TtQog Bxdomv diaxexad'ccQd^cct. Auf keine Stelle passt 
diese Characterisirung der Rede, dass der Vf. derselben in gewissen 
Zwischenräumen gleichsam zur Uebung auf dieselben Gedanken 
komme und in ihrer Ausführung einen Wetteifer mit sich selbst 
zu eröffnen scheine, besser als auf 201—33 in Vergleich mit 198 ff.: 



— 97 — 

in beiden wird derselbe Gedanke erörtert: es ist in der That ein 
ä(iiXXäa&at Tt^ag iavTov, ein äax€t<f'd-a^ des Vf., was uns darin 
entgegen tritt. Aber es ist nicht Dem., dem hieraus ein Vorwurf 
erwächst, sondern ein beschränkter Nachahmer und Corrector, auf 
den die Verstümmelung oder richtiger Ue1)erladung dieser Rede zu- 
rückzuführen ist. 

Ueber das doppelt gesetzte MdQvvQsg und MaQvvqla habe ich 
schon gesprochen. Daselbst habe ich auch bemerkt, dass das Stück 
234 — 36 gleichfalls eine Interpolation ist, die aber jenem Haupt- 
stücke erst nachträglich angefugt ist. Ich gehe daher jetzt zur Prü- 
fung dieses Stücks über. 

Dem. nimmt an keiner Stelle seiner Rede, ausser wo er einmal 
in bestimmter Absicht ein Moment jener Zeit gebraucht, auf die Zeit 
Yor der zweiten Gesandtschaft Rücksicht; noch viel wenig lässt er 
sich dazu herbei, seine politische Thätigkeit während dieser Zeit zu 
rechtfertigen. Er erklärt ausdrücklich, dass seine Klage von dem 
Augenblicke beginne , wo Aesch. nach der Rückkehr von der ersten 
Gesandtschaft zum Frieden rieth. Nur ein ganz bleschr^nkter Rhe- 
tor kann auf den Gedanken kommen, ihn wegen Thatsachen, die 
vor jenem Zeitpunkte liegen, rechtfertigen zu wollen und diese noch 
dazu mit den Worten einzuführen : fiixqov ys a fAdhaza fi^ söst 
ngog vfAccg elnsXv nag^Xd'OP. Ich habe schon oben auf die freche 
Sophistik des Aesch. aufmerksam gemacht, mit der er die Thatsachen 
nach der ersten und die nach der zweiten Gesandtschaft, das Ver- 
halten des Dem. zur ersten und zweiten Gesandtschaft, durch ein- 
ander zu werfen sucht, um die Richter zu verwirren und sie glau- 
i)en zu machen, Dem^ habe auch mit der Thätigkeit der zweiten Ge- 
sandtschaft sich anfangs völlig einverstanden erklärt. Vgl. Aesch. 
121 — 23 und 44 f. und dazu meine Inaug. Diss. a. a. 0. Ohne 
Zwäfel war es unserm Vf. so ergangen, wie es demjenigen, der nicht 
ganz genau die Details jener Zeit in der Erinnerung hat, ergehen 
muss, dass er wirklich, wie auch jede Exegese der Stelle zunächst 
ergeben muss, die Worte des Aesch. Jrnioad'evfig toIpvv ^xiav 
ano Tfig vatiqag nqsaßsiag — ovx sv tto xpi^(pi(ffiavi fiovov 
ijfjbäg in'j^vsi, äXV ff. dahin verstand, dass Dem. der zurückgekehr- 
ten zweiten Gesandtschaft ein öffentliches Lob ertheilen liess. Dass 
den Vf. diese absichtliche Durcheinanderwerfung der Zeiten von Sei- 
ten des Aesch. veranlasst hat, «eine nqoxaxdXfixpig hier einzuschie- 
ben, darüber kann wohl kein Zweifel übrig bleiben, wenn man 

7 



— 98 — 

die ängstliche Betonung der Zeit von Seiten des Vf. beachtet. Der 
Paragraph enthält eigentlich nur Zeitbestimmungen: 1) r^g TtQcir^g 
ixelpfig 7tQ€(Sßeiag YQdcpoav to nqoßovXsviA iyoi 2) xal naXiv 
iv Tia dij[jb€o Tatg ixxl'^dlaig iv atg ifxiXXsxs ßovXsv€(Sd'tti nsql 
r^^ eigijp^gj 3) ovdevog ovts Xoyov ttw nagd xovxoav ovt* 
äöiTeijfiatog ovvog (favsqov. Hinzugesetzt wird dann noch, um 
alle mögliche Schuld , die ihm aus diesem inaivstv etwa erwachsen 
könnte, von sich abzuwälzen, tö vofniiop id'og noiäv. 

Sodann wird 235 noch eine zweite nqoTtaxdXritptg hinzugefügt: 
xal vq Ji" syays xal Tovg naqä rov OiXinnov nqiaßsig 
i'^iv^da 'Kai Ttdvv ys, w dvdqsg ^Ad-iivaXoty Xaiinq&g. Der Vf. 
widerlegt hier Aesch. 53 — 55. Der Vf. sagt: insidri ydq icoqtav 
avTOvg aal inl xotg roiovTOtg ixst a€[iPVVOfi4povg cog svdai- 
(lopag xal Xafjbjtqovg' sid-vg i^yovfifjv iv Tovroig nq&tov avrog 
TteqieXvai dsXv avvdSv xal fjbsyaXotfJvxdreqog g>aipeod'at. Xagj,- 
7i^(6g — Xafinqovg ist unpassend; das nq&%op unverständlich. 
Der Vf. schliesst dann beide zu erwartenden Einwürfe des Aesch. 
zusammen: xavxa dri naqi'^ETa^ pvp ovrog Xiyaup cog ' ccvTÖg 
E7tT^p€(S€p fii»fdg xal avTog sla%ia Tovg nqeaßsig*^ rö tcot^ ov 
dioql^oop. Ich denke, dieser letzte Zusatz ist deutlich genug zu 
zeigen, dass das Ganze erst geschrieben ist, als des Aesch. Rede 
vorlag. Welcher vernunftige Mann kann auf den Gedanken kom- 
men, Aesch. werde versuchen , die Zeit nach der ersten und zweiten 
Gesandtschaft so durch einander zu werfen, dass die Richter selbst 
nicht mehr wissen, was in diese und was in jene gehört. Wenn Dem. 
alle andern Einwürfe und Widerlegungsversuche seines Gegners vor- 
hergesehen hat, diesen ganz gewiss nicht. Völlig abgesehen hier 
immer davon, dass Dem. principiel Alles, was vor den eigentlichen 
Friedensberathuugen, unmittelbar vor dem Aufbruche zur zweiten 
Gesandtschaft stattgefunden hatte, aus seiner Klage fortiässt und mit 
den Worten 93 f.: nod-ep oiqxei xati/yoqetp; od-sp — diesen Zeit- 
punkt, mit welchem seine Klage beginnt, ganz bestimmt hervorhebt und 
die Richter warnt, des Aesch. Vertheidigung wegen der vorhergehen- 
den Zeit anzuhören, so dass schon damit dieser hier (234 ff.) behan- 
delte Einwurf des Aesch. ein für alle mal beseitigt ist. 

Schon 234 hat der Vf. in verschiedenen Zeitbestimmungen t6 
noTB der katiaatg und der inaipscig auseinandergesetzt. Jetzt 
236 beginnt er von Neuem damit. Der ganze Paragraph besteht 
wieder eigentlich nur aus Zeitangaben: eaxip öi raira nqo rov 



— 99 — 

T^p noXifV ^dix^ff&at n xal fpavsqovq Tovrovg nengaxoTa^ 
avTOvg ysvicS'a^j ox* aqti fiiv ^xov ol TtQitfßetg t6 nqatov, 
Möi$ d* äxovffa^ rov d^fjbov vi XeyovtfiVj ovdima S* ovd-^ ov- 
Tog üvvBqAv dt^Xog ^p t<S OiXoxQccteij ovv* ixetvog toiavra 
Yqdxptav. "^Av d^ xavva Xdyfi (lifjbpfirf&s rovg XQOvovgj ort 
täp aötxfiiJuiTiov ettfi nqoxeqoi, fieTcc xavxa d* ovdip sfiol 
nqog rovrovg otxstop ovdi xotpop yiyopep. So etwas kann Dem. 
nicht geschrieben haben. 

Ich habe in dem Vorhergehenden nachzuweisen gesucht, dass 
das Stuck 201 — 36 nicht Ton Dem. herrührt. Nach der Ausschei- 
dung desselben wird der aufs äusserste gestörte Zusammenhang der 
Rede wieder hergestellt und 200 schliesst sich unmittelbar dem Aus- 
drucke und dem Gedanken nach an 237 an. Ich habe mich bei 
dem Versuche, das betr. Stück als Interpolation zu erweisen, auf 
handschriftliche, rhetorische, sachliche, logische, sprachliche Momente 
gestützt, die mir völlig genügend erscheinen, eine fremde Hand in 
diesem Stücke zu erkennen. 

Was nun aber die Zeit des Interpolators betrifft, so wage ich 
kaum hierüber Vermuthungen auszusprechen. Dass die Demosthe- 
nischen Reden überhaupt manch eigenem Schicksal unterworfen 
gewesen sind, darf man unzweifelhaft mit Spengel (Demegorieen des 
Dem. in den Abb. d. Rair. Ak. philos. phiiol. Cl. IX, 1863. S. 306 f.) 
annehmen. Plutarch ist der älteste Schriftsteller, welcher das ein- 
geschobene Stuck kennt. Die selbständigen Notizen , die hier und 
in dem gleichfalls, wie wir sehen werden, interpolirten Stücke 
329 — 40, allerdings in sehr dürftiger Anzahl und in noch geringerer 
Redeutung, uns entgegentreten, brauchen durchaus kein Grund zu 
sein, die Abfassung der Stücke so hoch wie möglich hinaufzurücken. 
Mir scheinen zwei Zeitpunkte die passendsten zu sein , in denen die 
Abfassung dieser interpolirten Stücke anzusetzen ist, beide aber um 
wenigstens 2 Jahrh. auseinander gelegen. Zunächst darf man an- 
nehmen, dass es ein Attiker war, welcher diese vermeintlichen Ver- 
besserungen der Rede vomahm : denn den Attikern blieb Demosthe** 
nes immer doch das Haupt der Oratorik , welchem sie nacheiferten 
und welches sie studierten. Zwei Rlüthezeiten aber des Atticismus 
darf man annehmen, soweit von Rluthezeit die Rede sein kann: 
die erste fallt etwa ins dritte Jahrh. und wird von den Ausläufern 
der Reredtsamkeit Athens vertreten, die zweite, in bewusster Reaction 
gegen den Asianismus des zweiten und ersten Jahrh. v. Chr. , fällt 



— 100 — 

in die Zeit des Augustus und wird vor Allen durch Dionysius ver- 
treten. Vgl. im Allgemeinen hier Blass, die griechische Beredtsam- 
keit von Alex, bis Augustus. Berl. 1865. Ich habe nun schon oben 
hervorgehoben, dass die §§ 234 — 36 verfasst zu sein scheinen zur 
Verhütung eines Miss Verständnisses des Aesch., welcher mit einem 
gewissen Rechte behauptet , Dem. habe die erste Gesandtschaft an- 
klagen müssen, wenn seine Klage einen Schein von Berechtigung 
hätte haben wollen, da die zweite Gesandtschaft nur inl neTVQay- 
(jtivotg war (123). Auch Dionys. Halic. hebt diesen Punkt a. a. 0. 
hervor und macht dem Dem. einen Vorwurf daraus. Man darf viel- 
leicht annehmen, dass ein Schüler des Dionysios dadurch auf den 
in jenen Worten des Aesch. enthaltenen Einwand aufmerksam ge- 
macht wurde und da die ganze Auseinandersetzung des Aesch., wie 
oben bemerkt, eine äusserst sophistische ist, welche absichtlich die 
Zeit der ersten und zweiten Gesandtschaft durch einander wirft, 
zur Klarstellung derselben jene Paragraphen in des Dem. Rede 
einschob. Damit haben wir aber für die Zeitbestimmung der grossern 
Interpolation scheinbar noch nichts gewonnen: denn wie oben be- 
merkt, 234 — 36 und 213 äkXa (i^v — 214 incl. sind wahrschein- 
lich erst nachträglich dem Stücke 201 — 33 an- resp. eingefügt. 
Aber der Umstand, dass diese Stücke beide dem grössern interpolir- 
ten Stücke angehängt sind, scheint mir darauf hinzuweisen, dass 
die Gesammtinterpolation auf eine Handschr. der Rede zurückzu- 
fuhren ist, welche im Besitz eines Rhetors zu rhetorischen Uebungen 
benutzt wurde und war, weshalb auch die grössere Interpolation 
kaum einer viel früheren Zeit angehören wird. Aber das sind nur 
Vermuthungeii, die einen grossem oder geringeren Grad von Wahr- 
scheinlichkeit nicht überschreiten. Nehmen wir aber die Abfassung der 
Interpolationen erst nach Dionysius Halic. an, so würde Cicero (Or. 31), 
welcher die Rede zusammen mit ändern Demosthenischen ersten 
Ranges erwähnt und sie mit diesen auf gleiche Stufe 2U stellen scheint, 
jedenfalls hoch ein unverfälschtes Exemplar derselben besessen haben. 
Wenn aber nach des Philostr. Angabe Dio Chrysostomus unsere Rede 
zusammen mit Plato's Pha^don ganz besonders schätzte und liebte, 
so dürfen wii* wohl gleichfalls annehmen, dass dem feinen Kenner 
der griechischen Sprache utid Rhetorik die sprachlich und rhetorisch 
unerträglichen interpolirt^n Stücke ^aufgefallen und seine Vorliebe 
für diese Rede vei'mindert hätten. Anderseits aber beweist der etwa 
gleichzeitige Plutarch, dass damals schon die Interpolationen der Rede 



— 101 — 

eingefügt im Umlauf waren und für Demosthenische galten. Aber 
da der Schreiber von 2 selbst zwei fiecensionen der Rede vor sich 
hatte, von denen die eine das Stück 201 ff. (und wie ich glaube auch 
329 — 40) enthielt, die andere nicht, so darf man annehmen, dass 
schon in der zweiten Hälfte des ersten Jahrh. n. Chr. beide Recensi- 
onen der Rede im Umlauf waren. 

Ich gehe jetzt weiter an die rhetorische Gliederung der noch 
übrigen Theile der Rede. 

Ich kann hier kurz sein. Nach Äristot. Rhet. 3, 1 9 o inlXoyog 
(fvyxsna^ ix xsaddqmv * «x ts rov nqöq savtov xaTadxsvdüai 
ei Toy dxQoat^y xal rov ivavtiov (pavXcogj xal ix vov av^^aa^ 
xal xaTtstv&üai,, xal ix tov eig tä näd-fj rov äxQoav^v xaxa- 
ttt^ffatj xal i^ äyafi/y^iSsmg. Wenn Aristot. an einer anderen 
Stelle nur 3 Theile des iniXoyog kennt, tö Tci ndd-ri dieyetgatj 
%o inatvsXv ^ xfjiysiv und %6 avafjb^fipijtfxeiv %ä slgrifiiva, so 
scheint hier Theil 1 und 2 jener £intheilung in Einen (ro inaivetp 
^ ipiystp) zusammen gezogen. Mit der letzteren Restimmung des 
£inlogs als eines dreitheiligen stimmen die späteren rhetorischen 
Definitionen meist aberein: amplificatio, deiviod^g, aSlS/^a^g^ indi- 
gnatio; commiseratio, i'Xeog, conquestio; enumeratio, m^dfipfiaigj 
avaxfiifaXaUaaiQ* Werden nur zwei Theile des inikoyog angege- 
ben, so werdem amplificatio und commiseratio zusamfnengezogen. 

Dass mit 237 der iniXoyog beginnt, erkennen die Scholl, an ; 
dass aber 199 f. schon zum iniXoyog gerechnet werden müssen, zu 
dem das Stück 192 — 98 den Uebergang bildet, haben wir oben ge- 
sehen. Der iniXoyog unserer Rede besteht aus vier Theilen und 
schliesst sich «ng an die Definition des Aristot. an. Der erste Theil 
umfasst 199 f. 237 — 87 und man kann diesen wieder in zwei Ab- 
schnitte 199 f. 237 — 40 und 241 — 87 zerlegen, indem jener kleinere 
als allgemeiner Theil oder als Einleitung zum zweiten betrachtet wer- 
den kann. Der zweite Theil des iniXoyog umfasst 288—301; der 
dritte 302—14; der vierte 315.-28; 41—43. Ueber das Stück 
329—40 vgl. unten. 

Was den ersten Theil des iniXoyog 199.f. 237—87 betrifft, 
welcher das nQog savtov xatatfxsvdaai sv top dxQoaTijy xal rov 
ivavziov ifavXiag des Aristot., hier also nur den zweiten Punkt, das 
xatafSxevdaai — .%6v ivavtiov (favXcog behandelt, so habe ich 
über. 199 f. schon gesprochen. Dem. redet zunächst kurz allgemein 
über das Leben des Aesch., um aus demselben mit 241 ff. einen spe* 



— 102 — 

ciellen Punkt, die Klage desselben gegen Timarch, herauszugreifen. 
Dass 199 f. 237 — 40 nur als Einleitung hierzu betrachtet werden 
kann, zeigt der Umstand, dass Dem. schon 200 in den Worten ovzog 
äXXop Sxqive naq" vfitv inl Ttoqvsiq auf jenen speciellen Theil 
hinweist und 240 xiva yÜQj Alax^vri^ fjbdqrvqa ff. dazu übergeht. 
Dieses Stück 199 f. 237 — 40 ist auch aus dem Grunde sehr angebracht, 
weil durch dasselbe der Uebergang der Klage selbst nsqi naqanqe- 
aßsiag zu andern Punkten allmalig erfolgt. 192 — 98 bringt ein 
Stück, welches in die Zeit der Gesandlschaft selbst, aber inhaltlich 
doch «Sw Tfig Ttqeüßslag ist; 199 f. 237 — 40 entfernt sich sodann 
noch weiter von der eigentlichen nqsaßeia, behält dieselbe aber doch 
in mehrfachen Hinweisungen noch im Auge, bis 241 die eigentlichen 
in&loyirxd beginnen, die allerdings der Klage dienen, aber doch nicht 
in unmittelbarer Beziehung zu ihr stehen. 

241 — 87 bildet ein eng zusammenhängendes Stuck, dessen 
Kern und Mittelpunkt Timarch und dessen Anklage durch Aesch. 
bildet. Tritt auch nach 255 Timarch mehr zurück, so kommt doch 
283 Dem. wieder auf denselben und damit auf den Anfang des Stuckes 
241 ff. zurück und schliesst erst 287 die Behandlung des Themas ab. 
Es ist hier unnöthig, auf den Gedankengang des Dem. genauer ein- 
zugehen, Alles filiesst schön, klar und kraftvoll dahin. 241 — 56 hängt 
insofern noch enger in sich zusammen, dass die Rede des Aesch., 
welche er gegen Timarch gehalten hat, gegen ihn selbst gewendet 
wird : 241 f. allgemein; 243 f. über die g^ijfifj ; 245 über den Umgang 
mit den sich daran knöpfenden Versen des Sophöcl. 246 — 50, sowie 
den Versen des Solon mit Anwendnng auf Aesch. 251 — 55. 

Zur Amplification gehört nach der Lehre der Rhetoren der xoc- 
vog TÖnog, Dem. aber hat, wie sdion gesagt, den inlXoyog in vier 
Theile zerlegt und der xoivog lonog flndet sich 256 if. Sehr kunst- 
voll knüpft Dem. denselben an die Verse des Solon an: zunächst 
noch von dem einzelnen Falle des Aesch. sprechend, geht er allmalig 
258 im Allgemeinen auf das Verbrechen der Bestechung, des Vater- 
landsverraths ein uni 259 if. die Gefahr desselben nicht blos 
für Athen , sondern für ganz Griechenland in furchtbarer Kraft 
zu schildern. Der Gedanke findet 262 seinen vorläufigen Abschluss 
in der Warnung an die Richter : unterdrückt sofort die ersten Ver- 
suche des Verraths, indem ihr Aesch. verurtheilt. 

Sodann beginnt 263 ein neuer Theil des xoipog %6nog : das 
Beispiel Olynths wird den Athenern vor Augen gestellt; nur durch 



— 103 — 

Verrath ist die unglückliche Stadt ihrem entsetzlichen Schicksale an- 
heim gefallen. 267 schliesst dieses Stück ab mit der. abermaligen 
Mahnung zu strafen, die durch das damalige Verhalten der Athener 
den Vcrrilthern Olynths gegenüber noch in schärferes Licht tritt 268. 
Endlich wird dieser eine Fall verallgemeinert und Dem. zeigt 269 — 77 
das Verhalten der Athener in früheren Zeiten überhaupt gegen jeden 
Verrath. Dieses mahnende Beispiel der Vorfahren muss auf die Rich- 
ter bestimmend einwirken, auch in diesem speciellen Falle die yolie 
Schärfe des Gesetzes walten zu lassen 278—87. Die ganze Entwick- 
lung von 241 oder besser gesagt von 199 an bildet eine so harmoni- 
sche Einheit, in der jeder Theil aufs engste mit seinem voraufgehenden 
und folgenden verwachsen ist, in dem Ganzen wie in jedem kleinsten 
Theile ist die Kraft des Dem., die Schärfe seines Worts, seines Ge- 
dankens, seines Witzes, seiner sittlichen Hoheit so leuchtend, dass 
dieser Theil zu den schönsten Partieen der Rede gehört. Das Ganze 
kann man sehr gut mit der Definition des ersten Theils des Epilogs von 
Seiten des Aristot. characterisiren : nataanevadai %6v ayiQoar^p — 
TTQog TOP svavziov (pavX(ag. Der zweite Theil des sniXoyog besteht 
ix Tov av^^(fai> xal tanetvcotfai : hier kommt nur jenes in Betracht. 
Wollte man denxoivog Torvogyon den Verräthern, der mit 259 beginnt, 
schon zur Amplification rechnen, diese aber mit 259 beginnen, so würde 
jener xotvog ronog der gewöhnlichen Lehre der Rhetorik gemäss 
einen Theil der Amplification bilden; jener erste Theil würde also 258 
seinen Abschluss finden. Mir scheint es aber passender wegen der 
bestimmten Zurückbeziehung des Theils 283 ff. auf den Anfang 241 ff. 
das Ganze 241 — 87 als Einheit zu fassen und den xoipdg zonog als 
Bestandtheil dieses ersten Haupttheils des iniXoYog aufsufassen. 

Dann beginnt also 288 die amplificatio oder av^fjt^^g und geht 
bis 301. Dieser Theil erhebt sich von dem Standpunkte einer ein- 
zelnen gerichtlichen Verhandlung zur vollen politischen Höhe. Dem. 
spricht es hier aus, dass es bei diesem Processe sich nicht um die 
einzelne Persönlichkeit des Aesch. handele, sondern um ein hoch- 
wichtiges politisches Princip. Die Entscheidung dieses Processes 
wird von Dem. zur Ausübung eines Scherbengerichts in seiner Be- 
deutung zur Zeit des Höhenpunkts des Staats gemacht: mit der Ver- 
urtheilung sollen die Athener erklären, dass sie auf dem Wege voller 
aufopferungsfreudiger Vaterlandsliebe bleiben und jeden Versuch, 
sie zum willenlosen Spielballe feiler gesinnungsloser Verräther zu 
machen, von sich abweisen wollen. 



— 104 — 

Die Verurtheilung des Aesch. soll einen mannhaften Entschluss, 
ein Aufraffen aller bessern sittlichen Kraft documentiren. Daher ist 
dieser Theil nur in zweiter Linie gegen Aesch., in erster gegen Eu- 
bulos, den damaligen factischen Lenker des Staats, gerichtet. Der 
Staat, so beginnt Dem., ist nicht mehr der erste in Hellas; er ist lange 
von seiner Höhe herabgesunken: und das ist geschehen und droht 
in noch viel furchtbarerem Grade, weil die Staatslenker, die, welche 
die Macht, das Ansehen Athens hochhalten oder, wo es geschwunden, 
wieder erheben sollten, offen sich an die Spitze derjenigen Partei 
gestellt haben, welche die Befriedigung ihrer eigenen Interessen in 
erster Linie auf ihre Fahne geschrieben haben. Vor diesen Leuten 
— und Eubulos wird als der erste unter ihnen genannt — sollen die 
Athener sich in Acht nehmen, sie sollen deren Einfilass von sich ab- 
weisen und durch die Verurtheilung desAesch. in mannhafter Weise 
das Stehen auf eigenen Füssen erweisen. In vollem breiten conti- 
nuirlichem Strome filiesst die Rede bis 301 fort^ um zu schliessen: 
TavTa Toivvv s(f^ viilv iiSxiv aiAcporsQaj iäv ßovXfitsd-s äxQsta 
Ttotfjaai. Tfjfju€QOP, av Twp [lip /iiy 'd'iXfjT^ äxove^p rotg toiov- 
TOig üvPfjyoQOvvTüöVy älV iTridei^riT^ äxvqovg oprag Vfjbcov (pvp 
yccQ (faaip efpai xvQiOi) top di nenqaxod'^ kavxop xoldafjrs 
xal Tovd-' anctpXEg XdoDtfiP. 

302 — 14 enthält den dritten Theil des iniXoyoQy die commise- 
ratio, TÖ etg tu ndd-ri top äxQoccvfjp xavacST^aai,, die ikiofv ix- 
ßolij. Wenn die Scholl, die äpon^sifaXakoaig von 302 beginnen 
lassen, in der Dem. nur gelegentlich auch einiges exßok^g iXiov 
t:P€xa anbringe, so ist das Msch. In gewissem Sinne ist es allerdings 
&pax€(paX(xl(aaigj aber nicht zum Zwecke, den Richtern den Inhalt 
der Rede noch einmal kurz vorüber zu führen, sondern um die ganze 
'Erbärmlichkeit des Aesch. in ihrer vollen Nacktheit zu zeigen. Hat 
Dem. schon 301 fin. die Rede auf den speciellen Fall, die Klage gegen 
Aesch., zurückgelenkt, so knüpft er 302 unmittelbar hier an und 
zeigt, dass die Richter keine passendere Gelegenheit finden können, 
die volle Lauterkeit ihres Patriotismus zu zeigen, als die gegenwärtige. 
Denn niemals gab es einen Angeklagten, der seine Strafe vollgültiger 
verdiente, als Aesch. Und nun wird sein ganzes politisches Verhal- 
ten noch einmal aufgerollt, aber nicht in Wiederholungen und Phra- 
sen der früheren Theile der Rede, sondern in durchaus originaler 
Färbung, selbst mit ganz neuen Zügen und Thatsachen, 30^2 — 9. 
Mitleid mit einem solchen Schurken zu haben, wäre unerlaubt, fre- 



— 105 — 

velhaft, 310; hat er die Frechheit gehabt, den Ruhm der Vorfahren, 
bei Marathon und Salamis errungen, herabzureissen^ den selbst der 
Barbcir anerkennt, so verdient er auch den vollen Zorn der Nachkom- 
men jener Helden^ 311 — 13. Der Schluss dieses Theils 314 ist ein 
Meisterstück rhetorischer Kunst. 

Haben wir somit drei Theile des eniXoyog in 199 — 314 kennen 
gelernt, so e^warten wir jetzt den vierten. Spengel sagt, der Schluss 
fehle, statt dessen finde man eine narratio, wie die Politik des Philipp 
die Athener getäuscht habe. Dagegen ist zu sagen, dass, da sich die 
ganze Rede um historische Thatsachen dreht, auch die äpax€q)akai- 
(oatg dieselben enthalten muss ; mit inl xstfaXaiwy erklärt Dem. aus- 
drucklich, dass er den Schluss einfuhrt, wie er denselben ganz ähnlich 
de Cherson. 76 durch iy xecfakalmbeginnt, Muss denn die ävavtstfa- 
XattöGtg stets eine trockene Aufzählung der einzelnen Punkte der Klage 
sein? Wurde nicht dadurch jede Erregung der Richter, die Dem. 
besonders in den letzten Theilen seiner Rede so meisterhaft hervor- 
gerufen hatte, völlig wieder beseitigt? Wollte Dem. die Punkte seiner 
Klage noch einmal aulzählen, so musste er entsprechend der partitio 
und der Ausfuhrung dieser zunächst die Vernichtung der Phoker in 
Folge des anayyiXXsiv und nsid-etp recapituliren ; er musste sodann 
entweder, der partitio folgend, das Verhalten des Aesch. während der 
Gesandtschaft schildern, um diesem die Schuld des Aesch. durch die 
•Bestechung von Seiten des Phil, anzuknöpfen, oder im Anschluss 
an die Ausfuhrung die letzteren beiden Punkte in ihrer Reihenfolge 
umkehren. Dabei lasse ich den vierten Punkt, die XQ^^^^ » uner- 
wähnt, weil dieser bei jenen Theilen seine Mitberücksichtigung fand. 
Das wäre eine durchaus sacbgemässe Recapitulation, ävaxsipaXaioo- 
aig gewesen, ob es aber möglich gewesen wäre, dabei den Ton der 
trockenen Einförmigkeit zu vermeiden, steht dahin. Jedenfalls hat 
Dem. diesen Weg, seine Rede zu schliessen, nicht eingeschlagen. 
Auch er giebt eine äraxscpaXaiaxfig der gesammten Rede, aller 
Klagpunkte, aber er verfährt dabei nicht so, das er diese unter erstens, 
zweitens ff. aufzählt, sondern indem er die gesammte Schuld des 
Aesch. als eine einheitliche Continuilät den Richtern vorüber führt. 
Dabei aber thut er scheinbar, als ob er etwas ganz neues vorbringe, 
er will den Richtern erzählen 6V TQonov i5^a^ xatsTtoXnfvaaro 
0iXtnnog ngogXaßcdv rovtovg tovg x^sotg ix^Qovg, er meint, es 
sei Ttdvv «5*ov i^erdrfai xal d-edaadd'm f^v ändtfjv oXfjp, 
Wie gesagt, es ist dieses scheinbar etwas neues, aber auch nur 



- 106 — 

scheinbar. Es ist die in der Rede ausgeführte Klage nur unter 
einem neuen Gesichtspunkte betrachtet. Vgl. hierzu Marcellin. in 
axolta €ig (fzäüeig IV, 411, welcher über das xaivi^eiv dsl tov 
Xoyov des Dem. spricht Schon im Verlaufe der Rede selbst hat 
Dem. diesen Gesichtspunkt oft genug hervorgehoben, wonach die 
Gesandten nur als feile Helfershelfer des Phil, erscheinen, und er 
zeichnet z. B. die Bemühungen Philipps und der Gesandten zur Ver* 
nichtung der Phoker 30 dahin: Ocoxeag aTtoXciXsxsp fiiVj offia^j 
OlXiTtJCogj avviiYiavioavTo S^ovto^. Hier wird diese Anschauung 
in Bezug auf sämmtiiche Klagpunkte festgehalten und durchgeführt. 
Weshalb Dem. so handelt? Zunächst, wie schon erwähnt, um der 
Gefahr langweilig und trocken zu werden zu entgehen; sodann, und 
das ist bei weitem der Hauptgrund, um den hohen politischen Stand- 
punkt , den er von 288 oder eigentlich schon von 259 eingenom- 
men hat, festzuhalten. Von diesem Standpunkte aus betrachtet, er- 
hält das Vergehen des Aesch. plötzlich ein ganz anderes Licht. Es 
ist nicht ein Schlag gegen Aech., der durch Verurtheilung desselben 
erfolgt, es ist ein Schlag gegen den schlimmsten Feind Athens, den 
makedonischen König selbst. Dieser ist ja der eigentliche Thäter: 
er hat mit feiner List das Netz gewoben, um es den Athenern über 
den Kopf zu ziehen. Was ist Aesch. ihm gegenüber? Nur ein un- 
bedeutender, feiler Bösewicht, ein nichtswürdiger Helfershelfer, der 
diensteifrig jeden Augenblick auf die Befehle seines Königs horchend, 
spricht und handelt, was jener ihm befiehlt. In der That, man muss 
es sagen: in der Form einer äusserlich völlig objectiv gehaltenen 
Erzählung gelingt es Dem., den Hass, die Verachtung, die er schon 
in den voraufgehenden Theilen gegen Aesch. furchtbar erregt hat, 
noch zu steigern. Das ist wahrhaft eine avax€(paXai(aiSigy eine 
Krönung des ganzen Baus der Rede, nicht in der schablonenmässigen 
Form eines rhetorischen Lehrbuchs, sondern im Geiste und in der 
Kraft eines Dem. Dabei berücksichtigt Dem. alle Punkte der Klage 
selbst, wenn er sie auch nicht namentlich aufzählt, sodass wir auch 
inhaltlich im vollsten Sinne eine avaxstpaXaluxf^g vor uns haben. 

Bevor wir, um die Klarheit und Schönheit dieses Schlusses der 
Rede nachzuweisen, etwas genauer auf denselben eingehen, müssen 
wir zunächst das Stück 332 — 36 betrachten, dem sich dann noch 
337 — 40 und 329 — 31 anschliessen wird. Es ist nicht schwer, das 
Stück 332 — 36 als undemosthenisch zu erweisen. Was die Stel- 
lung desselben betrifft, so stimmen wohl Alle darin überein, es als 



— 107 — 

äusserst unpassend zu bezeichnen. Selbst wenn man in 315 ff. keine 
zweckentsprechende dva^tBifaXaioootq sehen wollte, würde doch die 
Einfügung einer Ttgoxatdlfitpig ganz am Schlüsse der Rede etwas 
geradezu unerhörtes sein. Schon Photius hat dieses, auf die Mei- 
nung Anderer sich stützend, mit ToUem Rechte gefunden; er sagt: 
xai ikivzot %al top naqanqeaßeiaq Xoyov Tipsg iv vnofJbVfjfAaüi 
(faul, xaraXei^d-Sveci j aXX^ ov nqdg endoüiv ovdi nqoq rö 
T^C iqyaaiag aTtfiqxi^fiivov y€yQd(pd'a^. diu ti; dion fieza 
rä iftiXoyixä noXXd re opta xai c%Bd6v to nXstfiTOV (JidQog 
inixopta noXldg nqo avTcop aPTkd-iaeig dmav naXtP inl 
aptid'iOBhg szqdnsto onsq dpoixopOfifiTOP xi itttt xaX disq^ 
qi[jbfi^pov. Dass Photius hier besonders unser Stück im Auge hat, ist 
unzweifelhaft : denn er sagt ausdrücklich, dass die gerügten Theile 
sich ain Schlüsse der iTtiXoyixd befinden. Aber auch der andere 
Tadel des Phot. bezieht sich ohne Zweifel auf dieselbe Sache. Er 
sagt: iidXiiSta 6 xav^ Alaxlvov Xoyog naqia%6P ahiap ip vno- 
fAPijfjbatf^ xaxaX€Xs%(pd'ai^ ovnm t^v iqyatsiav äne^Xviipdg %b- 
Xsiap, di6xi> xal a nqög liip xaxrjyoqlap noXXrjv sdxa r^p 
äfjbvdqoTfira xal xovfpoxfita inl x^ xeXex^ tov Xoyov naqi- 
S-exOj oneq ovx ap neqietdep 6 ^'^xoaq ctg i^ixcctiip äxqiße- 
axiqap xeop tdicop Xoyoap xaxaoxdg, Voemel hilft sich damit, 
dass er das Stück 332 — 40 hinter $. 101 setzt, also zwischen tOl 
und 102 einschiebt, worauf er dann wieder nach 133 das Stück 
315—31, ferner 150—233 folgen lässt, um wieder mit 134—49 
fortzufahren und endlich mit den Stücken 234 — 314 und 341 — 43 
die Rede zu schliessen. Ein solches Verfahren entbehrt jeder innern 
Berechtigung. Man müsste dabei annehmen, nicht bloss dass die 
, älteste Hdschr. dieser Rede in unerhörter Weise ihre Blätter durch- 
einander geworfen hätte, sondern auch, dass diese Blätter stets völlig 
in sich zusammenhängende Stücke umfasst hätten, am Ende des 
Blattes das Ende des Satzes und Abschnittes. Das kann in Einem 
Falle einmal zulallig zutreifen : aber hier für eine ganze Reihe von 
Fällen anzunehmen, ist geradezu unmöglich. Und wenn mit Yoe- 
roels Anordnung noch eine unzweifelhaft rhetorisch richtige Thei- 
lung der Rede erzielt würde: aber auch das ist nicht der Fall. Auch 
Spengel denkt an eine Umstellung, die allerdings innerlich viel be- 
rechtigter ist: er will an Stelle von 134 — 49 (142 Zeilen nach 
Reiske) die Erzählung 315 — 31 (153 Zeilen) einschieben. Aber zu- 
nächst müsste man auch dann annehmen, dass wenigstens Ein Stück 



— 108 — 

315 — 31 am Schlüsse des Blatts das Ende des ganzen Abschnitts ge- 
habt hätte; für das zweite Stück wäre dies nicht nöthig anzunehmen, 
indem nach 149 die abgerissenen Worte aXkd vii Jia rovg avp>- 
fjbdxovg änsiQtixivai, g)ij(f€i zä nolifiia folgen und man also an- 
nehmen könnte, diese Worte seien die letzten des Blatts gewesen, 
in welchem Falle man jedenfalls den Verlust Eines Blattes annehmen 
müsste. Die Schlussworte von 149 on yccQ Tav&^ ovrw ninqax- 
Tat xal ix Tcav inikoinoay hi, fjbäXkop eicsffx^e hatten dann das 
Blatt begonnen, auf welchem 150 ff. steht. Sodann aber wäre anzu- 
nehmen, dass diejenigen Blätter, welche 315 — 31 oder 153 Zeilen 
umfasst hätten, denjenigen auf welchen die 142 Zeilen des Stücks 
134 — 49 standen entsjirochen hätten : wir müssen hier an zwei Blät- 
ter denken; aber diese Annahme, dass zwei Blätter von zwei andern 
einer und derselben Hdschr. um volle 11 Zeilen differirt hätten, 
ist äusserst bedenklich. Auch sollen nach Spengel nicht die Stücke 
134—49 und 315 — 31 einfach vertauscht werden, sondern dieses 
letztere soll sich dann erst noch einen kaum aufGndbaren Platz in 
der confutatio zwischen 182 — 233 suchen. Endlich aber würde 
aus Spengels Anordnung das Fehlen des Schlusses der Rede sich er- 
geben: nur 341 — 43 bleiben, die, da sie allein keinen Schluss geben, 
völlig in der Luft schweben. 

Doch ich kehre zu dem Stücke 332 ff. zurück. Haben wir ge- 
sehen, dass jede Umstelli|ng grösserer Partieen sehr bedenklich ist, 
so mfissen wir fragen, ob denn das Stück 322 ff. wirklich eine innere 
Berechtigung für die Einnahme dieses Platzes oder überhaupt eines 
Platzes habe. Und da habe ich schon erwähnt, dass das Urtheil 
über den Platz, welchen sie jetzt einnehmen, wohl übereinstimmend 
ist. Prüfen wir nun aber, ob das Stück wirklich überhaupt Demo- 
sthenisch ist. Aeschin. spricht allerdings von Chares 71 — 73; die 
Erwähnung desselben 90. 92 ist nur zufällig und kommt für die An- 
klage nicht in Betracht. Jene Stelle^ in der Aesch. von Chares, dem 
Führer der athenischen Truppen im Kriege gegen Philipp bis zum 
Friedensschlüsse 346 und von der Lage Athens überhaupt zur Zeit 
der Friedensverhandlungen spricht, kommt nun aber für eine ver- 
nünftige Betrachtung gar nicht in Frage. Die hier berichteten Um- 
stände liegen vor dem Zeitpunkte von dem die Klage des Dem. be- 
ginnt, wie er selbst 94 bestimmt sagt: die ganze Frage hat Dem. 
91 ff. eingehend erörtert und ist auch 147 von einem andern Gesichts- 
punkte aus dahin zurückgekehrt. Darin aber zeigt sich die volle Gedan- 



— 109 — 

kenlosigkeit und Ungeschicktheit des Interpolators, dass er, weil Dem. 
oben von den (fTQaztjyoi überhaupt spricht und nicht den Chares 
mit Namen nennt, während dieses von Aesch. geschieht, meint, der 
Einwurf sei überhaupt von Dem. gar nicht bedacht. Dass Aesch. von 
der Lage Athens, von den Unglücksfällen des Kriegs sprechen wurde, 
wodurch Athen zum Friedenschluss gezwungen sei, das ist selbstver- 
ständlich von Dem. vorausgesehen und die Richter sind genügend 
auf dieses Manoeuvre des Gegners aufmerksam gemacht: eine sp^ci- 
elle Nennung des Chares war völlig unnöthig und an Dieser Stelle 
sinnlos. Schon der Inhalt dieser nQOY,aj:dl'qipi>g erweist sie daher 
als undemosthenisch. 

Eingeführt wird sie wieder, wie der Interpolator seine Mach- 
werke einzuleiten liebt, indem er auf das im Grande Unpassende 
derselben selbst aufmerksam macht: sItib toivvv fioi xig aQzt 
nqogeX&mv nqo tov dixac^TiiQlov ftqäyfia xaivovatov TtayzwPj 
XaQ^Tog xatijyoQstp avxov naQsaxevdad-ai, — : und sodann: xai 
ovrto roivvv xofiidfi yiXfag itfti xatijyoQetp ixalvov novTOvi. 
Vgl. dazu Phil. IV, 20 insl vvv ys yiXcag sad-^ tag XQwiiBd-a totg 
nqäyfiaüiP — . Der Vf. hebt nun 333 ebenso wie 234 — 36 die Zeit 
hervor, in welche dieser Punkt fallt, um zu zeigen, dass er mit der 
Zeit, um welche seine Klage sich dreht, absolut nichts zu thun hat. 
Gerade diese Ausführung zeigt aber so recht die Gedankenarmutb 
des Vf.; er entlehnt sie fast wörtlich andern Stellen, zumeist 93. 
Vgl. die Zusammenstellung 

333: 93: 

iyea yäq Ataxivqy oidevog al- ßovXsrai xig tovtov xatf^yoQst^f 
rtäfiat^ Tc&p iv t^ noXifAto nqaX" ^^qi ^«^ i^ tr« 3Toli(i&) nqaX" 
^ivttav, d'ivtwv. 

tovv^v yäq sla&p ol iftqesTiiyol (Im Anklang an 96: st ydq xig 
vnsv&vvotj tag dl^S-äg x^^Q^^ ^^ eiqijpfi' 

%oXg üTqaTfjyotg tav »arijyoqov- 
Ctv anavTBg x^Q^^ avt^g ix^~ 

ovdixovnoif'qattfSd'aiTfivnoXiv ovd^ insq avxov tov noi^^aa- 

stq^pijy, a&att t^v noXiv eiqijpfjy* 

äXX^ äxqi' TOVTOV jtdvx" ä^ifjfA^, ov ydq ovtog diziog, 

vi ovv Xiy(o xa» nod-sv äqxofiat ri ovp Xiye^gy €$ %ig igoizo (le, 

xatfiyoqsip; xai nod'ev dqxsi xatfjyoqstV} 

TOV noioviiivfig t^$ noXefag el- od'ty — ßovXevofispMV vfitüp 



H 



— HO — 

Qijvfj}^ 0iXoxQdT€t avvetnsTv, ov ttsqI tov si noi^^tiov elQ^viiv 
alXä (ifi totg tä ßiXxi(Sta ij f4^ (ididomo yäq ^dij rovio 
yQd(fov(fiv (TtOiOVfJbivfig T^g ys) akV VTtig rot; Ttotctp rtpä 
noXetag eigijvrjv durchaus un- Totg tä Jincfia Xiyovaiv avtsi- 
passend) ndv xm (iKf'&ov yQd(povtt tsw- 

eins dmqa Xaßtiif. 
%ov dAq^ €lXfi(fivai,y tov (istä xal fjbsrä ravT* €7tl tovg oq- 
ravT* inl T^g vatigag nQ€<fßei- xovg atqe&slg — 178: ravg 
ag rovg XQOvovg xatatQilpai x^oVot;^ utotratqixpavta 
xal fiffdiv äv nfog€Taia&^ viieig 94 : wv fA^ viisZg ngogerd^ats 
no^ijüai, TOV q)epaxiaat v^v no- ovo* otiovv inoiijo&^ 
Xtp 178: q>svanicavd'^ vfiäg 

xal naqaari^fiavvag rag iXnt- 328 : vfistg d^ansQ sv^a^ü'^* Sv 
dag (og oaa ßovXoftsd'^ ^fietg iXniüavTsg %avavtta tovtiov 
0iXm7tog ngä^et, navx^ dno- ioQdxars ytyvofieva. 
XaXaxivat, 

Was diese letztere Stelle betrifft, so glaube ich, obgleich Dem. 
mehrmals und in ähnlicher Weise von dem Erregen falscher Hoff- 
nungen spricht, doch bestimmt, dass der Vf. die Stelle 328 vor Augen 
gehabt hat. Nicht nur dass die einzelnen Gedankentheile sich ent- 
sprechen, dem 7taqa(itri(SaVTag rag iXnidag das iXniüavtBg^ dem 
ofSa ßovX6(i€&^ ^fJbfig das oTtSQ ev^aKtS'^ ävj dem (xov) ndvx 
anoXmXsxhai, das xdvavxia rovroap iogoKats y&yyogisvaj der 
Vf. verräth seine Quelle selbst durch ungeschickte Benutzung der- 
selben. Dem. nemlich spricht 328 von den Athenern und diese 
sind das Subj. des Satzes ; da unser Vf. von Aesch. spricht und die- 
ser das Gedankeilisubj. des Ss^tzes 333 ist, so ändert er sachgemäss 
das iXniaavrsg in naqafSx'qaag xdg iXnidag. Dabei widerfahrt 
ihm aber das Unglück, dass er den plnr. in iXnlüavTsg beibehält 
und daher naqaat^qaavrag schreibt, obgleich er in den Sätzen vor- 
her und im Satze selbst ganz bestimmt von Aesch., den er mit Na- 
men nennt, allein spricht. Der Schluss rov [lerd xavd^ kxiqmv 
nqoXeyovxfov (pvXdxxead-ai, xöv xoaavx* ^dixiixoTa xovxov ixst-- 
vm avvnyoqetv stützt sich auf das 109 ff. erzählte. Dem. schiebt 
dort, unter Annahme» Aesch. sei nicht bestochen gewesen, sondern 
habe in gutem Glauben die Versprechungen des Phil, angenommen, 
demselben die Worte in den Mund: iniaxevtsa^ i^ijnaxfd'viVj ^fMxq^ 
xoVy oiköXoyä, %6v di avd'qianov avdqsg ^Ad^vaXo$ tpvXdxx^ 
cB^b: daraus macht der Vf. diese Antithese. 



— 111 — 

334 entlehnt der Vf. nur dem Gedanken nach aas dem obigen 
Stücke des Dem. Auch dort wird auseinander gesetzt, dass Aesch. 
ohne Zweifel zu seiner Vertheidigung den Frieden mit hereinziehen 
werde, der an und für sich immer lobenswerth, durch ihn inixlv- 
ivvoq nal atpaXeqä nai anidTOg geworden sei. Auch hier heisst 
es dixaiav etgijy^p xal X(fijp — wtsqov xäp inypovv. Aber 
auch hier verßhrt der Vf. gedankenlos , denn indem er sagt inst 
dixalap siQijpfiy xal itfijp xal fii^dsv nsnQaxöra^ avd-qdnovq 
fjb'^de tpevcofiivovg vdvsqov xav Itt^pow xal (fT€(papovy ix£- 
XevoVj stellt er slq'qvriv und ävS-gcinovg auf ganz gleiche Stufe, 
siebt aber nicht, dass das zweite verb. xal atsipavovv nur auf das 
ävd'qfjinovq passt. Daher sind auch die Varianten der Hdschr. zu 
erklären, welche den Schaden zu heilen suchen: einige haben nach 
insl ein sl und nach Xaiiv ein swqoop eingeschoben, andere schieben 
nach Xaiiv nsnoti^ikivovg ein, aber die durch 2 vollgültig bezeugte 
L. A. ist allein die richtige und erweist die Ungeschicklichkeit des 
Interpolators von Neuem. Zu äp&Qcanovg [ifjdk xpsvtsaikivovg v- 
(fT€QOp vgl. 97: fiijöbp d^vifT€QOV ^S^TToriyo'^* VfisTg — . Die 
folgenden Worte tfigarfiyog rf' eX ttg ^dlxfjxep vfiäg* ovxl xoi- 
pcopei Ttttg pvp evd-vpaig, rtotog yag (fTQazrjyog *'AXop — a/ro- 
hdXexBp; ff. sind nur eine Ausführung des Gedankens 97: ov yaq 
Alüxtpf^g vniq rfjg slqijprjg xglpsrai — 95: cog vniq etq^'pfjg 
xqi>p6[i€pog oTtoXoyijaeTai und des ebendaselbst ganz allgemein 
gegebenen, dass das, auf welches sich die Klage bezieht, die 
Vernichtung von Phokis und Thrakien, erst nach dem Frieden 
und zwar ausschliesslich durch Aesch. und seine GeseUen verloren 
gegangen sei. Ausser 325 f., die der Vf. offenbar zunächst vor Augen 
gehabt hat, vgl. 94: tovg <f* inl tov noXiikov dia(f(o&dpTag dnai- 
XeiSs Twp (fv(Afiäx(OP — 96 : vo ydq atStfaXig t^c flq'^pfjg xal to 
ßißaiop omoi nqovdotfap Ocaxiag xal DvXag — 97 : sl ydq 
^ (ISP elqijpfi iysyopet imdip d^Vffteqop ^^^yrdriycr^* Vfietg fifjö^ 
'tinwXioXst iiffdiig' %lv^ apd^qoinoip iX^ntjOep äp ^ eig^pf] — ; 
Spricht Dem. hier nur von Phokis, so geht er 1 56 auf das ein, was 
die Gesandten durch ihr Zögern auf der Reise in Thrakien dem 
Philipp in die Hände geliefert haben: ip di Tovifa Joqmxop @q4- 
xfjp t&nl T€i%(ipy *l€qdp oqogy ndpza xd nqdygiara ip clqijpfi 
xal anopdaXg f^qsi xal ditAXBtd'^ o OlXmnog. 174: Oduxiag 
ixffTtopdovg xal AXiag anifffiPap xat KsqaoßXdTVtfiP naqd xd 
tpffifiaiia — . Die Aufzählung alles dessen^ was durch Aesch. ver- 



~ 112 — 

loreo gegangen ist 334, ist eine sehr gewissenhafte Zusammenstel- 
lung aller nur irgendwo in dieser Beziehung von Dem. erwähnten 
Punkte: ob sie aber dadurch einerseits wirkungsvoller, anderseits 
innerlich berechtigter wird, möchte ich bezweifeln. Der Vf. sagt: 
notog yccQ cfTQaTr^ydg "AXov^ lig de 0iaxiag änoXiaXtxtV', %iq 
de JoQtaxov; rig de KsqaoßX^TtTfjy; rig d^'hqop OQog; rig 6t 
Ilvlag-, Alle diese Punkte sind in den angeführten Stellen des 
Dem. schon zusammengestellt. Sodann heisst es weiter: zig de 
Ttenoirjxev axqi xi^g ^ATTixi^g odov öiä üviiiiaxonv xal (fi- 
XoDV elva^ OiXinnto; xig di Koqvivaiav^ rig d^ ^0QX0[iev6v , 
%ig d^ Evßoiav dXXptqiav ^ Tig Miyctqa TVQMfjp oXiyov ^ %ig 
Otjßaiovg laxvQovg; Zunächst erscheint es unpassend, das ns- 
Ttoitjxepj welches das verb. des ersten Satzes ist, zu den andern 
in anderer Bedeutung zu ergänzen; dort steht es in der Construc- 
lion des acc. c. inf. : nenoiijxev — odot^ — eipccir ; im folgenden 
muss zu zig — Koqdveiav — aXXoxqiav gleichfalls nenoifjxepj 
hier also mit doppeltem acc. construirt, ergänzt werden; zu dem 
zig MeyuQa nqioriv oXiyov muss dann ausser dem neTToifjxep 
auch noch ccXXozqia ergänzt werden und endlich zu der letzten 
Frage zig Qtjßaiovg l(fxvQovg wieder nefioifixev. Was Koronea 
und Orchomenos betrifft, so sagt Dem. 112: zov <J' ^ÖQXof^^vop 
xclI zfiv KoQciveiav TtQoge^^ydQanödidtai. vgl. 141. 148. 
325. lieber Euboea spricht Dem. mehrmals : Aesch. hatte in Bezug 
auf diese Iitöel Versprechungen gemacht im Namen Philipps. 83 
heisst es : solange Pylae im Besitze der Phoker gewesen, ädet^ vn^g- 
X€V ^filv xal z6 fn^dinoz^ iXS-etp av eig lleXonovyfjtfov (Jbijd^ 
eig Evßoiay iiJjd^ elg ziiv ^Azztxrjv OiXmnog fJiffjdi Oijßalovg, 
87: xal [a^v xal [lezcc zaiza^ otsdxig nqog HoQd'fA^ iy ftgog 
Meyägoig äxovopzeg dvvafiiv 0iXinnov xal 'ievovg e&oqvßet- 
üd'B ndvzeg eniazats-d-e. ov zoivvv et injTtü) z^g Idzzix^g 
inißaivet dst axonelv. 127: elg (liaag i;äg O^ßag xal %6 z&v 
GijßaicQp azqazoTiedov ßadi^e&p. Vgl. 325 f. Von der durc^ 
Phil, vergrösserten Macht der Thebaner spricht Dem. 141. 148. Es 
ist'fast kein einzelnster Ausdruck der obigen Aufzählung, der nicht 
in den eben abgeführten Stellen des Dem. sein unmittelbares Vor- 
bild hat. Im llebrigen vgl. auch die Stellen de cor. 195; de pace 
10; de Cherson. 18; Phil. III, 10, 17 f., 27, 33; Phil. IV, 87. Aber 
wo der Vf. auch nur Einen Schritt selbständig zu gehen sucht, ver- 
räth er seine Unkenntniss. Zunäclist ist es schon durchaus unpas- 



— 113 — 

send zu sagen: tl^ di Koqdvsiav, vig d^ ^Oqxo(A€v6p — äkXo" 
Tqiav scL nenoifjxsv: aXXorqiav — 7tot€%v soll doch ohne 
Zweifd heissen „den Athenern entfremden^*: aber die Städte waren 
nie im Besitz der Athener gewesm; sie waren von den Phokem 
besetzt worden und zu Stutzpunkten ihrer Operationen gegen Theben 
gemacht; wenn Dem. oben sagt tov d^'^ÖQXofievop ual %^v KoQd^ 
vtiay TtQoqel^'qvdqanodiCTa^ (0ikt7tnog) so ist damit etwas voUig 
anderes berichtet, als in dem äiXozQlctp TtfTwotfjxep liegt Ein 
grober historischer Fehler ist es aber, wenn unser Vf. sagt: Evßotay 
dlXoTQlccy — TtBTioi^xsv. Es ist dem Dem. nie in den Sinn ge- 
kommen, derartiges dem Aesch. vorzuwerfen. Euboea war schon 
350, also noch lange vor der Vernichtung Olynths, den Athenern 
verloren gegangen und die begründeten Zustande auf der Insel sind 
bis über die Verhandlung des Processes neql naqanqsaßeiag 
hinaus stets dieselben geblieben. Es ist also ein Unsinn zu sagen, 
Aesch. habe Euboea den Athenern entfremdet. Der Vf. hat 
eben die Anklage des Dem. , der dem Aesch. nur vorwirft, dass er 
in Bezug auf Euboea den Athenern gleichfalls vage Hoffnungen 
erregt habe, als werde Philipp die Insel den Athenern wieder ver- 
schaffen, vöIKg missverstanden : er liefert so abermals ein bundiges 
Zeugni^ für sein eigenes Machwerk. In der Einfuhrung der Sätze 
noXog — %ig — xtg ff. hat der Vf. wohl 282 sich zum Huster ge- 
nommen: aber hier ist eine durchaus kunstvoll rhetorische Glie- 
derung: auf drei mit noiog eingeleitete ganz kurze Sätze, welche 
concrete Leistungen des Aesch. enthalten {tnnog, tQnJQi^gj a^qa- 
teia) folgen drei durch Tig eingeleitete ebenso bestimmte (xo^oci 
XstTovQylaj elgifoqd) , um diesen beiden Reihen zwei allgemeine 
Leistungen anzufügen, in denen jene gleichsam mit enthalten sind 
{svvoiaj xlvdvvog)j die nun aber in umgekehrter Reihenfolge 
durch rig und notog eingeleitet werden, während alle Einzelheiten 
endlich in zt tovxiov iy naptl tta XQ^^V ^* ^^^ einmal zusam- 
mengefasst werden. In der Aufzählung 934 folgen auf die erste 
Frage mit ttoI'o^ eilf andere mit t/$ eingeleitet: der Vf. hätte jeden- 
faBs besser gethan, wenn er auch in der ersten Frage das notog 
durch das passendere zig ersetzt hätte. 

335 schliesst sich eng an 333 an: der erste Satz widerholt den 
dort und an vielen Stellen von Dem. selbst ausgesprochenen Gedanken 
noch einmal. Der folgende Satz Sv %otvvv xavua i^iv ^evyji ff. 
ist mit 92 ff. zu vergleiehen; vgl. ebenso 88 olda — or» — rovg *- 

8 



— 114 — 

Xoyovc q>sv^8Täi — . Der Unterschied des vorliegenden Stücks 
mit 88 ff. 91 ff. besteht darin, dass Dem. dort vom Frieden spricht, 
dessen Aesch. nicht angeklagt werde, an dessen Resultaten ihn keine 
Schuld treffe, während unser Yf. hier vom Kriege spricht und den 
durch die Feldherrn versdiuldeten Zufällen desselben: wesentlich 
aber haben diese beide Stücke die grösste Aehnlichkeit und dass 
unser Vf. jenes benutzt hat, ergiebt sich aus der Uebereinstimmung 
der Ausdrucke. Der letzte Satz endlich ri ovv sX vi Jfi^oad-ivfig 
^dix€& PVP XSyeig äXX* ov% 6t€ rag evd-vvag ididov xcerijyoQeig ^ 
d$^ avto yäq sl lom anoXiaXivai dixaiog berücksichtigt das 
interpohrte Stück 211 f. ßovXofiivov yäq ifiov — Xoyov vgAtv 
dovvai dig — dnrjyoQevs fi^ xaXetv — und 212 fin.: tovto to 
sqyov — i7ttdeixvv(fi — fArjdiv aXfjd'ig igoSwa negl ifiov, 
€i yccQ slxhv* TOT* av xal Xiyoav xal xccTfjyoQcSp i^^Tii^eTOj 
ov fjia JV ovx änfiyoqsve xaXatv. Dass die ganze Erzählung 
auf einer falschen Voraussetzung beruht, habe ich schon oben gesagt 

336 geht noch einmal auf das Stuck 88 — 97 zurück: die Worte 
Ikij Xiys 6J^ xccXoy elQfjpij (i^d^ dg (fV(i(fiQOpj sind inhaltlich in 
88 dii^e^iSiV fiXixa naaiv ap&qoi7roig dydd-^ ix Tilg ^^^Q^^V^ 
yiyvtTai — 97 «J d' vniq Ttig elgijvfig anoXoyia xai et (ifidiv 
äXXoj Tovpofia yovv s^ei q^iXdvd'qiaTCOV, 336 ovd€)g ydq al- 
Ti&Tai 06 TOv Ttoiijifac^at t^p noXiv slqiqpffp vgl. mit 93 ovx- 
ovp ovd* vniq ccvtov tov noiri<Saad'ai t^p TtöXtp iigiiPiiP 
ovdip avT(S Xtxxiop. ov ydq ovrog otT^og. 336 dXX^ tog ovx 
al(fxQd xal inovstd^CTog vgl. mit 97 siqi^pr] fiip ovp dt" ixei- 
povg, ijtixipdvpog di xal üg)aX€Qd xal amaTog dvd TOVTOvg 
yiyopep — . 336 xal noXX^ vüTegop i^fjTTOTijfjbs&a xai ndpr^ 
aTtioXcTOj eine überall in der Rede wiederkehrende Anklage, tov- 
TdüP ydq dndPTwv r^gjbtp aiTiog av didei^ai vgl. 97 ün. pvp d' 
oliJbai noXXcop atTtog ovTog. 336: xal tI d^ (^^XQ^ '^^ ^^^ 
Ta Toiavta nenoifixot^ inatpetg; berücksichtigt genau den 109 f. 
von Dem. gegebenen Beweis des Bestöchenseins des Aesch. Unser 
Vf. schliesst: äp ovxw tfvXdxTfiT* avTOP (vgl. 97 slqysT* ovp^ 
eiqyeT* avTOp — t(op Xoytop) ovx ^5** ^^ Xdyij^ dXXd tt/p &X- 
Xdög ipTavd-* inaqtX t^p (foipfiv xal mgxopaaxfixdg eOTat. 

Ueberblicken wir das Stück 332—36 noch einmal, so bemerken 
wir, dass der Vf. allerdings von einem einzelnen Einwurfe des Aesch., 
der Beschuldigung des Chares ausgeht, dass er aber in der Wider^ 
legung desselben einen allgemeineren Standpunkt einnimmt. Das 



— 115 — 

Stück enthält ganz offenbar eine Zusammenfassung aller Vorwürfe, 
aller Klagpunkte, die gegen Äesch. von Dem. erhoben werden: es ist 
eine dvaxsipaXataiaig, welche ähnlich wie z. B. 178 ff. diejenigen 
Punkte, um welche sich die Klage dreht, hervorhebt. Während 
aber jeder ävaxsipaXalcotfig das eigen sein muss, dass das wirklich 
wesentliche, die Hauptsache allein betont wird, die Nebensachen 
aber fortbleiben, verfolgt unser Vf. das Ziel, alles, auch das unbe- 
deutendste, zusammenzusuchen. Zunächst stellt er die Zeitmomente 
auf, durch welche die Klage ihrem Umfange nach bestimmt wird 
und schreibt hier wörtlich den Dem. aus. Hebt Dem. 179 f. aus 
der ganzen, Klage den Verrath von Phokis uud Thrakien als vor 
Allem in Betracht kommend heraus, so sammelt unser Vf. in Einem 
langathmigen Fragesatze allein zwölf Punkte, in denen das Wichtigste 
und das Unbedeutendste in gleicher Reihe zu stehen kommt. Es ist 
mir nicht zweifelhaft, dass der Vf. wirklich beabsichtigt hat, das 
Stück 332 fr. als dyaxsqiaXaiaxf^g gelten zu lassen, in dem Glauben, 
die Rede entbehre eines wirklichen Schlusses. Er geht von einem 
einzelnen Einwurfe aus, den er aus des Aesch. Rede noch heraus- 
gefunden hat, um im Verfolge desselben eine förmliche ävaxs^ahxl- 
waig, eine Aufzählung sämmtlicher dem Aesch. vorgeworfener Ver- 
brechen, zu geben. 

Sehen wir nun aber die Verbindung dieses Stücks mit dem vorher- 
gehenden an, so ergiebt sich dass schon die Paragraphen 329 — 31 
einen durchaus fremdartigen undemosthenischen Character aii sich 
tragen. Während nämlich die Rede von 315 — 28 einen stetig fort- 
schreitenden FIuss hat, der Eine Gedankenreihe verfolgend mit dem 
Schlüsse von 328 unmittelbar an der Gegenwart angekommen ist, 
springt 329 plötzlich wieder in die Beweisführung zurück, die hier 
nicht blos unangebracht, sondern geradezu unerträglich ist. Ein 
grosses Bedenken erregt sogleich die schwankende L. A. 2 hat 
ort yaQ tav&^ anXäg dediOQodoxtjvtai xal TifAfjp e%ovGiV 
aTtdvtoDV ^ovr(AV ovrot, während eine alte Randbemerkung der 
Hdschr. die Variante hat : or* yäg tavd'' ovtoag s%€i %al dsdco- 
Qodöxijvtat xal ttfji^p ^^ovaiv ändproav ovto^» Die L.A. des 
cod. 2j welche auch die von Laur S. sowie der meisten Hdschr. 
ist, würde die Uebersetzung verlangen', die Gesandten sind in Bezug 
hierauf (ravxa acc.) bestochen; das widerspricht aber dem constan- 
ten Gebrauche des Worts dcaqodoxeXv, welches bei Dem. nur „Ge- 
schenke nehmen" heisst, völlig der Etymologie des Worts entsprechend. 

8* 



— 116 — 

Die Bedeutung Geschenke geben'^ ist erst von späfern Schriftstellern 
angewandt, mit der dann die ,,bestechen'' zusammenhängt. In der 
Bedeutung „Geschenke nehmen'' findet sich das Wort bei Dinarch. 
und Aesch. auch mit hinzugesetztem Obj. und im passiv: x^t^cTiOV 
dedoüQodoxovfisvopj zä dsdcoQodoxii^dvTa Co*. Das dsdtöQodo- 
Kfjvtai unserer Stelle ist völlig undemosthenisch und dem altern 
Sprauchgebrauche überhaupt widersprechend: zu vergleichen ist 
das erst bei Poll. sich findende o deddOQodoxfjiiiyog. Durch Voemels 
Emendation zaüd-^ änXdog dedoaqodoxrixtti wird der Sache nicht 
viel geholfen, da das dooQodox . in dieser Verbindung überhaupt in 
der Bedeutung „verrathen'' gefasst werden müsste: die Emendat. 
flndet aber in den Hdschr. durchaus keine Stütze und ist deshalb zu 
verwerfen. Aus dem Bestreben zu helfen ist auch die Variante zu 
erklären, welche ovtcag ex€i xal einschiebt. Es scheint also sofort 
der Anfang dieses Stucks auf die Interpolation hinzuweisen. 

Auch hier wieder sucht der Vf. durch Phrasen sein Verfahren, 
ganz am Schluss zum Beweise noch einmal zurückzukehren, was 
aller Rhetorik ins Gesicht schlägt, zu rechtfertigen; er sagt: noXla- 
xd^€V gJLsv eyaty^ offiai dfiXov Vfitv slpai rvdlat [xal dedo^xa 
fifl tovvavriov ov ßovXofiai nom (iq)odq^ axqhßwg daixvvvai 
neiqdiievog d^oxXä TxdXai tovv^ ctvtovg vfiäg eiäotagj Oficog 
6^ exi xal t66^ axovaaTs, Mit ähnlichen Umschweifen sahen 
wir schon oben den Vf. seine Zusätze einführen. Lam* S. und Marg. 
antiq. 2 hat statt rovr* ccvrovg vfiag eldotccg das noch umständ- 
lichere TOVT^ (oder tovg) avTOvg v/.iäg icoQocxotag xal sv eldo- 
rag, ebenso wie in dem gleichfalls interpolirten 204. 

Was nun den 330 f. behandelten Gedanken betrifft, so ist der- 
selbe geradezu absurd. Der Vf. sagt: „ihr Athener würdet gewiss 
nicht die Gesandten Philipps durch irgend eine Wohlthat ehren 
und zwar einfach aus dem Grunde, weil dieselben nicht eure, sondern 
Philipps Interessen vertreten, und der Mensch nur denen Wohl- 
thaten zu erweisen pflegt, die ihm wieder geneigt sind. £laubt ihr 
nun, dass Philipp anders denkt und den Gesandten so grosse Ge- 
schenke macht, weil dieselben Eure Interessen verfolgt haben? 
Keineswegs.** Wenn der Pseudo-Dem. hier die von Philipp den 
Gesandten gegebenen ^ivia im Auge hat und aus dem Umstände, 
dass der König ihnen überhaupt irgend etwas angenehmes, eine 
Wohlthat erzeigt, den Athenern den Schluss zurechtlegen will, schon 
aus dem Geben, dem Anbieten der Geschenke folge, dass diejenigen. 



— 117 — 

denen diese Änerbietungen gemacht wurden, Wohlthäter des Philipfp, 
in seinem Interesse handelnd, also von ihm bestochen gewesen seien, 
da man nur denen Wohlthaten zu erweisen pflege, die einem wieder 
Gutes erweisen, so hat er erstens nicht bedacht, dass Phil, dem Dem. 
ebenso jene Geschenke anbot, nach Dem. eigenem Berichte, wie 
den übrigen Gesandten, dass daraus also folgen würde, auch Dem. 
sei bestochen gewesen. Denn man beachte die Form der Beweis- 
führung wohl : der Vf. sagt ausdrücklich, man erweise nur demjenigen 
Wohlthaten, der seinerseits gleichfalls das Interesse des Gebers 
wahrnehme. Wollte also Phil, dem Dem. Geschenke machen, so 
musste er doch von ihm ebenso, wie von den andern wissen, dass 
er gleichfalls des Phil, eveg/iziic sei. Alles beweisende Gewicht 
ruht einzig und allein auf dem dhdovai des Phil. , mag dieses nun 
ein blosses Anbieten, oder ein wirkliches Verabfolgen sein. Das 
wird in dem ersten Satze, in Bezug auf die Athener, zum Mittelpunkte 
gemacht und ebenso im zweiten Satze in Bezug auf Philipp. Wie 
die Athener Niemandem eine Wohlthat erweisen, von dem sie nicht 
bestimmt wissen, dass er das Interesse des Staats fördert, so wird 
Phil, auch Niemandem dieselbe erweisen, wenn er nicht gleichfalls 
weiss, dass der, dem er die Gabe zugedacht hat, sein Interesse för- 
dert. Entweder also beweist der Vf. hier, dass Alle Gesandten, auch 
Dem. — denn das Zurückweisen der Geschenke kommt hier gar 
nicht in Betracht — Freunde des Phil, sind: denn dieser hat Allen 
Geschenke angeboten und Geschenke bietet man nur denen an, 
welche das Interesse des Anbietenden im Auge haben; oder xler Vf. 
beweist — und so ist es in Wirklichkeit — nur, dass PhiUpp durch 
die Geschenke den Versuch der Bestechung gemacht hat. Dass 
dieses aber nicht die eigentliche Absicht des Vf. ist, sondern dass er 
mit dem Angeiuhrten glaubt einen ferneren wirklichen Beweis für 
das Bestochensein der Gesandten anzuführen, ersieht man bestimmt 
aus den Einleitungsworten des Stücks 329. Sodann aber scheint 
der Pseudo-Dem. völlig vergessen zu haben, dass er selbst, d. i. der 
wahre Dem., den Gesandten des Königs einst selbst Ehren erwiesen 
hatte, woraus man also mit demselben Rechte auf das Bestochensein 
jener Gesandten einen Schluss zu ziehen berechtigt ist Hier ist 
auch noch darauf aufmerksam zu machen, dass entgegen dem Demo- 
athenischen sowie dem allgemeinen Sprachgebrauche hier sowohl 
(330), als in der gleichfalls interpolirten Stelle 234 iv TtQvtavslm 
steht, während sonst regelmässig der Artü^el mit diesem Worte ver- 



— 118 — 

banden ist. Die Stelle Dem, Aristocr. 76 beweist gegen den Demo- . 
stbeniscben Gebrauch nichts, da hier bei der Aufzählung der ver- 
schiedenen Dikasteria zur Aburiheilung von Mord und Tödtung (rö 

inl ÜQVTavsiiAy %6 ev (pqsaxxoX) das IlqvTaveXov völlig als 
Eigenname gebraucht wird und überhaupt in einer allgemein üblichen 
Formel erscheint, ßeachtung verdienen ferner die in dem Stücke 
329—36 häufigen Hiate, vgl. 323. 30. 33. 35. 

Die folgende Erwähnung der Gesandtschaft des Hegesippus an 
den König wird recht geschickt dem Vorhergehenden gegenüber 
gestellt; das Stück wird dadurch noch bedeutender, dass es eine 
Notiz enthält, die wir sonst nirgends finden: SevoxXeidfjv tovcovl 
röv TtoifjT'^v €^€HiJQv^€p (Philipp), Ott avvovg (den Uegesipp 
und seine Mit gesandten) irtsdi^ato noXitag ovtaq. Dass Philipp 
die Gesandtschaft des Hegesippus ungnädig aufgenommen habe, wie 
hier angedeutet, nicht ausgesprochen wird, ist ein Schluss, den man 
schon aus der Rede de Halonneso entnehmen kann. Obgleich aber 
3as Stück durch die selbständige Notiz über Xenokleides beachtens- 
werther wird, so tritt anderseits gerade durch dieses Stück die 
Ungeschicktheit von 330 f. nur noch schlagender hervor. Denn 
hier sieht man deutlich, wie ich schon oben hervorhob, dass die 
Aufnahme von Seiten des Philipp das ist, worauf es hier ankommt, 
woraus der Vf. einen Schluss auf das ßestochensein der Gesandten 
zieht. Da nun aber, wie Dem. selbst sagt, ihm völlig dieselbe 
Aufnahme zu Theil wurde, wie den übrigen Gesandten, so würde, 
wenn dieses Stück von Dem. wäre, er seine eigene Bestechung be- 
weisen. Dass aber der Vf. eine solche unbedeutende Notiz, wie wir 
sie hier finden, selbständig hat, darüber können wir uns nicht wun- 
dern, da häufig selbst in sehr späten Scholiasten und ganz unterge- 
ordneten Schriftstellern sich einzelne historische Notizen selbständig 
finden; und unser Vf. ist einer keineswegs sehr späten Zeit zuzu- 
weisen. 

Werfen wir die Stücke 329 — 31 und 332 — 36 aus, so rauss 
auch 337 — 40 fallen. Es wird hier von der Stimme, von der grossen 
Beredtsamkeit des Aesch. gesprochen. Spengel hält dieses Stück 
für ausgezeichnet und es ist zuzugeben, dass dasselbe manches 
schöne enthält. Aber zunächst ist es, wie die vorhergehenden 
Stücke, hier unmittelbar am Schlüsse vöUig unpassend, wo man eine 
Recapitulation des Ganzen und die Aufforderung zur Bestrafung er- 



— 119 — 

warten muss: der enge Zusammenhang mit dem Yorhiergehenden 
macht es leichter, da jenes unzweifelhaft interpolirt ist, auch diese 
Paragraphen mit in dasselbe Schicksal hineinzuziehen. Sehen wir 
uns aber den Inhalt dieses Stücks genauer an, so finden wir doch 
auch manches Bedenkliche : der Vf. spricht von der Stimme, von der 
Beredtsamkeit des Aesch., der er trotz des scheinbar entgegenge- 
setzten Tones in 337, in 338 ff. ein hohes Lob ertheilt. Stellen wir 
aber diesem die andern Stellen entgegen, in denen Dem. von der 
^Redegabe seines Gegners spricht, so finden wir nirgends eine solche 
irgendwie lobende Anerkennung derselben von Seiten des Dem. 
Diese Behauptung mag wunderbar erscheinen, da Dem. so häufig 
Gelegenheit nimmt, von der Stimme des Aesch. zu sprechen; aber 
prüfen wir die Stellen. £s ist zweieriei, was Dem. an der Redegabe 
des Aesch. hervorhebt, einmal die weitschweifige Art des Redens des 
Aesch., welcher gewöhnlich von den fernsten Ursprüngen eines 
Dinges beginnend in grossem Wortschwalle die ganze Geschichte 
desselben giebt. Es ist sodann die laute, durchdringende, schreiende 
Stimme des Aesch. , mit der Frechheit , Unverschämtheit so leicht 
yerbunden ist. Von der ersten Art sind o» xaXoi ixetvo^ xal gia^ 
xQol loyoi 1 1 , die nur ironisch verstanden werden können. 23 svdo-- 
xtfAtSv d^ inl TovToig Blxottog xccl doxcSv xal QijrtoQ aQ^atog 
eivai, — ist gleichfalls ironisch, wenn diese Ironie auch ebenso sehr 
gegen die Athener, wie gegen Aesch. gerichtet ist. Denselben Sinn 
hat auch 254 wo Dem. sagt, dass Aesch. eher at^Aatog ^ Xoyov (i€- 
Tadovvai würde: er liebt es eben, alles was über eine Sache über- 
haupt zu sagen auch wirklich recht gründlich darzulegen. - 303 ist 
der Ausdruck o Tovg (laxQOvg xal naXovg Xoyovg ixalvovg dtj^ 
fifjyo^mp wieder ironisch zu fassen: gerade durch das (laxQovg 
schildert Dem. den Aesch. so gut. Dieser Tadel, der in allen 
diesen Stellen des Dem. — denn man darf jedenfalls diese Eigenschaft 
eher mit diesem als mit dem Namen Lob bezeichnen — dem Aesch. 
gemacht wird, findet in den Reden dieses seine volle Bestätigung, 
der selbst immer von seinen Reden vor Phil, sagt, er habe Alles bis 
auf den Grund erörtert, und in den uns noch erhaltenen Reden 
gleichfalls dieser seiner Neigung folgt. Vgl. Aesch. de f. 1. 38, wo 
er voll Selbstbewusstsein sagt Xtf(ag yäq ovdiv rwv ivoptwy dneXv 
cog ye oli^ai naqiXmov, Aehnlich heisst es 101 : tag dh oidslg 
vniq täv (leylatiav ifii/APfitOj äXld nsQl nQaygjLatoov iXa%- 
xovoav T'qv ötaTQiß^v inoiovvto elnov iyia Xoyovg, ovg ayay- 



- f 



— 120 — 

xaiov iar^ TCQog Vfi&g ^fi&^va$ : und nun folgt eine lange Reca- 
pitulation seiner vor Philipp gehaltenen Rede, wie er auch seine auf 
der ersten Gesandtschaft yor Philipp gehaltene Rede sehr ausfuhrlich 
25 — 33 wiedergieht. 

Was den zweiten Punkt, die scharfe durchdringende Stimme 
betrifft, so gehören hierher SteUen wie 23. 126. 199. 239. Das 
ißotav 23 hat allerdings wenig beweisendes; 126 heisst er d <fo^eg 
xal deipog ovrog xal svfpoavoq und Niemand kann hier auf den 
Gedanken kommen, dass Dem. wirklich seinem Gegner ein Lob er% 
theilen wolle. Nichts anderes als die schlaue Frechheit desselben 
wird hier characterisirt, der es wagt, inmitten des furchtbarsten Un- 
glücks, welches der Vaterstadt selbst droht, offen in das feindliche 
Lager zugehen. 199 vtal zotavta avvsidiig avtfo nsnQayfkiy^ 
o axad'aQfcog ovxog toXfiijaei ßliTte&y elg v^kag xal tov ßsßtto^ 
(isvov avTM ßiov avvixa d^ 'ftaX* iqat Xaiknq^ t^ <f(av^: ist 
hierin ein Lob erhalten? So wenig wie dort. Es. ist wieder die 
Frechheit, welche hier geschildert werden soll, die es wagt, im Be* 
wusstsein der schwersten Schuld von der Reinheit seines Lebens 
mit lauter tönender Stimme zu reden. Dieses XafinQ4 ^0 (ftavfl 
findet in dem unmittelbar fojgenden 239 seine ErklSrung durch des 
Dem. eigene Worte, der, die Bruder des Aesch. auf dieselbe Stufe 
mit diesem stellend, sie (AeyaXoqfmvo^ xal äyaiöeig nennt: das ist 
die wahre Uebersetzung des ironischen evtpoivog. Und ganz ent- 
sprechend ist die Behandlung desselben Gegenstandes in der Rede 
de cor.; vgl. 127: ina^d-itg Xoyovg noqiaaad^t ägneq iv tga- 
yioditf ßowrta — • 132: ßocoi^ 6 ßatfxavog ovTog xal xbxqo* 
ytig — . 259: inl rta gjbijdiya noinovs tfiXixovt* iXoXv^ak 
<t€fivvy6fiivög {xal syoDys PoiAlica ' (i^ yaq oi$a^^ avrov (p&sy- 
y€(f&a^ (i€P oVTto (liycc, dXoXv^stp d* ovx vniqhxiiTHOv) — » 
280 : iaxi S" oi% 6 Xoyog tov iijrogogj Aloxivrjy lifAiov, ov6^ 
6 TOPog %^g qxovijg — . 285: svipwvov oPra — . 291: indqag 
T^v (füiv^v xal yey^&iog xal XaQvyyiiwp — . 308: q^vwq 
i^aiq)vijg ix vi^g ijavx^ag cigneq nvevin»' i^äv^ xal neipava- 
axi^xtig xal avpsiXoxfog ^ijfAata xcd Xoyovg ovPeiQst Tovrovg 
0a(piüg xal dnpevffTl — . 313: Xa^nqoipißvd%aTog ikPf^iiovium- 
vatog vTtoxQtt^g aQKfrog %qayix6g G^oxqiyiig — • Damit stim- 
men dann endlich auch die Worte 130 überein: otpe ydq mne — 
oifji Xiyw; x^^^ f*^^ ovv xal nqta^v a^ "^A^fjvatog xal ^^twQ 
yiyovsv — . 



— 121 — 

Dieser BehandluDg der Rednergabe des Aesch. von Seiten des 
Dem. tritt nun die derselben Eigenschaft von Seiten des Interpolators 
im schroffsten Gegensatze gegenüber. Er hat die feine Ironie des 
Dem. offenbar nicht verstanden. Es ist aber nicht blos die Stelle 
337 fr., welche hier in Betracht kommt, es ist ebenso das Stück 201 ff., 
in welchem der Vf. Gelegenheit nimmt, die Redegabe des Aesch. zu 
preisen, vgl. 206 tlya di (p&iyyead-ai fifyiaiov anavuav xai 
(Saq>iiSta%* av elnetv 6 t* ßovXono tj qi(av^; Aloxivqv olS* 
6z^ tovtovl. 208 fUytatov q)d'€yy6(ieyot. 216 si xaXöv xai 
l^iy* ouTog (p^iy^^ai. Welch anderer Character in diesen Er- 
wähnungen der Aeschineischen Rede und in jenen! Man hält in der 
That den Dem. für zu bescheiden, wenn man ihm solches Lob seines 
Gegners zutraut: denn man beachte, wie demüthig Dem. jn allen 
diesen Stellen dem Preise des Aesch. eine Herabdrückung des eigenen 
Werths gegenüber stellt: 206 %iva d^ ovto^ ^iy aToXfiop ual 
dsiXov nqoq %ovq oxXovg fpadlv stva^ iyco d^ evXaß^; i^kL 
208 Tov Kai aToXfjborcitov ndvxoav ifxov xai ovdsvoq [lei^ov 
q>'d'€yyO(Aivov» 216 cl fpavXov iyd (sei. q:&4y^ogjLai). Ein solches 
Verfahren liegt dem Dem. völlig fern , ja es ist geradezu seiner un- 
würdig. So spricht er voll Selbstbewusstseins und doch bescheiden 
de Cherson. 68 : iyw di &^avg fisv xal ßdeXvQog vtal dpaid'^g 
ovT^ etfil (Ai]t€ yevoififiVj ävÖQSiOTeqov iiivxoh noXkäv navv 
%&v hafißcig noXiiBVOi^ivoav naq^ vgitv ifiavior ^yovfia^. Im 
vollsten Gefühle seines eigenen moralischen Werths, der Nichtswür- 
digkeit des Aesch. gegenüber, betrachtet er die eigene freimuthige 
Anklage nur als Zeichen seines lautern Gewissens, während des 
Aesch. Gebahren, der trotz der schweren Schuld seines Bewusstseins 
dem Ankläger und Richter noch ins Gesicht zu sehen und zu sprechen 
wagt, von seiner schamlosen Frechheit Kunde giebt. 

Jenen Stellen nun des Interpolators, in denen die Redegabe ein 
aufrichtiges Lob erhält, tritt 337 ff. durchaus an die Seite. Aller- 
dings ist sie geschickter gehalten, als jene plumpen Lobpreisungen; 
aber es ist ebenso wie dort ein aufrichtiges Lob der Redegabe des 
Aesch., welches sich eben dadurch als undemosthenisch^rweist. 
Den Uebergang zu diesem Stücke erzwingt sich der Vf. offenbar 
durch die Schlussworte 336: t^v äXlmg iprav^^ inaqst ri^p 
tpwp^y xal nsqxavaaxfixdg eavatj worauf er dann 337 fortfährt 
nairot xal neql %^s tp^v^g l^oag elnetv avdyxti. Auch 337 
bietet eine selbständige literarische Notiz, die aber ebenso wenig 



— 122 — 

aufTallendes hat» als die yereinzelte historische Nachricht 331 . Do- 
bree hat zuerst die hier sich findenden Worte (ivqC eX^^^aazat xaxd 
sehr glücklich mit denselben Worten 314 verglichen und eine Be- 
ziehung des Dem. schon an dieser Stelle 314 auf ein Stück, in dem 
Aesch. als Schauspieler auftretend dieselben zu sprechen hatte, be- 
hauptet, lieber Aesch. als Schauspieler vgl. Arn. Schaefer 1, 213 ff. 
Dem. ergiesst mehrmals seinen Spott über des Aesch. mimische Kunst ; 
nach de. cor. 242 war Aesch. auch, als er den Oenomaus darstellte, 
ausgepfiffen worden, wie er überhaupt durchaus keine glänzende Lauf- 
bahn in dieser Kunst aufzuweisen hatte. Hier spielt der Yf. ohne 
Zweifel aul die Worte [ivgi* slqyaava^ xaxd an, welche Aesch. in 
einem Stucke, welches hier durch rd @vi<Sxov xai t&v inl Tqoia 
characterisirt wird, zu recitiren hatte, und bei dieser Gelegenheit 
kläglich durchfiel. Nehmen wir an, dass dieses Wort zum geflügel- 
ten, zum Sprichworte geworden war, wie die Anwendung derselben 
auch von Dem. selbst 314 zu ergeben scheint, so konnte dasselbe 
nebst seiner Veranlassung sehr wohl unserm Vf. noch bekannt sein 
und er bringt diese seine Kenntniss hier an den Mann. Unpassend 
scheint das ix %üv d'sätQ(oy : denn sicher darf man bei dem hier 
erwähnten Factum nur an Einen, nicht an einen öfter statthabenden 
Fall denken. Ferner unpassend scheint 338 auch das TtQog d' 
vfjbäg Ixsov entgegen dem vniq vfiiSp {ipqovi/iiA sxovta fi^ya), da 
mit dem ngog vfiocg Xdov doch nichts anderes gesagt wird, als in 
dem dixahov schon ausgedrückt ist. Die Worte syd OiXtnnov 
(Asy ovx id'avfjtaaaj Tovg d' alxfAai'Oii^ovg id'av(Aa(fa müssen 
jedenfalls auch als unpassend bezeichnet werden. 

Sehen wir uns nach der Veranlassung um, weshalb unser Vf. 
dieses Stuck eingefügt hat, so glaube ich dieselbe in Aesch. Anfangs- 
worten og iroXfififfs naQaxeXevifatf&a^ ngog äpÖQccg d(A<a(ji,ox6- 
tctg täv dvvidixmv ofkoloag äfjbtpov^Qcop dxovifsad'at rijv tov 
xi,vdvv€vovxog ^tap^p fi^ ino/xspetp zu finden. Der Vf. glaubte, 
dass Aesch hier auf bestimmte Worte des Dem. anspiele, während 
Aesch., seiner gewohnten Manier entsprechend, die Worte des Dem. 
sophistitch zuzuspitzen, nur auf die bei den einzelnen ngoxara" 
l^xpetg hingeworfenen Warnungen desselben, die Entschuldigun- 
gen des Gegners nicht anzunehmen, Bezug nehmen wird. Aber 
selbst wenn jene Worte des Aesch. auf einzelne entsprechende 
Worte der Rede des Dem. tvsqI Tro^aTr^ . hinweisen, so sind zunächst 
selbst in dem Stücke 337 — 40 keine, welche in Wirklichkeit den 



— 123 — 

Aescbiaeischen entsprechen und ferner wurde uns nichts hindern, 
hier eine Beziehung des Aesch. auf Worte des Dem. anzunehmen, 
die in der uns überlieferten Form der Rede des Dem. sich nicht 
finden. Was diesen Punkt betrifft, so finden sämmtliche Anspielun- 
gen des Aesch. auf Worte des Dem., die sich in Wirklichkeit in 
seiner Rede nicht finden, ihre genugende Erklärung einerseits darin, 
dass Aesch. ßehauptungen und Anführungen des Gegners sophistisch 
zuspitzt und vergrössert , anderseits aber ohne Zweifel Dem. auch, 
nicht sclavisch sich an den Text seiner ausgearbeiteten Rede haltend, 
manche Zusätze oder Aenderungen sich erlaubt bat, wie Plutarch dieses 
ausdrücklich berichtet. Für unsern Vf. aber können jene Worte 
des Aesch. immerhin Veranlassung gewesen sein, die (fwy^ desselben, 
die auch von Dem. vielfach erwähnt wurde, jedoch in einem andern 
Sinne als der Vf. annimmt, zum Thema einer besonderen Erörterung 
zu machen. 

Der zwingende Grunde weshalb das im Ganzen geschickt abge- 
fasste Stück 327 — 40 auszuwerfen ist, bleibt die Stellung desselben, 
welche jedem rhetorischen Gesetze widerspricht: der Zusammenhang 
des Schlusses, den wir in 315 fr. haben, wird völlig durch dieses 
Einschiebsel zerrissen. Hinzukommt dann, 'wie bemerkt, der Wi- 
derspruch in der Auffassung der Redegabe des Aesch. hier, sowie in 
den übrigen interpolirten Stücken der Rede und in der ganzen übri- 
gen Rede des Dem. Erleichtert wird die Athetese des Stücks da- 
durch, dass es sich eng an Stücke anschliesst, die sich auch durch 
ihren Inhalt als entschieden undemosthenisch kennzeichnen, obgleich, 
wie bemerkt, auch jenes Stück selbst nicht ohne Merkmale einer 
fremden Hand ist. 

In Bezug auf die Auswerfung von 329 — 36 stimme ich mit Otto 
Haupt überein in Fleckeisen's Jahrbb. 83, 600 ff. 1861, der, über 
die Interpolationen in Dem. Rede von der Truggesandtschaft spre- 
chend, ausser jenen Paragraphen auch das Stück 315—28 athetirt. 
Aber seine Gründe sind wenig bedeutend. Wenn er sich zur Er- 
weisung der Unechtheit der Stellen auf die Uebereinstimmung ein- 
zelner Worte stützt, so ist dagegen zu sagen, dass solche einzelne über- 
einstimmende Ausdrücke durchaus gar nichts beweisen. Allerdings 
haben auch wir in den fürinterpolirt gehaltenen Stücken die Ueberein- 
stimmung der dort sich findenden Ausdrücke mit denselb^ anderer 
Theile der Rede nachzuweisen und zusammen zu stellen gesucht, 
aber nur dadurch erhielt dieses Moment seine Bedeutung, dass es 



— 124 -- 

sich hier nicht um vereinzelte Worte handelte, sondern um eine 
Compilirung ganzer Satze und Paragraphen in fast ununterbrochener 
Aufeinanderfolge aus den Gedanken und Ausdrucken anderer Theile 
der Rede. Ausserdem wird gerade eine dvainsipaXaiodffig^ wie wir 
sie vor 315 annehmen müssen, am wenigsten vermeiden können, 
da sie sich um dieselben Thatsachen dreht, welche in der Rede selbst 
behandelt waren, hier und da im Ausdrucke an die früheren Aus- 
führungen zu erinnern. Und doch sind die Zusammenstellungen 
Haupts so unbedeutend wie möglich. Dass 315 und 135 sowie 12 
die Friedenshoffnung sowie die bedrängte Lage Philipps geschildert 
wird; 319 und 84 der Auszug Philipps an die Pylen; 321 und 69 
die Rede der makedonischen Gesandten; 322, 52, 123 die phokische 
Angelegenheit; 326 und 87 die Besetzung Euboeas ; 327 und 111 
die Aufnahme Philipps in den Amphictyonenbund erwähnt wird, 
beweist doch absolut gar nichts. Wie oft spricht Dem. von der 
Bestechung des Aeschin. : sollen alle diese Stellen bis auf eine unecht 
sein? Von wirklich übereinstimmenden Ausdrücken bringt Haupt 
nur vor: 315 xsxXsifAipoav tcop ifinoglcop vgl. mit 153 xleiasiv 
ra ifknoqia. 320 rQonaiov an avx^v «itfr^x«* vgl. mit 148 
TQonaiov €i(fTtjii€t. 324 Iva ndv&^ oo*' av ßovXcavtai vofAi- 
tfavteg vndq%siv ag>l(fi (ifidiv iavriov tpijq)la(ovtai vgl. mit 
51 tva S ißovXead'B oiofievot nQcc^eiv avxov intidiv ipavrlov 
tpfl(pi<ratad'^ avtm, 325 ^0QX0[A€v6y xal Koqfaveiap ^xovttctrs 
^ydQanodiOfAipag vgl. mit 112 tov di ^Oqxofievdp xal t^v Ko- 
qdvshav nqoqe^i^väqanodiüTai, Aber auch diese wenigen Ueber* 
einstimmungen einzelner Ausdrücke beweisen nichts. Wollte man 
durch Sammeln solcher einzelner wiederkehrender Worte und Aus 
drüche in den Reden des Dem. Material suchen zur Verdächtigung 
von Stellen und Partieen, so würde keine Rede und kein Theil einer 
Rede unverdächtigt bleiben. Denn Dem. scheut sich durchaus nicht, 
denselben Ausdruck zu gebrauchen, wo ihm derselbe der passendste 
zu sein scheint; aber solche Wiederholungen von Seiten des Dem. 
selbst characterisiren sich so, dass sie jedesmal frei wieder geschaffen 
und gestaltet werden und daher stets der Sache, welche durch sie 
dargestellt wird, entsprechen, während die Wiederholungen |in den 
interpolirten Stücken sich durch mühseliges Zusammensuchen ver- 
rathen, wobei es dem Vf. nur darum zu thun ist, einen einigermassen 
entsprechenden Ausdruck zu finden: ob der Gedanke voll und ganz 
hier seinen Ausdruck erhält, ob er klar und kräftig hierin dargestellt 



— 125 — 

wird, darum ist es dem Yf. weniger zu thun. Er glaubt, indem er 
den Ausdruck dem Dem. selbst entlehnt, derselbe müsse nun auch 
unter allen Umständen für seinen Gedanken passen. Wollen wir also 
die Yerschiedenheit im Gebrauche derselben Ausdrücke von Seiten des 
Dem. und von Seiten des oder der Interpolatoren angeben, so ist zu sa- 
gen dass der Gebrauch derselben Worte, Ausdrücke, Redensarten an 
mehreren Stellen an und für sich nichts beweisendes gegen die eine der 
Stellen als nicht Demostheniscb enthält; dass es vielmehr auf das sich 
nicht decken von Ausdruck undGedanke ankommt, welches gegen die 
' Echtheit einer Stelle beweist. Und gerade nach dieser Seite hin haben 
wirdie Mangelhaftigkeit jener interpolirten Stücke erkannt. 0. Haupt 
hält auch 25—30, 91—101, 177- 86 für unecht, aber ohne Gründe 
anzuführen. Seine allgemeine Angabe, dass in keiner Rede sich so- 
viele Wiederholungen finden, ist allerdings richtig, weil grosse Stücke 
intefpolirt sind , welche zum Theil in solchen Wiederholungen be- 
stehen; anderseits aber selbstverständlich, da nur wenige historische 
Facta für die Klage in Retracht kommen, welche^ nach allen Seiten 
gewendet, ihre Wiederholung nothwendig machen. Sie sind aber 
kein Reweis für die Unechtheit der Stellen , an welchen eine schon 
früher erwähnte Thatsache wieder berührt wird. 

E^ bleibt uns nun noch übrig zu untersuchen, ob denn das 
Stück 315— 28, 341—43 — also nach Ausscheidung von 329— 40 — 
wirklich einen passenden Abschluss der Rede bildet« Im Allgemeinen 
habe ich schon oben über 315 ff. gesprochen, um Spengels Urtheii 
zurückzuweisen. Hier ist es nothwendig, den Gedankengang auch 
im Einzelnen zu verfolgen. 

Nachdem Dem. in den Worten ßovXofiai toiuvv viitp insX- 
d-ttv enl KEtpaXaiwv den Reginn der ävaxBtfaXaioadig angekün- 
digt hat, stellt er in den Worten ov jqonov xareTtoXiTsvaavo 0i- 
XiTinog nQoqXaßiiiv Tovtovg tovg d-eoZg ix^QOvg den Gesichts- 
punkt fest, unter dem er jene vorbringen, das Thema, welches er 
* ausführen will. Dieser zQonog wird sofort napv d^ a^iop i^s- 
tdaai xal d'sdaaad^ah t^v dndtf^y oXijv als andt^ characteri- 
sirt. In kurzen Worten schildert Dem. sodann die Lage Philipps, 
welche ihm den Frieden wünschenswerth macht: daher Tovg %d 
(fiXccV'd'QcoTta Xiyovzag ixelvovg dnidxeiXev vniq avvov top 
NeoTtToXsfiop top ^AQKftodijfiop top KT^(fnf(iivTa, Und nun 
wird sofort zu Aesch. übergegangen: iTteiäij ä* ^X&ofisp wg av- 
TOP ^[ittg ol nqiaßeig igiiad-eoffaTO gjbip tovtop ev&eong — j um 



— 126 — 

den Frieden zu yermitteln. Nachdem Phil, diesen Zweck mit Hülfe 
des Aesch. erreicht hat, geht er an die Vernichtung der Phoker: in 
kurzen Zügen zeigt Dem., welche Schwierigkeiten das für ihn hat 
und wie leicht anderseits den Athenern es war, die Phoker zu retten, 
wie schon einmal geschehen war. üwg ovv ^x€ xpsvaofiat ipa- 
V€Q€og, so geht Philipp mit sich selbst zu Rathe^ (MJt* inoqxeTv 
do^ag ndv^^ a ßovXo^ai dianQci^Ofuxi ; Ttwg; ovtfag* &v 
^Ad'VjvalfßV Tiväg svqoa tovg ^Ad'fivaiovg i'^anaxriöovtag. ravtfig 
yäq ovxit^ iyd tijg aicfxvp'fjg xfjkQovofico. Kann die ganze Ver- 
ächtlicbkeit des Aesch. schärfer und schneidender characterisirt 
werden? Phil, scheut sich zu lügen und zu betrügen: Athener finden 
sich Tovg ^id^^valovg i^anav^ifoweg; sie nehmen für ihn die ai- 
(SXvvfi auf sich. So bewirken sie, dass der Friede avsv Otaxioav 
geschlossen wird. Aber damit war Philipp noch nicht am Ziele: 
fj eig zag IlvXag ßatjO-sta musste gehindert werden: xig xix^fj 
naX^v av y^vijffsTai nsQl tavrijg; die gefügigen Helfershelfer 
sind wieder bei der Hand. Und weiter: aXXä xal nKftevaai^ (2>a>- 
xiag idst OiXijtnM xaX kutovxag ivdovvai^ Iva ^tfjdelg XQ^^^^ 
iyy^pijtai Totg Ttqdyiuxai (Ai]d^ ivccytiov sX&ji xpi]^Kf(Aa naq^ 
Vfioop fiijdiv: seine athenischen Diener müssen wieder bewirken 
(aate xal tX tig ifiol öianionX tovroig moteviSag iavzov 
j/X^^^ieT. So schliesst Dem. tovxov top tqottop xal roiamaig 
T^X^aig vno tiop xdxtat^ aTroXovfiipcop äpd-QooTKOp navxa %ä 
TtQayfjbata aTtciXeto. Und nun wird den Versprechungen des 
Aesch. noch einmal in ausführlicher Anführung aller Einzelheiten 
das gegenübergestellt, was in Wirklichkeit eingetroffen ist 326 f. 
Endlich wird 328 der ganze Erfolg zusammengefasst aal ydyopep 
tä nqc^iAaxa ndpB'^ wgneq äivtyfAa rj[ noXst. Philipp hat 
nicht gelogen und doch Alles erreicht, was er wollte; ihr habt das 
Gegentheil von dem erreicht, was ihr hofftet, und wähnt jetzt in 
Frieden zu sein, obgleich ihr äetpoteqa ^ noXsfiovpteg nertopd-a-- 
T6j diese endlich die Schuldigen , welche alles dieses herbeigeführt 
haben, XQV(*^^^ /^oi;(r*v inl tovroig xal [i^XQ^ f^^g trjficQOp 
^fiigag dixt^p ov dedoixattip. Das Ganze ist mit einer vollendeten 
Kunst verfasst, jedes Wort ist wahrhaft künstlerisch gestellt und von 
treffendster Wirkung. 

Wir müssen noch einen Augenblick bei diesem Stücke ver- 
weilen. Dem. hält den Zeitpunkt, von welchem aus er in der Rede 
selbst den Anfang der Bestechung des Aesch. datirt, fest und beginnt 



— 127 — 

Von hier aus die Erzählung seines « Verfahrens. Er geht also von 
der ersten Gesandtschaft aus, auf der er die Bestechung des Aesch. 
annimmt, obgleich er dieselbe erst bei der Friedensverhandlung sich 
zeigen lässt. Er geht von jenem Zeitpunkte bis in die unmittelbare 
Gegenwart herunter, die er 325 — 28 schildert. 

Stellen wir nun, da die dpaxeq^aXaiooifirg eine Recapitulation 
der ganzen Klage sein soll , eine Vergleichung des hier Gegebenen 
mit der Partitio und der Ausführung ihrer Theiie an, so finden wir ^ 
allerdings eine sehr starke Hervorhebung einzelner Theiie auf Kosten 
anderer in diesem Stücke.' Es ist ganz besonders der Doppelpunkt 
des anayyiXXiiv und Ttsi&eip, dessen Resultat die Vernichtung 
der Phoker war, welche Dem. in der apax€(fakal(0(fig betont. 
Daneben aber natürlich der Punkt V, das daga xal fA^ad-ovg Icc- 
ßetpy der sofort 316 in den Worten ifitod-oitfaro (ikv tovtop 
sv^icog an die Spitze der ganzen Erzählung gestellt wird und in 
dieser selbst nur die Ausführung erhält. Sehr zurück tritt dagegen 
der Punkt III {wp nQogeTcll^ccT* orvrw 4) und das geschieht mit 
voller Absichtlichkeit : denn dieser Punkt ist am wenigsten begründet, 
weshalb denn auch Aesch. denselben gerade zum Stützpunkte seiner 
Vertheidigung macht. Dem. spricht allerdings 322 f. von dem 
Aufenthalt der zweiten Gesandtschaft in Makedonien, aber er hütet 
sich, von dem zu sprechen, was er im Verfolg des V Punktes 150 ff. 
den Gesandten vorgeworfen hat, sondern hält auch hier die Rücksidit 
auf die Phoker fest. Punkt IV dagegen {tcop xqopcop 4) findet 
gleichfalls 323 f. seioe Berücksichtigung, tritt aber ebenso wie in 
der Klage selbst nicht besonders hervor. 325 — 28 schildern im 
Gegensatze zu der Erzählung von dem Verfahren des Aesch. die 
Resultate seines Handelns selbst: sie geben den Inbegriff seiner 
Schuld. Und entsprechend dem eben befolgten Plane, nur das 
wirklich Gravirende zu geben, auf den Verlust der thrakischen Plätze 
den Dem. 150 ff. dem Aesch. Schuld giebt, nicht einzugehen, 
stellt er die Verhältnisse in Phokis und Theben den Athenern vor 
Augen, indem er den einstigen Versprechungen des Aesch. die wirk- 
lichen Ergebnisse vergleicht. So müssen wir sagen, dass das Stück 
315 — 28 einen mit vollster Absichtlichkeit festgehaltenen Plan ver- 
folgt und eine durchaus innerlich abgerundete Einheit bietet, ich 
habe schon oben über das Stück 329 ff., welches der Interpolator 
hier angefügt hat, gesprochen. Nach Kennenlernen von 315 — 28 
muss aber hier noch dem oben gesagten hinzugefügt werden, dass 



— 128 ^ 

auch darin der volle Gegensatz yon 329 ff. zum vorhergehenden sich 
erweist, dass Dem. 315 ff. Schritt für Schritt der Zeit folgt bis zur 
unmittelbaren Gegenwart, während 329 ff. plötzlich in allgemeiner 
Betrachtung ein zeitloser Standpunkt eingenommen und sodann 
wieder in die Vergangenheit zurückgesprungen wird. 

Ich lasse es unentschieden, ob der Interpolator beabsichtigt hat, 
329 — 40 dem Stücke 315--28 anzufügen oder an Stelle desselben 
zu setzen: mir scheint das erstere wahrscheinlicher, da die Worte 
OTi, yotQ ravxh^ anlag dedanQodoxfjptat sich den vorhergehenden 
Worten ovrot di XQVl*^^^ b%ov0iv ini zovtoig xat (i^XQ^ ^^ 
z'^fieQOP riiiiqag dinfjp ov dedcixaaip unmittelbar anzuknüpfen 
scheinen. Doch erscheint als Moment hiergegen der Umstand, dass 
der Vf. 334 in der Aufzählung der einzelnen von Aesch. verschuldeten 
Thatsachen eine Wiederholung der von Dem. 325 f. gegebenen Punkte 
uns bieten muss, denen er dann die auf Thrakien sich beziehenden 
Punkte hinzufugt, die er ohne Zweifel von Dem. falschlich ausge- 
lassen hält, die dieser aber wohlweislich a\isgelassen hat, weil sie ein 
sehr schwaches Moment der Klage bilden. 

Es fragt sich nun aber noch, ob 341 — 43 sich passend an 328 
anknüpfen und ob sie einen genügenden Abschluss der ganzen Rede 
geben. Zunächst muss hervorgehoben werden, dass eine Anknüpfung 
von 341 an 340 absolut unmöglich ist. Es ist zuletzt von der 
Stimme des Aesch. die Rede gewesen und die Richter sind gewarnt, 
von derselben sich nicht bestechen zu lassen. Wenn es nun 341 
heisst ovi de ov [lorop xa%ä T&XXa — üVfMpeQsi tovxov tiXia- 
xivai — so fragt man billig: welches sind TuXXa? Dagegen weist 
der Schluss 343 ganz bestimmt auf 325 — 28 als unmittelbar dem 
341 vorhergehend hin. Wenn es im Schlusssatze heisst oiks yccQ 
TtQog do^ap ovte nqog svtfißeiap ovze ngog dcq^äXsiav oiks 
nQog aXX* ovdiv Vfitp <fvfb<piQ€i tovtov ä(p€tvai — so ist der 
Gesichtspunkt der &a(pdXeia allein in 341 ff. erörtert: von der do^a 
und svaißeia ist keine Rede gewesen. Diese beiden Punkte sind 
offenbar in 325 f. und 327 erörtert. Die Erzählung des Yeifahrens 
des Aesch. wird in den Worten 325 toStop tov tqonoP tcal tot- 
avtaig lixva^g vno rcSv xdxKft^ anoXov^ipanv avd'qmnmf 
Ttapza %ä ngayfiav^ änciXeto abgeschlossen : Dem. zieht jetzt aus 
der unmittelbaren Gegenwart, die sich auf Grund jenes Verfahrens 
des Aesch. gestaltet hat, die Folgeruogen für die Richter. Zunächst 
wird 325 f. die wirkliche Schädigung ihrer Macht ihnen vorgeführt: 



— 129 — 

sie müssen stets auf der Lauer liegen, Philipp bedroht sie von allen 
Punkten, bei jedem geringsten Anlass müssen sie die Hand am 
Schwerte haben, weil Philipp ihnen dadurch , dass Phokis in seiner 
Gewalt, Theben ihm verbündet ist, über Nacht auf den Hals kommen 
kann. Dieses ist ein erniedrigender Zustand für die Athener: ihre 
So^a allein verlangt also schon, dass sie Schritte dagegen thun und 
durch Bestrafung des Aesch., von dem sie sich haben an der Nase 
herumführen lassen, ihre dd^a einigermaassen wieder restituiren. 

Mit 327 aber nimmt Dem. einen ganz andern Standpunkt ein: 
es sind sämmtlich religiöse Momente, die er hier vorführt: äpzl di 
toi TU nccTQt^ iv TM IsQfa xaTa<frad'^vai^ xal tcc xqiqiiat^ slg 
nqaxd-fivai, rw ^€« oi (isy ovxsg l^fKpt^XTVOVsg q)€vyov(fi xal 
i^sXijXapTai, xal ävadtatog aitäv ij X'^g« ydyovsVy ol 6^ ov- 
TtfinOT^ €v Tip TtQOifd'SV /^oVm y6v6fJb€POi Maxedopsg xal ßdq- 
ßaQOi PVP ^AiAtp^xTVOPsg efpai^ ßid^opvai, idp de t*$ nsql TiSp 
IsQoop xqniiAaTfAP fAPfiad"^' xaTaxqtifipi^srat. iy noXig de t^p 
nqofjbapTeiap ätf^qfiTa^. Ich glaube, man wird nicht zweifeln, dass 
hier der Gesichtspunkt der svaeßsva erörtert wird, den Dem. aus- 
drücklich 343 fin. nennt. 

Diese beiden Punkte der dota und evffsßsia haben das mit 
einander gemein, dass sie der unmittelbaren Gegenwart gehören. 
Sie knüpfen sich der Schilderung der Vergangenheit 315 iL passend 
an. Dem. schliesst 328 die Schilderung der Vergangenheit und 
unmittelbaren Gegenwart ab: die erbärmliche Lage der Stadt 
ist den Athenern wie ein geheimnissvolles Räthsel, wie ein unsicht- 
bares Netz übergeworfen. Philipp hat kein Wort der Lüge nöthig 
gehabt und hat doch Alles erreicht: die Athener haben von Allem 
was sie erhofft das gerade Gegentheil erlangt; nun träumen sie im 
Frieden zu sein und doch befinden sie sich in einem Zustande, der 
schrecklicher als der Krieg, omot di xqrniav^ sxovtfip inl tov- 
TOig xal iiixqi Trig T'^fAeqop ^(xiqag dlxfjp ov dsddxaü^p. 

Der Ton dieses Stückes wird mit jedem Worte ernster und 
schwerer. Auf die Schilderung der kläglichen Machtverhältnisse 
Athens folgt die der religiösen Einbussen, die schon durch ihren 
Inhalt den vollen Ernst der Stimme herausfordern. Wenn nun 328 
Dem. in furchtbar schneidenden Gegensätzen die Lage Philipps, die 
Lage Athens geschildert hat und nun, auf die Gesandten weisend, die 
Worte hinzufügt: ovtoi, dk XQVH^^^ sxovtfiv inl Tovvo^g xal 
liiXQ* '^9^ tijfjbeqop ^(liqag Sixfip ov deöciycaiftPj so bedarf es 

9 



— 130 — 

Dach meinem Gefühle hier keiner bestimmten Aufforderung, heute 
die Strafe zu vollziehen , sondern diese Worte fordern die Richter 
dringender dazu auf, als jedes ausdruckliche Wort thun würde. 

Nachdem Dem. mit den Worten ovvoi di XQW^^^ sxovaip 
sjtl TOVTOig xal iii%qi> r^g f^^eqop fiiiiqaq diTCfjv ov dsdoixa- 
(fir geschlossen hat, lässt er seine Stimme einen Augenblick ruhen. 
Er lässt den Richtern Zeit auf den Vorwurf, auf die Mahnung, welche 
in jenen Worten lag, sich selbst die Antwort zu geben : „aber heute 
soll Aesch. die verdiente Strafe empfangen''. Wer sich in jenem 
Augenblicke dieses nicht selbst sagte, für den hätte auch des Dem. 
ausdrückliche Aufforderung zur Strafertheilung nichts gefruchtet. 
Dem. schweigt also einen Augenblick, um den Richtern Zeit zu geben, 
mit sich selbst zum Entschlüsse zu kommen. Und dann fährt er 
mit demselben Ernste 341 fort: ot» d' ov (lovop xarä m 
dXXd xal rä TtQog avtöv %6v OiXinnov ftqdyiicna navzaxfag 
avgji(p^Q€i TOVTOV tiXfaxiva^ d-adtsaad-s. Dem. geht hier auf die 
Antwort ein, die nach seiner Voraussetzung die Richter sich selbst 
gegeben haben: „er muss und wird bestraft werden." xard zccXla 
ist xavd do^av wie er 325 f. und xar' evaißetap 327 und beide 
Punkte zusammenfassend 328 auseinander gesetzt hat. Dem. wusste,. 
dass die Athener für solche ideelle Gesichtspunkte der do^a und eva^- 
ßsia im hohen Grade empfänglich waren; aber er wusste auch nur zu 
gut, dass solche edle Beweggründe doch immer wieder in den Hin- 
tergrund zurücktraten gegen die Neigung, in Ruhe und Behaglichkeit 
zu leben, dass diese bei allen Ueberlegungen stets den Ausschlag gab. 
Und so gebt Dem. denn auf den Gedankengang seiner Hörer ein: 
das könnt ihr auch; ja die Verurtheilung wird euch erst recht ä(f(pd' 
Xaiav gewähren. Beziehen sich die Motive der do^a und svdißeia 
auf die Gegenwart, so gehört das der daipdXaia der Zukunft an. 
In wenigen Zügen wird dieser Gesichtspunkt ausgeführt. Dem. zeigt, 
dass die Verurtheilung des Aesch. unter allen Umständen einen 
günstigen Einfluss auf das Verhalten des Philipp ausüben wird und auf 
alle, die etwa des Aesch. Nachfolger im Verrath der vaterländischen 
Interessen werden möchten. So schliesst Dem. die Rede: oma yäq 
nqog do^av oiks nQog avdißaiav ovta nqög aaipdXsi^av ovta 
ngog dXX' ovdiv v^itv trvfKfSQSi tovtop cupaXvaky aXXä tiijbcd- 
qifl<Scc^ivovg Tiagddaiyfia noi^Cai näai xal %oXg noXhatg xal 
Totg aXXoig "EXXfjffip. Wie gesagt, die Erwähnung dieser drei 
Punkte, der do^a, der svaißaia und der äag)dXa$a^ von denen der 



\ 



— 131 — 

letzte 341 ff. erörtert ist, zwingt uns anzunehrnen, dass jene andern 
beiden Punkte gleichfalls unmittelbar vorhergegangen sind; und da 
dieselben unzweifelhaft in 325 f. und 327 erörtert sind, worauf eine 
Zusammenfassung beider, in der Gegenwart ihr Gemeinsames haben- 
den, Momente in 328 erfolgt, so sind wir schon dadurch genöthigt, 
315—28 unmittelbar mit dem Stücke 341 — 43 zu verbinden. Wer 
aber weiss, wie einfach und ruhig Dem. seine Reden zu schliessen 
pflegt, der wird keinen andern Schluss erwarten oder wünschen. * 
Fassen wir jetzt am Schlüsse unserer Untersuchung die Resul- 
tate derselben noch einmal kurz zusammen, so haben wir zu 
erkennen geglaubt, dass die Rede des Dem. nsgl naqanqeaß,, 
ausser den Worten 149 äXXd irq Jia tovg (fvfi^dxovg ä7t€i>Qfj- 
mivai, (pijaei tw noX^fito und dem wenigstens verdächtigen Para- 
graphen 187, zwei bedeutende Interpolationen erfahren hat 201 bis 
36 und 329 — 40, nach deren Ausscheidung der wahrhaft künstleri- 
sche Bau der Rede in vollster Schönheit zur Erscheinung kommt. 
Die rhethorische Composition der Rede ist danach folgende: 
1 — 3 nQoolfiiop. 

4 — 8 TtQOxccraCnevij : ^^rtiiftg und 5 xetpdXata. 
9 — 16 Ttgoxardtfrafftg. 

17 — 28,29 — 71 erste xavatfxsv^: Punkt I mv anijyj^stXsv, 
Punkt n cov sTteiasv und Punkt IV %<Sp xqovwv, so- 
weit der letztere hier in Betracht kommt. 
72 — 97 erste avadxsvi^. 
98 — 133 zweite xccratfxevij : Punkt V st ädfüQodoxijt(og ^ gi^ 

ndvta Tavra ninqaxtai, 
134 — 149 zweite äyatfxsv^. 

150 — 181 dritte xatatfxevij: Punkt III cwv ngogeva^av^ airto 
und Punkt IV rciv xqovoaVj soweit derselbe hier in Be- 
tracht kommt. 
182 — 191 dritte dvaaxevijj obgleich formell auf die Gesammtklage, 

nicht auf den Einzelpunkt III sich beziehend. 
192—200, 237—328, 341—43 iniloyog und zwar 

1) 192—98, 199 f., 237—40, 241-87 %ö xaza- 
(fx€vd<fai — top dxQoaT^r ftQog tov ivavviov 
(pavXoog. 2) 288—301 av^tiaig. 3) 302—14 
iX4ov ixßoXij. 4) 315—28, 41—43 dvaxs(pa-' 
Xcci(0(fig, 



/ 



Verlag dir WeidmaiiDscheii BachbaDdlang (J. Reimsr) tu Berlin 
Drack t»D W. rormsUflr in Betlin, Heuo OraogtE. 80. 



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